Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 31 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V* K - Redaktion nnd Administration: WI e n, m, Malzgäsae 12 ät V&phön A-46-Ö46. TstödchöälöWäkci 1 Btatlala■y ׳a, Postfach 381. -: Jüiföslawien{ Subo.tica, Zrinjski trg 31. /״ Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien DinarlSO, das übrige Ausland Sehw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 4Ö. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf ich gende Postaparkaäsenkonti: Wien Nr, D-93.614, Brünn Kr. 126.058, Berlin Nr. 122.819, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 196.409, Zagreb Nr. 49.217, Zürich Nr. WB» 4117. Wien-Bratislava, 17. August תיציד. ווינא־פרעסבות 20. Jahre. ״ ־R e i n anti s e mit i s 0 h e n C h a r a kt er“ tragend, bezeichnet der französische Ge n er a 1g o u v e r n eur Car de die Judentragödie in Constantine. Der 'brave französische" Beamte' wollte mit seiner;Charakteristik bekunden, daß die Judenmässaker in Algier weder :mit nationalsozialistischer Propaganda, noch mit französischen Reaktionären, wie überhaupt mit Politik, etwas zu tun haben. Die grausame Zerstörung jüdischen Lebens und jüdischen Vermögens hängt einzig und allein mit dem wilden Ausbruch antisemitischer Instinkte zu- ■ sammen. .Auch wenn der Fall so wäre -— er ist leider nicht s.° —, so würde er uns nur zeigen, daß wir Juden nirgends auf der Welt unseres Daseins so ganz sicher sind. Gewissenlose Hetzer können überall 1־und immer die schlummernden antisemitischen Urinstinkte der Völker wachrütteln und auf Siedehitze bringen; also das typische Judenschicksal im Golus. Der Fall Constantine ist nicht so ״harmlos“, ausschließlich antisemitisch, wie es der französische Generalgouverneur glaubt. Der Judenpogrom war nach verläßlichen Berichten zweifellos gut vorber.eite t. Zweifelhaft bleibt bloß, wer diese Vorbereitungen getroffen hat. Waren es n a t i o ri als o zi a 1 i s t i s c h e Emissäre oder gar Boten ■des neuerwachten a r abisch-mohamme dahisch e n Nationalsozialismus, dessen Organe im Hinblick auf Palästina überall unter den Mohammedanern Unruhe stiften und Haß gegen die Juden predigen? In beiden Fällen haben diese Sendlinge eine leichte Arbeit gehabt, da sie sich einer unglaublichen D u 1 du ng s e it en s der französischen Be h.ö rd.en erfreuen konnten. Wir Juden können uns selbstverständlich; falls diese Ausschreitungen nicht rein antisemitischen, sondern auch antisemitisch-politischen Instinkten ent- Sprüngen sind, unseren Vers dazu machen. Waren es deutsche Nationalsozialisten, die. den Judenhaß in fernem Lande zu solchen wilden Orgien aufpeitschten, so erblicken wir darin die nationalsozialistische Fratze. Die nationalsozialistischen Führer pflegen die halbschläfrige europäische Diplomatie damit einzulullen, daß der Nationalsozialismus ״keine Exportware“ wäre. Tatsache ist es aber, daß der Nationalsozialismus über a 11 Judenhaß predigt, um den ganz einzigartigen barbarischen Charakter der eigenen Juden- Politik irgendwie zu rechtfertigen, zu rechtfertigen durch das Beispiel, welches diese Politik .auch in anderen Ländern findet. Es gibt wohl viele europäische Staaten, die wahrlich antisemitisch genug sind, aber doch ist es den Deutschen nirgends in Europa gelungen, nicht einmal in Rumänien, ähnliche Zustände wie in Deutschland selbst aufzuzeigen. Die deutschen Nationalsozialisten mußten;wohl nach dem wilden Afrika gehen, um Lorbeeren auf dem Gebiete antisemitischer Expansion einzuheimsen. Wir Juden dürfen uns aber keineswegs angesichts der tieferen Ursachen der Tragödie in Constantine mit der Sache abfinden, indem wir sagen, das ist das Werk der deutschen Nationalsozialisten. Die arabischm o ham m e dänische Welt wird von gewissen Agitatoren gegen die . Juden aüfgehetzt. Gegen die Juden mit Rücksicht auf P a 1 ä s t i n a. Diese arabischen Hetzer wissen, daß breite Schichten der arabischen Bevölkerung ganz bedeutende wirt•: schaftliche Vorteile aus der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina ziehen. Erst unlängst; haben wir Daten zu lesen bekommen, wonach außerhalb Palästinas wohnende Araber, die, angelockt von dem günstigen Arbeitsmarkt im heiligen Lahde, dorthin zogen, ganz beträchtliche Summen ersparen und ihren ‘Familien in die Heimat schicken konnten. Diese Prosperität regt die Phantasie der Araber dermaßen auf und wird von den nationalsozialistischen Agitatoren als wirksames Mittel ihrer Propaganda; verwendet. Die Juden machen das verödete Land blühend und bringen es zu Wohlstand. Das blühende,;von Milch und Honig fließende Land wird wieder von denr arabischen Agitatoren als köstliche Frucht den gläubigen Massen angepriesen.; Unter dem politischen und Wirtschaftlichen Druck der gesamten europäischen Situation blicken wir alle nach Erez Jisroel als nach •einem Land der• Erlösung. Vorsichtige und verantwortliche Führer müssen aber immer daran denken und, daräuf hinweisen, daß in Leistiingsfähigsfes Möbelhaus M. Redler. Wien I, *Sdioltenring JS Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebemahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomrä“-Mitglied. Palästina ebenso das Judenschicksal eingebetet liejgt wie in allen Ländern, in denen wir zerstreut wohnen. Schutz, wirklichen: Schutz findet der Jude nur bei seine m G -11. Wenn wir daher an der Schwelle des Monats Elul über unser Leben Rechenschaft geben, so sehen wir, daß über alle Tragödie, über allem Niedergang, über allem Haß, den wir Juden allerorts erleben, ein Lichtpunkt sich erhebt, das ist; die hilfreiche;Hand G-ttes, nach der wir hilfesuchend greifen. Elul, das ist der große Monat der Vorbereitung, der Einkehr, da der Jude sich selbst und seinen G-tt findet, den einzigen Schutz in dem furchtbaren Gewirr der Völker. Die' einlaufenden Schilderungen über die Einzelheiten der blutigen׳Ereignisse iir Gonstantine geben..das Bild eines furchtbar.en £0:g roms, .bei dem in bestialischer Weise eine große Anzahl Juden, darunter Frauen und Kinder, ,niedergemetzelt wurde. Man nimmt an, daß gewerbsmäßige Hetzer die Arrangeure sind. Die Leichen der Opfer, unter denen Greise und Kinder sind, weisen fürchterliche. Verletzungen > auf.: So sind an manchen Leichen eine Unzahl von Messerstichen über den ganzen Körper, bei arideren eingeschlagene Schädel zu sehen. Die Zähl der Toten, die offiziell mit 27, und die der Verletzten, die mit etwa 20 angegeben wird, dürfte laut privaten;Mitteilungen wesentlich höher sein. Die angegriffenen Juden hatten sich verzweifelt gewehrt, konnten aber ihrem schrecklichen׳ Schicksal' nicht entgehen, da.nicht rechtzeitig Hilfe'kam. ׳ - Das Juden viertel von Constantine bietet ein Bild grauenhafter Zerstörüng.; Sämtliche Geschäfte sind demoliert und der Großteilder Häuser niedergebrannt. Nur jene Gebäude, welche die Aufschrift ״Christliches•Haus“ trugen, blieben verschont. ׳ Mittwoch, den 8. August, wurden^ in Constantine die bei den Pogromausschreitungen am Sonntag und Montag getöteten Juden b e i g es e tjz t. Auf An- Weisung von behördlicher und jüdischer Seite; geschah die Beisetzung inr aller Stille unter Bewachung durch Militär und Polizei. .! Ueber die furchtbaren Einzelheiten der Schreckenstage meldet der nach Constantine entsandte JTA-Vertreter; Als ich in Constantine eintraf, bot sich mir ein Bild des, Schreckens. Ich sah. jüdische Mädchen mit abgesdhnittenen Brüsten, kleine jüdische Kinder mit tödlichen Messerstichen, ganze Familien, die,: in ihre Häuser eingeschlossen, mit diesen zusammen verbrannten, alte, graubärtige Juden mit Wunden übersät. Es wird •Tage dauern, bevor die Weit ein Bild all der Scheußlichkeiten erhält, die während des Pogroms sich ereigneten. Die Listen der Toten und Verwundeten,' ‘die •in die Hunderte gehen, ist noch nicht endgültig zusammengestellt, aber die Hospitäler sind überfüllt mit jüdischen Opfern und ihre. Tore belagert von Ehefrauen und Müttern, die erfahren wollen, ob. ihre verschwundenen Männer und Kinder unter den Toten und Verwundeten sind oder ob sie aus der Stadt geflohen und noch nicht zurückgekehrt sind. Das Judenghetto gleicht einem Trümmerhaufen und ist von Militär stark bewacht. Die meisten Häuser sind gänzlich verödet. ■י . * :״ יי'׳ . ■י' ■'•.•''־ ׳.׳ Generalgouverneur Carde erklärte vor seiner Abreise nach Algerien dem JTA■׳Vertreter, gegen die verbrecherischen Elemente würden die schärfsten M a ß n a hm e n getroffen werden.; Wenn die Unruhen nicht sofort unterdrückt werden :kbhnten. so sei dies darin begründet, daß das alte Ghetto ein wahres Labyrinth sei, in dem sich die' Araber strategisch: besser zurecht- .fänden als die neu angekommenen Truppen. . '׳ '; Ruhe in Constantine.; Obgleich die R u h e• in den Straßen Cönstantines wieder h er ge s t eilt zu sein scheint, bleiben die Truppen vorläufig noch in der Stadt. Die Lage ist noch immer :äußerst gespannt. Es herrscht B e s o r g n i •s um das Schicksal vieler Familien, die auf entlegenen Gehöften, und in kleinen, vpn wilden Stämmen umlagerten Städten leben. Man rechnet damit, daß diese Familien nieäergemetzelt wurden. - :•r• In A'in B ei d a gelang es dem Militär, neu• aufflackernde Ausbrüche •im Keime zu ersticken. Der G e ne r a 1 gou ver ne u r: von Algerien, C ard e, hat einen App e 11 an die Bevölkerung erlassen, den Frieden aufrechtzuerhalten. Es wurde eine Sa mmlung für die Familien der Opfer eröffnet. ‘ : i Der B ü r'gerraeiste r von Constantine hat in einer Ansprache erklärt, daß * die :Behörden über die an den Ausschreitungen Beteiligten schwere S t r a f e n verhängen werden. Photographische Aufnahmen," die aus'.Constantine eintreffen, zeigen das jüdische Viertel in einem Zustand unbeschr eib 1 icher Verwüs tuhg. Juden wandern wehklagend unter den Ruinen ihrer Häuser umher. Die Straßen sind besät mit zertrümmerten Möbelstücken und von den!Plünderern zurückgelassenen Gegenständen. Truppen graben Leichen aus den Trümmern. Militär- Patrouillen sind auf der Wacht, um Plünderungen der verlassenen Häuser zu verhüten. Die gesamte jüdische Bevölkerung'ist־ ruiniert. Der durch die Plünderungen angerichtete Sachschaden wird amtlich auf mehr als 50 Millionen Francs geschätzt. '׳ Dank den energischen behördlichen Maßnahmen' ist in Algerien in den letzten Tagen die Rühe wiederhergestellt, so daß der Belagerungszustand nunmehr aufgehoben werden konnte. Der algerisehe Generalgouverneur Carde hat an das Irinenministerium in Paris einen ausführlichen Bericht über Entstehung und Verlauf der antisemitischen Ausschreitungen gesandt, Darin wird mitgeteilt, daß - bei den Verhandlungen mit dem Generälgouverneur der Führer der Mohammedaner eine Erklärung abgegeben habe, in der die schärfste Miß־v billigung der Ausschreitungen zum Ausdruck gebracht und versichert wurde, daß von seiten der Muselmanen alles geschehen wejde, um die Wiederkehr solcher Ereignisse zu verhüten, Der Geheralgouvemeur nahm die Erklärung entgegen;und fordert^־*־• energisch, daß; ^ieeei! Worten, auch die Taten folgen sollen, De? Abordnuhg• der jüdischen Gemeinde hat dev Generälgbüyerheur die Ver- Sicherung gegeben, daß alle Schuldigen unhachsichtlich Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager 55u tief, reduziertengreisen,geräumt Scheitel bereis von S 60,— aufwärts. Halbperücken (früher S jetzt nur S 70,—),Bubi־» oder ■Madchenperucken ' S 120.״״» jetzt nur S 80.— bis S 100.״״), Erstklassiges Material, tadelloser Sitz. Wien I, Kärntnerring gegenüber;,י,,׳•"