Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 42 (9.11.1934)
- Date
- 1934-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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tiftdit amms ft magtftiftf na. 4u^m4ft. . i ..., V. b. b. JÜDISCHE PRESSE OMAN FÜR DIB INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse״, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr, D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. Nr. 42 Wien-Bratislava, 9. November 1934 •ב״ה ווינא־פרעסבות ב כסל ו תרצ ה 20. Jahrg. Baron Edmond de Rothschild ITy. Czernowitzer Raw זצ״ל Am Freitag, den 2. November, ist Baron Edmond de Rothschild, der große jlidisehe Philanthrop und Erbauer des alten Jischuw in Erez •Tisroel, in seinem 90. Lebensjahr nach einer kurzen Krankheit verstorben. Baron Edmond de Rothschild ist im g-ttgesegneten Alter von 90 Jahren in Paris zu seinen Vätern eingegangen. Was dieser größte Menschenfreund unserer Zeit für die notleidende Menschheit, speziell für bedrängte Juden, in ganz besonderem Maße aber für den Aufbau Erez Jisroels geleistet hat, ist weltbekannt und von aller Welt gewürdigt. Seit Dezennien hat der Verblichene im Vereine mit seiner gleichgesinnten Gattin, die der Allgütige noch lange, lange Jahre ihrer Familie und ihrer segensreichen Tätigkeit erhalten möge, Gutes getan wie wenige Menschen. Was im jüngsten halben Jahrhundert in Erez Jisroel geleistet worden ist, ist ohne seine unbeschränkte Güte gar nicht zu denken. Was uns seine Tätigkeit besonders wert machte, war der Umstand, daß er von der Heiligkeit Erez Jisroels so durchdrungen war, daß er bei seinen zahlreichen Reisen in Erez Jisroel nie verfehlte, die von ihm geförderten unzähligen Juden zu ermahnen, nie zu vergessen, daß Erez Jisroel die Stätte der jüdischen Religion ist. Daß sich seine grenzenlose Wohltätigkeit nicht auf Juden beschränkte, ist bekannt. Er hat noch vor wenigen Jahren für ein allgemeines Wohlfahrtswerk den ungeheuren Betrag von 30 Millionen Franken gewidmet. Die Menschheit wird ihm ewig als einem der größten Menschenfreunde ein dankbares Gedenken bewahren. Alle Freunde Erez Jisroels werden seiner stets gedenken, als eines Mannes, wie ihn die Welt nur äußerst selten hervorbrachte. תהא נפשו צרורה בצרור החיים , Wolf Pappen heim. Baron Edmond de Rothschild, Seniorchef des Pariser Hauses Rothschild, wurde 1845 als Sohn von James Mayer Rothschild in Boulogne-sur-Seine geboren. Mit ihm ist der letzte Enkel von Mayer Amschel Rothschild, dem eigentlichen Begründer der Finanzdynastie Rothschild in Frankfurt a. M., dahingegangen. Der Begründer der Dynastie, Mayer Amschel Rothschild, 1743 in Frankfurt geboren, 1812 dortselbst gestorben, war ein Sohn des frühverstorbenen Moses Kalman Rothschild. 1760 gründete er sein Bankgeschäft in Frankfurt a. M. und wurde Geldgeber deutscher und ausländischer Fürsten. Er hinterließ ein Vermögen von 200.000 Gulden. Den großen Aufschwung nahm das Haus Rothschild erst unter den fünf Söhnen Mayer Amschels: Amschel Mayer, Salomon Mayer, Nathan Mayer, Karl Mayer und James Mayer. James Mayer, der Vater des eben verstorbenen Baron Edmond, wurde 1792 in Frankfurt a. M. geboren und starb 1868 in Paris. Er war der Begründer der französischen Linie der Rothschilds. Er war der finanzielle Vertrauensmann und Ratgeber des Königs Louis Philippe, lieh 1830 bis 1844 große Summen an den französischen Staat, tat sich — wie seine Brüder in den anderen Ländern — in dem Aufbau des Eisenbahnwesens hervor und wurde später geadelt. Baron Edmond de Rothschild wurde nach dem Tode seines Vaters James Mayer, des jüngsten Sohnes von Mayer Amschel, Chef des Pariser Hauses Rothschild. Der Baron, der sich im Geiste der alten Rothschilds durch großzügige philanthropische Tätigkeit auszeichnete, widmete sich in einzig dastehender Weise der Kolonisation von Erez Jisroel. Die alten Kolonien Risch0!n le Zion, Sichron Jakob und Rosch Pinah, deren Siedlern Baron Rothschild zunächst beträchtliche Geldunterstützungen leistete, nahm er — ebenso wie später noch andere Kolonien — unter sein Protektorat. Er wandte viele Millionen für diese Kolonisationsarbeit auf. In den judäischen Kolonien wurde unter fachmännischer Leitung Wein angepflanzt, in Galiläa wurden neben Getreidebau, Gartenkulturen und Seidenzucht eingeführt. Versumpfte Gebiete ließ ״der Baron“ — dies sein populärer Name unter der palästinensischen Judenschaft — durch Anpflanzung1 von Eukalypten assanieren. Er ließ ferner große Weinkellereien, die größte in Rischon le Zion, bauen, und als der Weinabsatz stockte, kaufte er den Kolonisten für eigene Rechnung ihre ganze Produktion ab. Er baute ihnen :Häuser, Synagogen, Schulen, Krankenhäuser, Asyle usw. Die Kolonien wurden allmählich zu kleinen Landst^dtchen. Das Ganze unterstand einer vom Baron eingesetzten Administration, die eine strenge Disziplin einführtef Anfang 1900 übergab Baron Edmond die gesamte Verwaltung der bisher von ihm subventionierten Kolonieni der Jewish Colonization Association (ICAj; die dazu erforderlichen Mittel gab er in großzügigster Weise selbst weiter. 1925 übernahm Baron Edmondwieder die palästinensische Administration und übertrujg sie einer neuen, eigens dazu ins Leben gerufenen Organisation, der Palestine Jewish Colonizatio^n ' Association (PICA), deren Vorsitz sein Sohn Jjames übernahm. Abgesehen von seinem Kolonisationswerk, hat sich Baron Edmond auch an zahlreichen palästinensischen Unternehmungen beteiligt. Im ganzen hat er etwa 100 Millionen Goldfrancs in Palästina investiert. Obwohl Baron Edmond im Verlaufe seiner Palästina-Arbeit oft mit den Vertretern der Zionistischen Organisation, mit Prof. Weizmann und S o k o 1 o w, über gemeinsame Interessen Beratungen abhielt, verhielt er sich dem politischen Zionismus gegenüber immer ablehnend. Er blieb den Traditionen seiner Familie treu und bekannte sich stets als religiöser Jude. Wiederholt kam es vor, daß er seine Unterstützung von der Einhaltung der jüdischen Religiqnsgesetze abhängig machte. Außer den religiösen Motiven! waren es aber auch p o 1 itische Momente, die für d|e ablehnende Haltung des Barons, den Zionisten ‘ gegTssLüber, maßgebend waren. Fünfmal war er selbst in Palästina, das letzte' Mal im Frühjahr 1925, kurz vor seinem 80. Geburtstage, vom ganzen jüdischen Palästina mit größten Ehrungen und herzlichem Jubel begrüßt. Für den palästinensischen Juden war Baron Edmond schlicht ״der Bar0n“ oder ״Hanadiw“. Mehrere Orte und Straßen in Palästina tragen seinen Namen. Baron Edmond de Rothschild war ein weltberühmter Förderer von Kunst und Wissenschaft. Seine Kunstsammlungen gehören zu den wertvollsten Privatsammlungen der Welt. Unter seinen zahlreichen Schenkungen sind 30 Millionen Francs zu erwähnen, die er 1927 der Akademie der Wissenschaften zur Gründung eines physikalisch-chemischen Instituts stiftete. Er war Mitglied der französischen Akademie. Mit dem Ableben Baron Edmond de Roth- Einen verheißungsvollen Auftakt für die heurige Winterarbeit der Wiener Orthodoxie bildete die Versammlung der Erez-Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel für Oesterreich, in der der Präsident der Agudas-Jisroel-Welt Organisation, Jakob Rosenheim, über das Thema ״Agudas Jisroel und Erez Jisroel“ sprach. Schon das äußerliche Bild des Abends war einfach überragend. Lange vor dem Versammlungsbeginn war der Festsaal des Hotel Continental überfüllt von Menschen aus allen Teilen Wiens, die gekommen waren, die Stellung der Agudas Jisroel zum Problem der Erez-Jisroel-Arbeit aus dem beredten Munde des Führers der Weltorthodoxie zu hören. Auf der Estrade erschien unter stürmischem, nicht endenwollenden Beifall der ewig junge, nur äußerlich ergraute Präsident der Agudas-Jisroel-Ortsgruppe Wien, Wolf Pappenheim, an der Seite des illustren Gastes, flankiert von den Vizepräsidenten und Vorständen der Wiener Ortsgruppe und dem Präsidenten der Erez-Jisroel-Zenträle, Großrabbiner F r i e d m a nn - Sadagora und Rabbiner Abraham H e s c h e 1. Nach einer kurzen Begrüßung der Erschienenen durch Herrn Wolf Pappenheim widmete der Redner dem in der vergangenen Woche verblichenen großen jüdischen Philanthropen Baron Edmond de Rothschild einen herzlichen Nachruf, in dem er die Verdienste des Heimgegangenen eingehend würdigte. Die Versammlung hörte den Nachruf stehend an und ein Augenblick von unvergleichlicher Weihe folgte den Ausführungen. Stürmisch bejubelt, ergriff dann Ja k o b Rosenheim das Wort zu feinem Referat. Ausgehend von dem gesamten Bild der europäischen Lage, die durch- Im besten Mannesalter, auf der Höhe eines Lebens, welches, von Aha was Jis־ roel durchglüht, nur und ausschließlich von AwodassHaschem erfüllt war, ist am Dienstag, den 28. Cheschwan, nach längerem Leiden Oberrabbiner Benzion Katz von Czernowitz in einem Sanatorium in der Nähe Wiens verblichen. Eine unausfüllbare Lücke ist wieder ent־: standen. Das Judentum, das in den letzten eins einhalb Jahren Schlag auf Schlag führende Geistesheroen verloren hat, beweint nun wieder einen ihrer Großen, dem es von der allweisen Vorsehung leider nicht mehr vergönnt war, seine weitausgedehnte Hilfstätigkeit — auf relis giösem wie auf sozialem Gebiete — fortzus setzen. Speziell wir orthodoxe Juden in Wien, die wir Gelegenheit hatten, das Wirken des nuns mehr Verblichenen in Wien viele Jahre zu bes obachten, haben allen Grund, uns in tiefe Trauer ob dieses unersetzlichen Verlustes zu hüllen. זיין ועב־י ותנצב־די. (Wir -behaltenuns eine nähere Würdigung der Persönlichkeit des Verblichenen sowie die Schilderung seines Lebenslaufes und Bericht über die Lewajoh für unsere nächste Ausgabe vor.) Schilds wird sein großes Aufbauwerk in Palästina nicht unterbrochen. Sein ältester Sohn, Baron James Edmond Armand de Rothschild, hat schon bei Lebzeiten seines Vaters das jüdische Kolonisationswerk in Palästina, sowie mehrere andere jüdische Werke, gefördert und wird nun als der Präsident der PICA nicht nur die vorhandenen Rothschild-Kolonien betreuen, sondern auch neue Siedlungen gründen. Baron James de Rothschild wurde 1878 in Paris geboren und in England erzogen, wo er als naturalisierter englischer Bürger jetzt ansässig ist. wühlt ist von Krisen, kam der Redner zu dem speziellen Thema des Abends: ״Erez Jisroel und Agudas Jisroel“. Wir werden in einer unserer nächsten Nummern das Referat ausführlich behandeln und wollen uns für heute darauf beschränken, in großen Zügen die Hauptmomente festzuhalten. Die Weltkrise, die ihre tiefere Ursache in der G-ttlosigkeit unserer Zeit hat, wird immer verworrener, weil an dem Hauptübel vorbeigesprochen und vorbeigetan wird. Der Nationalismus aller Völker ist über sein berechtigtes und gesundes Maß hinausgewachsen. Während ein gesunder Nationalismus die eigenen Kräfte entfaltet und sie zum Wohle des eigenen Volkes und darüber hinaus der Gesamtmenschheit nützlich macht, fehlt dem von G-tt und seinen Gesetzen unbeschränkten Nationalismus diese wohltuende Kraft. Während wir Juden nun die Aufgabe gehabt hätten, den Völkern ein leuchtendes Beispiel der G-ttesnation zu geben, hat die Entwicklung im jüdischen Volke, die es leider von seiner natürlichen Aufgabe abwegig beeinflußt hat, dazu geführt, daß verirrte Söhne unseres Volkes in die Krisenerscheinungen der anderen Völker eingegriffen haben, und sie haben diese Erscheinungen, anstatt sie zu bereinigen, ins Unendliche gesteigert. Sie haben damit die Krise des jüdisehen Nationalismus gezeugt und damit die dritte Krise, die Krise des Heiligen Landes, heraufbeschworen. Während Erez Jisroel bisher für uns ״der Palast des Königs“, unberührbar, war, sind heute in Erez Jisroel Kräfte wirksam, deren Tätigkeit letzten Endes die Entthronung des G-ttesgedankens in seiner ureigensten Heimat bedeutet. Aus dieser Erscheinung allein erwächst für Agudas Jis- Jakob Rosenheim m Wien« mm Räumungsverkauf Olhmar Schiff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60.—י aufwärts. Halbperücken (früher S 100,—, jetzt nur S 70,—), Bubi־־ oder Mädchenperücken (früher S 120.—, jetzt nur S 80,— bis S 100,—), Erstklassiges Material, tadelloser Sitz. Wien I, Kärntnerring 6 gegenüber Hotel Bristol, Tel, U43*016?־. s