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Jüdische Presse · 1934-11-16 · 43 (16.11.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
43 (16.11.1934)
Date
1934-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Man sagt, daß dies eine der Leistungen der Agudas Jisroel sei, daß sie eine Brücke geschlagen hat von Ost zu;West, von West zu Ost, daß sie unsere Menschen einander nahegebracht hat im gegenseitigen Begreifen und Verstehen. So unzweifelhaft richtig, wie dies an sich ist, so darf doch nicht verhehlt werden, daß das letzte Geheimnis sich in oberflächlicher Begegnung und organisatorischer Verbindung nicht entschleiert. Die wahren Triebkräfte liegen tief und geben sich dem oberflächlichen Blick nicht preis. Dies muß sich der Westler stets vor Augen halten, auch wenn ein freundliches Geschick ihm eine oftmalige Begegnung mit dem Osten, mit den führenden Persönlichkeiten des Ostens gestattet hat. Daran soll er gewiß denken, wenn er sich einer der gewaltigsten Bewegungen, die der jüdische Osten hervorgebracht hat, wenn er sich dem Chassidismus gegenüber befindet. Diese Begegnung befreit vom Vorurteil, berechtigt aber nicht zum Urteil. Und wenn sie ihn in das Haus, an den ״Hof“ eines Rebbe, wenn sie ihn in die Nähe des ״Zaddik“ führt, dann soll er doppelt und dreifach daran denken, daß das Innerste des Palastes ihm verschlossen bleibt, selbst wenn er glaubt, schon in den geheimen Gemächern zu sein. * Wenn wir uns anschicken, dem Andenken des großen ״Czortkower Rebbe“ ein Wort der Verehrung und Dankbarkeit zu weihen, dann halten wir uns das Gesagte vor Augen, dann wissen wir, daß wir immer v o r dern Vorhang standen, der zum Heiligsten führte. Der ״Saud“ enthüllte sich uns nie! ״Die Schönheit, die Kraft, der Reichtum, die Ehre, die Weisheit, das Alter und die Greisenpracht — sie sind schön für die ,Zaddikim‘ und dadurch schön für die Welt! . . . Diese sieben Errungenschaften, welche die Weisen für die Zaddikim auf gezählt, alle haben sich an Rabbi und seinen Söhnen bewährt!“ (Owaus 6.) Vor dem Auge des Geistes steht die Gestalt, die majestätisch schöne, des Czortkower Rebbe, wie wir sie zuletzt sahen, genau vor anderthalb Jahren, wie wir sie zuerst sahen, vor dreizehn Jahren an der Ostsee: Schönheit, die von innen strömt, Schönheit, die von den Kräften der Seele gespeist wird, hat ihren Glanz aüsgegossen über dieses Antlitz, über diese Erscheinung. Dies ist die Schönheit, die Rabbi Schimeon ben Jauchoi meint! Die Eröffnungssitzung der zweiten Kenessio Gedaulo: Oben am Rednerpult steht die Gestalt des Czortkower Rebbe! Leise spricht er die Worte des Segens und der Begrüßung und vor ihm auf der Estrade steht sein größter und genialster Chossid, der Lubliner Raw s. Z. 1. Der starke Mann saugt förmlich jedes Wort in sich hinein, das der schwache Greis da oben spricht. Und das Bild wird dem Beobachter zum Symbol: Symbol der Macht, die der ״Czortkower“ iibgr die Herzen seiner Anhänger hat, Symbol der Kraft, die in ihm lebt und die in diesem seinem bedeutendsten Anhänger irr Gestalt und Ausdruck fand. Dies ist die Kraft, die Rabbi Schimeon ben Jauchoi meint! In Czortkow wurde fürstlicher Hof gehalten, nichts fehlte von all dem Glanz und der Pracht, mit dem diese königlichen Menschen sich umkleideten. Der Krieg zerstörte Czortkow, Wien wurde zum Wohnsitz erwählt. Auch hier, wenngleich in begrenztem Maße, das Haus in Schönheit getaucht, in Hoheit und Würde. Und ob in Czortkow, ob in Wien, hier wie dort, saß er, der ״Czort-1 kower Rebbe", umgeben von Glanz und von Reichtum, in vollendeter Anspruchslosigkeit; wie das Gold als Bote der Liebe und Verehrung ihm zerströmte, so strömte eS wieder aus seinem Hause hinaus als Herold der Zedoko, die er übte. Dies ist der Reichtum, den Rabbi Schimeon ben Jauchoi meint! Wie ein höheres Wesen verehrten ihn die vielen Tausende seiner Anhänger, verehrte ihn darüber hinaus die ganze jüdische Welt; ״Ein Rat von ihm aber war in dieser Zeit, wie wenn jemand das Wort Gattes befragt." In Ehrfurcht und Scheu standen vor ihm die größten• Geister unseres. Volkes, selbst dem Gesetz schon Entfremdete standen gebannt und verzaubert in seinem Kreis — und er, er wandelte in tiefster Demut vor seinem G-tte, lenkte all diese Liebe und Ehrfurcht in die Bahn, die zu G-tt hinführt. Je höher die Wellen der Verehrung ihm entgegenschlugen, desto tiefer und inniger wurde seine Demut vor G-tt! Dies ist die Ehre, die Rabbi Schimeon ben Jauchoi meint! Unter den Thoragrößeh unserer Zeit stand er als einer der Größten! Und neben seinem Wissen stand seine Weisheit! Und Wissen und Weisheit waren nicht die sorglich gehüteten Schätze seines Geistes — ״jeder Bedürftige kam und aß davon“! Jedem einzelnen und der Gesamtheit, deren Zusammenfassung in der Agudas Jisroel er heiß ersehnte und unermüdlich förderte, allen lieh er den Rat seiner Thora, alle ließ er pflücken von dem Baum seiner Erkenntnis. Dies ist die W eisheit, die Rabbi Schimeon ben Jauchoi meint! Da er nach Wien kam, stand er schon an der Schwelle des Alters, da er vor einem Jahre nun von uns ging, war er schon tief eingehüllt in die Greisenpracht. Aber Alter und Greisenpracht fanden ihn nicht müde, in dem behagliehen Ausruhen des Mannes, hinter dem ein langes Leben des Tuns und des Führens lag. Wir alle wissen es, wir alle bezeugen es, daß Kleinstes Wie Größtes vor ihm schwer wog, wissen es, daß kein Alter und kein Geschlecht vergebens zu ihm kam, leer von ihm ging. Der Führer von Führern war er, dennoch auch jedem Geführten nah, für jeden Geführten da. Bis zuletzt, bis zur letzten Stunde. Dies ist das Alter und die Greisenpracht, die Rabbi Schimeon ben Jauchoi meint! 1־ ״Sie sind schön _ ftir;. .,Zaddikim‘ und. dadurch, schön für die Welt!“ Denn das ist ja das Wesen des ״Zaddik“, daß er i n der Welt steht und für die Welt Die letzten Mitteilungen über die Schaffung eines Legislative Council für Palästina haben in allen jüdischen Kreisen der ganzen Welt das größte Interesse gefunden. Die Stellungnahme der Agudas- Jisroel - Weltorganisation zu dieser Frage muß nun festgestellt werden, obgleich es sich nicht um eine religiöse Frage handelt. Die Agudas Jisroel ward zweifellos nur in Uebereinstimmung mit der allgemeinen jüdischen Meinung Schritte in dieser Frage unternehmen. Die Auseinandersetzung über dieses Problem und die Meinungen, die von einem besonders hervorragenden Schreiber in der ״Jüdischen Presse“ geäußert wurden, dem ich meine besten Grüße entbiete, werden meiner Meinung nach von agudistischen Kreisen nicht geteilt. Und wenn sie ti’otzdem als solche bekannt werden, könnte dies nur unserer Arbeit in Erez Jisroel und damit rückwirkend auch auf unsere Stellung im Golus nachteilig wirken, wo wir gerade, im Hinblick auf die letzten politischen Entwicklungen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen werden. In den letzten Jahren jst es tatsächlich so, daß der politische Konflikt zwischen״ Juden und Arabern darauf hinausläuft, daß die Araber..verlangen, ein lconstitutionelles System möchte das gegenwärtige, das ohne die Mitarbeit gewählter Volksvertreter arbeitet, ersetzen. Die Araber stützen sich darauf, daß der Irak, Transjordanien und Syrien bereits nach einem derartigen System regiert werden und. :verlangen daher, daß Palästiria, das in seiner Entwicklung den erwähnten Gebieten weit voraus ist, um so eher für ein derartiges System in Betracht komme. Ferner weisen sie darauf hin* daß das palästinensische Mandat deutlich festhält, daß die Regierung die Entwicklung zurfSelbstverwaltung zu fördern habe. •:׳ * Aber der Hauptgrundsatz des Mandates ist, daß es das fortgesetzte Wachstum des jüdischen Nationälheimes zu fördern habe. Dieser Grundsatz ist ■' nicht etwa als irgend etwas Ergänzendes aufzufassen, Leislnngsfahigsles Möbelhaus M♦ Ilcdlei/ Wien 1/ Sdiolfenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra"-Mitglied. wirkt. Und dies war ja das Wesen des ״Czortkower Zaddik“, daß er mit all seiner Fülle, mit seiner Schönheit und seiner Kraft, mit seinem Reichtum und seiner Ehre, mt seiner Weisheit und seinem Alter, der Welt diente, diente, noch in der Pracht des Greisentums! Daß all dies von uns genommen wurde, das ist der Sinn um so tieferer Trauer, daß es aber dennoch unverloren ist: ״Alle haben sich bewährt an Rabbi — und seinen Söhnen“, daß es uns weiterlebt in seinen Söhnen, das ist die Quelle unseres Trostes! Wenn der Czortkower Rebbe noch in einer seiner letzten Stunden dafür sorgte, daß sein Chower-Nichbod-Beitrag an die Agudas Jisroel abgeführt werde, wenn er einem seiner Söhne, d'em, welcher uns aus und in gemeinsamer Arbeit am nächsten steht, in. einer Stunde schwersten persönlichen Leidens zurief: ״Gehe hin und finde Trost in der Arbeit für Agudas Jisroel!“, wenn wir wissen, daß die letzte Leistung und der höchste Gedanke des Czortkower Rebbe der Agudas Jisroel galten, wenn wir wissen, daß das Wort von Rabbi und seinen Söhnen auch als Ausdruck unserer Ueberzeugung lebt, dann lebt der ״Czortkower Rebbe“ in dieser unserer Ueberzeugung und riiemälsHgeht uns sein Besitz verloren: ז־וצדיק״ב>גמונהר ידדה; ■ * Wolf S. Jacobson, Kopenhagen. sondern ist die eigentliche Grundidee des Mandats. Es ist deshalb ganz klar, daß irgend etwas, das die Errichtung des Nationalheimes gefährden könnte, mit dem Geiste des Mandates nicht übereinstimmt. Ein Legislative Council müßte heute die Juden in Palästina unweigerlich in die Stellung einer Partei mit Minoritätsrechten bringen, in derselben Weise, wie sie. sie besitzen — oder, wie sie annehmen, sie zu besitzen — in einigen osteuropäischen Staaten. Aber im Weißbuch . von 1922 ist festgelegt, daß die Juden nach Palästina auf Grund ihres Rechte«, und nicht geduldet, als Bürger, und nicht als Fremd- .'!; linge, kommen. Im Memorandum, welches die Agudas Jisroel im November 1930 Lord Passfield überreichte,war klar ausgesprochen, ״daß die in der Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie immer brüderliche Verwandtschaft mit dem arabischen Volk gefühlt ha.t, die schon durch , die! biblische Tradition bedingt ist und die■ einen integrieren-.! den Bestandteil ihres religiösen Glaubens ausmacht; heute sieht Agudas Jisroel ihr politisches Ideal-in der engsten Zusammenarbeit mit dem arabischen Volk Palästinas“. Ich bin der Ansicht, daß dieser Gesichtspunkt heute auch von zionistischen Führern geteilt wird, obgleich Unglücklicherweise es nicht immer ihr Standpunkt gewesen ist. Aber wir müssen in Betracht ziehen, daß ein L egislative Council — besonders mit Rücksicht auf die gegenwärtige Stimmung bei den Arabern — t unerwünscht, unpraktisch und weit davon entfernt . ist, diese enge Zusammenarbeit, wie sie sich .Agudas Jisroel wünscht, zu bringen. Das Parlament würde zum Schlachtfeld rassischer Zwie-: tracht werden und die tatsächlichen Interessen :Palästinas würden schändlich in den Kot gezerrt werden./Als orthodoxe Juden, für die Palästina nicht eine nationale Laune, sondern ein Bestandteil ihres Seins als Juden ist!• müssen wir alles, was nationalistischen Launen entspringt( 1 »■II Wl IIH■IIII■II III11III!1Hill I— iiwumjwm'.iiiwwM.HUMmM iiwimi i - Für oder gegen den Gesetzgebenden Rat? Die Slellungnalbniie der Agudas Jisroel« Von H. A. Goodman, London. Politischer Sekretär der Exekutive der Agudas-Jisroel-Weltorganisation. (Siehe ״Jüdische Presse“ Nr. 40 vom 26. Oktober 1934.) OülA Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene für die orthodoxe Frau! Perückenkunstwerkstätte OTHMAR SCHIFF * Wien I, Kärntnerring 6 fefephon U^a-O-Ss * * * ° *

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