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Jüdische Presse · 1934-07-13 · 26 (13.7.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
26 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ORGAN FÜR PIB INTERESSEN D6f ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration i Wien, H., Malzgasse 12a, TetephdÄ^A-Htö-Ö-iS. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Rcdaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Ke 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr, 14, Einzelnummer öst. Gr. 40, Zahlungen für ״Jüdische Presse״, Wien, auf föl* gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb " Nr. 40.217, Zürich Nr. Vffl, 4117. Nr. 26 Wien-Bratislava, 13. Juli 1934 כיח ווינא־פרעסכורג «׳ אג וווצ*ד־ 20. Jahrs■ Unsere Trauer. Der Monat A w rückt heran. Das jüdische Volk trauert um das verlorene Heiiigtum, dessen Einäscherung am 9. Aw eines jeden Jahres die zerstreuten Söhne unseres Volkes, am Boden sitzend, mit Sack und Asche bedeckt, wehklagend antrifft. Ein Volk in Trauer. Fast zwei Jahrtausende sind hingegangen, seit die Römer das Heiligtum G -11 e s verwüstet haben, seit die Römer die Besten unseres Volkes verschleppt und in Sklavenketten aus der Heimat geführt haben. Diese Volkstrauer gehört zu den grandiosesten Manifestationen dieses Volkes. Trotz der Großartigkeit dieser Erscheinung gibt es viele jüdische Menschen, die sieh für ganz-gute Juden halten und sich ■doch von dieser Trauer ausschließen. Nicht nur die rituellen Formen dieser Trauer haben sie schon seit langem abgelegt, sie haben sich auch see 1 isch;davon emanzipiert.־ Viele־ dünken sich sehr nationalbewußt .und sehr modern zu sein, wenn, sie sagen, mit unseren Tränen wird Jerusalem nicht geholfen, mit Sack und Asche kann.unser Land nicht aufgebaut werden. Mag• sein, daß es einstens am Platze war, Jerusalem in Wehklagen zu gedenken, da fehlte es an positiver Möglichkeit, auf andere Art unserem Heimat־, land zu helfen. Heute, wo Jerusalem seiner Söhne in ganz anderer Form harrt, wo Palästina auf K a p i t a 1, A rb e i t s kr a f t, auf Zu s t r o m von Menschen hofft, heutzutage ist die alt e Form der Trauer nicht mehr am Platze. Solchen Erwägungen gegenüber möchten wir• die Behauptung wagen, daß wir, Träger des alten-Judentums, wohl be w u ß t sind der neuen Verpflichtung, die uns ruft. *Wir wissen, daß das Heilige Land auf seine Söhne wartet, daß Jerusalem der Heimkehr seiner t h o r abeflissenen und;von Thorawillen erfüllten - Jugend harrt;• ,,D i e —R e't t u h g“, heißt, es in . dem historischen Aufruf des neuen, orthodoxen Oberrabbiners 70n Jerusa 1 em, Rabbi Josef Z wi Duschinsky, ״kann darin bestehen, daß die G-ttesfUrchtigen in allen Ländern der Diaspora sich mit Einsatz' all ihrer Kräfte an dem Aufbau des Heiligen Landes beteiligen.“ Wir wissen ferner, daß gerade jene jüdischen Menschen, die bisher die tiefe־ Trauer um Jerusalem in ihrem Herzen getragen haben, am be s ten geeignet sind, das :Heilige Land aufzubauen. Diese Woche stand das jüdische Wien , unter dem Eindruck des ׳Hinscheidens des großen hebräischen Dichters Ch. N. Bialik. Es.ist nicht unsere Aufgabe, diesen Mann, und sein Schaff een hier zu würdigen. Wir. möchten nur auf den Umstand hinweisen, daß der größte neuhebräische Dichter *1der ־ Gegenwart sein j.ü d i-! s ch e s . Wi s sein, sein;j üdis ches Ge f ühl,' als'־ das Gesamtwurzelwerk seines dichterischen Schaffens, aus dem Che der, aus dem Be th-Haiifidrasch gewonnen hat. Anderseits ist ,uns bisher kein .großer hebräischer Poet bekannt, ,der aus den m o d er ne n h e b r ä i s che n Sprachschulen hervorgegangen wäre! Und doch, wie oft hörten wir von jenen, die so stolz auf Bialik waren, auf den Cheder und Beth-Hamidrasch ' schimpfen, wie oft haben sich moderne Menschen bei der Lektüre derjBiaiiksehen Apothese des Beth-Hamidrasch begeistert^: ohne inneren Respekt vor diesen altehrwürdigen jüdischen Kultürinstitutionen zu gewinnen. Nicht anders wird es sein auf materiell-ökonomischem Gebiete. Für p ״o s i t i v e p r a k t i s c h e Arbeit in P a 1 ä s t i n a sich zu begeistern und dabei die alt ehr würdige Form der Anhänglich- Wo speist der Strohwitwer miitagsu.abendsguiu.billig? -\ nseSwiuBis uaqpiq 91s pun qonsjaA «13 ״,Z S l>uöW / €€ 43p u| (W3S1a •f;UBJIluisaJW94BMq0lüS) keit an Jerusalem von sich zu weisen, ja ihrer zu spotten, heißt, sich von den Quellen zu entfernen, die bisher mit lebendigem Willen und mit frisch pulsierendem Leben das jüdische Volk erhalten und mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft genährt hat. Je tiefer die Trauer, je t r e u e r die Bewahrung aller Formen dieser grandiosen Kundgebung des jüdischen־ Volkes am Tage der Einäscherung des Heiligtums ist, ist-für uns die beste Gewähr, daß jüdische Menschen, die seelisch verbunden mit dein alten Jerusalem, aus dem alten Heiiigtum ihre Lebenskraft schöpfen. Diese ■jüdischen Menschen sind die geeignetsten, um nach Jerusalem, nach Palä- Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler; Wien I; Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78, Gesamtausstattungen von der billigsteh bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. stina zu ziehen, um das Heilige Land neu im alten Geiste zu erbauen. Jene, die .um Jerusalem trauern,, werden es sein, die sich mit dem neuerbauten Jerusalem werden freuen können. ׳..;׳/: Der Austritt des Misrachi aus dem ״Waad leumi“. Wir haben bereits vor einiger ־־Zeit kritisch Stellung genommen zu dem Austritt . der misrachistischen Vertreter in der zionistischen Judehstaatsorganisation in Palästina, dem ,,Waad leumi״, aus dieser Körpersohaft. Nunmehr liegt eine parteioffizielle 1Stellungnahme des Misrachi zu diesem Austritt vor, die , immerhin An-, Spruch darauf erheben darf, :näber;betrachtet.zu werden.; ״Hator״, das offizielle Organ!:des״Misrachi, das in: Erez Jisroel erscheint, nimmt in längeren. Ausführungen: zu den Ereignissen Stellung. Th. diesen .bemerkenswerten Ausführungen, die sich wohltuend;: einer Offenheit.be-; fleißeni die man hierzulande vPh-;demj was man: ütfisrachir lieimt.ivennißt, ׳/Wird. offen^zug|ge׳ben, .,daßjjich.;der. Mis■:; rachi־an der' Snt- Arbeit mit. den sogenannten;,freien Kreisen“, die Gemeinsamkeit mit .den .Glaubehstreuen gesprengt zu haben. Wenn dann fortgesetzt .eingestanden wird, daß nach einer Arbeit.von zwölf Jahren;’die Misrachi- ׳:. Leitung. sieh von Ihrem Irrtum überzeugt habe, und daß der Misrachi י mit der; Zurückziehung seiner Bevollmächtigten offen bekennt, daß keine Hoffnung auf das Bestehen seiner organisierten Gesamtheit in Erez Jisroel-vorhanden ist, so ist dieses Bekenntnis uns um so wertvoller, als!wir uns jahrelang bemüht haben, den ehrlichen Misrachisten zu beweisen, daß für den souveränen G-ttesgedanken und deren Vertreter diese Gemeinsamikeit nie bestanden hat. Um so betrüblicher ist es, daß der Misrachi, •wie wir es von vornherein befürchteten, faktisch aus dieser Erkennntnis noch immer nicht die ■Konsequenz zieht. Wer die Verhältnisse in Erez Jisroel vom Standpunkt des thoratreuen Judentums betrachtet, der muß früher oder später — wollte G-tt, daß diese Erkenntnis je früher Gemeingut aller Glaubenstreuen werde — erkennen, daß Erez Jisroel, wenn es nicht, um mit Isaak Breuer zu sprechen, zu einem belanglosen Balkanstaat herabsinken soll, einer machtvollen, glaubenstreuen, souveränen Organisation bedarf, die von keinerlei politischen .Konstellationen oder Mehrheitsbildungen abhängt. Die Front •beginnt - sich zu klären.. Wir haben nie danach gestrebt, Proselyten zu machen. Aber diesmal muß doch der Versuch gemacht werden, die־ geistig ׳und sittlich unversehrten Kräfte des Misrachi -r־ und ■wir sind überzeugt davon, daß . diese noch imxner Üie wesentlichsten., sind; — nach dein,- Fehlschlägen eines .zwölfjährigen, mit ״vielen Opfern, gemachten Versuches ־miit/ där. anderen’ Seite," dazu zu bewegen, nunmehr mit den ';Gläüberistreuen eine Front zu bilden gegen die Einheitsfront der Ungläubigen. Es ist ein Augenblick v o n ■u n ■g e ahnt er historis c he r Be d e u tu n g. Nützt ihn .der Misrachi aus, so kann er damit nicht nur seine zwölfjährige Fehlvergangenheit. korrigieren, sondem vielleicht die ganze, zionistische Arbeit, die ohne den Misrachi bar jeder Legitimation vor der jüdischen Geschichte ist, in eine Richtung abdrängen, die der zionistischen Or? ganisation zur Rettung und dem gesamten jüdischen Volk zum Heile werden kann. Und wenn — G-tt behüte, daß es so käme — der Misrachi weiter ded zionistischen, nationalistischen und -sozialistischen a- und antireligiösen Parteien die Mauer machen wird, so hat er vor der Geschichte die Verantwortung.' für alles, was da. unausbleiblich kommen muß, zu tragen. •-■!. Weitere Spaltung im Lager des Misrachi. Wie vorauszusehen war, -hat der Austritt des Misrachi aus dem ״Waad Leumi“ weitere Konsequenzen nach sich gezogen. Jene Misrachi-Führer, die gleichzeitig Beamte der zionistischen Organisation sind, wollen den Austritt nicht mitmachen.;Rabbiner Oströwski erklärte, daß ihn der Beschluß des Misrachi nicht interessiere, Misrachi habe kein Recht, über sein Mandat zu entscheiden, weil er selbst der Misrachi sei. Inzwischen hat der Poa 1 Hamisrachi gleichfalls beschlossen, im Waad Leumi zu verbleiben. Die ganze Sachlage kommt einem Verfall des Misrachi gleich. Rabbi Duschinsky zum Stavsky-Protest, Oberrabbiner Duschinsky, Jerusalem,־hat zur Protestbewegung gegen das Todesurteil ■gegen Staysky folgende Erklärung abgegeben: Er sei unbedingt ’ dafür, daß alle pur gangbaren Wege zur Erlangung der B egnadigung des zum Tode Verurteilten erprobt werden. Aber es sei allen Außenstehenden, die nicht an der einjährigen Untersuchung und an der Verhandlung teilgenommen haben, unmöglich, ein Urteil über Schuld und Unschuld abzugehen. Der Weg, der uns offenbleibt, ist das Gesuch um Begnadigung; dieser Weg muß mit aller Energie beschritten werden, (AJPB.) Erez jisroel und die Orthodoxie, Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt am Main hat soeben «ine Broschüre herausgegeben, die ein Referat Isaak Breuers über Erez Jisroel und anschließend das Korreferat Jakob Rosenheims ent-, hält! Die Broschüre, die in keinem orthodoxen Haus fehlen sollte, hebt sich von allem, was bisher über Erez Jisroelgesagt und geschrieben wurde, durch eine!umfassende, und (klare Behandlung des Themas in seiner ganzen Ver-" zweigung ab. Wenn auch einzelne Aeußerungen der Reife-/ 1 renten in unseren Kreisen ungewohnt klingen, so ist das Ganze doch nicht nur .ein Meisterwerk der Rhetorik, sondem auch ein grandioses Standardwerk, das ■unsere Stellung zum Erez-Jisroel-Problem, den Tatsachen Rechnung tragend, klärt. Wir behalten uns vor, auf die beiden Referate noch ausführlich zurüqkzukommen. Große Auszeichnung Prof. Dr. Heinrich Neumanns. Dieser Tage fand auf der rumänischen Gesandtschaft in Wien in Anwesenheit des diplomatischen Korps eine imposante Feier zur Ehrung Prof. Pr. Neumanns statt. Bekanntlich hat Prof. Neumann vor kurzem an dem rumänischen Außenminister Titu 1 escu eine lebensrettende Operation ausgeführt. Prof. Neumann wurde bei dieser Gelegenheit von König C a r o 1 in Audienz empfangen. Nunmehr hat König Carol zum Zeichen seines besonderen 'Dankes den Auftrag zur Veranstaltung der Feier gegeben und bei dieser Gelegenheit mit einem Sonderkurier einen h o h e n O rd e n an Frpf, Neumann übersandt, der ihm mit einer Ansprache seitens, des rumänischen Gesandten in Anwesenheit der Teilnehmer feierlich überreicht wurde. Prof. Neumann ist ein Förderer der A d a s J is r o e l und ein starker Syrapathiker der Agudas Jisroel. Räuimingsverkauf bei Othinar Sdiifl Wegen anhaltender Stagnation wird das Läger zu tief reduzierten Preisen geräumt. 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