Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 24 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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:*״£׳*•<״״« י; ' ORGAN FÜR DIB INTERESSEN ORTHODOXEN JUDENTUMS. ®I״ י *rief־ Redaktion und Administration: Wien, H., Mäizgässe 12 «, Telephon A-46-0-1S. TscheöhöaiöwakMt Bratislava, Pöstfaekjöl. lugösläftiem Subetiea,Zrinjsjd trg 31. Mrsdieiiit jeden Freitag. Bedaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnemöntpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fol• gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr, 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 60,170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr, VHI, 4117. Nr. 24 Wien-Bratislava, 29. Juni 1934 •ביה ווינא־פרעםבורג ט״ז תמוז תיצד 20. Jahrg. Zeitenwende. Von Dr. Isaac Breuer. זו¬¬!. ' Das thoratreue jüdische Volk befindet sich heute in einer überaus schwierigen Lage. Die aus Rußland eintreffenden Nachrichten sind nach wie vor niederschmetternd. In Polen erhebt der Antisemitismus wieder sein Haupt und findet jüdische Massen vor, die immer mehr, der Gefahr wirtschaftlicher Verelendung ausgesetzt sind; In Ungarn und seinen abgetrennten Gebieten wird es der Jugend immer schwerer, zu einer eigenen Lebenshaltung zu gelangen. Die deutschen Verhältnisse dürfen als bekafnnt vorausgesetzt werden. In den amerikanischen Siedlungen ist das orthodoxe .Selbstbewußtsein noch nicht hinreichend erstarkt. •.®ine Zeitiger Not ist über uns gekommen. Der . Beginn des Weltkrieges hat sie eingeleitet. Seitdem gab es nur vereinzelte Ruhepausen. Keinen Einsichtigen konnten sie darüber hinwegtäuschen, daß der Weltkrieg zur Weltwende wurde. Zeiten der Not haben stets das thoratreue jüdische ~V0Ik .zur Umkehr, zur Festigung des ,Bandes aufgerufen, das G-tt zwischen ihm und der Thora geknüpft hat. Die Mahnung zur Umkehr, zur Bereinigung des Tatenlebens, zu doppelt gewissenhafter Erfüllung der Befehle G־ttes, * zu doppelt eifrigem Studium seines Gesetzes darf nicht verstummen. Das Schicksal unseres Volkes hängt von jedem einzelnen seiner Glieder ab. Jeder einzelne Jude kann durch sein Verhalten die Not seines Volkes bannen oder vergrößern. ^-״״ ^Muß^aber ,nicht rauöh ״unser Volk ״als solches'läüT Umkehr bedacht sein? ‘ In früheren Zeiten setzte die räumliche Zer- Streuung jedem jüdischen Volksentschluß unüberwindliehe Hindernisse entgegen. Längst aber hat die Technik; den Raum Überwunden. Frühere Zeiten hatten keine ״Weltorganisation des thoratreuen jüdischen Volkes“. Muß heute nicht auch — Agudas Jisroel auf Umkehr bedacht sein? 'י י־.'—/. " II. . ׳. ■■■■■"׳ Wie ner Zionismus sich mit vollem Fug als den Repräsentanten der von der öffentlich-rechtlichen!Herrschäft der Thora b e f r e i t e n jüdischen Nation erklärt, so hat von Anbeginn der Agudismus keinen Zweifel darüber gelassen, daß er das jüdische Volk vom Sinai her, konstituiert durch Unterwerfung unter die öffentlichrechtliche Herrschaft der Thora, vertrete, das sinaitische jüdische Volk, das di.e Einordnung der Thora Unter ein Höheres, und sei es auch die Nation selber, in jeder Form verwerfe. Es konnte daher der Agudismus zunächst nichts anderes erstreben, als den Willen des Sinai tischen jüdischen Volkes, gerichtet auf Gehorsam zur Thora, organisatorisch zum Ausdruck und praktisch in mögliehst großem. Umfang zur Verwirklichüng zu bringen. ״Lösung der Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora": es bedarf einer Organisation, auf daß das Sinai-Volk seine Aufgaben erfasse,1 ׳beschließe und durchsetze. : 'Diese Organisation ist Agudas Jisroel. Ihre Heraus- Stellung war die erste Leistung des Agudismus;' eine wahrhaft historische *Leistung. Aber bis jetzt die einzige. Man mißverstehe nicht,. Hier handelt es sich nicht um eine Kritik dessen, was die agudistische Organisation geleistet oder nicht geleistet hat. Wer in dieser Hinsicht übermäßig skeptisch ist, mag auf ein paar Tage nach Polen gehen. Er wird dort einen lebendigen Anschauungsunterricht von nachhaltiger Wirkung erhalten. Nicht von der agudistischen Organisation ist hier die Rede, sondern vom Agudismus, Daß Agudismus und agudistische Organisation gleichgesetzt, miteinander verwechselt worden sind, stellt den größten Fehler dar, den wir bisher begärigen haben. v ׳ Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler, Wien I, Sdhottenring-35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. . Samstag geschlossen,. ,,Schomra"-Mitglied, Ist etwa Zionismus und ״ zionistische Organisation dasselbe? Oder ,Sozialismus Und sozialistische Organiation? Oder Kirche und Christentum? Der Agudismus schuf sich die agudistische Welt- Organisation. Seitdem müht die Weltorganisation 'sich schlecht Und recht ab, die Gesamtheitsaufgaben des Sinai- Volkes auf weitem Erdenrund zu erfassen und ihre Lösung zu ■beschließen und durchzusetzen. Aber vom Agudismus ward nichts mehr gehört. j Der Agudismus ist keine Organisation. Er bedeutet auch nicht die Forderung einer alle thoratreuen Juden umfassenden Organisaiton. Der . Agudismus ist eine Idee. t ״׳:. Idee mag hier durchaus im ursprünglichen, im platonischen Sinne des Wortes; genommen werden. Was hier auf Erden greifbar und sichtbar ist, stellt nur eine überaus verstümmelte Erscheinung , dessen dar, was in der Welt .der wahrhaftigen,;.der unzerstörbaren Realität in Reinheit und Vollkommenheit bei G-tt Weilt. Das jüdi־ sehe Volk auf Erden ist jammervoll zerstreut und vereiendet, hineingestoßen in die •Sorge des Alltags, mit Fehlern behaftet, verfehmt ünä bespieen. Aber bei G-tt weilt das ewige ״An sich“ dieses, Volkes, weilt ״Kenesseth Jisrael“ in unvergleichlicher!Schöne, untrennbar von ״Erez Jisrael“, untrennbar ׳ von der ״Thora des gesprochenen Worts“. 1 Auch der Zionismus, -ist: eine Idee; freilich eine falsche. Dem jüdischen ^011^de,ri,irtäischen ״Wirklichkeit‘־ Kä lf! /llo T/Iaa . ainaä iTnltroa ot-if r?aa «aoh Woiflt hält ׳er. die Idee eines Volkes entgegen, das, nach Weise der Völker, kraftvoll aus .eigenem Recht im eigenen Lande sitzt und das Diadem der 1Souveränität, nach Weise^ der Völker, an seiner!Stirne׳ trägt. , Der Agudismus hat mit dem Zionismus die Be- Ziehung zum jüdischen Volk als ,Ganzheit gemein. Aber die ״I d e e“ des jüdischen Volkes, wie sie der Agudismus erkannt hat, das ist die Idee eines Volkes, das G-ttes Königtum huldigt, das sich selbst und sein Land in zitternder Demut G-tt zu Ftlßen legt, das nicht herrsciien,, sondern dienen, mit seinem Land und mit seinen Mensehen .G-tt dienen will. צ Agudas Jisroel? als Organisation ist nichts als irdisehe ״Wirklichkeit". Aber Agudismus als Idee stellt vor die zerstreuten und gequälten Glieder des Galuthvolkes, das hinreißende Bild der in ihrem Lande um G-tt geeinten Nation und verlangt von!ihnen und ־ verlangt von 'der Organisation 4das nimmer ‘rastende IStreben, daß endlich einmal die arme ״Wirklichkeit״* ihrem ewigen Urbild entspreche. ' * 1 ד Muß heute nicht auch — Agudas Jisroel auf Umkehr bedacht sein? ni. . ..׳■ ׳■■■■V . ..-־ .,׳ ׳•■•;׳ ׳; ״Zweitausend Jahre besteht . bereits das jüdische Volk ohne Land. Nicht eine Stunde könnte es ohne die — Thora bestehen.“ In Warschau sprach ein bedeutender Mann dieses Wort. Land und Thora werden hier einander gegenübergestellt. Ist aber — Erez Jisrael wirklich nur —Land? Kann das jüdische Volk auch nur eine Stunde ohne — ־Erez׳ Jisrael׳ ׳bestehen?- Wenn freilich Erez Jisrael nur — Land ist, nur das Land des Zionismus, uns' nur Land, wie jedem anderen Volk das seine, dann allerdings trifft, das Wort zu. Erez Jisrael ist selber Bestandteil der Thora. Das System der Thora ist ohne Erez Jisrael nicht denkbar. Die Verwirklichung der Thora ist durch den Verlust von Erez Jisrael in ungeheuerlichem Umfang gehemmt. Wir konnten zweitausend Jahre ohne .״Land“ nur bestehen, weil wir zweitausend Jahre nicht auf hörten, unser Land zu — ״lernen“. Erez Jisrael ist das Land der Thora. Mindestens die Hälfte der Thora bezieht' sich auf Erez Jisrael. Man kann die Thora vom Land so wenig trennen, wie das jüdische Volk von der Thora. Nur die systematische Einheit von Land und Volk und Thora gewährt die Möglichkeit, die Weltanschauung des Judentums zu erfassen. Die tatsächliche Zerstörung dieser Einheit hat unseren Untergang nur deshalb nicht herbeigeführt, weil die Idee stärker ist. als . die Tatsächlichkeit, weil unser Wesen in der Welt der Ideen wurzelt und. weil in d§r Welt der Ideen, unendlich;realer, als. die Welt der Tat- .SctteMtg. ODOL-ZAHNPASTA brauchen Sie zum Zahnepufzen, so ausgiebig ist ODOL ־ZAHN PASTA ז Inländisches Erzeugnis! sächlichkeit, Kenesseth Jisrael nie auf gehört'hat, mit* der Thora und Erez. Jisrael ׳eine Einheit zu bilden. ,Seit zweitausend Jahren ist die Thora in der Welt der Wirklichkeit nicht minder verstümmelt wie das jüdisehe Volk, wie Erez' Jisrael. Indem der Agudismus der Welt der1 Wirklichkeit die Welt der Idee entgegenhält, reißt er in seinen Bekennern die zweitausendjährige Wunde des Chorban auf und verlangt von ihnen ganz im Sinne der Weisen, daß sie den Chorban so erleben, als hätte er sich erst in ihren Tagen vollzogen. Zweitausend Jahre werden zu einem Tag, und gestern erst haben wir Erez Jisrael verloren. ״י■״ . Auch der Zionismus Will sich mit dem Chorban nicht abfinden. Aber seine Idee ist falsch. Er» anerkennt den Chorban, insofern er faktisch die Thora, vom Land •getrennt,• faktisch die״ -staatlictfe^Herrschaft ״ der Thora über unser Volk aufgehoben hat. Die Art, wie der Zionismus auf den• zum Erlebnis gestalteten Chorban reagier״ kommt einer ׳Sanktion des Chorban gleich. Nur der Agudismus erlebt den Chorban in seiner geschichtlichen Treue und versagt ihm jedwede Sanktion. ...׳. Agudismus im geschichtlichen ,Sinne ist gar nichts anderes, : als rückhaltlose Aktualisierung des Chorban.' Gewiß: die Thora hat uns zweitausend Jahre bestehen lassen trotz faktischen Verlustes des Landes; Aber wie hat sie uns bestehen lassen? Im Chorban! Agudismus im geschichtlichen Sinne senkt den Stachel des Chorban im die Herzen seiner Bekenner. ׳ ׳•;. IV. Der Zionismus ist ein ungeheuerliches Attentat auf Kenesseth Jisrael, auf Erez Jisrael, auf die Th'ora. Kenesseth Jisrael, Erez Jisrael, Thora weilen alsTunantastbar^• Realitäten bei G-tt. Der Zionismus will ihnen die Welt der Erscheinungen rauben. Er trennt das faktische jüdische Volk von״ Kenesseth Jisrael, er trennt das faktische' Palästina von Erez Jisrael und trennt die Thora vom jüdischen Volke wie von Palästina. ,:׳״•׳- ' Der Agudismus nimmt sich der unveräußerlichen Rechte von Kenesseth Jisrael auf das jüdische Volk, vön Erez Jisrael auf Palästina, der Thora auf beide an. Getragen von der Idee von Kenesseth Jisrael, will er ihr in der Welt der Wirklichkeit Bahn schaffen. Seit der Zerstörung unseres Staates hatte' Kenesseth Jisrael keine in der Welt der Wirklichkeit handlungsfähige Organisation mehr. Indem der Agudismus, zum ersten Male seit zweitausend Jahren; •für Kenessqjh Jisrael in Agudas Jisroel eine Organisation schuf, führte er Kenesseth Jisrael wieder in die Geschichte ein: Kenesseth Jisrael, die mit der /Thora und Erez Jisrael untrennbar verknüpft ist. Der Agudismus ist י eine Weltanschauung. Er schaut die Welt vom Standort der Kenesseth Jisrael an. Aus dieser Weltanschauung■ ergeben sich seine Forderungen. Er fordert theoretisch, daß das jüdische Volk in allen seinen Teilen sich begreife als Erscheinungsform von Kenesseth Jisrael; Er fordert praktisch, daß das jüdische Volk als Erscheinungsform von Kenesseth Jisrael seine Trennung von der Thora nicht dulde, vielmehr in allen seinen Gliedem sich der Thora unterordne und ihren - Anordnungen Folge leiste. Er fordert praktisch, daß das jüdische Volk als Erscheinungsform von Kenesseth Jisrael die •Trennung Palästinas von Kenesseth Jisrael und der Thora nicht dulde, vielmehr dis von der Vorsehung heute: im׳ beson- Räumungsverkauf bei Othmar Schilf Wegen, anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits, von S 60,— aufwärts, Haibperücken (früher S 100,—,.jetzt nur S 70.—). Bubi« oder Mädchenperücken (früher S120 ־,—, jetzt nur S 80,— bis S 100.—). Erstklassiges Material, tadelloser Sitz, Wien I, Kärhtnerring 6 gegenüber Hotel Bristol. Tel. U43.046. * r; ג־־ ־ ־•־ . \.y 1 ׳ .