Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 20 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Bl WH' ▼4NMW׳ WHHMNi. 9 “־־mm pf tmm V. b.b. ORGAN FÜR DIB INTIRISSCN DBS ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, 11., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc SO, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf £01• gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117. Nr. 20 Wien-Bratislava, 1. Juni 1934 •ב״ה ותא־פרעסבורג י״ח סיון היציר; 20. Jahrg. Ein Gruß aus der ferne! Die Stimmen, die jetzt aus Wien an das Ohr der jüdischen .Welt dringen, sind wie ein Hoffnungs* strahl in dunkler Nackt. Endlich erhebt sich Wiens Orthodoxie und zeigt der Welt, daß weder Zuckerbrot noch Peitsche sie von dem ernsten und unbeugsamen Willen abbringt, ein Entweder — Oder zu erzwingen :entweder eine Kultusgemeinde im Geiste des Judentums, im Geiste der jüdischen Geschichte, oder eine selbständigej orthodoxe Gemeinde, in der alles sich sammelt, dem der Begriff. Judentum keine leere Hülle ist, in die man alles hineinpackt, nur das nicht, was darin sein sollte: unverfälschtes Judentum. Und die jüdische Welt lauscht mit angespanntem Atem und der Segen aller Redlichen ist mit den Kämpfern, die gewiß nicht aus Freude am Kampf — sind solche Mitläufer darunter, dann soll man sie abschütteln —, sondern gedrungen von der Not ihres Herzens, getragen von jüdischem Pflichtgefühl, nun ihren Ruf ertönen lassen: מי ל ה׳ א ל י נ ו! Dieser Segen ist mit den Kämpfern und die heiße Hoffnung, daß ihre Sache zum Siege, zum guten Ziele gelangt. Denn alle Voraussetzungen dafür sind vorhanden: eine siebzigjährige Tradition, die in ungetrübter Klarheit von Vätern auf Söhne sich vererbte, Hunderte von erprobten Männern und aber Hunderte einer Jugend, die unter dem Banner, der Agudas Jisroel erlebt und begriffen hat, was orthodoxes .Judentum ist und verlangt. Der, Kampf um die orthodoxe Gemeinde ist der Prüfstein für die Echtheit der Gesinnung! Und ebenso wie es gewissenlos und leichtsinnig ist, von Trennung, Selbständigkeit, Autonomie dort zu sprechen, wo zum Handeln die Voraussetzungen fehlen — durch"solches Gehaben ^reitet man ״aus Prinzipientreue“ unsere besten Prinzipien zuschanden und entseelt das Lebendige zur toten Statue —׳, ebenso ist es heiligste Aufgabe, dort für das orthodoxe Judentum in Bö griff und Organisationsform opfervoll zu kämpfen, wo die Menschen bereitstehen und die Institutionen vorhanden sind oder, soweit sie fehlen, in leidenschaftlichem Opfermut geschaffen werden können, zu kämpfen, wenn die שומרי משמרת הקודש zum Kampfe rufen. Für mich ist das, was sich nun in Wien abspielt, die Hoffnung auf Verwirklichung einer Sehnsucht, von der ich meinen Wiener Jugendgruppenfreunden schon seit Jahren gesprochen. Und diese Hoffnung wird sich um so schneller erfüllen, je reiner und vornehmer die Mittel sind, mit denen die Unseren kämpfen! # Schwer war Möses das Werk der מקשה! מנורה aus einem Guß sollte sie sein — ein Fertiges. Und ihre Gestalt ist die eines Baumes, vom Wurzelschaft zur Blüte — Symbol der Entwicklung! (Aehnlich siehe S. R. Hirsch.) Und obgleich G-tt Moses die Menorah zeigte, blieb ihm die Aufgabe unlösbar schwer! Da sagte G-tt zu ihm: Nimm einen Klumpen Gold, wirf ihn ins Feuer und so entsteht die Menorah von selber. M03es schlägt auf das glühende Edelmetall עיין מדרש רבה> ומעצמה נעשית). Ein großes und gewaltiges Werk entsteht nicht von heute auf morgen, es bedarf der Entwicklung, der organischen Entfaltung! Aber hier ist der Weg zur Lösung angedeutet! Euer Wollen, wenn es lauter ist, wie Gold, schmiedet es im Feuer eurer Begeisterung, lasset es von euren berufenen Führern hämmern und formen — und dann — ה־ עשה אח המנורה gestaltet G־tt das Werk! S o scheint dem fernen Freund אני בצפון ולבי במזרח — die Situation, Am Werk und Licht der Menorah entzündet sich die Hoffnung für das Gelingen der schweren Aufgabe, am Werk und Licht der Menorah lesen die kämpfenden Freunde den Weg und den Sinn ihrer Aufgabe ab: Es gilt, in G־ttes Heiligtum, in dem so viel Irrlichter בין בשוגג בין במזיד entzündet wurden, wieder das reine Licht hell und voll zum Leuchten zu bringen.!Schwer ist der Weg und steinig und weit und hoch ist das Ziel — aber אם אתם תישמרו נרי אני אשמור נרבם Wenn es euch nur geht um das Licht G־ttes, dann wird G-tt euer Licht schützen und es wird heller brennen, bis es alles, was בשם אלקי יעקב יכונה, in seihen •Strahlenkreis gezogen hat. Wolf S. Jacobson, Kopenhagen. Der Zentralrat tagt. Feierliche Eröffnung — Sämtliche Agudafülirer und zahlreiche Gäste anwesend. Die erste Sitzung• In Warschau hat am Montag die Session des Zentralrates der Agudas Jisroel begonnen. Seit dem frühen Morgen herrschte lebhaftes Treiben in den jüdischen Vierteln. Immer wieder sah man junge Agudisten auf dem Wege zum und vom Bahnhof, wo die prominenten Agudaführer und zahlreichen Gäste’ abgeholt wurden. Zum Empfang des Präsidenten Herrn Jacob R 0 se n h eim,;der in Begleitung der Herren Dr. Isaac Breuer, Konsul Sally Guggenheim, Dr. H a u s d o rf aus Rotterdam und Doktor Deutschländer eingetroffen ist, hatten sich alle Führer der polnischen Aguda* an ihrer Spitze der Präsident der Landesorganisation I. M. Lewin und der Gemeindepräsident M a 211־ r, eingefunden. Der Montag war von internen Beratungen der politischen Exekutive und des Geschäftsführenden Ausschusses ausgefüllt. Um 8 Uhr abends eröffnte schließlich der Präsident des Zentralrates, Sejmälputierter Oberrabbiner Aron L ewin, in dem großem Konferenzsaal der polnischen Agudazentrale die Sitzung mit einer längeren inhaltsreichen Eröffnungsansprache, in welcher er alle . .auf .der . .Tagesordnung stehenden aktuellen Fragen berührte. Nach den Begrüßungsansprachen der polnischen Landesorganisation, der Warschauer Kultusgemeinde, des Rabbinats und der Agudas Horabbonim hielt der Präsident, Herr Jacob Ro senheim, ein längeres Referat, sodann erstattete Herr Dr. Isaac Breuer einen ausführlichen Bericht über die Lage in E r e z Jisroel, die er in einem mehrmonatigen Aufenthalt genau kennengelernt hat. * Die kleine Kenessio. Seit der zweiten Kenessio Gedaulo hat die Agudabewegung einen glänzenden Aufstieg zu verzeichnen. Der Agudagedanke ist aus dem jüdischen Leben nicht mehr wegzudenken und keine Klalltätigkeit ist heute ohne Mitwirkung der Agudas Jisroel vorstellbar. Gerade dieses Bewußtsein birgt aber die Gefahr einer Selbst- Zufriedenheit in sich, die in diesem Augenblick, wo es gilt, weiter auf zubauen, schädlich und gefährlieh werden könnte. Es darf nicht verkannt werden: noch heute ist das Ansehen und die Durchschlagskraft der Agudas Jisroel in den nichtorthodoxen Kreisen größer als in manchen ortkodoxen, die auf Grund aller Voraussetzungen zur Agudas Jisroel gehören. Gewiß, wir dürfen uns dessen freuen; bis heute sind innerhalb der Agudas Jisroel keine wesentliehen Differenzen entstanden. Aber Agudas Jisroel müßte sein Ziel nicht bloß in der Erhaltung der äußeren Einheit aller orthodoxen Juden erblicken, sondern sie müßte versuchen, alle Dissonanzen zu bereinigen und auszugleichen, die noch immer zwischen differenzierten religiösen Sichtungen in den verschiedenen Ländern herrschen. In einer für die Juden in allen Ländern schweren Zeit hat sich der Zentralrat der Agudas Jisroel versammelt. Wir erwarten nicht von ihm eine Lösung, ein Allheilmittel für die schweren wirtschaftlichen Sorgen und gegen den harten Druck des Antisemitismus. Was wir erwarten, das Ist eine Stärkung des jüdischen Geistes und der jüdischen Gläubigkeit. Wir erwarten ein Signal für eine bedeutend verstärkte Tätig-i keit auf allen Gebieten der religiösen Erziehung. Die größte Gefahr für Agudas Jisroel bedeutet noch immer die oft unglaubliche Unwissenheit jüdischer Kreise, die Unkenntnis.unserer fundamentalen Glaubönslehre, der Thora-sche-b’Ksavv und der Thora-sche-baalpeh, aber auch die Unkenntnis der agudistischen Ideologie. Von der Sitzung des Zentralrates!erwarten wir, daß sie Wandel schaffe auf allen diesen Gebieten. Erez Jisroel wird im Vordergrund der Beratun- ׳ gen gestanden haben. Wir können heute bereits mit Freude feststellen, daß die bislang gehegten Befürchtungen in Bezug auf die Orthodoxie, in Erez Jisroel ein Ammenmärchen waren und daß im heiligen Lande ein s t a r k e s religiöses Leben pulsiert, welches einen fruclitbaren Boden für die weitere Aufbauarbeit der Agudas Jisroel abgibt. Es liegt an uns, diese Aufbauarbeit zu führen und m. G. H. zu vollenden. Der Zahnschmelz ist die Schutzdecke des Zahnes! Die Puijmiffel dürfen also diese Schuijdecke beim Reinigen nicht verleben. ODOL-Zahnpasfa reinigt die Zähne gründlich! ist aber so weich, dafj auch der Schmelz zarter Kinderzähne nicht verleg wird. Darum für die Zähne ODOL Zahn p a s f a Sie gibt den Zähnen elfenbeinfarbenen Glanz I inländisches Erzeuanis! ire Zähne Ihrer Kinder Tube Kc4. Grobe Tube K£6. Die Ritualmordlegende. Die deutsche Haßpropaganda gegen die Juden hat dieses alte Waffenstück der Antisemiten, die Ritualmordlegende, aufgefrischt. Wenn schon alle Verleumdungen und haßerfüllten Beschuldigungen nicht mehr wirken können, so möchten diese abgrundtiefen Judenhasser durch die Auffrischung der Ritualmordlegende den Juden schaden. In Deutschland kann selbstverständlich diese abscheuliche Propaganda ohne Ein- Schränkung vor sich gehen, ja . man kann, wenn man es nur tüchtig und groß aufmacht, durch diese judenhetzerische Propaganda ein gutes Geschäft machen und zu politischem Einfluß gelangen. Die Ritualmorduummer des ״Stürme r“ des Erzantisemiten Streicher ist der beste Beweis dafür. Diese Ritualmordnummer, die in der gesamten gesitteten Weit außerhalb Deutschlands tiefste Abscheu gegen die barbarische Verwilderung deutscher Kampfmethoden gegen die Juden erweckte, wird trotzdem auch von Anti- 1 semiten. anderer Länder gerne aus der Rumpelj kammer geholt, um gegen jüdische Mitbürger zu hetzen. Dort aber, wo noch die Gerichte gerecht urteilen dürfen, kann man vor ihnen Schutz und Wahrung der jüdischen Ehre und des jüdischen Glaubens finden In Kattowitz in Polen wurde, dieser Tage ein solcher Prozeß zu Ende geführt und da der Gerichtshof den Wahrheitsbeweis zuließ, so konnte eben die Wahrheit bewiesen werden. Nicht hur der jüdische Sachverständige, sondern auch der katholische Theologe haben erklären und ihre Gutachten mit ihrem Eid bestätigen müssen,; daß in den jüdischen Quellen nicht nur nichts vorhaii- , den ist, das nur als leiseste Andeutung für diesen abschculichen Brauch gelten könnte, sondern daß umgekehrt die jüdischen Religionsvorschriften Blutvergießen und Blutgenuß unter allen Umständen schärfj stens verurteilen. Wir in Oesterreich besitzen sogar ein histori« sches Buch über dieses Thema: die Gerichtsakten des Bioch-Rohling-Prozlesses. In diesem Werke sind alle die Gutachten von Gelehrten aller Konfessionen, «hält bei mir ■eb•• Innerhalb s stunden Die reisende Dsme eine individuell ihren Oesichie entsprechend modellierte B0aUs0t der weltbekannten PerUckan-Kunttwarkstätte Wien I, Kärntnerring 6 TT S . ׳ ־—־ SSii