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Jüdische Presse · 1935-02-22 · 8 (22.2.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
8 (22.2.1935)
Date
1935-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novlfiövö v^ölAtöö povoleftö riadit post a teldgrafov? Bratisiave £1»! 41692411* *20 V. b. b. Zeitungen votü Vetiegef ve*־seWfet Jotiriial exp&lte p»f!,Mlteüf m0t^ATßtAVÄ s mmmüim י*וו אדרא* תרצ״ן■ 27. Jahrgang / Nummer S Redaktion und Administration: Wien, 11., Mala* gasse 12 a, T61eßiiöfl A-46-0-15; Töchechoslowakei: Bratl31 ava, Postfach 381 / Erscheint. jeden Freitag / Eedaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei KC 60, Jugoslawien Dinar 160*, da« übrige Ausland Schw. Fr, 14. Einzelnummer äst. Gr. 40, Zahlungen f, ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr, 40.217, Zürich Nr. ־vm4117 ,־,. Berlin Nr. 122.619. ORGnn pür 016 imeRessen Des 0RTH0D0Hen JUDemums *J ' ' Provokationen in Jerusalem. — Die Orthodoxie in Wien. — Was׳ will die Neologie in Ungarn? Ein Hungerstreik. — Dr. Walter Riehl ״arbeitet“. .!Es sind! ,erschütternde Dinge, die aus dem H e i 1 ig e n L a n d e an 'unser Ohr gelangen. In Jerusalem wurde am vergangenen!Schabbos von den Studenten der Universität, die!es nötig gefunden, haben, ausgerechnet am S־chabbos eine demonstrative ,Spazierfahrt zu unternehmen, eine Tat begangen, die nur als Pr ovo kation ■der gesamten orthodoxen J.u de n he i t •bezeichnet werden kann. . Man fragt sich mit Recht: wie lange noch werden׳ diese Gottesleugner an ihren verdiammenswerten Untaten festhalteru? Wie lange noch soll es möglich bleiben, auf dem!Boden von Eraz Jisroel, jenem Lande, das nur kraft g-ttlicher Voraussagung dem.׳ jüdischen ,Volke zugesprechen wurde, offen! und frei, vor den. Augen der staunenden Umwelt, gegen das׳ jüdische Religionsgesetz zu revoltieren!? * •׳•׳-■' Bedarf es nach derartigen Vorgängen noch eines Beweises für die Notwendigkeit d!er Schaffung einer u 11־ abhängigen orthodoxen Gemeinde in Wien? , Der Kampf geht weiter. Die Orthodoxie in Wien . wird von dem Ziel, das sie sich gesteckt diat, nicht ab^ lassen, solange es nicht mit der Hilf e des Allmächtigen erreicht ist. Sie wird nicht ablassen, trotz aller Hinder־. nisse, die ihr in den Weg gestellt werden und . die von parteiegoistischem Interesse.diktiert, sind.. Wir haben im Laufe der letzten Monate die Gründe zur Genüge ausein־ andergesetzt, die die selbstbewußte Orthodoxie dazu ge־ führt und gezwungen! haben, eine selbständige orthodoxe Gemeinde zu erstreben. Wir haben auch bewiesen, daß unseren Gesinnungsgegnern, da sie über. keine gegen uns "sprechenden Argumente verfügen, kein Mittel zu schlecht ist, um es für ihnen Zweck zu heiligen. Jetzt ,wird ein neues Schlagwort ins Kampffeld geworfen. Die Orthodoxio — so will man glauben machen—! sei materiell zu schwach, um eine eigene Gemeinde zu erhalten. Man sollte glauben, gegen diesen Nonsens, nicht einmal polemisieren zu müssen. Eine Orthodoxie, "dielange bevor irgend jemand in Wien daran gedacht hat, eine Scheohitoh, einen systemisierten Religionsunterricht und die sonstigen Bedürfnisse eines religiösen Juden zu besorgen, all diese notwendigen Institutionen geschaffen und unter dem Zwang einer Doppelbesteuerung weiter erhalten und ausgebaut hat, soll, wenn sie in die Lage kommt,•ihre Angelegenheiten selbst zu verwalten, nicht imstande sein, sich zu erhalten? Es-wäre wohl das Einfaohste, wenn die Herren uns dazu behilflich wären, die Probe aufs Exempel zu machen. * In einem Punkt, gleichen die jüngsten׳ Vorgänge innerhalb der ungarischen Judenheit den Verhältndissen •in Wien. In Ungarn ist, wie selbstverständlich auch in den meisten übrigen Ländern der Weit, die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der orthodoxen Judenheit längst■ gesetzlich gesichert. Friedlich lebten Jahr־! zehnte hindurch die orthodoxen: und’ die neologen Gemeinden nebeneinander, bis es den׳ Letzteren jetzt einigefallen ist, daß. auch sie dem Beispiel mancher Geslnnungsgenossen in ,anderen Ländern zu folgen und־ einen Krieg gegen die orthodoxe Judenheit zu ׳eröffnen haben, mit dem Endziel, eine unumschränkte Herrschaft über die Or׳thodoxie zu errichten. Die Herren werden kein Glück haben. Die Orthodoxie in Ungarn wird genau so und noch mehr wie die in den anderen Ländern kein Jota von ihren religiösen Grundsätzen abgehen. 'Sie wird ׳ihre ׳errungene ׳Position bis zum Letzten! verteidigen und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß ihr m. G. H. die Verteidigung ihrer Rechte vollkommen gelingen wird׳. * In Akko sind rund hundert Juden, die wegen illegaler Einwanderung in den Kerker geworfen wurden, in den Hungerstreik getreten. Man ist um ihr Leben ernstlich besorgt, da sie selbst die Aufnahme von Trinkwasser ablehnen Und alle Ihnen gereichten Speisen zum Fenster hinauswerfen. Gewiß, das Recht kann der palästinensischen Man־( datsregieiung -nicht abgesprochen werden, für die Einhaltung der Einwanderungsvorschriften mit den ihr geeignet erscheinenden Mitteln zu sorgen. War es aber auch nötig, durch eine fortgesetzte Hinauszögerung der Untersuchung diesen Hungerstreik heraufzubeschwören? Die Not und das Elend unter den jüdischen Massen in allen Ländern steigen von Tag zu Tag. Ein wilder Antisemitis־ mus bedroht ihre Existenz,., während eine durch jüdische Arbeit und jüdisches Kapital hervorgerufene Prosperity in Erez Jisroel noch unzähligen Arbeitshänden Verdienst geben könnte. Das jüdische Volk bäumt sieh gegen die Einwandenlngsbeschränkungen,׳ soweit sie .über das not! wendige Maß hinausgehen, auf. Die Judenheit fordert, daß eine Einwanderung nach Erez Jisroel in dem Maße zugelassen wird, in dem die Aufnah ms fähigkeit des Landes sie verträgt. * In, W i © n entfaltet 1eine schmutzige a n ■t i s e rai t isehe Phantasie wieder ׳eine Hetzpropaganda gegen die Juden, die dringend1 nach dem Staatsanwalt schreit. Dr. Walter Riehl, den wir unseren Lesern wohl nicht vorzüstelien ■brauchen, veröffentlicht angeb־ liehe ,, Auf Zeichnungen' ‘ eines •'jüdischen Arztes, die dem Juden als h Zu allen Zeiten der jüdischen Geschichte nahm die handwerkliche Betätigung eine bedeutende Stellung im Judentum ein. Schon als die Juden zum ersten Male von Erez Jisroel׳Besitz nahmen, traten sie als ein Volk von Landwir ten und Handiwerk ejn auf. War auch zunächst nur die p r i m i t i v e Art des Handwerks . vorherrschend, so treten doch schon in den Uranfängen spezialisierte Formen der Handarbeit auf, •wir begegnen Juden an Schmelzöfen, in der Metallverarbeitung und in besonders großem Umfange im T öp f e r g e w e r b e. Allmählich lernten die Juden auch die Herstellung von Waffen,־die Gold- und Silberschmiedekunst kam hinzu, und Steinmetze werden häufig in alten Schriften erwähnt. Der Talmud berichtet von den Webern und Schneidern, und aus ihm geht auch hervor, daß im; N ah rungsmitt e-Igewerbe׳Juden vielfach tätig ׳waren. Von der Einschätzung, die das Handwerk im alten Judentum genoß, gibt das bekannte Wort des Rabb.i Jehuda Kenntnis, welches sagt: ״Wenn jemand seinen Sohn kein Handwerk lehrt, so ist es, als ob er ihn zur Straßenräuberei erzöge.“ Rabbi Josua ben Chananja war Köhler, Juda bar Ilay Böttcher, Rabbi Joachanan war ein Schuster und Rabbi Isaak betätigte sich als Schmied. Die Zahl der jüdischen Schriftgelehrten, die ein Handwerk betrieben,, ließe sich noch durch andere Beispiele vermehren, aber schon aus den vorgenannten geht hervor, wie ungemein zahlreich im alten Judentum das Handwerk vertreten war und welche Achtung es genoß. Auch im Altertum finden wir die körperliche Arbeit bei vielen Juden, die handwerkliche Betätigung war außerordentlich beliebt, und kaum ein Handwerk wäre zu nennen, das Juden nicht ausgeübt hätten. Im Jahre 1231, also schon zu einer späteren Zeit, finden wir Juden sehr häufig in der Färberei, und zu der genannten Zeit entschloß sich Kaiser Friedrich II״ die Färbereianstalten in staatliche Verwaltung zu nehmen, wobei er Juden als Verwalter einsetzte. Die Weberei scheint, überhaupt ein Berufszweig gewesen zu sein, in dem sich Juden als Handwerker im Altertum und Mittelalter sehr stark hervorgetan haben. Eingeschränkt wurde das Handwerk unter den Juden zum Teil durch Verbote und durch die Tatsache, daß Juden von den Innungen und-Zünften nicht auf genommen wurden. Ueber die Beteiligung der Juden am Beim Skilaufen Starken ״ , fc!.. Mctfl!lnJtbd1tt1d0A . / Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1, Schottenring 35 Telephon A-12-9-78.; ־ - Zeitgemäße Preise, i; Gesamtausstattungen von . der billigsten bis zur ׳ י feinsten- Ausführung; Beste Referenzen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ' ״Schbmra"-Mitglied. ״!Stürmer“ des Herrn Julius Streicher alle Ehre machen würden. Der ׳Stempel der Lügen׳haf■tigk ei׳t,und der Verleumduhgsabsicht ist diesen ״Aufzeichnungen“ aufger prägt und es braucht nur auf die •anerkannt heirvorragenden Leistungen jüdischer Aerzte hingewiesen werden; um auch schon bewiesen zu haben, daß diese ,;Aufzeichnungen׳‘ der ׳ Lügenphantasie eines Judenhassers entsprungen sein müssen. 'י' Die österreichische Bundesregierung hat in wiederholten Erklärungen den Schutz und d i e G1 e i c hb er ec h t i g u n g der j ü d i s c h e n Be v ö 1 k e r, u ng zugesichert. _ Die wüsten Ausfälle des 'Herrn Dr, Walter Riehl werden daher keine Wirkung tun und können uns unbekümmert lassen. _. / Handwerk in der Neuzeit besitzen wir eine Aufstellung der Posener Handelskammer aus dem. Jahre 1797. Danach waren unter den Schneidern- 923 Juden gegen 676 Nichtjuden, unter den Schlossern 238 Juden und 638 Nichtjuden, Goldschmiede waren 22. Juden und 19 ,Nichtjuden, Mützenmacher 51 Juden und 24 Nicht juden. Dieses Beispiel zeigt, daß bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Juden im Handwerk ungemein zahlreich vertreten waren; Richtig ist allerdings, daß in Deutschland •und in Frankreich auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts das jüdische' Handwerk nicht recht gedeihen konnte, aber dies war in erster Reihe durch einschränkende Maßnahmen, deren, Aufhebung nicht in der Macht der Juden lag, hervorgeruferi. Zu allen Zeiten, bis auf die allerletzten; Jahre,׳ haben sich Juden im Osten in allen Arten körperlicher Arbeit betätigt. Dabei ist festzuhalten, daß die Juden in Polen als Handwerker vielfache Schwierigkeiten hatten, die in ihrer primitiven Ausbildung begründet waren. Im Osten gab und gibt es jüdische Wasserträger, Lastträger, Schmiede, Grubenarbeiter, und speziell in den Naphthagruben in Galizien finden wir Juden bei jeder Art von Schwerarbeit. Dabei ist noch anzumerken, daß die jüdischen Handwerker im Osten jeder Organisation entbehrten, daß jeder auf sich selbst gestellt war und demzufolge die Entlohnung sich nur in den untersten Grenzen des Existenzminimums bewegte.' Wenn in Deutschland und in anderen westlichen Staaten Juden nur in bestimmten Handwerken tätig waren, so liegt das an der käpitälistisehen Entwicklung, die Handel und Industrie mehr begünstigte. Gerade in dieser Zeit, nämlich in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhundertes, entwickelte sich die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika in einem ungeahnten Ausmaße, und , hier •waren es die Handwerker aus dem Osten, die in großer Zahl die Fahrt über das weite Meer antraten. Dementsprechend finden wir in den Vereinigten Staaten in jedem Handwerk einen starken Prozentsatz von Juden, und so ist es wohl bis heute geblieben. Freilich hat der Jude als Handwerker über den Kleinbetrieb nicht hinaus-! gelangen können, vielfach fehlten ihm die Organisator!-; sehen Möglichkeiten, um in erheblichem Umfang über den handwerklichen Kleinbetrieb zum Großbetrieb zu gelangen. י WA Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene für die orthodoxe r > Perückenkurtstwerkstätte 0THMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 ^Ä*mhÄ^u*0'

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