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Jüdische Presse · 1934-09-14 · 35 (14.9.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
35 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE OMAN FÜR DM INTSRfiSSfiN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion ttüd Administration: Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschlaß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Fresse“, Wien, auf föl* gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117. Nr. 35 Wien-Bratislava, 14.September 1934 «כ״ה וויגא־פרעסבורג ה׳ תשרי תוצ׳ה 20. Jahrs. Dr. Nathan Birnbaum: HeidensUnde. Die ersten zehn Tage des jüdischen Jahres sind Tage der Umkehr. Nicht nur das Jahr soll neu sein, sondem auch der Mensch, der durch seine Pforte einzieht, soll ein neuer, geläuterter Mensch werden. Und was vom einzelnen erwartet wird, sollte man auch vom ganzen Volk erwarten dürfen: daß es an diesen heiligen Tagen seine Fehler einsieht und abschwört. Aber die zehn Tage der Umkehr kommen und gehen Jahr für Jahr, hie und da macht ein einzelner Ernst an ihnen, aber für die Masse der einzelnen rauschen sie, höchstens gebetbeladen, ohne Spuren ihrer Weihe zu hinterlassen, vorüber. Und das Volk als Kollektiv, das beharrt erst recht in seinen Irrungen und Sünden. Manche werden zweifeln, daß das Volk als solches sündigen könne. Aber nicht nur kann es das, sondern die Sünden der Masse und die Sünden der einzelnen stammen sogar von seinen, des Volkes, Sünden. Nur daß allerdings die Verantwortung dafür wieder auf einzelne, auf gewisse einzelne — auf die Führer und Erzieher des Volkes zurückfällt. Wenn sie nicht fortsetzen können, was die großen Gestalten der Vergangenheit begonnen haben, weil sie, vergangenheits-, gegenwarts- und zukunftsblind, gar nicht merken, daß sich an der Volksseele immer mehr Irrung und Sünde ansetzen oder diese, deren wahre Natur nicht erkennend, mit unzulänglichen Mitteln ausmerzen wollen. Man liebt es heute, das Golusschicksal als Pauschalentschuldigung für die Irrungen und Sünden des jüdischen Volkes heranzuziehen und vergißt dabei, daß ja das Golus selbst schon eine Folge dieser Irrungen und Sünden ist. Man vergißt ferner, daß wir die längste Zeit auch im. 'Golüs eine“ wirksame Wehr gegen den Einbruch von allerlei Entartung hatten, und daß diese Entartung, — die uns, nebenbei gesagt, in unsere heutige verzweifelte Lage brachte — erst einbrach, als wir jene Wehr, unser Judentum und unsere Jüdischkeit, immer mehr wegwarfen. Ein großer Teil der heutigen Generation hat ja, dem Himmel sei Dank, schon gelernt, die Assimilation zu verdammen. Aber sie ist sich noch lange nicht klar, was Assimilation ist. Für die einen erschöpft sie sich schon im Gebrauch von Symbolen fremder Volkszugehörigkeit, wie etwa Nationalfarben, Nationalhymnen usw. Andere gehen schon weiter und beziehen auch den Gebrauch der andersvölkischen Sprache, das Erleben der Kunst des Wirtsvolkes als einer eignen, in den Begriff der Assimilation ein. Nun ist das alles wirkliche Assimilation — vermeidbare und unvermeidbare, je nachdem — doch nicht die letztentscheidende. Vielleicht wäre sie es bei anderen Völkern, bei uns ist sie es nicht, kann sie es nicht sein. Denn was uns von den anderen Völkern unterscheidet, ist in der Hauptsache nicht das, was in jedem einzelnen Volke auf verschiedene Weise anders ist als bei uns, sondern das, was bei ihnen in ihrer Gesamtheit — unbeschadet nationaler Nuancen — sich anders darstellt als bei unserem Volke. Wobei ich vorzugsweise die europäisch-amerikanische Völkerwelt ira Sinne habe. Diese Welt hat — unter teilweiser und teilweise erfolgreicher Entgegenwirkung des Christentums — eine Lebensauffassung und Lebensführung ausgebildet, die mehr als die nationale Nuance den ganzen Menschen bestimmt und die der echtjüdischen, ebenfalls den ganzen jüdischen Menschen bestimmenden durchaus widerspricht. Wenn Juden sich in national-kultureller Betätigung dem einen oder anderen Volke anpassen, so werden sie dadurch an sich noch immer nicht im ganzen umgemodelt. Sie gevvinnen dadurch nur mehr Gelegenheit, sich auch der allgemeinen europäischen Lebensauffassung und Lebensführung anzupassen. Und so wie sie damit beginnen, vollendet sich erst die Entjudung, wird ihre Assimilation Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1, Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. ' Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. erst eine gründliche, Das Tragische ist nur, daß sie mit ihrer Gründlichkeit über die Assimilation zu neuer Entfremdung von den Völkern hinausschießen. Denn sie nehmen, die jüdische Erbschaft ganz in den Wind schlagend, von den Europäern gerade die äußersten Ergehnisse absoluten Heidentums an, die ihnen dann von jenen auf Grund eines Bestehens christlicher Gesinnung als jüdisch vorgeworfen werden. In der biblischen Zeit unterlag Israel noch oft dem Heidentum in der eigenen Brust, bis es zuletzt darüber siegte. Dann kamen die Heidensünden fremder Völker, gegen die sich das jüdische Volk mit wechselndem Erfolge wehrte. Später hütete es sich ängstlich vor ihrem Eindringen, bis die neue Zeit kam und ihnen in breitestem Ausmaße Eingang in die jüdische Volksseele verschaffte. Sie von dort herauszubekommen ist die Aufgabe, die sich vom Standpunkt des Volkes zu stellen gerade in den zehn Tagen der Umkehr an der Zeit ist. Vor allem sich ihrer bewußt zu werden, wie sie da sind, zu erkennen: Heidensünde ist das ausschließliche Streben nach Geld und Geltung. Heidensünde, darob die sittlichen Verpflichtungen und Rücksichten gegen den Nebenmenschen zu vergessen. Heidensünde.ist Vergnügungssucht und Luxus: Keine freie Stunde ohne irgend ein latschiges Unterhaltenwerden durch irgendwelche Berufsunterhalter, kein Schritt ohne einen aufdringlichen Luxus, der die Armen beschämt. Heidensünde ist jedes Wort und jede Tat, die zu Vergnügungssucht und zum Luxus anregt. Heiden Sünde ist die hemmungslose Kapitulation. vor dem Triebe: Die Prostitution des Leibes durch “zweckentsprechende‘ Kleidung/ die Badegemeinschaft der Geschlechter, die Unzucht unter dem Deckmantel der Kunst, die sogenannte freie Liebe. Heidensünde ist das Getue jener berühmten und unberühmten Schwachköpfe, die, auf die ״Rückständigen“ mitleidig herabsehen, mit ihren krassen Argumenten und ihren überheblichen SpÖttereien die Schranke, die der Sinnlichkeit von der Ewigkeit gesetzt ist, in die Luft sprengen wollen. Heidensünde ist die moderne Emanzipation und Tyrannei der Jugend: dieses widerliche Wettkriechen vor ihr, ihr Dünkel und ihre Anmaßung, diese Umkehr der Werte, diese versuchte und schon als Versuch verderbliche Verlegung des natürlichen Schwergewichtes. Heidensünde ist die ewig unruhige Untergrabung aller Autorität, das ungeduldige Luntenlegen unter Institutionen, die menschheitliches Schicksal, zumindest Dauerstationen auf dem Menschheitswege sind. Heidensünde ist es, die mit Recht ersehnte Befreiung und gar Erlösung des Menschen auf solchem Wege zu suchen. Heidensünden sie alle — und daß sie Heiden- Sünden, von den Völkern übernommene Sünden sind, das beweist am besten ihre gemeinsame Abkunft von der Urheidensünde. Wissen wir doch, daß die Völker keine Ruhe haben, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit eine Meuterei gegen G-tt anzetteln. Und wo haben denn unsere G-ttlosen ihre G-ttlosiglceit gelernt, wenn nicht bei den Völkern? Wo haben diese jüdischen Leute ihre Sprüchlein des ״freien Geistes“, wo haben sie gelernt, der gewaltigsten Intuition aller Zeiten, der G-tteserkenntnis, ihre Negation entgegenzusetzen, wenn nicht bei den nichtjüdischen Heiden in Europa und Amerika. Umkehr darin würde Umkehr auf der ganzen Linie bedeuten. Manche haben ja auch schon zu G-tt und seinem Gesetze zurückgefunden. Aber im wesentlichen ist das Lager der Ungläubigen in unserem Volke noch ungemlndert. Noch fehlt diesen Juden das elementarste Erapfinden für ihre G-ttverlassenheit — Verlassenheit im buchstäblichsten Sinne des Wortes! — für ihre Schemenhaftigkeit, für ihr Unkrautsein auf dem Acker der Menschheit. Noch immer lauschen sie bloß dem Stimmengewirr des materiellen Lebens. Noch haben sie die alte Fähigkeit ihres Volkes, den Atem des Allmächtigen durch das Weltall und die Menschheitsgeschichte wehen zu hören, für sich nicht wiedergefunden. Noch immer haben die Ereignisse sie nicht überzeugt, daß ihr Volk nur den einen Lebenssinn hat, G-ttes Volk zu sein... Wann werden auch sie überzeugt werden? Wann werden auch sie zurückfinden?... Vielleicht gibt es unter uns — unter denjenigen, die im G-ttesvolk zu Hause sind — etliche, die an den zehn Tagen der Umkehr nicht nur für sich, sondern auch für das ganze Israel beten. Dann mögen sie mit tiefer Andacht beten, daß G-tt die jüdischen Heidensünder erleuchte und daß er sie selber, die Betenden, mit der. Fähigkeit ausrüste, nach den Umkehrtagen zur Umkehr der verlorenen Brüder beizutragen. || Schulbeginn In der neuen Verfassung des Bundesstaates Oesterreich wird der konfessionellen Schule eine erhöhte Bedeutung zugebilligt. Bisher wurde die konfessionelle Gesinnungsschule der Privatschule gleichgestellt. In der neuen öster? reichischen Verfassung ,wird jedoch die konfes? sionelle Schule als etwas Erstrebens־־ wertes bezeichnet. Es wird sogar in Aussicht gestellt, bei Besserung der allgemeinen Wirt'־־ ־sch־afföla־ge~IlTfd~von1usgesetztr'daß durch״die konfessionellen Schulen die öffentliche Hand entlastet wird, zur Erhaltung derselben einen entsprechenden Beitrag aus öffentlichen Mitteln zu gewähren. Für uns Juden bedeutet demnach diese Möglichkeit einen erhöhten Ansporn, unsere Kinder in jüdisch־־konfessionellen Schulen unter? richten zu lassen. Das jüdische Kind kann sich im allgemeinen in den öffentlichen Schulen nicht wohlfühlen. Die öffentliche Schule wird, dem Geiste der Neuordnung in Oesterreich zufolge, allzustark den christlich?deutschen Charakter der neuen Staatsführung hervorheb eriV Wir Juden möchten aber selbstverständlich, bei der sorgsamsten Pflege vaterländischer Gesinnung, jüdische Ideale in die Seele unserer Kinder pflanzen. Diese Ideale wird man aber nur an einer jüdischen Schule pflegen können. Zunächst besitzt die Wiener Judenschaft nur eine einzige jüdische Volks? und Haupt? schule, und zwar die des Talmud?Thora? Schulvereines. Hoffen wir, daß jüdische Eltern, von dem Wunsche beseelt, ihre Kinder zu selbstbewußten, aufrechten und religiösen Juden zu erziehen, der jüdischen Gesinnungs? schule ebenfalls eine erhöhte Bedeutung zu? billigen werden und den Bestand dieser einzigen Schule nach besten Kräften sichern werden. Räumungsveikauf bei Olhmar Sdtiff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60.— aufwärts. Halbperücken (früher S 100.—, jetzt nur S 70.—). Bubi? oder Mädchenperücken (früher S 120.—, jetzt nur S 80.— bis S 100.—). Erstklassiges Material, tadelloser Sitz. Wien I, Kärntnerring 6 gegenüber Hotel Bristol, Tel. U*43*0?16. LebensvenkherangS' ״PHÖNIX“ SK— Aus dem Jahresberichte 1933: Versicherungsbestand...3107 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen. .. 211 Millionen Schilling Garantiemittel .... 680 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten. 72 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Saargebiet, öechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Marokko, Irak, Tunis und Aegypten.

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