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Jüdische Presse · 1934-06-15 · 22 (15.6.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
22 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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»totes* Httdlt «st! ft Kft «ft 41*79-014«. gtfmpft tons Vftrtefet ft*p4dlÄ p*t V. b, JÜDISCHE PRES ORGAN ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, ׳Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: S u b 01 i c a, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnement preise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr, 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. Nr. 22 Wien-Bratislava, 15. Juni 1934 ב״ה ווינא־פרעסבורג ב׳ תמוז תי־צ־ד. 20. Jahrs. Was geht vor? Hnapp vor RedaktionsschlaB erfahren wir, daß sämtliche der ״Union Oesterreich!scher Juden“ angehörenden Kultusvorsteher, nach einem schweren Konflikt mit der zionistischen Gemeindemehrheit, i hre Mandate im Vertreterkollegium, in den Kommissionen und den Steuer- Senaten usw. n i e d e x g e 1 e g t haben. Rund um die Wiener Kultusgemeinde ist es in den letzten Wochen ־wieder etwas ruhiger geworden. Ruhiger — freilich nur nach Außen hin, während die Bestrebungen ihren weiteren — hoffentlich erfolgreichen — Verlauf nehmen, die durch die provozierende Haltung der zionistischen Kultusgemeindemehrheit heraufbeschworen wurden. Wir meinen die Bestrebungen, denen ein klares .Entweder-Oder vorangeht und die sich die Durchsetzung der religiösen Forderungen innerhalb der Wiener Kultusgemeinde oder aber die B i Idüng einer selbständigen orthodoxen Gemeinde in Wien zum Ziel gesetzt haben. ln diesem Augenblick platzt die Meldung von dem teilweisen Rücktritt der union'istischen Kultusvo r s t e h e r bereift und obwohl wir über seine Ursache noch nicht genau informiert sind, müssen wir es doch klar aussprechen: Es ist unmö.glich, mit den zionistischen Herren zusammenzuarbeiten, es ' ist u nmöglich, sich an der Führung einer Großgemeinde zu beteiligen, deren herrschende Mehrheit -— und‘ die zionistisehe Mehrheit herrscht im vollsten und schlechtesten;Sinne des-Wortes — in . der Gemeinde-eine rücksichtslose P a r t e i h e r r s c h a f t auf richtet, die jede andere Richtung schonungslos unterdrückt und verfolgt. Wir hatten in den letzten Monaten wiederholt Gelegenheit, ein wenig Licht in die Tätigkeit der derzeitigen Kultusgemeindemehrheit zu ־werfen. Wir haben gezeigt, in welcher Weise F1*agen grundsätzlicher religiöser Natur behandelt werden und wir haben gezeigt, welches System bei der: Gewährung von Subventionen vorherrscht. Man greift sich .an den Kopf, wenn man erfährt, daß 15 Wiener nichtorthodoxe Tempel im Jahre 1933 zusammen S 276.513.50 an Subventionen erhalten haben, während den 49 orthodoxen 1Bethäusern, von denen einzelne vielleicht mehr Besuc!her aufzuweisen haben als die ganzen 15 Tempel zusammen, nur S 68.950.— bewilligt wurden. (Die zwei ׳großen orthodoxen Bethäuser, Schiffschul und 'Beth-Hamidrasch, bekommen von der Kultusgemeinde überhaupt keine Subventionen, obwohl die Mit- •glieder derselben als orthodoxe Juden bekanntlich bei der .'Steuerbemessung höher eingeschätzt werden als die nichtorthodoxen Zensiten, bei denen die Kultusgemeinde den Austritt befürchtet.) In diesen Ziffern sind nicht die diversen Nebeneinkommen (Trauungstaxen usw. usw.) enthalten, welche den Tempeln 'im Wege der Gemeinde zufließen und an denen die orthodoxen Bethäuser natürlich gar nicht partizipieren und die schätzungsweise mit S 50.000.— zu veranschlagen sind. Man würde es nicht glauben, daß die Wiener Kultusgemeinde, di׳e ja einzig und allein der Befriedigung religiöser Bedürfnisse zu dienen hat, im Jahre 1933 Sportvereinen S 3800.— gewährt hat und daß sie in das Budget 1934 für Turn- und Sportvereine S 4000.— eingesetzt hat, wobei dieser Betrag schon heute überschritten ist. Die Zeit wird, kommen, wo diese und noch viele andere himmelschreiende Mißstände ans Tageslicht gelangen werden, die Zeit wird kommen, wo die orthodoxe Judenheit Wiens sich aufbäumen wird •gegen eine derart mißbräuchliche Verwendung ihres Vertrauens und ihrer Steuergelder und die ganze religiöse Judenheit Wiens wird sich der Folgerung anschließen, die wir heute zuxn dritten Male wiederholen: Und wird es nicht in und mit der Gemeinde gehen, so wird es neben und außerhalb der Gemeiude geschehen! Die Zeit, in der religiöse Menschen dem. Gewissenszwang Irreligiöser ausgeliefert sind, ist unwiederbringlich vorüber. Entweder die jüdische Gemeinde wird religiös oder wir schaffen uns die selbständige religiöse Gemeinde. Die wichtigsten Beschlüsse der Warschauer Zentralratssitznng. Erez-Jisroel-Arbeit. Der Zentralrat fordert die Exekutive der Agudas Jisroel auf, angesichts der ganzen Lage des jüdischen Volkes die besten ideellen und materiellen Kräfte des organisierten thoratreuen jüdischen Volkes für den Aufbau des heiligen Landes im Geiste der Thora und für die Unterstellung des gesamten ־jüdischen Lebens in Erez Jisroel unter die Herrschaft der Thora einzusetzen. Diese intensivierte Arbeit für Erez Jisroel hat sich, wie die gesamte Tätigkeit der Agudas Jisroel, nach den Weisungen der Gedaule Hathau ro zu vollziehen und ist ohne Vernachlässigung der umfassenden Aufgaben der Agudas Jisroel in der Gola, insbesondere denjenigen zur Pflege der Thora und des Chinuch, zu entfalten. Antisemitismus — Teschuwoh.!.Der Zentralrat der Agudas - Jisroel - Welt- Organisation hält es im Hinblick auf die furchtbare Lage des jüdischen Volkes in der ganzen Welt, im Hinblick auf die wirtschaftliche Not einerseits, auf die gewaltige Welle von Judenhaß, die ganze Länder mit steigender Kraft überflutet, anderseits, für seine Pflicht, die jüdische Gesamtheit aufzurufen, ־ in der Entwicklung der Ereignisse die Mahnung der Vorsehung zur Teschuwoh zu erblicken, zurück zu unserer Tiiora und Emuno, die uns immer Schutz und Schirm vor allen Gefahren waren und die• dem jüdischen Volke die Kraft gegeben haben, den Zeiten schwerster Gefährdung standzuhalten. 2. Der Zentralrat , ruft der jüdischen Gesamtheit zu, auch heute in dieser schweren Zeit stark zu bleiben, sich zu gürten mit dem ewigen jüdischen felsenfesten Vertrauen auf G־ttes Führung, mit den Hoffnungen auf das g־ttliche Heil und auf die Ewigkeit des jüdischen Volkes. 3. Der Sentralrat wendet sich besonders an die-־ jenigen in . die Irre gegangenen Söhne des jüdischen Volkes, die erst jetzt aus dem Donner der Geschichte die Stimme G־ttes vernehmen. Mögen sie vollständig heimkehren in die Reihen des religiösen Judentums, wo sie mit offenen Armen aufgenommen werden und als gleichwertige Brüder eines liebevollen Empfanges sicher sein dürfen. Kabbinischer Rat. Der Zentralrat bevollmächtigt die Aguda- Exekutive״ Schritte zur Ergänzung der Exekutive des Allweltlichen Rabbinischen Rates im Einvernehmen mit dem Präsidenten des Rabbinischen Rates zu unternehmen, wobei möglichst alle in der Agudas Jisroel vorhandenen Gruppierungen in dem bisherigen Umfange vertreten sein sollen. Nach Feststellung der Vorschlagsliste soll die Wahl der neuen Exekutive-Mitglieder durch Schriftliehe Abstimmung unter den Mitgliedern der Rabbinischen Räte aller Länder, welche zusammen den Allweltlichen Rabbinischen Rat bilden, erfolgen. Rußlandhilfe. Der Zentralrat fordert alle Aguda-Organisationen in den Ländern der Diaspora auf, in der werktätigen Hilfe für die beispiellosem Elend, ja dem Hungertode preisgegebenen deklassierten Brüder in Sowjetrußland nicht zu erlahmen und alle Kreise der Judenheit unablässig an diese oberste Liebespflicht des jüdischen Klall im Sinne des לא העמוד על דע רעיך zu ermahnen. Tiberias. Der Zentralrat spricht den von der Katastrophe in Tiberias Betroffenen sein tiefstes Mitgefühl aus und ersucht den Waad hapoel, alle Schritte zu ergreifen, die erforderlich sein sollten, um das Leid der von der Kata- Strophe betroffenen Brüder zu mildern. Zentralstelle für Apologetik. Es wird beschlossen, eine Zentralstelle für Apologie des Judentums zu schaffen. Dieser Stelle soll die Abwehr der judenfeindlichen Angriffe gegen den Talmud und gegen die jüdische Religion im allgemeinen obliegen. Die Zentralstelle soll ein Verzeichnis aller wissenschaftlichen Werke anlegen, die den Gehalt des Judentums in einwandfreier Weise darstellen, und soll wissenschaftliche Publikationen in den europäischen Hauptsprachen veranlassen, zur Abwehr der gegen die jüdische Religion gerichteten Angriffe. Weltkongreß. Der Zentralrat der Agudas Jisroel erklärt —- ln Uebereinstimmung mit früheren wiederholten Kundgebungen der Exekutive — daß er dem Gedanken eines aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Weltkongresses der Juden aller Länder nach wie vor ablehnend gegenübersteht. Er erblickt in einem solchen Unternehmen heute erst recht eine praktisch zwecklose, mit p o 1 i t isehen und religiösen Gefahren ernsten Charakters verknüpfte Demonstration.;ft 1. ESne Zahnpaste. die starke^ 2. Ein Mundwasser, triert, daher sparsam 1m o Die bekannten Q״al«ät־-Er־e״gmsse 1*,י־׳ Zahnpas^ Mundwasser e.״.Spr^״־.^AChÄni״t I endeter AjVcise. WC!niänd. Erzeugnis. י Die bestehenden großen jüdischen Organisationen genügen vollauf, um die Interessen des jüdischen V01k03 zu vertreten und dabei auch, wo es angezeigt erscheint, gemeinsam vorzugehen. Keren Matkora. .1. Der Zentralrat gibt seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Landesverwaltungen des Keren Hathora ihren Verpflichtungen gegenüber der Zentrale gar nicht oder nur teilweise nachkommen. In einer Zeit, in der die Not der Jeschiwos unerträglich geworden ist, erscheint es um so mehr als heiligste Pflicht, alle Kräfte der jüdischen Ge-, samtheit in den Dienst dieser heiligen Sache zu stellen. Die verantwortlichen leitenden Persönlichkeiten werden aufgefordert, eine energische Arbeit für den Keren Hathora zu unternehmen. Keine Abteilung des Keren Hathora hat das Recht, Ausgaben, sei es für Büchsen, sei es für andere Zwecke, ohne Genehmigung zu bewilligen. Die Keren-Hathora-Zentrale wird vom Zentralrat aufgefordert, den Beschluß bei allen Landesverwaltungen in der ganzen Welt durchzuführen, und die Zentrale wird auf die ernsten Folgen der jetzt eingerissenen Desorganisation aufmerksam gemacht. 2. Der Zentralrat fordert die Keren-Hatliora-Zentrale auf, zum nächsten Chanuka eine Hilfskonfer C n z für alle großen Jeschiwos in Litauen, Polen, Lettland, Ungarn,!Slowakei und Erez Jisroel eiftzuberüfen. Zu dieser Konferenz soll der Keren Hathora außer den Vertretern der Jeschiwos auch die Vertreter der internationalen jüdischen Hilfsorganisationen einladen. WM Räumungsverkauf bei öllimar Sdriff Wien I, Kärntnerring 6 gegenüber Hotel Bristol, Tel. U046־־43־־.

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