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Jüdische Presse · 1934-08-03 · 29 (3.8.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
29 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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i t*t»!*t&6 00 Voten« fisdlf fiotf & m&imim t n**m*t* st«. 41872-m-tdi ■ v«t*etef versend* ' Journal m&m p» PAtttm1 V. b. b. JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIB INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration i Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei KS 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fol* gende Postsparkassenkönti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.088, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, 2agreb Nr, 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117. Nr. 29 Wien-Bratislava, 3. August 1934 סח ווינא־פרעסבורג סב אב תיצ ר 20. Jahrg. Oesterreich überwindet die Krise. 1. Noch ist der Schmerz über die Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß nicht verklungen. Das Entsetzen und die Erschütterung, die durch das Verbrechen irregeleiteter Terroristen hervorgerufen wurden, dauern unvermindert au. Die ungeheure Teilnahme beim Leichenzug des toten Kanzlers und die unzähligen Trauerkundgebungen, die im ganzen Lande veranstaltet wurden und noch werden, legen beredtes Zeugnis dafür ab, in welchem Maße der weitaus überwiegende Teil des österreichischen Volkes treu und einmütig sich zum ermordeten Kanzler bekannt hat und zu seinen nunmehrigen Willensvollstreckern bekennt. Inzwischen ist am Montag schon die neue Regier u n g gebildet worden, an deren Spitze der frühere Unterrichts- und Justizminister Dr. Schuschnigg getreten ist. Dr. Schuschnigg gilt als der große Schüler des Altbundeskanzlers Dr. Seipel. So wie bei Dr. Seipel der katholische Gedanke der Leitstern seiner staatsmännischen Tätigkeit war, so wie Dr. Seipel es verstand, Oesterreichs Staatsinteressen mit den Idealen und Wünschen' eines Katholiken in Einklang zu bringen, so wird sicherlich auch Dr. Schuschnigg seine Erziehung in einer der berühmtesten katholischen Lehranstalten nicht verleugnen. Es heißt aber heute gut katholisch sein, das Geistesgift Nazideutschlands von der Bevölkerung fern zuhalte n. Jeder Katholik denkt mit Schmerz und Schrecken an die Lage der Katholiken in Deutschland. Wir orthodoxe Juden begrüßen in Bundeskanzler Schuschnigg nicht nur aus dem Grunde den katholischen Politiker, weil uns hiedurch die Hölle eines Naziregimes erspart wird, sondern auch ־ aus positiven Gründen. In einem Staat, der nach positiven religiösen Grundsätzen geleitet wird, werden auch die Grund- Sätze des religiösen Judentums geachtet. Wie es christelt, so jüdelt es! In einem Staat, in welchem die Erziehung der Jugend nach religiös-sittlichen Grundsätzen vor sich geht, wird auch die Erziehung der jüdischen Jugend gemäß den religiösen und sittliehen Anschauungen des überlieferten Judentu m s vor sich gehen müssen. Dr. Schuchjxigg hat sich als Begründer einer großen Wehrformation, als Führer der ostmärkischen Sturmscharen, die Achtung und Wertschätzung des ganzen Volkes erworben und, über das Grundsätzliche hinaus, war er mit Dr. Dollfuß durch eine innige Freundschaft, durch die Gemeinsamkeit der Anschauungen und Ideale, verbunden. Der neue Bundeskanzler und andere führende Mitglieder der Regierung haben in mehreren Erklärungen eindeutig und klar mit Nachdruck betont, daß die Politik Dr. Dollfuß1 keine Aenderung erfahren werde, daß die neue Regierung vielmehr in seinem Geiste die Geschicke Oesterreichs leiten, nach seinen richtunggebenden und achtunggehietenden Weisungen das Werk der Befriedung und des Wiederaufbaues unseres Staates fortsetzen wird. Die österreichische Judenheit — das wurde bereits oft und oft betont — steht in einmütiger Treue und aufopferungsbereiter Liebe zu ihrem Vaterland Oesterreich. Die österreichische Judenheit, die der neuen Regierung den Gruß und den Dank dafür entbietet, daß sie das Vaterland vor einem grauenhaften Chaos, vor dem Untergang, bewahrt hat, wird Schulter an Schulter mit der gesamten Bevölkerung dieses Staates fürdieFreiheitundU na bhängigkeit Oesterreichs, dem Vermächtnis Dr. Dollfuß׳ getreu, eintreten und bis zum letzten kämpfen. it. Die sensationellen Enthüllungen, die Bundeskommissär Adam am Dienstag gemacht hat, das schauerliche Dokument, in welchem bis ins letzte Detail ausgearbeitete Weisungen für die Durchführung des G-tfc sei Dank mißglückten Putschpianos gegeben waren, wirft ein neues Licht auf die a u ß e n p o I i t i s c h e Seite der Affäre. Vom ersten Augenblick stand es fest, daß hinter der verbrecherischen Aktion vom 25. Juli, deren Ziel es war, Oesterreich zu einer Kolonie zu machen, regiert und beherrscht von einem hitlerbegnadeten Statthalter, die führenden Kreise Deutschlands standen, die in den letzten Wochen, in maßloser Wut ob des beidenhaften Verteidigungskampfes, der vom ermordeten Kanzler geführt wurde, eine wüste Mordhetze gegen Oesterreich und gegen den Kanzler entfesselten. Es gab der Beweise hiefür genug und die kläglichen LeugnungsverSuche, die von deutscher Seite unternommen wurden, die Abberufung des Gesandten Rieth uhd die Neubestellung des Herrn v. Papen zum deutschen Gesandten in Wien, konnten begreiflicherweise nur ein Achselzucken hervorrufen. Aber dieses sensationelle Dokument, von dessen Inhalt Bundeskommissär Adam Kenntnis gab, hat den Schleier von der ganzen Aktion weggezogen und mit einer noch nicht dagewesenen Eindeutigkeit festgestellt, daß die wahren Schuldigen an dem Verbrechen vom 2 5. Juli in Berlin und in München ihren Sitz haben. Von Stunde zu Stunde erfährt man neue Einzelheiten über den grausamen Vernichtungskrieg, den Deutschland gegen seinen Bruderstaat Oesterreich führt, Einzelheiten über die Blutrünstigkeit des deutschen Nationalsozialismus, der nun vor der ganzen Welt gerichtet ist. Die Mächte — so verlautet — haben von einer gemeinsamen diplomatischen Demarche in Berlin vorläufig Abstand genommen, weil sie zur Ueberzeugung gelangt sind, daß die Führung von Verhandlungen mit Hitler absolut sinnlos ist und sie haben — Mussolini schreitet hier an ihrer Spitze -jden Entschluß gefaßt, mit Taten die Freiheit und Unabhängigkeit Oesterreichs zu garantieren. Wir freuen uns ob der Teilnahme und einmütigen Anerkennung, welche das Schicksal unseres Staates und der heldenhafte Kampf seiner Verteidiger in der ganzen gesitteten Welt hervorgerufen haben. Wir empfinden eine besondere Genugtuung darüber, daß die führenden Staatsmänner aller maßgebenden europäischen und außereuropäischen Mächte sjjch auf die Seite Oesterreichs und gegen Deutschland {gestellt haben. Und wir sind dessen sicher — wir beteuern und geloben es —, daß Oesterreichs Bürgerschaft selbst ihre ganzen Kräfte und ihren Opferwillen in den Dienst der Freiheit und Unabhängigkeit dieses Staates stellen wird. Der Ruf nach Einigkeit ist nicht neu in der Judenheit. Nur daß er heute, entsprechend der aufs äußerste gestiegenen Not, drängender, imperativer, man möchte fast sagen herrischer erhoben wird. Die Parteien und Personen, die ihn für die jüdische Gesamtheit oder fürgrößere oder kleinere jüdische Gruppen erheben, verlangen von denjenigen, an die sie ihn richten, Unterwerfung unter ihre, der Einigkeitsforderer, Anschauungen, während sie es für selbstverständlich halten, daß ihre eigene Meinung die maßgebende, die zur Einigkeit wegweisende ist. Die Einigkeit, denken sie, ist mit Intellekten, die auf der Strecke geblieben sind, nicht zu teuer erkauft. Es ist unleugbar etwas Bestechendes in dieser Kalkulation. Sie spricht für die Tat gegenüber der bloß räsonnierenden Passivität. Aber es gibt auch Taten, die bloß räsonnieren und es gibt passive Menschen, welche die großen .Wesensgüter ihres Volkes verwalten — Wesensgüter, die man keiner Tat zuliebe niedertreten darf. Auch der Einigkeit zuliebe nicht. Um so weniger, als daß dann die Tat mißlingen, die Einigung mißraten muß. So wie man heute die Einigkeit sucht, wird man sie n i e erreichen. Nehmen wir selbst an, daß unter leislungsfahi'gstes Möbelhaus M. Redler/ Wien I, Sdiottenving 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebemahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra"־Mitglied. III. Die Säuberung aller Amtsstellen von staatsfeindlichen Elementen nimmt ihren Fortgang• in beschleunigtem und durchgreifendem Tempo. Die Bundesregierung hat bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, welche der endgültigen Wiederherstellung geordneter und friedlicher Zustände in diesem Lande dienen sollen. Sie erfüllt damit ein Gebot der Selbsterhaltung, eine Pflicht den von ihr nach dem Willen des ermordeten Kanzlers) übernommenen Aufgaben gegenüber. Sie findet hierin und in ihrer gesamten Wirksamkeit die einmütige Zustimnpmg und Anerkennung des österreichischen Volkes, das ags inneister Seelenach Frieden und Ruhe sich sehnt. Hi Wahrlich. Jüflter der politischen Fratze dieser unruhigen Welt stent die furchtbare Wirtschaftsnot. Oesterreich besitzt ein ungeheures Volksvermögen in seinen Naturschätzen, in seinen wunderbaren Bergen und Seen, in seinen heilsamen klimatischen Kurorten. Schon zwei Sommer sind voller Wirren vergangen, in denen großes Volksvermögen verlorenging. Eis wird der neuen Regierung nicht schwer fallen, durch auf klärende und zielbewußte Arbeit nicht nur in den großen europäischen und amerikanischen Zentren, sondern auch im eigenen Lande dem augenblicklichen Zustand des7 Fremdenverkehrs ein Ende zu bereiten. Wir Juden, deren ,Interessen auch; auf diesem Gebiete mit den Interessen der österreichischen Volkswirtschaft vollkommen identisch sind, könne ri und wollen auf diesem Gebiete zum Wohl Oesterr eidhs mit ganzer Kraft mitarbeiten. denjenigen, die heute nach Einigkeit rufen, keiner ist, der im Grunde nur die Befriedigung seiner Eitelkeit und seines Ehrgeizes meint — was können diese ehrliehen Leute erreichen,' wenn sie die Einigkeit nur mechanisch hersteilen wollen? Auf ־wie lange können ei.nigkeitlich gefaßte Beschlüsse herhalten, wenn das Volk in sich uneinheitlich ist? Was nützt auf die Dauer die schönste parlamentarisch herausgeputzte Einigungsmaschine, wenn keine Einheit da ist? So nützlich auch eine vorübergehende und mühsam herbeigeführte Einigkeit werden kann — notabene, wenn sie nicht mit Kulturoktroys und Intellektopfern erkauft ist — so hat das ganze Einigkeitsgeschrei von heute doch den ungeheuren Nachteil, daß es die Aufmerksamkeit vom Elementaren ablenkt, den Ruf nach Einheit nicht bloß übegtönt, sondern erstickt. Es ist ein verhängnisvoller Ir^um: das jüdische Volk braucht Einheit und man reicht ihm bloß Einigkeit und die auch von fraglicher Beschaffenheit. Auch Einheit, und sie erst recht, setzt Rufer und Gerufene, Führer und Geführte voraus. Aber nicht, die es ad hoc sind und nicht nach einem Schema, das auch für jede andere Gemeinschaft gelten könnte. Dr. Nathan Birnbaum: Einigkeit—Einheit. Nathan Birnbaum setzt in diesem Aufsatz wieder eine ganz neue Idee in die Welt, die Idee von dei' ״Wiederherstellung der wahren Knesses JisroeV‘. Wir müssen uns einer Stellungnahme zu diesem neuartigen, revolutionären Gedanken enthalten, solange der Initiator kein detailliertes Programm bekanntgibt, wie er sich die Bildung und Wirksamkeit der jüdischen ״Allgemeinde“ vorstellt und wie denn die von ihm selbst als erforderlich erkannten religionsgesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden können. —: Redaktion. m pm Räumungsverkauf bei Olhmar Sditff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60,-- aufwärts, Halbperücken (früher S 100,—, jetzt nur S 70.—). Bubi* oder Mädchenperücken (früher S 120,—, jetzt nur S 80,— bis S 100,—). Erstklassiges Material, tadelloser Sitz. Wien I, Kärntnerring 6 gegenüber Hotel Bristol, Tel, U43*046;

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