Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 38 (12.10.1934)
- Date
- 1934-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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iwml «£ÜR f*f fifiUHl V. b.b. JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR Redaktion und Administration: Wien, II., MalzgaSse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. TM IliluLlJ Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40* Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fob gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. 0*93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. Nr. 38 Wien-Bratislava, 12. Oktober 1934 .ווינא-פרעסבורג ג׳ חשון תרצ׳ה ב״ה 20. Jahrs. Lubliner Raw זצ״ל. Zum ersten Jahrzeitstag am 7. Cheschwan. Polens konnte sich keinen besseren Rufer im Streite, keinen vertrauensürdigeren Führer im polnischen Pariament wählen. Und daß gerade dieser Volksmann und Politiker in den Beratungen der Kenessio Gedaulo die Sache der jüdischen Erziehung zu vertreten hatte, ist ein Beweis, daß die Veranstalter der Kenessio Gedaulo die besten Kräfte den jüdischen, glaubenstreuen Erziehungs- Problemen widmen und die Erziehungsfrage mit den gehörigen Mitteln behandeln wollen. In der Schlußrede des Sanoker Raw wurden auch jene Worte gesagt, die am besten den großen historischen Erfolg der Kenessio Gedaulo bezeichnen. Oberrabbiner Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1/ Sdiottenving 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. Schapira sprach das große historische Wort aus: W i r sind wieder ein G-ttesvolk! Und wenn auch in diesem kleinen Wörtchen ״wieder“ die ganze Tragödie der letzten Jahrzehnte liegt, so ist die frohe Zuversicht eine Sicherung, die uns ruhiger werden läßt und uns gestattet, mit allen Kräften uns der Aufbauarbeit zu widmen. Zur Frage der jüdischen Arbeit in Erez JisroeL Von L. Birnbaum in Tel-Awiw. Es rundet sich das erste Jahr, seitdem das orthodoxe Judentum einen seiner größten Führer, den Gründer und Leiter der ״Jeschiwas Chachme Lublin“, den Schöpfer des ״Daf-Hajomi“, den unermüdlich für A.gudas Jisroel tätigen Lubliner Raw, Rabbi Meier Schapira verloren hat. Die Lücke, die der Lubliner Raw gelassen hat, ist bis zum heutigen Tage nicht ausgefüllt. Der hervorragende Redner, der die Massen für jüdische Probleme begeistert, gefesselt und fasziniert hat, ist für immer verstummt. Und was nimmt es da wunder, daß das orthodoxe Weltjudentum und insbesondere das polnische, eifrig rüstet, um den ersten Jahrzeitstag dieses Großen in Jisroel würdig zu begehen. Von der Leitung der Lubliner Jeschiwoh, an deren Spitze der Bojaner Rebbe, Rabbi Mosche Friedmann und Rabbi Schlomo Eger, der Lubliner Rebbe, stehen, wurde ein flammender Appell an die jüdischen Massen gerichtet, am Jahrzeitstage den Daf Jomi dieses Tages und Mischnajos zum Andenken an Lubliner Raw zu lernen und des größten Werkes dieses 5 גדול ב י ש ר א der Lubliner Jeschiwoh, zu gedenken, an welcher in diesem Jahre 100 neue, vielverheißende Talmidim auf genommen wurden und nun insgesamt 260 Talmidim Tag und Nacht unermüdlich, getreu dem Vorbild ihres großen Führers, lernen. Für die Jeschiwoh selbst wurde für den Jahrzeitstag ein, besonders umfangreiches Programm ausgearbeitet. In Lublin werden Zehntausende aus allen Städten Polens erwartet, die den Jahrzeitstag an der Wirkungsstätte des Lubliner Raw verbringen und am Kewer dieses unvergeßlichen und unersetzlichen Schöpfers der Lubliner Jeschiwoh und des Daf-Hajomi ihre Tefilos gen Himmel richten werden, uns weiterhin vor so schweren Schicksalsschlägen zu behüten-. # Als Gedenkblatt für diesen Großen in Jisroel drucken wir hier eine Schilderung seiner überragenden Persönlichkeit ab, die im Jahre 1923 nach der ersten Kenessio-Gedaulo in der ״Jüdischen Presse“ erschienen war. Rabbi Meier Schapira, damals noch Sanoker Raw, stand erst am Anfang seiner erfolgreichen Laufbahn. Kaum 36 Jahre alt, stand er schon im bewunderten Mittelpunkt der Weltorthodoxie. Zehn Jahre später ist diese leuchtende Fackel für immer erloschen: Der Sanoker. Der Führer der polnischen Landsmannschaft, Sejmdeputierter Rabbiner Schapira, verdient im vollsten Maße die Anerkennung und Popularität unter seinen Landsleuten. Jedesmal, wenn der Sanoker Raw das Wort ergriff, belebten sich die durch gewaltige Arbeit ermüdeten Delegierten und hörten in atemloser Stille seinen Worten zu. Die Rede des Sanokers ist nie ein Elaborat, nie ein Werk. Und doch, ein Meisterwerk. Die Worte am Anfang seiner Rede langsam und deutlich setzend, scheint es, als ob die Gewalt der Gedanken über den Redner selbst ihre Macht ausbreiten würde, um dann jedesmal rascher die Worte mit angespanntestem Organ den Hörern entgegenzusehleudern, die nicht nur den Weg zum Hirne, sondern auch zum Herzen treffen. Wenn der Sanoker spricht, erwächst Hoffnung. Mag auch die Situation, die er schildert, noch so trübe sein, man weiß, daß er auch bald greifbare Mittel auf- ' zeigen wird, die, wenn sie in Anwendung gebracht werden, die Lage des Volkes wesentlich verbessern. Rabbiner Schapira ist ein Volksführer im besten Sinne des Wortes, Die glaubenstreue Judenschaft Im aktuellen Mittelpunkt der palästinensischen Judenheit steht jetzt das Problem der Einbeziehung arabischer Arbeitskräfte in landwirtschaftliche Betriebe, die bisnun auf rein jüdischer Arbeit aufgebaut waren. Es handelt sich hier um das Gebiet des sogenannten Sharon (Gegend von Kfar .Saba, Magdiel, Herzlia bis Hedera), dessen Besiedlung, vor ungefähr zehn Jahren begönnen, mit einer größeren jüdischen Einwanderung Hand in «Hand ging und welche in Anbetracht der ihr zur Verfügung stehenden jüdischen Kräfte von Anfang an auf jüdischer Arbeit basierte und bis jetzt mit jüdischer Arbeit fortgesetzt wurde. Bei der Gründung dieser Kolonien lag es ganz im Interesse der Grundbesitzer, ihren# in einer durchwegs arabischen Umgebung liegenden Boden durch jüdische Arbeiter zu schützen. Der jüdische Arbeiter hingegen lebte in einem Zustand größter Unsicherheit, stets gefaßt, den Boden gegen arabische Ueberfälle mit seinem Leben zu verteidigen. Um die genannte Zone entbrennt nun der Kämpf, daß dieses Gebiet, das mit rein jüdischer Arbeit aufgebaut wurde, auch jüdischer Arbeit erhalten bleiben soll. Nicht in allen Gebieten Palästinas nämlich war und ist es möglich, sich auf jüdischem Boden nur auf jüdische Arbeit zu beschränken. In den älteren Siedlungen, wie ■Rishon-le-Zion, Neß-Ziona, Rehoboth, Petach-Tikwah׳ etc., die schon mehrere Jahrzehnte bestehen, war man in Ermangelung jüdischer Arbeitskräfte dazu gezwungen, arabische Arbeit in die jüdische Wirtschaft einzubeziehen. Es entwickelte sich dort notgedrungen <׳das!System der sogenannten ״gemischten Arbei t“, das bis auf den heutigen Tag besteht und auf keinen nennenswerten Widerstand der Juden gestoßen ist. Hervorzuheben wären noch jene ׳Fälle, wo jüdische Grundbesitzer bei Be- Stellung ihrer Pflanzungen lediglich auf arabische Arbeiter angewiesen sind und die Bearbeitung jüdischen Bodens rein arabischen Kräften Vorbehalten bleibt. Dies tritt uns bei der Bebauung jenes jüdischen Bodens entgegen, der, weit von jüdischen Siedlungen entfernt, in einer rein arabischen Umgebung, keinerlei persönliche Sicherheit dem jüdischen Arbeiter gewährt und außerdem auch keine An- Ziehungskraft für ihn besitzt, solange dieser unter weit ־ günstigeren Bedingungen in kultureller und politischer Hinsicht in anderen Gegenden Palästinas arbeiten kann. Gerade dieser Umstand jedoch bedeutet einen materiellen Vorteil für die Kapitalisten, die sozusagen gezwungen sind, mit arabischen Kräften zu arbeiten, gegenüber denen des Sharon. Denn arabische Arbeit ist viel billiger als jüdische und besonders dort, wo sie mit keiner anderen (jüdischen) in Konkurrenz tritt, zumal der arabische Arbeiter, den klimatischen Schwankungen des Landes weniger unterworfen, physisch viel leistungsfähiger ist als der jüdische. Nun, da sich ein starker Mangel an jüdischen Arbeitskräften fühlbar macht, ergriffen die Pardessanim des Sharon rasch die Gelegenheit und nahmen arabische Arbeiter in ihre Betriebe auf.. Diese Tatsache löste einen scharfen Protest der jüdischen Bevölkerung aus und der Kampf Für und Wider einer Einbeziehung arabischer Kräfte in bis jetzt rein jüdisch geführte Betriebe ist äugenblicklich noch unentschieden. Wahr ist, daß der palästinensischen Wirtschaft eine Krise droht, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird; diese wird jedoch lediglich durch den Mangel an Arbeitskräften bedingt. Wie groß derselbe ist, wird durch die Tatsache erhellt, daß zur Zeit der Saat und Ernte Gymnasiasten aus den .Schulen, Bürokräfte aus. den Büros, Arbeiter aus den Fabriken zur Landwirtschäft herangezogen werden müssen; mit dieser Einrichtung kann aber nicht ständig gerechnet werden. Auch die Tat- Sache, daß die Araber in ihrem Lohnstreik in Neß-Ziona als Sieger hervorgegangen sind, läßt auf den großen Arbeitermangel schließen. Abhilfe könnte daher nur durch eine größere Einwanderung geschaffen werden. Aus der Einbeziehung arabischer Arbeitskräfte würde aber — und das darf nicht übersehen werden —manche Gefahr den׳ Juden und dem jüdischen Arbeiter insbesonders erwachsen. Der jüdische Kapitalist wird es nicht unterlassen, die billigere arabische Kraft gegen die teure jüdisehe auszuspielen; die dadurch bedingte Lohnkonkurrenz würde aber mit einer erheblichen Senkung des Lebens- Standards der jüdischen Arbeiterschaft verbunden sein. Sollte aber, was bei einem größten Mangel an Arbeitskräften eventuell eintreten könnte, der arabische Arbeiter des Lohnminimum des jüdischen erreichen (siehe Neß- Ziona), so wäre ein Konflikt mit den arabischen Unternehmern, die ihre Arbeitskräfte auf niedrigster LohnStufe zu erhalten bestrebt sind, unvermeidlich. Nicht zuletzt wäre die Gefährdung der politischen Lage zu bedenken. In dem bekannten Passfield-Buch legte die Mandatarmacht den Standpunkt fest, daß die Ein- Wanderung nach der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit des Landes zu regulieren sei. Erst später wurde der ,Standpunkt dahin geändert, daß die ״Aufnahmsfähigkeit“ sich lediglich auf die jüdische Wirtschaft bezieht. Wenn nun die jüdische Wirtschaft dem arabischen Arbeiterreservoir geöffnet wird, so wird die englische Regierung es nicht unterlassen, die Einwanderung immer weiter einzuschränken und jegliche Aufnahmsfähigkeit in Abrede zu stellen. Die zuständigen jüdischen Stellen müssen nun an die Lösung der hier aufgeworfenen Frage schnellstens herangehen, denn von dieser hängt das Wohl des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina ab. Es wird weiter paktiert. Vor Redaktionsschluß erhalten wir die Mitteilung, daß die der ״Union österreichischer Juden“ angehörigen Mitglieder des Wiener Kultusgemeindevorstandes ihre Opposition aufgegeben und neuerlich ihre Mandate im Vertreterkollegium und in den Kommissionen bezogen haben. WA Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60.— aufwärts. Halbperücken (früher S 100,—, jetzt nur S 70,—). Bubi־־ oder.Mädehenperüeken (früher S 120,—, jetzt nur S 80,— bis S 100,—). Erstklassiges Material, tadelloser Sitz, Wien I, Kärntnerring 6 gegenüber Hotel Bristol. Tel U43446.