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Jüdische Presse · 1934-05-11 · 18 (11.5.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
18 (11.5.1934)
Date
1934-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrs• Religiöse Neugestaltung der Wiener Kultusgemeinde Der Kampf um die religiöse Neugestaltung der Wiener Kultusgemeinde ist in vollem Zuge. Dieser Kampf wird nicht nur getragen durch die moralische Autorität der orthodoxen Führer und Massen in Wien, nicht nur getragen von der inneren Berechtigung und dem moralischen Gehalt der Forderungen der Orthodoxie, sondern dieser Kampf wird auch wesentlich gefördert von den sichtlich lendenlahmen, von innerer Verwirrung zeugenden Gegenmaßnahmen der nationalistisch-zionistischen Kultusgemeinde-Gewaltigen. Nach vielen Wochen des Kampfes haben sich nun diese abgewirtschafteten Bonzen, die eine nach ihrem Statut der Religion und Religiosität dienende Gemeinde leiten, in die Oeffeutlichkeit gewagt. Und es kamen auch — was man ja gewußt hat — kommandiert alle Subvention sempfüngcr und jene, die eine solche von dieser Gemeindeieitung erhoffen, um eine ״Gegenkundgebung״ gegen die orthodoxen Forderungen zu veranstalten. Erst diese Versammlung hat in aller Deutlichkeit gezeigt, wie moralisch berechtigt die Forderung der Orthodoxie nach einer religiösen Neugestaltüng der Kultusgemeinde ist. ■ Wer. waren die Teilnehm er an dieser Versammlung? Ehrenwerte Rabbiner, die sicherlich treue Diener und Träger der jüdischen Religion sind, aber.'... . alle haben den Rücken vor dem von uns so leidenschaftlich bekämpften,.. die .־ heiligsten Religionsgesetze mit Füßen tretenden, streitbaren Vizepräsidenten der Kultusgemeinde tief gebeugt, um in der Liste der Subventionsempfänger gnädigst Aufnahme finden zu können. Wir sind diesen ehrwürdigen Rabbinern nicht gram. In dem ungeheuren Existenzkampf, den gerade die kleinen Bethausvereine und ihre Rabbiner führen müssen, wird unsere Verachtung nie jenen gelten, die um das Stückchen Brot für sich und ihre Kinder eine Kniebeuge machen, sondern jenen, die eine solche Kniebeuge e rzwingen. Die ״Jüdische Presse״ kämpft seit Jahren gegen diese, allen religiösen Grundsätzen hohnsprechende Praxis einer Kultusgemeinde, die für alles größere Beträge in ihrem Budget bereitstellt, als für die Träger des religiösen Lebens in Wien, für die orthodoxen Bethausvereine. Es ist geradezu der Sinn und Inhalt unseres heutigen Kampfes um die religiöse Erneuerung der Wiener Kultusgemeinde, daß diese große jüdische Gemeinschaft von religiösen Menschen geleitet werde, die es nicht als Gnaden gäbe betrachten, wenn• sie einem frommen und gelehrten Rabbiner hundert Schilling monatlich als Rettung vor dem Hungertod hinwerien, sondern es als edle Aufgabe betrachten, gerade die Träger der religiösen Gemeinschaft, das sind die kleinen Bethäuser und ihre Rabbiner, in Würde zu erhalten. Nicht anders ist das Verhältnis dieses, unsere heilige Religion täglich verhöhnenden Kultusvorstandes dem eigenen Rabbi nate gegenüber. Aller Respekt vor der Person der einzelnen Mitglieder dieses Rabbinats. Aber im Bereiche dieses mit der Religion auf Kriegsfuß stehenden Vorstandes ist das Rabbinat ein im besten Falle beratendes, ״Gutachten" verfassendes ״Amt“ geworden. Es ist bis zum heutigen Tage nicht gelungen, trotz eifrigen Bemühens der ״Jüdischen Presse״, das Gutachten veröffentlicht zu bekommen, welches dieses Rabbinat in der Sache der Rabbinerfunktlonen bei Leichenverbrennungen erstattet hat. Es pfeifen die Spatzen vom Dache, daß das Rabbinat — wie es selbstverständlich ist — sich gegen das Frauen Wahlrecht in der Kultusgemeinde ausgesprochen hat und daß der zionistische Kultusvorstand, sich über das Votum seines eigenen Rabbinats glatt hinwegsetzend, das Frauenwahlrecht doch zum Beschluß erhoben hat. Und es ist schließlich ein offenes Geheimnis, daß das Rabbinat der Kultusgemeinde auch gegen die Installierung der Lautsprecheranlage im. Leopoldstädter Gemeindetempel Stellung genommen hat, die aber trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) eingerichtet wurde. Jeder objektive Teilnehmer an dieser, von den Kultusgemeindegewaltigen kommandierten Versammlung mußte erst recht zu der Ueberzeugung gelangen: Wird diese große jüdische Gemeinde von Männern geleitet, die in ihrem Privatleben vor den heiligsten und wichtigsten jüdischen Religionssatzungen keinen Respekt haben, die weder Sabbath noch jüdische Ehegesetze, noch jüdische Speisegesetze heilighalten, so wird die Verkümmerung des religiösen Lebens, ja, dessen leider so erschreckender Verfall in Wien fortdauern. Wir werden auch dann fortab immer von neuem die Schande erleben müssen, daß religiöse Rabbiner und religiöse Bethausvorstände von diesen,• von. ihrer Partei- Politik und ihrem areligiöseh Lebenswandel befangenen Gemeindegewaltigen von Zeit zu Zeit mobil isert werden, um von ihnen ein Attest, eine Bestätigung gegen die religiösen Forderungen der wirklich religiös lebenden Juden in Wien, zu erzwingen. Diese Schande wird aufhören, wenn die Wiener Kultusgemeinde von religiösen Männern geleitet werden wird, diese Schande wird aufhüren, wenn für das Selbstverständlichste in einer religiösen Gemeinschaft nicht erst wird gekämpft werden müssen und wenn die Staatsbehörde, die jetzt wirklich Wert darauf legt, die religiöse Ern'euerungabewegung auf allen Gebieten zu fördern, nicht erst wird darauf aufmerksam gemacht werden müssen, daß die große Wiener Kultusgemeinde von Männern geführt ■׳ wird, denen der jüdische Nationalismus, der Zionismus, jüdischer Sport und alles andere wichtig ist, nur die jüdische Religion nicht. Es wird zur Zeit gekämpft um die Besetzung der Stelle des: obersten Religionsinspektors der Kultusgemeinde. Es ist geradezu charakteristisch für die ״religiösen" Verhältnisse in der Kultusgemeinde, daß als Kandidat für diesen Posten der gegenwärtige Obmann der Schulkommission genannt wird, der dann bei Erlangung dieser Stelle sein Geschäft am Sabbath schließen würde. Aber jetzt, solange der Kandidat nur Obmann der Schulkommission ist, kann er ruhig seinen Laden in der judenreichsten Straße Wiens, im Herzen der Leopoldstadt, an Sabbathen offen lassen. Kein rechtlich denkender Mensch wird solche Zustände für befriedigend halten, nur jene religiösen Führer sind damit einverstanden, die, 111 die Versammlungen des Herrn Dr. Löwenherz kommandiert, öffentlich für ihre!deinen Subvention sich bedanken müssen. Nein! Der Sinn unseres Kampfes geht dahin, die Wiener Judengemeinde von solchen Führern zu befreien. Wir führen keinen Kampf um des Kampfes willen. Die alten, schon längst mißbrauchten und ver brauchten Kampfrufe: ״Trennungsorthodoxie", ״Einheit", gefahrvolle ׳״Feiude von Außen״, sind alle unauf die ODOL-Zahnbürste, 1 r ein wenig damit die Zähne bürsten — beim Oberkiefer von oben nach unten, beim Unterkiefer von unten nach oben —, nun die Rückseite der Zähne (weil dort die Speisereste am meisten haften bleiben), und schließlich den Mund . mit OdoI-Mundwasser spülen, j so halfen Sie Ihre Zähne sauber | und I so erhallen Sie IhreZähne gesund! brauchbar geworden. Iri Oesterreich vollzieht sich dank , einer energischen Regierung, dank der neuen Verfassung, eine religiöse Wiederaufbauarbeit von gigantischer Größe und historischer Bedeutung. Es handelt sich darum, diese Erneueruhgsbcwcgung auch auf jüdischem Boden ungehemmt vorwärts zu tragen. Wir wären dankbar dem Allmächtigen, wenn cs gelänge, die jetzigen Machthaber der Kultusgemeinde dazu \zu bringen, daß sie aus eigenem erkennen, daß der Weg, den sie bisher gegangen sind, falsch w a r, daß dieser Weg unaufhaltsam zu religiösem Verfall führen muß. Daß neue Männer an die Spitze der Kultusgemeinde gehören, neue Männer, getragen von dom alten, ewigen, religiösen Ideal des Judentu ms. Neue Männer, die immer und unter allen Umständen in ihrem Lebenswandel dies bekundet haben. Gelingt dies durch friedliche Verständigung und Aufklärung nicht, will man daraus eine Machtfrage machen, so sind wir sicher, daß die Macht, welche in der gerechten und unwiderruflichen Forderung der Orthodoxie liegt, in der Forderung nach der religiösen Erneuerung der Wiener Kultusgemeinde, vor jeder Instanz obsiegen wird. Nach der dienstägigen Kundgebung des Servilismus, nach der dienstägigen Offenbarung, wie das Rückgrat des religiösen Judentums und der Stolz und das Selbstbewußtsein religiöser Juden von einem nichtreligiösen Kustusvorstand gebeugt werden kann, fordern wir erst recht: Weg mit solchen Männern aus der Wiener Kultusstube, die in ihrem Lebenswandel die heiligsten religiösen Gesetze mißachten, damit für eine wurzelfeste, alle Schichten der Wiener Judcnscliaft erfassende religiöse Erneuerungsbewegung Platz gemacht werde. Nachwort der Redaktion: Es ist bezeichnend für die Stellung des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde in dem gegenwärtigen Kampf um dessen religiöse Erneuerung, daß bei der Versammlung am Dienstag, zu der alle in irgendeinem A'bhängigkeitsverhältnis zur Kultusgemeinde stehenden Juden kommandiert waren, kein einziger Redner auch nur ein Wort der Rechtfertigung für die Arreligiosität der Kultusgemeinde finden konnte. Schlagworte und nichts als Schlagworte wurden gebraucht und in wüsten Ausfällen versuchten sich die Redner gegen das orthodoxe Judentum auszu« toben. Daß hiebei Herr Dr. Löwen herz sich bemühte, seine Vorredner in dieser Taktik zu überbieten und daß er, der als Vizepräsident der Kultusgemeinde zu absoluter Objektivität vorpflichtet ist, sich dazu verstiegen hat, in schimpflichster Weise gegen die Orthodoxie aufzu- 8n Die reisende Dame ״.,״.1;׳:,“:.:״,, eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Perficke | flTUM A P ©PIJTP17 Besitzet der weltbekannten Perücken-Kunttwerkttätte UiHlvlnft ÖUllirr .Wien I, Kärntnerring 6 iS?T«tophS«#kV ״•&<««

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