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Jüdische Presse · 1934-11-30 · 45 (30.11.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
45 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1■ iS״ » י,.'*" v. V JÜDISCHE ftitualmordlietze in öeeterreicii. ln Oesterreich wird gegeftwärtig eifl Such verbreitet, das deft Titel führt* ,.Gibt es jüdische ÄitüÄittorde?״ Seift Verfasser fteftftt sieh Chfiato Loge. Das Buch ist im Ulfich-Möser-Verlag, vereint mit ädift St^iä^eriag Gra2»Leipzig, einer der größten katholischen Verlagsanstaiten, erschienen und in ddr üni^ersitÄtsdruekerei *,Styria“ in Graa gedruckt. Es Wird in Oesterreich frei vertrieben und bisher hat noch kein Staatsanwalt dieses Buch, das zweifelsohne den Tatbestand der Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Beligionsgesellschaft (§ 302 des Strafgesetzes) und der Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft (§ 303) bildet, beschlagnahmt. und ein Strafverfahren eingeleitet. Das Buch! bringt eine Reihe Abbildungen Von an» geblichen Ritualmordszenen. Auf einem Bilde zum Beispiel sieht man schon fünf Kinderleichen auf der Erde liegen, während die Juden dem sechsten Kinde das Blut abzapfen. Der Autor des Buches untersucht ״wissenschaftlich“ die Frage des Ritualmordes. Er teilt die Juden in Israeliten und Judaisten ein. Die Israeliten leben nach G-ttesgebot, die Judaisten aber sind diejenigen, von denen alles Böse kommt, auch der Ritualmord: ״... Von dieser Erkenntnis aus ist es nun aber nicht mehr schwer, in weiterem Schlüsse zu verstehen, Wieso fanatische Judaisten dazu kommen konnten, nach Erneuerung und Fortsetzung dieses nach ihrer Auffassung g-ttesdienstlichen Haß- und Racheöpfers zu streben.“ Das Buch kommt dann, nachdem es eine Reihe von ״Ritualmorden“, so die Geschichte verschiedener heiliger Märtyrerkinder, insbesondere die Geschichte des Knaben Simon von Trient, darstellt und mit abscheulichen Bildern illustriert, zu der Schlußfolgerung, daß es Ritualmorde bis in unsere Zeit gebe. ׳ ■ Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs ist über die Tatsache, daß ein solches Mordwerk in der gegenwärtigen Zeit verbreitet wird, außerordentlich erregt. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde ist bereits bei den kompetenten!Behörden wegen Beschlagnahme des Buches eingeschritten. Eine Stunde mit dem ״Lubawifseher Rebbett“* Wie bereits gemeldet; weilt seit einigen Tagen der wiitbekähnta l*ubawitaektr Rivbbi* Ftthrör dir röasisofeeh Ghassidim und der ganzen Cfc abad-Be wa*? g u ft g, itt einem Sanatorium in def ufimittelbaren Nähe Wiens. Der 1Ö. Kislev wird ift der Ghäbad-Beweguftg ganz besonder gefeiert, als Erinnerung aft die Freilassung des Begründers der Bewegung, des R äws von Da di, nach seinem Werke, ״Tan jo*״ genannt, aus dem Gefängnis in Petersburg, Und der Lubawltseher Bebe üeß es sieh trotz seiner angegriffenen Gesundheit nicht nehmen, diesen Tag im Kreise jüdischer •Measchefl mit Worten des Gedenkens zu begehen. So versammelte sich im gastliehen Hause des Herrn Kalman ׳Pappenheim' Sonntag abends eine stattliche Zahl Baalebatim und Bachurim, an der Spitze der als Gast hier weilende Niträer Raw und Reb Schlomo Baumgarten, um den Worten des Eubawitscher zu lauschen. > . Ausgehend von der Veranlassung des heutigen Abends, begann der Rebbe erst leise, aber dann immer mehr in Feuer kommend, über die wunderbare Befreiung des ״Tanjo" zu erzählen. .In kurzen Worten die Misnagdin der damaligen Zeit streifend, kam er auf das Hauptthema, das Wesen und Wollen des Chassidus in seiner innersten Wurzel, zu. sprechen. Wenn die. Zeit von uns kein ״Messiras Hanefesch“ erfordert, so gilt es heute mehr denn je, ״Messiras Horozaun“, die Hingabe des ganzen Willens für die JÜdischkeit, zu bekunden. ״Hoechöd jiheje l.rewowo“, der einzelne muß v befruchtend wirken für den Klall Jisroel, erst dann ist er seiner vollen Aufgabe •gerecht geworden. Zum Schluß wies er auf die steigende Not und das Elend, welche ״Bechol. Hamdinaus" herrsehen, hin und hat, daß man gleichwie in Polen bei den ״Chabadnikes“ jeden Tag Tehillim sagen möge, daß dies bittere Golus beendet werde. Er bezeichnete es als die schönste Matonoh, die man ihm geben könne. Man fühlte sich ganz im Banne der großen Persönlichkeit und seiner zu Herzen gehenden Worte, wissend, eine große Stunde erlebt zu haben. Der Rogatschovver Gaon über Awodah Iwrith. Veranlaßt!durch den Mißbrauch seines Namens von misrachistischer!Seite, nimmt jetzt der bekannte Weltgaon von Dwinsk, Rabbi Josef Roain, genannt ״der RogatschoWer", Stellung; zur Frage der j ü d i s ch e n Arbeit d n Erez Jisroe 1. Sein Gutachten gipfelt in folgenden Thesen > - - . -1. Aus allen Quellen, ,von der Thora , bis zu den. letzten Dezisoren, ergibt sich mit Klarheit, daß jüdische Unternehmer jüdische Arbeiter beschäftigen und bevorzugen müssen. ־■>״.; 2. Um scheinbare Widersprüche in den alten Quellen in dieser Frage aüszugleichen, stellt der Gaon fest, daß die Bevorzugung jüdischer Arbeiter nur dann als Pflichtgebot zu betrachten sei, wenn ,die Lohndifferenz nicht gar ' zu groß ist. Aus ״Jeruschalmi Klajim" ergibt sich, daß man bis zu einem Dritter hierin gehen muß, also sich ein Opfer von 33 Prozent aufzuerlegen hat, um die jüdische; Arbeit zu unterstützen.־/Darüber hinaus braucht, man nicht zu gehen, ... . 3. Die Bevorzugung des jüdischen Arbeiters schließt den Juden, der leichtfertig die Gesetze Übertritt (מוסר לתיאבון) nicht aus, nur muß man bei ihm nicht bis zu einem Drittel, sondern• nur bis zu einem Fünftel gehen,’ also sich ein Opfer von 20 Prozent auf erlegen, um ihn zu beschäftigen.. ,; 4 ׳. Handelt -es.-sich ׳aberum Gottesleugner aus lieberzeugung (מין ואפיקורוס) so lasse man sie unbeachtet, auch wenn sie die Lohngrenze der Araber nicht überschreiten. 5. Einen Zwang auf die jüdischen Arbeitgeber in dieser Beziehung auszuüben•, darf sich heute keiner anmaßen. Es bedürfte dazu eines legitimierten Bes-Din (מומכין) das wir ■heute nicht haben. Das Wachest eien vor den Arbeitsstätten sei־; unter allen Umständen abzulehnen, weil daraus Gewalttätigkeiten entstehen, die den jüdischen Namen entweihen.• DEN PRIVATANGESTELLTEN DIE VORSORGE-VERSICHERUNG MONATLICHE PRÄMIE; I CHIL LI N G 60־3 DIE LEISTUNG —־300 $ ־־•15 S —־300 S —־300 S " ■f; 5־— s 100־— W I E N, I., RIEME RCA S S E 2 STERBEGELD RENTE UNFALL-TOD UNFALL- I aT/1110 ־ ir *.11 KOSTEN- BEITRÄGE: SPITAL OPERATION Nr. 46 351» Woche Der Vorsitzende des Dreier*Ansschusses zur Vor* b&reitmg der 8 adr-Abstimmung, Baron Alöisi, erklärte dem Öberkommissäf für, die! deutschen Fluchtlingo, James MacDonald, daß er sich für die Währung der Merkte der Juden an der Saar im Falte einer ‘Rückgiiedemng einsetzen werde״ Im &ebände der Juridischen Fakultät iw Wilna fielen 280 Nationaldemokraten über etwa 100 jüdische Studenten her, von denen mehrere verletzt xourden. Die Polizei stellte die Ordnung uneder her. — Auf Grund des Gesetzes gegen die Rassepropaganda wurde in Südwestafrika die Deutsche n a t i o n also zia l i s t i s 0 h e Partei verboten. ־־־־ Unbekannte Täter schleuderten gegen den Laden des jüdischen Apothekers Grün berger in Waw r ce bei Warschau eine Bombe, die schwere Verwüstungen anrichtete und durch die der Apotheker schwer verletzt uourde. — Auf dem Krakauer jüdischen Friedhof haben unbekannte Täter lk Grabmäler verwüstet und die Grabsteine zertrümmert. — Im Zusammenhang mit dem antijüdischen Boykott fanden in den letzten Tagen in westfälisehen Orten antijüdische Ausschreitungen statt, ln Nieder mar sb'er g, Kreis Arnsberg, haben SA.-Leu,te m Uniform jüdische Passanten,- niedergeschlagen und u. a. einem achtzigjährigen Juden schwere Verlet zun g en zugefügt. — Aus Aden traf in Jerusalem eine telegraphische Mitteilung ein, daß mehrere jüdische Familien aus der südarabischen Halbinsel Jemen ■ auf ihrer Durchreise nach Palästina, wo sie sich anzusiedeln gedachten, von der englischen Polizei in Aden festgenommen und zurück nach dem Jemen abgeschoben wurden. Man ist uni das Schicksal dieser jüdischen Familien besorgt, da im Jemen das System der Judevbverfolgungen andauert und Juden, die Anstalten getroffen haben, nach Palästina auszuwandern, das Schlimmste zu gewärtigen haben. — Aus Sanaa, der *Hauptstadt• des Jemen, traf hier eine Meldung ein, daß der Obei'rdbbiner des Jemen, Rabbi J e chia Av ia d, gestorben ist. Er erreichte ein Alter von 65 Jahren. — Entsprechend dem Verlangen des polnischen Kulturministeriums, wurde in Pole'xi ein Oberstes Rabbi nisches Schiedsgericht geschaffen, . dem 30 Rabbiner .angehören, von denen in jedem Monat drei in Warschau amtieren. Das Schiedsgericht soll Streitigkeiten zwischen Rabbinern und anderen Kultusbeamten sowie I; 'zwischen '.Rabbinern und den Vorständen jüdischer Go-• meinden schlichten. —•Der. Prinzregent Pavle von Jugosl awi en empfing den Großrabbiner Dr. Isac A Ika lay : in Audienz. Prinzregent Pavle erklärte, daß an höchster Stelle die tiefe Anteilnahme der Juden an der Nationaltrauer. Jugoslawiens mit größter Zufriedenheit zur Kennt- ..nifi. genommen wurde.. , ,.׳ — Die unter den Ge flii g elhändl.ern'in N ew York bestehende Spannung hat sich •in einem Altentat auf drei jüdische Geflügelhändler entladen, die in einem, Miethause von unbekannten Tätern niedergeschossen wurden. Rabbiner Nachmann H. Ebin, Vorsitzender der Kaschruth-Kommission, erklärte, . seiner Meinung, nach habe dieses Mordattentat nichts mit dem Bann des Rabbinats gegen Benützung von Geflügel ohne Kaschruth-Stempel zu tun; es handle sich vielmehr um einen persönlichen Racheakt. ■ - T-r Die Vereinigung der Orangenpacker hat in Tel-Äwiw Kurse für O r a ngenverpac hu n g eröffnet, in denen jetzt kOO junge Leute, darunter 300 Mädchen, meist aus Deutschland, in diesem eine hohe Qualifikation erfordernden Arbeitszweig ausgebildet werden. H. Grün, n., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. E Der ״Pidjan nefesch"*) ... v Von G. E. :׳ t ״; Als ich . dip Papiere eines im Jahre 1914 verstorbenen alten; Freundes zur Ordnung und Sichtung anvertraut erhielt, fand ich u. a. die nachfolgenden Aufzeichftuhgeix: ״; ' . ־Ich'׳ hatte an ‘ der Rabbinerschule in Preßburg die Bekanntschaft des Rabbi Salmen Spitzer s. A. gemae.ht und; obwohl ich an Jahren wie an Wissen weit hinter ihm zurückstand,' durfte ich mich seiner herzlichen, von ' mir ' Verehruftgsvoll erwiderten Freundschaft er-. frfeuen. Meine Verhältnisse brachten es mit sich, daß ich viele Jahre im Auslande dem geschäftlichen Berufe oblag, um dann nach Wien zu übersiedeln. Hier wirkte er damals schon seit einigen Jahren als RabDiner an der zu jener Zeit noch an •Zahl und wohl auch an zahlenden Mitgliedern nicht.. reichen Gemeinde, die unter dem Namen ״Schiffschur‘ heute groß und blühend dasteht. Ich suchte jund fand alsbald Gelegenheit, mich dem verehrten Manne Wieder in Erinnern!^ zu bringen. Er nahm mach mit der ihm eigenen Freundlichkeit auf, aber es lag in den Ver-;hältnissen, deren “nähere Kennzeichnung mit dem Gegen- :stände dieser Notizen nichts zu tun hat, daß ich nur selten 'und da auch nur flüchtig in seiner Gesellschaft weilen . konnte. ' ׳:;" Ein eigentümlicher Zufall wollte es, daß ich bald darauf innerhalb weniger Tage — ich habe es mir genau notiert, es waren vier Tage — zwei Begegnungen hatte, bei denen das Gespräch sich •fast ausschließlich um *Rabbiner Spitzer und dessen finanziell© Verhältnisse bewegte. In den zwei Gesprächen, da»en Inhalt ich in Kürze hier skizzieren will, hörte ich aUerwfegs. sehr Seltsam >aus ein andergeh ende Aeußeriiftlift über Üie.. irdischen Besitztümer des ׳ frommen, klügln fund ge- ,.Jehrteu Rabbiners: - i; B^es Tages suchte mich der alte, •:^brave, auch ׳;im Talmud iac^|}--i«1wis8e114e''N.' (aus Preßburg) auf und tpat Mich, bei FreuftAw MUß. kleine .Kollekte £ür ihft «u jjpranstalten. sei lyieder etomM ia mißliebe Dage '•!rjaten und beüürfe einer werktätigen Hilfe״ Unter anderem •erzählte er mir dann, ^emüfUch .plaüdernd:' : ־: i v? ״ _,Ich war auch bei Rabbi Salmen Spitzer ge- *) Aus 'Anlaß, der 41, Jahrzeit nach Rabbi Salmen Spitzer s, Z. 1. wesen. Unberufen, er muß hier ein sehr reicher Mann geworden sein ,Ein sehr reicher Mann?’ fragte ich ein wenig verwundert. ,Wie kommen Sie auf die Idee, mein lieber N.?׳ ,Nun, er hat bedauert, daß er gerade jetzt bei anderen nichts für mich tun kann,. weil er besonders in letzter Zeit die Leute zu viel habe in Anspruch nehmen müssen. Aber er hat mir aus seiner Tasche zehn G u 1 d e n gegeben. Nim, ist er nicht sehr reich geworden? Zehn Gulden kann doch nur ein sehr reicher Mann geben. Und er betonte noch ausdrücklich: ,Die zehn Gulden gebe i c h -Ihnen aus meine r Tasche, aber unter der Bedingung, daß Sie es niemand in Preßburg erzählen.' Nun, in Preßburg werde ich es gewiß niemand sagen, aber da sind wir ja in Wien . , . und Ihnen darf ich es wohl anvertrauen.’ . Ich muß gestehen,, ich dachte, nachdem mich-N. verlassen hatte, nicht weiter über die munifizente Spende nach,.. von der er-mir erzählt,hatte. Aber ich wurde um so mehr an diese erinnert, als ich — vier Tage später — bei einer befreundeten Familie ein Vorstandsmitglied der ,Schiffsehul' traf. Der Mann kam in vertraulicher Weise u, a. auch auf Rabbiner 'Spitzer zu sprechen und konnte nicht genug Worte zum Preise seiner Tugenden finden, wobei er insbesondere die Bescheidenheit seiner Lebensweise hervorhob, seine heitere Genügsamkeit, die bei der Aermlichkeit seiner materiellen Verhältnisse geradezu rührend wirkte . , . Ich vernahm auch Details, die die Aermlichkeit dieser Verhältnisse überzeugend bewiesen, und hörte auch die Worte des Bedauerns, daß die Genjeindf noch nicht in der Lage sei, in besserer, würdigerer Weise :für ihren' so hochgeschätzten Rabbiner zu sorgen . Mir; fiel die Zelingu l densp end e ein , , , aber icb hütete mich wohl, ypn ihr Erwähnung zu tun . . ..Ich. muß jedoch bekennen״die zwei einander so kraß widersprechenden Mitteilungen gingen mir nicht aus dem Kopf und fingen derart zu beschäftigen, daß ich mich entschloß, nicht’ aus frivoler Neugierde, sondern aus herzlichem Interesse Aufklärung ׳bei dem zu suchen, der ' sie mir am ehesten geben konnte: bei Rabbiner Salmen Spitzer. Der ,edle und kluge Rabbiner mochte die Be- : woggrühd9,:.die miok ieitejteterkahntÄÄö^fiPsäKrmich« freundlich mit seinen gütigen Augen an, die aber von der Kanzel auch, wenn der Redner in Eifer über die Entartungen der Zeit geriet, Zornesblitze schleudern konnten, una sagte beiläufig folgendes: ,Mein lieber Freund, es ist wahr, was Ihnen der gute N. erzählte: ich habe ihm zehn Gulden aus meiner Tasche geschenkt. Es ist aber leider auch nicht minder wahr, was Sie von der Bescheidenheit meiner Verhältnisse gehört haben, die es tatsächlich zu einem Unrecht an meiner Familie stempeln würden, wenn ich Wohltaten in solchem Ausmaße mir vergönnen wollte. Ich will Ihnen, aber offen die Erklärung für meine Zehnguldenspende geben: Tags zuvor hatte mir ein braver, frommer Familienvater, dessen ältester Sohn krank darniederlag — gelobt sei G-tt, er ist inzwischen außer Gefahr gekommen — den Betrag von zehn Gulden gesendet, mit dem Wunsche, ich möge einen ,Pidjon aefesch1 für seinen kranken Sohn vornehmen. Sie dürfen mir glauben, daß ich die zehn Gulden gerade in . dem Moment erhielt, wo ich dringend ihrer bedurfte, denn es war kein Geld mehr im Hause . . . Aber während, ich gestehe es, eine •Regung der Freude in mir wach ward, erfaßte mich im nächsten Moment ein qualvoller Gedanke. — Die Dürftigkeit meines Einkommens trat mir vors geistige Auge und ich sagte mir, es ist ja möglich . . . der Mensch ist doch so schwach . . ., daß ich G-tt behüte in einer argen Verlegenheit ... in einer Bedrängnis . . . wenn auch nur vorübergehend, den Wunsch in mir spüren konnte: wenn jetzt doch nur ein Pidjon-nefesch- Geld ins Haus käme . , ., das mir aus der Verlegenheit helfen würde. Denken Sie nur: Geldhilfe; die ihren Ur- Sprung in Sorge, Kummer und Verzweiflung einer Familie hätte! Ich erschrak im tiefsten Herzen und , um auch selbst die Möglichkeit elftes, so.sündigen Gedankens für mich zu beseitigen, beschloß ich sofort, daß ich von nun a.n unter keinen Umständen mehr jemals auch nur einen Kreuzer von einem/ für einen ,Pidjon nefesch‘ gespendeten Befrag für mich behälten würde. Die zehn GiUüen, die ich bereits in meiner Tasche hatte, die den Anlaß zu meiner Erwägung gegeben,, durfte ich; das war mir klar, auch nicht behalten. Die waren in mein Eigentum übergegangen:, aber sie sollten es nicht bleiben. Ich bestimmte sie als Spende für den ersten würdigen armen Menschen, der zu mir ins Zimmer treten werde . , t das war N^Er bekam sie auch.* \ ׳ * _ ..j» mir tf wabhriefen״ ich Kanmsie nicht״ schildeM^״ Aber* däs weiß ich, mir liefen die hellen, heißen Tränen über die Wangen, als ich das Zimmer verließ.“

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