Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 40 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2630538-2630578--4843-2637078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JffttHUi jpMSIlSI JÜDISCHE PRESSE ך wf ORGAN FÜR DIB INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag, Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fol* gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117. Nr. 40 Wien-Bratislava, 26. Oktober 1934 •ביה ווינא-פחגסגורג י״ז חשו; תוציה | 20. Jahrs- Zum28jDklober, 16 Jahre Tschechoslowakisch? Republik. Der Hinweis auf die Spaniolen in der Levante dürfte vollkommen genügen, um zu beweisen, daß das prophetische דרשו את שלום העיר auf dem der kategorische Imperativ, unserer Mischna הוי מתפלל בשלומה של מלכות gleichsam ein notorischer Beter für das Wohl der Regierung zu sein, sich konsequent auf־־ baut, aber keinesfalls papierenes Gesetz ist, dem die Umsetzung in die Tat versagt geblieben worden wäre. Er beweist aber auch apodiktisch, wenn es noch eines solchen Beweises bedurfte, daß die Loyalität und Staatstreue des Thorajuden eine bedingungslose i s t und von ihm auch dann bewahrt wird, wenn ihn ein hartes Geschick Bürger eines solchen Landes werden ließ, welches dem Judentum nicht gut gewogen ist. Denn wie anders wäre die Zähigkeit unserer spaniolischen Glaubensgenossen er־־ klärlich, mit der sie noch heute an der Sprache festhalten, die ihre Ahnen in einem Lande sprachen, aus dem sie vor 400 Jahren zum Teil hinausgejagt wurden, zum Teil aber dort zur höheren Ehre G־־ttes auf dem Scheiter־־ häufen ihre reinen Seelen aushauchen mußten. Braucht es nach Gesagtem noch vieler Worte, um darzulegen, daß der hehre Tag des 28. Oktober, der den tschechoslowakischen Staat phönixgleich aus seiner Asche wieder־־ erstehen sah, der, tschechoslowakischen Juden־־ heit viel mehr bedeutet als bloß ein Staats־־ f eiertag? Hieße es nicht Eulen nach Athen t r a g e n, wenn wir mit besonderem Nachdruck behaupten wollten, daß das Hochgefühl der be־־ rechtigten Freude und des edlen Stolzes, welches die Brust eines jeden treuen Bürgers unserer Republik erfüllt, da sie ins 17. Jahr ihres Be־־ Standes tritt, auch das Herz eines jeden Juden durchströmt, der das Glück hat, in dem Staats־־ gebilde beheimatet zu sein, das von einem T. G. Masaryk begründet wurde und seit seinem Bestände von diesem großen' Philo־־ sophen und Menschen in seinem Geist und Sinn angeführt wird? Statt desen wollen wir unseren Blick und unsere Gedanken zum König aller Könige er־־ heben, in dessen Hand das Schicksal von Herrschern und Völkern ruht, um im über־־ fließenden Gefühle der Liebe und Dankbarkeit für unsere an der Spitze der wahren Kultur marschierende Republik und ihren erhabenen Präsidenten heiße Gebiete zu verrichten, auf daß unser tschechoslowakisches Vaterland immerfort blühe und erstarke und unser großer Landesvater bis ins erdenklich späteste Greisen־־ alter Zeuge dieses wohlverdienten Glückes und Erfolges sei, zum Wohle der ganzen gesitteten Menschheit und zur besonderen Freude der jüdischen Bevölkerung der tschechoslowaki־־ sehen Republik! Samuel Reiner, Presov. oder gegen .den Gesetzgebenden Rat? / Der nachfolgende Aufsatz stammt aus der Feder eines hervorragenden Führers der orgavisierten Orthodoxie, der auf dem Gebiete der jüdischen Politik eine führende Rolle spielt und immer besondere Weitsicht in derlei Fragen bewiesen hat. Die Verantwortung für den Inhalt, der uns in einem Widerspruch zu dem von der Agudas Jisroel offiziell eingenommenen Stand־ punkte zu, stehen scheint, müssen wir dem Autor persönlich überlassen. — Die Redaktion. Nachdem die Stadtratswahlen in Palästina erledigt sind, dürfte die Absicht der Regierung, auf dem Wege der Selbstverwaltung -voranzuschreiten, bald klarer in Erscheinung treten. Gedacht ist an ein ״Legislative Council“, zu zwei Dritteln aus Gewählten, zu einem Drittel aus vom High Commissioner Ernannten, bestehend. Man erzählt sich, daß die Araber, die früher ein ähnliches Projekt Herbert Samuels ablehnten, der nunmehr vorgeschlagenen Parlamentsform freundlich gegenüberstehen. Das wäre vpm Standpunkt der Araber aus außerordentlich verständlich. Denn nachdem alle anderen Länder der Mandatskruppe A (Syrien, Irak, Trans- Jordanien) bereits den großen Schritt zur Selbstverwaltung getan haben, müssendes die Araber Palästinas als peinlich empfinden, daß sie■ etwa noch nicht die politische Reife besitzen sollen, die im Sinne des Mandats ihnen einen Anspruch auf Selbstverwaltung gibt. Hingegen begegnet ׳ man in den jüdischen Pressestimmen fast einmütig einer Ablehnung des Projekts. Die Gründe liegeii auf der Hand. Nach der bisherigen gegensätzlichen Sreftungnahme der arabischen Bevölkerung gegenüber dem Grundgedanken des Mandats ist es begreiflich, daß man annimmt, die Araber (die sicher über eine Majorität im Legislative Council verfügen würden) dürften gegen den Kern des Mandats Sturm laufen, die jüdische Einwanderung abzudrosseln versuchen. Ist dieses Verhalten der Juden aber auch richtig? Wir möchten allen, die es angeht, folgende Erwägungen unterbreiten: Ueber kurz oder lang muß die Mandatsmacht dem von ihr verwalteten Land die Selbstverwaltung geben. Es ist nun die Frage, was besser ist, ob das plötzliche Eintreten dieses Zustandes, oder eine allmähliche Entwicklung nach dieser Richtung hin. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir annehmen, daß die englische Regierung der Meinung ist, bei ,einem Legislative Council werden sich die Bevölkerungsteile einander näherkommen, und daß außerdem diese Form Spielraum läßt, um die definitive Gestaltung der Selbstverwaltung hinauszuschieb,en. Das wäre im wohlverstandenen Interesse des jüdischen Bevölkerungsteiles gehandelt. Man mag — was uns gewiß unendlich fern liegt — sogar revisionistisch gestimmt sein, man wird doch nicht leugnen können, daß Palästina immerhin auch einen arabischen Bevölkerungsteil hat. Man übersehe ferner nicht, daß mit der Zunahme der günstigen kulturellen Entwicklung Palästinas auch die Araber erstarken dürften. Wir halten es deshalb für äußerst kurzsichtig, wenn die jüdischen Kreise von vornherein dem Gedanken eines Legislative Council ablehnend gegenüberstehen würden. Es ist doch selbstverständlich, daß, wenn die Mandatsmacht ein Parlament schafft, sie dieses unter dem Zeichen des Mandats tut, und gerade die Juden, die mit Recht auf den Mandatskern, das ״national home“, hinweisen, hätten allen Grund, sich a priori auf den Gedanken der Selbstverwaltung einzustellen und vorzubereiten. Wenn in der Tagung der Mandatskommission Palavios sagte, man solle mit dem Legislative Council Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien 1, Schottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. warten, bis eine jüdische Majorität im Lande sein wird, so dürfte man doch nicht übersehen, daß dann erst recht Mandatsmacht und Völkerbund gehalten wären, die andere Seite des Mandats, Schutz der Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung, ä tout 6gard in den Vordergrund treten zu lassen. Kurz, wir halten es für ein Gebot der politischen Klugheit, sich mit dem Projekt eines Legislative Council zu befreunden. Wir hoffen, daß es noch jüdische Kreise gibt, die den Mut haben, sich zu dieser Klugheit zu bekennen, wir hoffen vor allen Dingen, daß die Agudas Jisroel sich nicht scheut, dies zu tun. והכם עיניז כראש. P. K. Aus Erez Jisroel. Jeschivvoh-Eröffnung in Tel-Awiw. — Legislative Council. — Stadtratswahlen in Tiberias. — Neue Aguda-Gruppen. — Machne Jisroel. — Rabbiner- Zertifikate. In Tel-Awiw fand am Mittwoch und Donneretag, den .1. und 2. Cheschwan, die feierliche Eröffnung der Jeschi woh ״Bes Josef“ statt, die von den berühmten Talmide Chachomim, die aus Nowhorodek in Rußland geflüchtet sind, eröffnet wurde. Dank der Mithilfe der Agudäs Jisroel, die für die Jeschiwohleute die Einwanderungszertifikate nach Erez Jisroel erwirkt hat, und dank der materiellen Beihilfe des Keren Hajischuw konnte nun diese weltberühmte Jeschiwah in Tel-Awiw in ihren eigenen Räumen eröffnet werden.. Aus dem ganzen Lande hatte sich eine unübersehbare Zahl von Gästen eingefunden. Es waren Rabbi Josef Zwi Duschinsky und Raw Kuk, Rabbi Isser M e 1 z e r, die Rabbiner von Tel-Awiw und Petach-Tikwah, Rabbi Jonathan Horowitz und Rabbi Mosche Blau in Vertretung der Agudas Jisroel und der orthodoxen Gemeinde erschienen. Sämtliche agudistische Gruppen waren durch führende Mitglieder vertreten und der Empfang, der insbesondere dem orthodoxen Rabbiner, Rabbi Josef Zwi Duschinsky, entgegengebracht wurde, bot ein überwältigendes Bild, wie man es in Erez Jisroel schon lange nicht gesehen hat. Rabbi Hillel Wittkind, der Leiter der Jeschiwoh, wies in seiner Eröffnungsansprache auf die Schwierigkeiten, aber auch auf die große Bedeutung des neuen Jeschiwohbaues hin. Als Erster hielt dann Rabbi D uschinsky eine mehr als einstündige flammende Droschoh, die die große Zahl der Zuhörer in Staunen und Entzücken versetzte. Ein vielhundertstimmiges ״Jechi!“ erscholl nach seiner Rede. Es sprachen noch Rabbi Jonathan Horowitz, Herr Samuel Halpern als Voxf sitzender der Agudas Jisroel Tel-Awiw, Rabbi Mosche Blau, der die Grüße und Glückwünsche der Aguda- Zentrale überbrachte, Herr Benjamin Münz in Vertretung der Poale Agudas Jisroel, Herr Mosche Rosenb e r g namens der Zeire Agudas Jisroel und Herr Abelmann als Mitglied der Landesleitung der Agudas Jisroel in Bessarabien. Bis spät in die Nacht dauerte die herrliche Feier, die sich, als die Gäste das Haus verließen, noch durch die ganze Stadt fortsetzte. Auf dem ganzen Weg wurde der Wagen, den Rabbi Josef Zwi Duschinsky benützte, von Bachurim und Gesinnungsgenossen umringt, die durch ihren Gesang und Tanz die Einwohner der Stadt an die Fenster und auf die Dächer lockten. In Tel-Awiw wird der Umstand vielfach kommentiert, daß Raw Kuk selbst von seinen Gesinnungsgenossen bei seiner Ankunft in Tel-Awiw verunglimpft wurde, weil er in einem arabischen Auto angefahren kam, während Rabbi Duschinsky ein unbeschreiblich imposanter Empfang bereitet wurde. Die Frage der Bildung eines Legislative Couneil beschäftigt alle Kreise der palästinensischen Juden* heit. Man sieht insbesondere mit großem Interesse der Stellungnahme der Agudas Jisroel zu dieser Frage entgegen, deren Vertreter vom High Commissioner nach seiner Rückkehr aus London zu einer Unterredung über diese Frage empfangen werden. Bekanntlich hat der politische Sekretär der Agudas-Jisroel-Weltorganisation in London, H: A. Godman, erklärt, daß die Agudas Jisroel Räumungsverkauf י>«■ Olhmar Sduff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60.— aufwärts. Halbperücken (früher S 100.—, jetzt nur S 70,—), Bubi־־ oder Mädchenperücken (früher S 120,—, jetzt nur S 80.— bis S 100,*״־). Erstklassiges Material, tadelloser Sitz. Wien I, Kärntnerring 6 gegenüber Hotel Bristol, Tel. U046־43־־, _