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Jüdische Presse · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Novinov6 v£platn6 povolenfc riadit post ft telegrafov v Bratislave öis. 41572-11120־ Zeitungen mm Verleger versendet Journal expedte ptf l’^dlteur V. b. b, 3qdigch8 H^k ^^^5 ■ ■ ■ ^^^F ^^^F ^J^F ^J^F 5י■ בה WIEN •BRATISLAVA 4. JÄNNER 193S כי׳ט טבת תחרה Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46m0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Ke 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer äst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170,' Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117 oRGon für Die mTGRessen Des 0RTH0D0Hen juDerrrums Ins dritte Jahrzehnt ♦ ♦ ♦ Die ״Jüdische Presse“, die im Jahre 1910 unter dem Titel ״Jüdische Korrespondenz“ gegründet wurde, tritt mit der heutigen Nummer in das dritte Jahrzehnt ihres Be- Standes. Zwanzig Jahre ״Jüdische Presse“ — zwan־־ zig Jahre Dienst am thoratreuen Judentum! Damit ist bereits alles gesagt, um die mannig־־ faltige Arbeit zu charakterisieren, die in diesem ebenso bescheidenen wie ehrenvollen Rahmen zwei Jahrzehnte hindurch geleistet wurde. Eine Zeitung soll den Leser vor allem wahrheitsgetreu informieren; in unserem Falle beschränkt sich diese vornehmste .journalistische Aufgabe darauf, unseren Leser* kreis über die jüdischen Angelegenheiten;im allgemeinen und über die des thoratreüen Judentums im besonderen ständig am laufen־־ den zu halten. Erfordert diese Aufgabe bei J e d e r Zeitung großes Verantwortungsgefühl und Wahrheitsfanatismus, so kann sich der Leser kaum einen Begriff davon machen, mit welchen Hemmungen ein thoratreues Organ zu kämpfen hat. Zwei Beispiele: - Es läuft da eine interessante Nachricht ein, es handelt sich sicher um keine Lüge, aber eine gewisse Färbung, eine besondere B e־־ t onung erscheint irgend wie verdächtig ... Vom journalistischen Standpunkt aus ist die Sache höchst brauchbar, es fällt einem wirklich schwer, sie unter den Tisch fallen zu lassen. Da erhebt unser souveräner Zensor, das Thoragesetz, die kategorische Forderung: ״!מדבר שקר תרהקVon einem Lügenwort sollst du dich fernhalten!“ Und das Wort Fern halten klingt so eindringlich, daß ihm unweigerlich die Zwangshandlung: Papierkorb folgen muß. Da stößt man wieder auf eine andere Nach* rieht. Ihre Wahrheit ist verbürgt und riecht auch im entferntesten nicht nach Lüge. Sie würde sicher ״sensationell“ wirken und ״großes Auf* sehen“ erregen. So eine richtiggehende Skandal* affäre, ein wahres Fressen für das Publikum... schon öffnet sich gierig die Schere... da don* nert der allgewaltige Zensor sein Machtwort: ״!לא חלף רכילDu sollst deinem Nächsten nichts Uebles nachsagen!“ — und der schöne Braten ist futsch. Der moderne Journalismus denkt allerdings anders, wir dienen jedoch einer vor* gezeichneten Richtung, die ewig jung bleiben und nie außer Mode kommen wird: es ist der Weg der Thora. Was aber an Schranken und Einengungen im Nachrichtenteil vorhanden ist, ist in einem vielfachen Ausmaß im allgemeinen und literarischen Teil enthalten. Hier, wo uns die gestaltende Aufgabe erwächst, wo wir bildnerische Schöpfer und zugleich Spiegel der in 9 Tagen. Ringwald & Co. 1־ISS»״״ | Wien, I., Parisergasse U-24-3-72, U-22-4-99 öffentlichen Meinung sind, hier tritt an den religiösen Journalisten doppelt und dreifach die Verantwortung heran, gewissenhaft zu sein. Im Kampfe um den Auf* und Ausbau des reli* giösen Lebens sachlich, ehrlich, wenn auch mitunter scharf zu sein, die Waffen gew ähl t und mit Ritterlichkeit zu führen — das war unsere selbstgewählte und selbstgewollte Aufgabe und niemand, der die zwanzig Jahre der Zeitung verfolgt hat* wird uns das Zeugnis versagen, daß wir sie getreu* lieh erfüllt haben; Vieles ist erreicht worden in dieser Zeit. Stolz buchen wir einen Teil der mächtigen Impulse, die das religiöse Leben in den letzten zwei Dezennien in Wien, in Oester* reich, in der Tschechoslowakei und in den Nachbarstaaten erfahren hat, auf das Konto unserer Arbeit. Nicht daß wir etwa uns selbst Weihrauch streuen wollen. Zu gut wissen wir, daß wir das alles einem unentwegten Kreis von Lesern, An* hängern, Förderern und Mitarbeitern zu danken haben. Sie alle haben rach innen und nach außenhin unser Werk gefördert und oft genug gegen die fanatischen Angriffe unserer Gegner geschützt. Ihnen allen sei an der zweiten Zehn* Jahreswende gedankt und das schlichte und ehrliche Versprechen gegeben, daß wir weiter mit ihrer Hilfe und in ihrem Sinne dahin arbei* ten wollen, daß die Thora in unserer Zeit wieder ihren Raum im jüdischen Leben einnehme zur Ehre Gsttes, zum Wohle unseres Volkes und zum Heile unserer Kinder. Diese Linie ist es, der wir auch in Zu* kunft unsere Spalten widmen wollen, mit der* selben Unerschrockenheit und mit derselben Er* gebenheit, wie bisher. Was wir bisher getan haben — ist der Beginn, den wir zum glanz* vollen Ende führen werden durch Unterstützung unserer Freunde und Gesinnungsgenossen, mit der Hilfe des Lenkers aller Geschicke. * Ein kurzer historischer Rückblick. Es war im Jahre 1915. Die jüdischen Kriegsflüchtlinge, die noch keine Verankerung in Wien gefunden haben konnten, bedurften eines Sprachrohrs, das ihre Interessen nach innen und außen vertreten sollte. Das religiöse Judentum in Wien bedurfte eines Organs, in dem es seine religiösen Anschauungen zur Geltung bringen konnte. Da entstand unter der Redaktion des heute dem österreichischen Bundespressedienst angehörenden Regierungsrates J. Kreppei die ״Jüdische Korrespondenz“, die Vorläuferin der ״Jüdischen Presse“. Regierungsrat Kreppei hatte vorher schon in Krakau eine jiddische Tageszeitung, ״Der Tag“, herausgegeben und brachte daher die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse mit. Der große Erfolg des noch jungen Blattes begün־.! stigte die Ralliierung der orthodoxen Elemente in Wien. Die Agudas Jisroel wurde zum Brennpunkt des öffentlichen jüdischen Lebens. So kam es, daß die ״Jüdisehe Korrespondenz“ nach und nach zum Organ der Glaubenstreuen geworden ist und dies auch in ihrem Untertitel zum Ausdruck brachte. Die organisierte Wiener Orthodoxie nahm unter Führung des Herrn Wolf P a p p e n h e ä m Interesse an dem Blatt und im Jahre 1917 erhielt auch die orthodoxe Jugend in der ״Jüdischen Korrespondenz“ eine eigene Abteilung für ihre Veröffentlichungen und Mitteilungen. Beim Eintritt in das dritte Dezennium unseres Blattes gilt unser erstes Wort d e m S t a a t, auf dessen Boden mir leben, und der Regierung, unter welcher mir uns frei unserem ״eligiöseri Empfinden entsprechend betätigen und entfallen können. Das neue Oesterreich, das sich selbst zur V ormacht des religiösen St a a t s ge d a nkens erhoben hat, gibt unserer Arbeit für den rein religiösen Aufbau der jüdischen Gesell- Schaft einen Rahmen, mie er nicht glücklicher gedacht werden kann. Zu eng ist das Schicksal der jüdischen Bürger mit dem des Vaterlandes verwachsen, als daß es notwendig wäre, das Vaterland heute unserer Treue und Ergebenheit versichern zu müssen. Zu eng ist mit dem Aufstieg des Volkes von Oesterreich unsere eigene Zukunft verknüpft, als daß wir ihm erst heute sagen müßten, wie sehr wir ihm eine lichtvolle Zukunft wünschen. Was wir aber heule auszusprechen für notwendig finden, ist der Wunsch, daß der N e na u f b au unseres' Va t e rl and e s auf religiöser Basis und in ständischer Gliederung mit der dilfe des Allmächtigen■,-׳-. unter der Führung einer religiösen Regierung glii c k e n m ö g e, mie mir wünschen, daß auch uns weiterhin Gerechtigkeit und Entfaltungsmöglich keil:, geistig, religiös und ivirtschuf (lieh, wie bisher, bewahrt werde. Oesterreich! ־. Im Sommer 1918 —-5 der Weltkrieg ging dem Ende entgegen — ging schließlich die Zeitung offiziell an den Besitz der in der Agudas Jisroel organisierten Orthodoxie über und blieb noch bis zum Herbst 1920 unter ihrer bisherigen redaktionellen Leitung, Inzwischen hatte sich auch die slowakische Orthodoxie ein Organ geschaffen. Unter der Chefredaktion des Herrn Dr. Karl Rosenbaum erschien am 18. Juni 1920 in Bratislava die erste Nummer der ״Zeitschrift für־ die religiösen, wirtschaftlichen, sozialen und jüdischpolitischen Interessen der Orthodoxie in der Slowakei“ unter dem Namen ״Jüdische Presse“ und dem Untertitel ״Organ der orthodoxen Weltorganisation Aguda“. Was lag näher als die Zusammenlegung der beiden, gleichen Interessen dienenden Blätter, der ״Jüdisehen Korrespondenz“ in Wien und der ״Jüdischen Presse“ in Bratislava. Sie wurde am 15. Oktober 1920 vollzogen. Von da an begann der stete Aufstieg der ״Jüdisehen Presse“. Sie hatte jetzt hüben und drüben ihr ausgedehntes Betätigungsfeld und dank der aufopfernden Arbeit einiger Unentwegter schritt sie von Erfolg zu Erfolg. Samuel Bettelheim übernahm die Wiener Redaktion. Später der wegen seines umfassenden Wissens und seiner hervorragenden menschlichen und fachlichen Qualitäten allseits verehrte und geschätzte Herr Jakob Joel Braun die in Bratislava. Frühjahr 1922. Die politische Leitung der Agudas Jisroel hatte eine schwere Krise durchzumachen. Der Chefredakteur der ״Jüdischen Presse“, Herr Samuel Bettelheim, hatte seine Stelle niedergelegt und wollte nach Amerika zurück, wo er schon während des Weltkrieges einige Jahre hindurch sich als Schriftsteller betätigt hatte. Seine Demission kam der Leitung der Aguda nicht unwillkommen. Bettelheim ritt gerade ,um diese Zeit eine seiner geistreichen Attacken gegen die Balfour-Dekläration und verfocht seine politische These, die Orthodoxie müsse mit den Arabern Verständigung suchen, da die Zionisten, die einer wirklichen Führerpersönlichkeit entbehren, nicht dazu fähig sind, diese dringend notwendige jüdisch-arabisehe Annäherung zu verwirklichen. Diese Attacke Bettel- Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene Othmar-Schiff-Perücke Perückenknnstwerkstätte 0THMAR SCHIFF Wien l, Kärntnerring 6 fÄeru"«.e«.1־rU‘01

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