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Jüdische Presse · 1934-12-21 · 48 (21.12.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
48 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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PPgpgP«!jggpg PpSIJpl*l ||f|g|f||| ORTHODOXEN JUDENTUMS. |*|j||2J||| ,Redaktion und Administration: Wien, t£i! Malzgasse 12 a, Telephon A-46-Ö-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. RedaktionsschltUB: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, TschechosidWdkeS^^ Kß 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen Ihr ״Jüdische Presse", Wien, auf foh gende PöStspärkäsSenköttti! Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau ‘Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117. * ־ , . ' , . ׳• ־ . . . , V ׳ t■ ..... Nr. 48 | Wien-Bratislava, 21. Dezember 1934 .ב״ה ווינא-פרעסבות ט״ז טבת תו־צ־ה 20. Jahrs• // Ostfüdi'sdie" und //westjudisdie'1 Orthod oxi'e. Wir müssen vorwegnehmen, n i c h t-w i r haben eine solche Scheidung der Begriffe innerhalb der Wiener Orthodoxie für angebracht gefunden. Wir sind mit der Ideologie der AgudasJisroel viel zu sehr verwachsen und haben es immer für unsere vor- ' nehmste Aufgabe angesehen, die segensreiche Z usammenarbeit beider Gruppen zu fördern. Wir sehen in der wechselseitigen Bef ruchtung ein.unschätzbares Aktivum für das thoratreue Judentum. Die Synthese des noch ghettofrischen, näturgewachsenen Ostjudentums mit der im jahrzehntelangen Kampfe gegen die religiöse Assimilation gestählteren und widerstansfähigeren Westorthodoxie hat sich gerade in der Aguda glänzend bewährt. Für uns ist ihre Verschiedenartigkeit keine Problem- Stellung, sondern eine erfreuliche Tatsache, die ini g e g e n s e i t i g e n Geben und Nehmen erst recht ihre Existenzberechtigung bekundet. Was war natürlicher, als daß jener Teil des polnischen Judentums, dem es ernst Um die. Erhaltung seines Glaubens war, sich an die־S?chif f s c hul anlehnte, einer Organisation, die schon seit vielen Jahr■• zehnten einen heldenhaften Existenzkampf führt g e־g״em ־:r e H grö s e^R^e f 0־r m־ ti ri d־־ A s s i־m i lation. Geradeדדי-:,־׳■־ד די".:’ ,׳ י 1 ׳•: die bedeutendsten ostjüdischeil Thoragrößen, welche in der Kriegs- und Nachkriegszeit in Wien weilten, haben sich hach eingehendem Studium ' der hiesigen. Verhältnisse ganz auf den Standpunkt der Schiff schul gestellt: Es gibt für die Wiener Orthodoxie nur eine Möglichkeit, nämlich die, ihre Selbständigkeit auszubauen. Wenn trotzdem bei einem Teil der polnischen Orthodoxie, besonders in Laienkreisen, eine Separat!on vielfach auch abgelehnt wird, lohnt es sich wohl, der Ursache nachzugehen. Wir wollen versuchen, auch dieser Richtung Verständnis und Objektivität entgegenzubringen: Vor allem muß man wissen, daß es im Osten ein solches Problem nie gegeben hat. Die• Orthodoxie war und ist dort in überwiegender Majorität, beherrschte und beherrscht das Kultüsleben vollkommen. Dort war daher eine Separation nie nötig und die maßgebenden religiösen Führer sahen keine Veranlassung, zur Trennungsfrage für ihre eigene Landsmannschaft Stellung zu nehmen. Wurden sie aber aus west-, liehen Städten, wo die Orthodoxie in M i n d e rheit und in die Verteidigungsstellung geraten ist, um ihre Meinung angefragt, so lautete die Antwort ausnahmslos — f ü r die Separation. Interessant ist in diesem Zusammenhänge, daß es vor einigen Jahrzehnten in Polen ernste B3־• Strebungen gab, Juden, die gegen die wichtigsten Glaubenssätze der Thora öffentlich. auftreten, aus dem Judentum auszuschließen. Das haben besonnene Elemente im letzten Moment begreiflicherweise verhindern können. Denn das Judentum gibt keinen seiner Söhne freiwillig auf. Man muß daher verstehen, der einfache polnische Jude weiß nur so viel: ״Bei uns in Polen gab es nie eine Trennung.‘‘ ״Was ^ühder^ wwn der unaufgeklärte Teil die Notwendigkeit der Separation noch nicht klär erkennt. Manche wissen sogar von der erwähnten Entscheidung, daß man auch ״Abgefallene aus dem Judentum nicht ausschließen möge“, tind verwechseln das Trennüngsproblem der in Minderheit geratenen Orthodoxie mit den wahnwitzigen Ausschlußbestrebungen von anno dazumal: Man darf der Schiffschul keinen Vorwurf machen, daß sie in dieser Beziehung viel zu wenig aufklärend wirkte. Sie wollte nicht den Anschein erwecken, als ob sie durch ״Propaganda“ ihre Anhängersöhaft zu vergrößern suche. Sie sah sich immer mit Recht als Notwendigkeit an und - fand es. überflüssig, die Werbetrommel für. Prinzipien zu rühren, welche längst als allgemeingültige Maximen für alle in Minorität gedrängten thöratreuen Gruppen gelten. Die Entwicklung der Dinge wird jedoch auch die ahnungslosen und noch unschlüssigen Brüder davon überzeugen, daß׳ der von uns eingeschlagene Weg unter den gegebenen Umständen der einzig gang-■ bare ist. ־. - V■;• ’ Die nächste Ausgäbe der ״Jüdischen Presse“ erscheint wegen der Arbeitsruhe an den nächstwöchigen gesetzt, liehen Feiertagen erst am י FREITAG, DEN 4. JÄNNER 1935. Mit der •nächsten Nummer tritt die ״Jü* dische Presse“ in das DRITTE JAHRZEHNT ihres Bestandes Sie wird daher als Jubiläums* nummer in doppeltem Umfange und vergrößerter Auflage erscheinen. Redak* tionsschluß in Wien: Mittwoch, den 2. Jänner, in Bratislava: Dienstag, den 1. Jänner 1935. דד Die Haupt ges c h ä f t s s t eil e, »f ift Ueber die Situation der Juden in Deutschland erfahren wir von besonderer Seite: Wee tauscht? Es, gibt in Berlin einen, verhältnismäßig guten Kreis von Juden, die des Glaubens sind, man müsse den Kampf um die Emanzipation, trotz Arierparagraph, mit allen;Mitteln und Methoden aufnehmen. Aus diesen Kreisen dürften wohl jene Versuche unternommen worden sein — man spricht von der Vermittlerrolle eines jüdisehen Journalisten polnischer Staatsangehörigkeit und deutscher Nationalität —, ein Tauschgeschäft mit dem Dritten Reiche zu machen: Die Juden im Ausland sollen dem Boykott gegenüber Deutschland entsagen, und dann werde Hitier-Deutschländ die Juden besser behandeln. Es sei ausdrücklich festgestellt, daß keine ernstzunehmende jüdische Persönlichkeit mit dieser ׳Sache etwas zu tun und daß die deutsche Regierung keinerlei Versprechungen gemacht hat. Das ganze Gerede reduziert sich auf das Antichambrieren jenes merkwürdigen jüdischpolnisch-deutschen Journalisten im deutschen Propagandaministerium. // £cwü4t&ckie" Auowandmuify. Es ist darum eine bewußte Irreführung gewesen, wenn Reichsinnenminister Dr. F r i c k unlängst in einer Rede von den Versuchen des ״internationalen Judentums“ gesprochen hat, das besagte Tauschgeschäft mit dem Dritten Reich zu machen. Die Verhöhnung dieses angeblichen Vorschlages sowie die Versicherung, daß das Dritte Reich auf seiner antijüdischen Haltung beharren werde,, fügen sich konsequent in die Pläne und Absichten Hitler- Deutschlands in bezug auf die Juden ein. Bis vor einigen Monaten gab es —י es war vor der Zusammenlegung des Reichsinnenministeriums mit dem preußischen Innenministerium — eine Strömung, die so etwas wie eine s p ezielle Judenr egelung durchführen wollte, und zwar auf der Grundlage eines kulturellen Minderheitehrechtes für die Juden. Gegenwärtig ist auch diese Absicht fallengelassen worden. Die einzige feststellbare Tendenz bleibt nach wie vor die Eliminierung des jüdischen Elements aus Deutschland. Beweis dafür ist eine in den letzten Wochen vom Reichsinnenministeriüm in Verbindung mit anderen Zentralstellen durchgeführte Enquete, warum die ״erwünschte“ Auswanderung der Juden aus Deutschland. sich ver rin g e r t habe und wie man sie steigern könne. Zwecks Feststellung der Ursachen für diese ״unange n e hm e“ Erscheinung sind auch jüdische, Experten gehört worden. Die Antworten lauteten, etwa nicht, daß sich die Lage der Juden gebessert habe. ,Im Gegenteil! Mit Ausnahme einer Gruppe von Fabrikanten und Ladeninhabern, die ihre alten Lager aus guten Stoffen jetzt stärker absetzen, weil das Publikum aus Angst vor der drohenden Inflation und den minderwertigen Ersatzstoffen, hamstert, geht es allen anderen jüdischen Werk- und Erwerbstätigen täglich schlechter. Das Bedürfnis, auszuwandern, besteht auf jüdi-s scher Seite unvermindert und ist sogar gewachsaii^iAberi: die Möglichkeiten, den noch vorhandenen Besitz zu realisieren und eine Transfererlaubnis zu bekommen, sind sehr vage geworden. Daß unter solchen Umständen die ־Emigration der' Juden stagnieren. muß, liegt ^,üf der Hapd. Bleibt somit die Konstatierung; daß die'vornehmste ״jüdische“ Sorge des Hitler-Regimes. das verlangsam'te' Verschwinden der Juden aus Deutschland ist.׳ Trotz dieser Erschwerung wandern aber einzelne ■—hauptsächlich die wirtschaftlich stärksten —' Juden aus, indem sie den größten Teil ihres Vermögens in Deutschland zurücklassen. Dadurch gehen den jüdischen Gemeinden die potentesten Steuerzahler verloren. Die Staatspolizei fiedelt. Die ״Gestapo“ (Geheime Staatspolizei) hat ihr jüdisches Referat mit deutscher Gründlichkeit ausgebaut. ׳Sie verfügt über freiwillige (abgesehen von bezahlten, beamteten, nichtarischen) jüdische Konfidenten. Der Sachbearbeiter, ein Assessor, beginnt sich schon in; jüdischen Angelegenheiten gut auszukennen. Sein Vorgesetzter, der nach dem 30. Juni aus München kam, ein wütender Judenhasser, nimmt sogar jüdische Instruktionsstunden, um besser verstehen zu können, ״was die; Juden so sagen und meinen“. Von Zeit zu Zeit' werden Spezialberichte über dieses ״jüdische Sagen und, Meinen“ höherenorts abgeliefert. Natürlich werden! vor-' her jüdische Sachverständige (genau wie seinerzeit in Zarenrußland) vorgeladen und zum Reden gebracht. töietecUaftlicUes Slend. Die jüdischen Organisationen und Verbände werden fortlaufend bespitzelt. Wenn in der m Did welihefühmte, in Qualität unübertroffene für die orthodoxe / [■׳ 'dL'■'äa. M'l #• i-t, Lv r!.ei' Perückenkunstwerkstätte OTHMAR SCHIFF WfAti I Ksifl*f1i,t1A1*t*if1(T gegenüber Hot§1 Bri8i9i lyien 1; iwuiuerriljg ס Telephon U*43*<M6 .?־־ י' <•' ' fr •־?' 1ן Ä 5׳V

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