Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 27 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR DIB INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. flpüaS povoleött tiadlt flott« * «tttoftfllif f B»fttlttlttftt 61* 4167M1M0. Jodfflil •*pm! ftf PiBÜEE l^fwyywfpBp Redaktion tind Administration f Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Pöätfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Fresse״, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr, 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vffi, 4117. Nr. 27 | ,Wien-Bratislava, 20. Juli 1934 .פד, ווינא־פדעםכורג ח׳ אב ת־צ־ד I 20. Jahre• Tischo b’Aw. Der 9. Aw ist der große Trauertag des jüdischen Volkes. Die Einäscherung des Heilig? tums, die endgültige Zertrümmerung der Staat? liehen Selbständigkeit, haben tiefe Wunden in den jüdischen Volkskörper geschlagen. Wunden, die seit zwei Jahrtausenden nicht zur Heilung gebracht werden konnten. Ist irgendwo eine Linderung des Schmerzes eingetreten, hat sich die blutende Wunde geschlossen oder hat die Vernarbung begonnen, so kommt immer wieder während dieser bitteren Golus?Zeit ein neues Unglück, reißt die Wunden wieder auf. Der Jammer des 9. Aw bricht immer wieder in un? geahnter Vielfältigkeit und doch in geradlinigem Zusammenhang mit dem Verlust Jerusalems über uns herein. Und doch, aus dieser sich-nie schließenden Wunde fließt nicht nur das Blut der Pein, sondern auch das Blut des Heils. Man weiß nicht, soll man die Größe des Schlages bewundern, welcher das jüdische Volk niederstreckte., oder die Größe der Kraft, welche dieses unglückliche Volk befähigt, sich immer wieder aufzurichten. Es scheint, daß dieses Volk aus den Untiefen des Unglücks die Q u e 11 e n de r Ho ff nung schöpft. Aus der Wunde selbst keimt das Heilmittel. Ganz wie in der modernen Aerztewissenschaft aus dem Blut des Kranken die heilbringende Medizin gegen dieselbe Krank? heit gewonnen wird. Aus der großen Trauer unseres Volkes schöpft es die große Hoffnung. Der Volksglaube kündet: Unser Moschiach wird an Tischo? b’Aw geboren werden. Der Tischo?b’Aw selbst wird in der Zukunft der größte Freudentag sein. In unserer Gegenwart klafft die Wunde des 9. Aw in schmerzvoller Spannung. Selten ist das Unheil in solchem Uebermaß gegen uns losgezogen, und doch voller Hoffnung keimt im jüdischen Menschen überall der Glaube an die nahe Erlösung. Verschieden sind die Mittel, verschieden sind die Wege, aber das Ziel, die Blickrichtung sind dieselben: Erez Jisroel, Zion, Jeruscholajim. Viele glauben, zwischen Vergangen? heit und Zuku n f t, zwischen einstiger Trauer und künftiger Erlösung einen Gegen? satz errichten zu müssen. Wir wissen, daß dies Irrende sind. Im Volksleben wie in der Natur gibt es keine Sprünge. Unsere Zu? kunft sprießt aus unserer Ver? gangenheit. Krönen werden das Werk der Erlösung jene, die an der Vergangenheit festhalten. Die großen Geister unseres Volkes empfinden dies und selbst jene, die von Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien 1/ Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. dieser Wahrheit abgeirrt sind, suchen in der Stunde der Not den Anschluß wiederzu? finden. Von den vielen Schilderungen, die wir über die letzten Stunden B i a 1 i k s gelesen haben, ergreift uns am meisten jene, die schildert, wie der große Dichter, als er die Hoff? nungslosigkeit seines Zustandes erkannt hatte, seinen Freunden zurief': Betet um mich, saget Tehillim! Sein Geist schwebte in diesem Augenblick der Gefahr in den heiligen Stätten, da er in seiner Jugend zu Füßen großer Meister saß, jener Meister, die in der stillen Arbeit des Beth?Hamidrosch die Seele des Volkes webennund sie, mit der Ver? gangenheit verknüpfend, für die Z u k u n f t vorbereiten. Wir wissen es nicht, ob man den Wunsch Bialiks erfüllt hat, ob man für ihn in den Bote?Midroschim Tehillim gesagt hat, aber wir hoffen, daß seine Anhänger und Verehrer seine Worte — wenn es auch nur Worte wären — verstehen, seine Sehnsucht, den Anschluß an die jüdische Vergangenheit zu finden, nach? empfinden werden. Bialik soll in bezug auf Streitigkeiten und Strömungen im jüdischen Volke gesagt haben, daß er für sich am liebsten die Bibel wähle. Ob er sich an diese seine Worte gehalten hat, ist eine Sache für sich. Eines aber steht fest: Auf dieser Plattform könnte sich, müßte sich und wird sich auch das ganze jüdische Volk vereinigen. Auf dieser Platt? form — und nur auf dieser Plattform — ist die Einheit des jüdischen Volkes zu erreichen. Die Einheit aller jüdischen Menschen in der Gegenwart, die bald die ersehnte Zukunft bringen würde, wo unsere große Trauer Platz macht der großen Freude, wo der Tischo? b’Aw der große Fest? t a g w i r d. Manifest an die agudistisdien Arbeiter in Erez Jisroel. Von Dr. Isaac Breuer in Frankfurt a. M. Dr. Isaao Breuer;Mersiöh durch seine jüngsten Aufsätze und Referate neuerlich zum Erez-Jisroel- Ideologen der Agudas Jisroel gemacht hat, veröffentlichte im ״Israelit“ dieses Manifest, das wir wegen seiner grundlegenden Bedeutung unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen glauben. Die Kunde ist an mein Ohr gelangt, daß ihr euch an den agudistischen Zentralrat und an die rabbinischen Führer wandtet, ob der Abschluß einer ״Ve reinb a r u n g“ mit der sozialistischen Arbeiter- Organisation in unserem Lande, der ״Histadruth“; zulässig sei, und daß ihr eine verneinende Antwort erhalten habt. Agudistische Arbeiter! Eure Frage erfreut mich und betrübt mich in einem. Sie erfreut mich als weithin sichtbares Zeichen, daß ihr entschlossen seid, euch in all euren schweren Sorgen und Nöten der Disziplin der Welt- Organisation einzuordnen und namentlich dem Wort unserer rabbinischen Führer nicht nur etwa in den Fragen des religiösen Alltagslebens, sondern auch auf dem Gebiete der allgemeinen Politik und Wirtschaft entscheidende Bedeutung einzuräumen. Sie betrübt mich, weil ich aus ihr ersehen zu müssen glaube, daß in euren eigenen Reihen noch keine hinreichende' Klarheit über die ganze Größe und Schwere der Aufgabe besteht, die euch als Bahnbrechern der Thora im Wirtschaftsleben unseres Landes zugefallen ist. Agudistische Arbeiter! Ihr wisset, daß der ״alte .Tischuw“, umbrandet von den Wogen des neuen Wirtschaftslebens, einen verzweifelten Abwehrkampf um die Erhaltung seines, der ursprünglichen Idee nach ganz der Thora und ihren Mizwoth geweihten Daseins kämpft, glücklich, wenn es ihm gelingt, seine Jugend vor den tausendfältigen Einflüssen der Straße und der immer drängender pochenden Zukunftssorgen in die Lernstube zu retten. Löwenmut und Löwenstärke braucht heute diese Jugend, um in der Lernstube zu verharren, und oft genug muß die Stimme der Thora den feindlichen Lärm der Straße und die Stimme des Hungers in der eigenen Brust übertönen. Agudistische Arbeiter! Ihr braucht doppelten Löwenmut und doppelte Löwenstärke, wenn ihr darangehen wollt, die Stimme der Thora auf die Straße selber zu tragen und die Fahne der Thora mitten in einem Wirtschaftsleben zu entfalten, das unter der Geißel der Histadruth seufzt und worin sich Histadruth und Revisionistenpartei um Dinge brudermörderisch zerfleischen, die fernab von den Wegen der Thora liegen. Nur restlos klare Erkenntnis des in der Ferne winkenden Zieles der agudistischen Arbeiterpartei in Erez Jisroel, nur flammende Begeisterung für dieses Ziel, nur entschlossene Selbsthingabe, Selbstaufopferung im Dienste, dieses Ziels kann euch solchen Mut und solche Stärke für die Dauer spenden. Ihr sollt keine Arbeiter sein, die daneben auch thoratreu sind! Ihr sollt euch von den anderen Parteien nicht nur dadurch unterscheiden, daß jene den Quell der Thora verschmähen und ihr euch daran labet, jene die Pflichten der Thora verletzen und ihr sie treu beachtet. Das war ja gerade der verhängnisvolle Fehler des Misrachi, daß er die Thora immer nur als ein Hinzukommendes erachtete, immer nur, mit einem Bindestrich versehen, an seine Fahnen heftete,' immer nur in fremdem Lebensraum einzubürgern sich bemühte: Seid ihr Zionisten, wir sind es auch, daneben aber thoratreu; seid ihr Sozialisten, wir sind es auch, daneben aber thoratreu; seid ihr Revisionisten, wir sind es auch, daneben aber thoratreu. Ihr aber, agudistische Arbeiter, ihr kennet den Mahnruf der Thora: Habet keine fremden Götter neben mir! Euch schließt sich die Thora nichts Fremdem an, auch duldet die Thora keinen Bindestrich, euch baut die Thora selber den Lebensraum. Möge der Misrachi als Partei der komplementären Thora an Histadruth und Re- Visionismus sich auseinanderspalten: als Agudisten, als Männer der souveränen Thora lehnt ihr den marxistischen Sozialismus der Histadruth und den chauvinistischen Nationalismus der Revisionisten in gleicher Weise ab und gründet die Partei des Sozialismus der souveränen Thora, die Partei des Nationalismus der souveränen Thora, die in Wirtschaft und Politik die Freiheit ihres Handelns nicht; von vornherein preisgibt, sich nicht von vornherein durch eine ״Vereinbarung“ mit einer thorafeindlichen Organisktion bindet, vielmehr ausschließlich aus Wort lind Geist der souveränen Thora sich ein eigenes Sozialprogramm, ein eigenes Nationalprogramm entwickelt und das Gesetz Wo speist der Strohwitwer miitagsu.abendsgutu.billig? >_—-־־—A ■ nseSuiuiBJS u3q!a!q 8!S pan M0ns43A ing —'Z $ nU3J4 / €£ J3p UI (U3s!3 •f |UBJnü|S3m34BAUI0pS) I* WM P*I*A Raumungsverkauf bei OlhmarSchiff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt, Scheitel bereits von S 60,-״ aufwärts. 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