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Jüdische Presse · 1934-04-27 · 16 (27.4.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
16 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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■"■"י• ggjgy ««««*יי **plmp** V. b. ORGAN FÜR DIB INTERESSEN «י»«!• ftprynpftyp^ 1UP1HTUHS. Redaktion und Administration: Wien, II, Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fölgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb; Nr. 40.217, Zürich Nr. V1H, 4117. Nr. 16 Wien-Bratislava, 27. April 1634 •ב*ה;ווינא־פרעםבווג י״ב אייו תיצ״ד 20.Jahrs• Die innerjüdische Situation. Aus einem Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Max. Eisler. Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1/ Sdhottenring 35 Sie fragen mich nach meiner Meinung über die interne jüdische Situation? Ich nehme an, Sie fragen mich, weil ich keiner Partei angehöre, weil ich ein unpolitischer Mensch bin und deshalb eine freie Meinung habe, eine Meinung, nur bewegt, nur bestimmt von der Liebe für unsere Gesamtheit. Nun schön, ich will sie Ihnen sagen. Nicht leichtfertig und nicht aus dem Stegreif. Es hat lange gebraucht, ehe sich diese Meinung gebildet hat, ich habe sie, als sie aufkommen wollte, bekämpft, bezweifelt, geprüft, aber schließlich mußte ich ihr recht geben, denn alle Beobachtungen und Erfahrungen eines Jahres haben sie leider bestätigt: In einem Augenblick, in dem die Zusammenfassung aller positiven, moralischen Kräfte des Judentums, das sich wieder einmal im Zustand der Verteidigung seiner materiellen, seiner sittliehen und geistigen Existenz befindet, unerläß- Ich ist und nur natürlich wäre, hat man ein parteipolitisches Regime von beispielloser Enge und Härte auf gerichtet und ist mit allen Mitteln be-. müht, es zum System auszübaüen. Nicht die zur Verhandlung und Verständigung bereiten Männer, sondern die robusten Einzelgänger haben Oberwasser. Die Presse spricht ihre Sprache. Und die Praxis richtet sich darnach. Niemals hat man oben so viel von ״Objektivität“ gesprochen, niemals so viel vom ״Schlüssel“. Das Statut wird nur nach dem Buchstaben gehandhabt. Und die Neubesetzungen der freigewordenen Amtsstellen? Nun, wir werden ihre Erledigung ja sehen, besonders bei dem kardinalen Inspektorat für den Religionsunterricht, das ja nicht allein und nicht zuallernächst ein Inspektorat für die (sehr erfreulich blühenden) hebräischen Sprachschulen, sondern in erster Reihe eines für die religiöse Erziehung unserer Jugend ist. Aber ich will mich nicht bei Einzelheiten aufhalten. Denn sie alle kommen ja aus einem und demselben Geist. Es ist nicht der Geist der Duldsamkeit. Man soll mich nicht mißverstehen. Seit meiner Jugend war ich für alle edlen Erscheinungen im Judentum begeistert. Und diese Fähigkeit, in a 11 e n Lagern die guten Kräfte zu erkennen und zu lieben, habe ich mir bewahrt. Deshalb verkenne ich auch heute nicht, daß selbst unter jenen Männern des Regimes, die ich bekämpfe, sich solche finden, die ausgezeichnet sind durch Opferwillen, Arbeitskraft und das lebendigste Gefühl für Recht und Ehre des Judentums. Aber der Begriff Jude deckt sich bei ihnen mit dem des Parteifreundes. Wer außerhalb dieses Ringes steht, gilt wenig, nichts und weniger als nichts. Es fehlt ihnen, was wir in der Auseinander- Setzung mit dem nichtjüdischen Gegner heute so sehr vermissen: jener ritterliche Sinn, der das Recht vor die Macht stellt. Die traurige Folge? Vielleicht niemals waren Hader und Zerklüftung so weit verbreitet, Unwillen und Erbitterung so groß wie heutzutage. Und das wahrhaftig nicht allein unter jener religiösen Gruppe, die man gern ruhig sehen, aber auch völlig ausschalten möchte. Sie fragen mich, was unter solchen Umständen diese religiöse Gruppe unternehmen und welche Stellung sie zur Frage des in Bildung begriffenen ״Kulturrates“ einnehmen soll? Auch in dieser Frage bin ich für eine Verhandlung mit der Kultusgemeinde. ■ Selbst wenn, wie Sie meinen, der Versuch aussichtslos wäre, ־ er müßte unternommen werden. Denn natürlich bin ich jetzt und immer dafür, daß jüdische Angelegenheiten t u nliehst unter Juden in Ordnung gebracht werden sollen. ( Freilich, wird das von dem Verhandlungspartner unmöglich gemacht, dann sehe auch ich keinen andern Ausweg als den einer unmittelbaren Unser vorwöchiger UeitartikeLhat, wie nicht anders zu erwarten war, in der gesamten Oeffentlichkeit lebhaften Widerhall gefunden. Die glaubenstreuen Kreise waren begeistert und eine Unzahl von Zuschriften, die uns zukamen, von denen ein Teil geradezu ergreifend ist,: haben uns gezeigt, daß die jüdische Oeffentlichkeit, so׳ weit sie noch wahrhaft—jiidiseh-empfindet, nur der An-- regung bedurfte und nunmehr - diskussionsbereit und ge-. wappnet dästeht. In einer Zuschrift, die‘uns von einem älteren Herrn zukommt, wird der Vorschlag gemacht, das Material in-einer Broschüre zu sammeln und unentgeltlich an alle Juden Wiens zu versenden. Der Mann selbst erklärt sich bereit., den ersten Beitrag zu den Kosten zur Verfügung zu stellen. Nach einigen einleitenden,- aufmunternden Worten, schreibt der -Einsender: ■ Ich habe schon lange nicht einen so ernsten Artikel in einem jüdischen Blatte gelesen und Sie dürfen mir glauben, daß ich ihn viermal gelesen und dabei vor Freude geweint habe. Die Stimme, die mir aus dem Artikel entgegenklingt, ist ein wahres ״Kol chozew lahawas esch“. Der Schreiber stellt uns Aveiter Tatsachenmaterial zur Verfügung, das wir überprüfen und auf das Avir gelegentlich noch zurückkommen werden. * Während die religiöse jüdische Oeffentlichkeit sich mit unserem Artikel ernst und eingehend befaßt, scheinen die Zionisten der verschiedenen Couleurs ihre Stellung noch nicht klar bezogen zu haben. Die ״Neue Welt“ scheint ihre Sprache überhaupt noch nicht Aviedergefunden zu haben, Avährend die״ ׳Stimme“ schon etwas gekräftigter ist und eine etwas verunglückte Polemik versucht, die Avir nur kurz beleuchten Avollen, um die ״Stimme“ einmal selbst ihrem eigenen Gehör näher zu bringen. Die Tatsache, daß sich bei der Landesver- Sammlung die gesamte thoratreue Jugend prinzlpiell, Avenn auch nicht formal, mit dem in der ״Reichspost“ veröffentlichten Antrag indentifizierte, soll dadurch abgeschAvächt AA׳e1׳den, daß ״von der Gesamtsumme der thoratreuen ־ Jugend die M i ’s r*a c h i- Jugend abzurechnen sei, die sich mit einer ״Messlrah“ nicht identifiziere“. Angenommen! Wer die Verhältnisse in der thoratreuen Jugend Oesterreichs kennt, Avird schließlich Avissen, Avie stark die Endsumme dadurch korrigiert wird. Was aber die ״M essirah“ anbelangt, kommen wir noch darauf zurück. Und nun folgt ein kleiner journalistischer Kniff der ״Stimme“. Die ״Jüdischo Presse“ stellte eingangs ihrer vonvöchigen Ausführungen fest, daß sich die versammelte Jugend des Verbandes agudistischer Jugendvereinigungen mit dem Inhalt des Antrages identifiziert.'Das soll — so will es die ״Stimme“ — anders klingen, als die schriftliche Mitteilung, die die Aguda-Jugenügruppe der Kultusgemeindo Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien 1/ Sdhottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zaiilungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra"־Mitglied. Fühlungnahme mit der Regierung. Denn es wäre: unverantwortlich, A\׳oIIte das religiöse Judentum — der edle, ewige Kern unserer Gemeinschaft — in einem solchen entscheidenden Augenblick, wo es um das jüdische Schicksal in unserer Heimat geht, untätig sich selbst, ausschließen. Und ich bin überzeugt, daß sie bei den Kräften, die den neuen Staat im religiösen Geiste aufbaucn wollen, das beste, bereitAvillige Verständnis finden werden. gegeben hat und die die ״Jüdische Presse“ auch im. Wortlaut bereits veröffentlicht hat. In dieser!Mitteilung AA’ird Wörtlich gesagt: ״ . . . Was .den Inhalt des Antrages anbetrifft, gibt es in unseren Kreisen keine. Mein n u n g s v e r s c h i e d c n h e i t e n, daß der irieritorische Inhalt nur etAvas Selbstverständliches besagt und unserer Gesinnung - vollkommen entspricht. ״-Der Weg, den der Antragsteller gegangen ist, Aviderspricht allerdings . . .“ Was machtnun ' die .״Stimme“? Sie verschavei gt den ers te 11 Satz und tritt den ZAveiten um so breiter, um dann zur Schlußfolgerung zu kommen, ״das klingt doch anders als die Mitteilung der ״Jüdischen Presse“. Also eine kleine Fälschung! UniJ dann Avird gegen Tatsachen mit F1 o s k ein polemisiert. Zu unserem Schlußsatz Aveiß die ״Stimme“ nichts anderes, als daß w׳ir die Methoden der ״sIov\rakischen Orthodoxie“ kopieren Avollen und daß man sich hierzulande unter religiöser Erneuerung etAvas ״anderes“ ׳ vorstelle. Nun denn, AA׳as die Methoden der slowakischen Orthodoxie anbelangt, Avären Avir glücklich, hier eine Kopie davon zu haben, denn dann hätten Avir hier ein blühendes jüdisches religiöses Leben. Und was man sich hierzulande unter religiöser Erneuerung vorstellt, ob dafür gerade die Zionisten die richtigen Interpreten sind, darüber Avird wohl noch gesprochen werden.; Jedenfalls Avird vorher noch ein BefähigungsnachAveis von den einzelnen Herren .zu erbringen sein. * o ׳. V Und nun ״Messirah“. Tm Arsenal der Zionisten ist das Wort ״Messirah“ eines der beliebtesten und haufigst verAvendeten Waffen. Die Waffe ist reichlich stumpf. Daß sie aber immer Avieder hervorgeholt wird, beweist uns zu unserer Genugtuung, Avie geistlos und unproduktiv die zionistische Ausrüstung gCAvorden ist. Wir haben der religiösen Erneuerung in der jüdischen Gemeinde das Wort gesprochen. Wir haben verlangt, daßreligiöse Grundsätze und Institutionen von Menschen, die in ihnen leben, vertreten werden. Wir wissen uns darin nicht nur mit den selbst religiös lebenden Menschen, sondern mit jedem religiös empfindenden und klar (lenkenden Menschen einig. Das auszusprechen und durchzusetzen zu versuchen, soll also ״Messirah“ sein! Rabbi Jochanan ben Sakai hat sich laut talmudischer Ueberlieferung in einem Sarge aus dem belagerten Jerusalem, in dem ein frecher nationalistischer Klüngel die Herrschaft usurpiert hatte, aus der Stadt heraustragen lassen, um mit Vespasian, dem Belagerer zu verhandeln und wenn schon nicht die Stadt, so AArenigstens die jüdische Jugend und den jüdischen Geist zu retten. Im Jahre 1833 führte der Chasam Sof er s. Z. 1. direkt bei der Hof kanzlei Beschwerde Uber den üherhandnehmenden Chilui-Schabbos in Wien und erbat Abhilfe von den kaiserlichen Behörden. Wir be-• finden uns also mit unserem Appell an die gesamte religiöse Oeffentlichkeit um Hilfe für die Erhaltung des jüdift« Die reisende Dame f•1״■' choninnerhalb 3 St!ווו den _■■ eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten Perilcken-Kunttwerktfätte Wien 1, Kärntnerring 6 ״M e ss i r a h“.

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