Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 23 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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mm ־.י•■'■־■** ■ , ilPWi Hw ®isiilfS eials IfiliiS S₪mi \.':-»י1 OROAN FÜR DII INTBRBSS8N DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration i Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381, Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschitiß! Mittwoch Mittag, Abonnementpreise: Ganzjähfll: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150f das übrige Ausland Schw. Fr, 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf föi* gende Pöstspäfkässeüköäti: Wien Nf. 0*93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIH, 4117. Nr. 23 Wien-Bratislava, 22. Juni 1934; •20 | ב״ה ווינא־פרעםבורג ט׳ תמוז תיצ*ד. Jahrs• Nazistreiche . . Besucht österreichische Sommerfrischen. Vor einem halben Jahr ist der rumänische Minister* Präsident Duca den terroristischen Methoden nationatistischer Kreise zum Opfer gefallen. Vorige Woche wurde der polnische Innenminister Pieracki von einem nationalsozialistischen Mordbuben niedergestreckt. All diese furchtbaren Taten sind!Früchte der nationalsozialis tischen Propaganda •in den europäischen Staaten. Nicht überall ist es diesen Terroristen gelungen, so furchtbare Schreckenstaten auszuführen, aber der Wille ist ihrerseits überall vorhanden. In Ungarn, in Oesterreich ünd besonders in jenen Staaten, die .Wirtschaftlieh viel zu leiden haben. Die nationalsozialistische Terror welle schlug in den vergangenen Wochen auch in Oesterreich hohe Wogen, •die den ganzen Schmutz nationalsozialistischer Einstellung.zum Vorschein brachte. In Oesterreich kam es, diesen Mordgesellen nicht so sehr auf das Leben hochgestellter Persönlichkeiten an. Hier ist ihre Absicht, U nruhe zu stifte n, um mit dem Beginn der Hauptsaison der F r e m d e n i n d u s t r i e auswärtige Besucher von Oesterreich abzuschrecken. Oesterreich.steht nach der Verfassungsänderung vor einer neuen Blüte seines Staatslebens. Das politische Leben ist umfriedet, die neue Regierung hat bewiesen, daß die Neuregelung in Oesterreich nicht auf Kosten der sozialen Rechte der Arbeiterschaft und Angestellten errichtet werden soll, und das Wirtschaftsleben ist gerade am Beginn einer Belebung. Eine gute Fremdensäison •würde der beginnenden Besserung ein rascheres Tempo verleihen und gerade hier setzt die teuflische Arbeit dieser Elemente, die sich gerne als die einzigen Patrioten hinstellen•, ein. Dank der Energie der Regierung, dank dem!gesunden Sinn unserer Bevölkerung, die entschlössen, tatkräftig durch Schaffung von lokalen Schutzverbänden gegen diesen nationalen Terror auf tritt, ist es, gelungen, größeren Schaden von Oesterreich abzuwenden. Es hat sich auch hier gezeigt, daß sich Nationalsozialisten nur Feiglingen gegenüber stark zeigen, die sich vor ihnen verkriechen. In dem Augeniblck, wo sie auf jemanden stoßen, der Mut hat, gegen sie aufzutreten, da verkriechen s.i e sich. innerhalb kürzester Zeit gelang es der Regierung, diese neue Methode der nationalsozialistischen Propaganda unschädlich zu machen. Und wir können nun allen unseren Freundem im Ausland, die sich in Oesterreich erholen wollen, im vollen Bewußtsein unserer Verant-, wortung sagen, , daß hier in Oesterreich vollkommene Ruhe herrscht, daß in allen Sommerfrischen die Gemeindeverwaltungen und die Örtsbewohnerschaft mit dem größten Entgegenkommen und Freundlichkeit alle jene aufnehmen, die hier in Oesterreich einige Wochen der Erholung widmen wollen. Wir Juden verfolgen mit gespanntester Auf merksamkeit die nationalsozialistische Tätigkeit außerhalb Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien I, Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung, Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zablüngssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. Deutschlands, denn jeder Terrorakt und jeder Böller klärt die irregeführte Bevölkerung Über das •wahre Wesen der Nationalsozialisten auf, sie verbreiten Licht über Art und Wesen dieser Bewegung, die durch ihre, offiziellen Vertreter überall Friedensschalmeien anstimmt und durch ihre unverantwortlichen Träger überall Tod und Mord Nun endlich scheinen ja die Dinge den Weg zu gehen, der ihnen durch die Vergewaltig gung der Logik und der Gerechtigkeit vor־ geschrieben war. Die ״Union“, die selbst um den Preis einer Selbstverleugnung in der Kultus־־ gemeinde verblieben ist, bekommt nun am eigenen Leibe zu fühlen, daß die AustrosZionisten sich als die absoluten und unumschränkten Herren der Wiener Kultüsgemeinde fühlen. Sie hat vorläufig nur eine ganz mäßige Kon־־ sequenz aus dem Verhalten der zionistischen Mehrheit gezogen. | Sie wird aber jetzt hoffentlich auch den Sinn unse res Kampf^i: begreifen. VU n s' trennen von der Wiener Israelitischen Kultus־־ gemeinde nicht Differenzen in bezug auf Man־־ d a t e und auch nicht Unterschiede p o 1 11 i־־ scher Natur. Un s trennt eine We 11, die Welt des ab so lut e n s o uv e ran e n G 11 ־־ e s־־ glaübens von jenen, die diesen Glauben und die aus ihm fließende Konsequenz der Verbindlichkeit des Religionsgesetzes leugnen. ■ Uns ist es belanglos, wie der Streit zwischen der ״Union“ und der zionistischen Mehrheit ausgehen wird. Wir, die wir heute gezwungener־־' maßen nur noch als Beobachter und auch das hoffentlich nicht allzu lange mehr, am Leben der jüdischen Großgemeinde in Wien teils nehmen, uns interessiert nur noch, ob und wie lange in einem Staat, der die unerträgliche Last des Parteisystems abgeschüttelt hat, die j ü־־ d i s c h e Gemeinde von einem P a r t e i־־ k 1 ü n g e 1 vergewaltigt werden darf. Die Herren Kultusgemeindegewaltigen mögen ihre bisherigen Praktiken fortsetzen. Je widersinniger, je gewalttätiger sie werden, desto rascher müssen sie abwirtschaften. Wir für unseren Teil werden nicht ermüden, darauf hinzuweisen, daß der derzeitigen Kultusgemeindeleitung die Legitimation für die Vertretung des Judentums nach außen hinfehlt und daß ihr nach innen die Qualifikationen nicht minder abgehen. Wir werden mit allen Mitteln die L o s 1 ö s u n g der religiös Treugebliebenen weiter verfechten, bis sie zur T a t s a che geworden ist und wir werden — und das ist das Wesentliche — aller־־ orts und zu allen Zeiten nachweisen, daß die verbreitet. Wir Juden leiden furchtbar unter den moralisehen Invektiven und unter den tätlichen Angriffen dieser Elemente. Aber wir finden Mut, um zur Ueberwindüng dieses Uebels, in dem wir uns eins wissen mit all jenen Kulturelementen, die innerhalb und außerhalb Deutschlands diese Mordgesinnung weit von sich weisen, das Unserige beizutragen. Es kann nicht mehr lange dauern, bis . diese Gewalt- und Terrormethoden mit gemeinsamer; Hilfe aller Staaten und aller gutgesinnten Menschen endgültig aus der Welt geschaff t werden.; derzeitige Gemeindeleitung nur mit T e r r o r zu herrschen imstande und gewillt ist. Wenn die Zionisten, wie dies zur Schande der Wiener. , Judenschaft am Freitagabend der vorigen! Woche geschehen ist, sich; gegenseitig mit Steinen die Fenster eindreschen und die Köpfe - blutig Schlägen, so ist das i h r Privatvergnügen. U ns aber• muß es erspart bleiben, anläßlich so schändlicher Vorfälle von einem nicht jüdischen Polizeioffizier belehrt zu werden, daß er solche Vorfälle bei Juden am Freitagabend, am Schluß der Abendandacht, nicht für möglich gehalten :hätte. ' V״:■׳. Wir wollen und wir werden den T r e n n u n g 8.81 r i eh zwischen uns glau* benstreuen Juden und den Zionisten ver־־ schiedener Couleur endgültig und vollends ziehen.. Kultusgemeindewahlen in Baden. Am Sonntag finden in Baden bei Wien die Neu wählen in-den Kultusvorstand statt, denen ein heftiger Wahlkampf zuvorgegangen ist. Ein Kampf, bei dem es trotz des veralteten Personemvahlrechtes nicht um Personen geht, sondern um die Frage differenzierter. Weltanschauungen. Ein Kampf um die zukünftige Entwicklung der Gemeinde, von dessen Ausgang es abhängt, ob die Gemeinde auch weiterhin eine religiöse Kultusgemeinde bleiben soll, oder eine nationale Vo 1 ksgemeindc|, die, alle reiigiösen Gebote mißachtend, der Befriedigung von Parteigelüsten dienen wird. Der sogenannten ״Jüdischen Ar beit sgemein schaf t“, auf deren Liste ausschließlich orthodoxe Männer kandidieren, steht der vereinigte ״Z i o׳ n^ste n b 1 o c,ki“ mit dem assimilatorischen ״Wirtsch'aftsverein“ entgegen. Was will, der Zionistenblock? Er will ״den Religionsun ter r i ch t im nationalen (! Red.) Sinne um- und ausgestalten“, wobei die Betonung auf das Wörtchen ״um•״ zu legen ist. Ein hervorragender Führer der Liste hat erklärt, daß. dieser ״Programmpunkt“ so zu verstehen ist, daß die Zionisten es nicht dulden würden, daß den Kindern im. Religionsunterricht der ״Aberglaube“ <ר*ל! Red.) vom Messias ׳erzählt werde. Die Zionisten wollen — wir halten uns an das ״Programm“ — die Kultus־• gemeinde in eine Volksgemeinde umgestalten, sie wollen, daß die Gemeinde sich ״nicht nur mit R i tualang öl e gen heit en“ (?!) befasse, sie wollen die schwer verdienten Steuergroschen der Gemeindemitglieder einseitig für die Unterstützung ihrer unreligiösen Parteifonds verwenden, sie wollen und würden — sollten sie durch die Stimmen einiger kurz-, sichtiger religiöser Gemeindemitglieder zur Macht ge-j langen — all das mit Füßen treten, was uns glaübenstreuen Juden teuer und heilig ist. In der ganzen Welt gilt der Zionismus als abgewirtschaftet. Innere Zerwürfnisse, unjüdisehe Parteikriege zerfressen seinen Leib. In Wien war die erste Maßnahme, die die »ns Ruder gelangte zionistisehe Mehrheit getroffen hat, eine Erhöhiing her Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt, Scheitei bereits von S 60,— aufwärts, Halbperücken (früher S 100.—*, jetzt nur S 70,—).Bubi־־oder Mädchenperücken (früher S 120,—, jetzt nur S 80,— bis S 100,—). Erstklassiges Material, tadelloser Sitz, Wien I» Kärntnerring 6 -־■־ .; gegenüber Hotel Bristol, Tel. 1143*046, : . .•,__