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Jüdische Presse · 1934-04-20 · 15 (20.4.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
15 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Rt pAfPfcllteNI V. b.*b. Jöttfiiil t JUDENTUMS. ־ftedaktton ttt141Administration: Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei; Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß; Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16« Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar ISO! das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ,,Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Fostspärkassenkonti; Wien Nr.!)■>93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117. Nr. 15 Wien-Bratislava, 20. April 1934 •כ״ה ווינא־פרעסבורג ה׳ א־יר תיצ׳ד 20. Jahrg. die religiöse Erneuerung. In der ״Reichspost“, dem Organ der österreichischen Regierung und der' christlich-religiösen Bevölkerung Oesterreichs, erschien am 11. April unter dem Titel ״Jüdische Jugend für religiöse Erneuerung“ folgende Notiz: In der am 8. d. abgehaltenen Generalversammlung der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe (Wien-Leopoldstadt) . wurde, wie der ״Reichspost“ berichtet wird, ein Antrag eingebracht, der den Vorstand auffordert, an die Führer der religiösen Judenheit Wiens mit folgendem Ansuchen heranzutreten: 1. Beim Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens vorstellig zu werden und ihm nahezulegen, nachdem er fast durchwegs** aus Männern besteht, die nach dem Schulchan Aruch (jüdisch-religiöses Gesetzbuch) ein unreligiöses Leben führen, ih׳r Amt niederzulegen und durch Ernennung oder Wahl solche Personen in den Kultus- Vorstand zu entsenden, die durch ihren traditionstreuen Lebenswandel geeignet erscheinen, der• Kultusgemeinde vorzustehen. ׳ 2. Sollte diese Vorsprache ohne den angedeuteten Erfolg bleiben, so werden die Führer der relig|ösen Judenheit Wiens aufgefordert, bei Herrn Bundeskanzler Dr. Dollfuß vorzusprechen und, nachdem der Herr Bundeskanzler über die Verwaltung und Zustände in der Kultusgemeinde entsprechend informiert wurde, an ihn die Bitte zu richten, es möge ein Gesetz ausgearbeitet werden, wodurch nur . solche Personen als Kultusvorstände ge- .. wählt werden können,״ die״.,durch ihren einwandfreien;* dem Religionsgesetz (bei Juden der Schulchan Aruch) entsprechenden Lebenswandel geeignet erscheinen, die . Kultusgemeinde in wahrhaft religiösem Sinne zu führen, damit auch ein wirklich religiöses Geschlecht heran-' gebildet werde..; Von diesem Antrag wurde auch der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde und der Bundeskanzler verständigt. Am 14. April ergänzte die ״Reichspost“ ihren Bericht wie folgt: Wir berichteten am 11. d. von einem Anträge, der in der Generalversammlung der Agudas-Jisroel-Jugend-. gruppe eingebracht worden sei und darauf gerichtet ge-; wesen sei, die Führer der glaubenstreuen Juden Wiens zu veranlassen, daß sie den. Rücktritt von solchen Mitgliedern des Vorst an des de r Israelitischen Kultusgemeinde fordern, die ein .unrelis giöse s Leben f üh ren. — Wir sind dem Sachr verhalt nachgegangen, daß der Antrag zwar tatsächlich dem Willen und der Absicht der übergroßen Mehrheit der genannten Jugendvereinigung entspricht, aber aus rein formalen Gründen noch nicht eingebracht werden konnte. In der Sonntag, den 15. April stattgehabten Landesversammlung des ״Verbandes agudistischer Jugendvereinigungen Oesterreichs“ gab der Vorsitzende über mehrere Anfragen unter stürmischem Beifall die Erklärung ab, daß sich die thoratreue Jugend Oesterreichs mit dem Inhalt dieses Anträges vollkommen identifiziert. Während also die thoratreue Jugend Oesterreichs diesen Antrag nachträglich legitimiert und während die ״Reichspost“, ohne äußeren Zwang, ihn auf das richtige Maß zurückführt, fallen die beiden Organe ׳der Wiener Zionisten, ״Die Stimm e“ und ״D i e Neue Welt“, in gewohnter Weise die Aguda an, ״Die Stimme“ in ihrer Ausgabe , vom 17. April sieht bereits die Aguda und die ״Reichspost“ auf dem ״Rückzug“: und verlangt nicht weniger, als daß die Aguda den ihr unbekannten Einsender ״ausstoße“, was ja immerhin einige Schwierigkeit haben wird, da erstens der Einsender der Aguda genau so unbekannt ist wie der ״Stimme“ und zweitens die gesamte Aguda- Jugend Oesterreichs sich mit; dem Antrag nachträglich identifizierte. | Und nun zur Sache sllbst. Während in Oesterreich der Parteienstaat unter Getöse zusammengestürzt ist und auf den Trümmern des alten ein neuer auf religiösen Grundlagen aufgebauter Stände- Staat im Entstehen ist, bemühen sich die Machthaber der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, die aus dieser zur Wahrung der religiösen Interessen berufenen Körperschaft ein Parteiinstrument ärgster Sorte geformt haben, diese Entwicklung zu verschlafen. Die Herren, die! auf dem Buckel einer faulen, innerlich morschen;״Demokratie die Kultusgemeinde erobert haben, glauben, daß dieser Zustand für sie verewigt werde. I Die Aguda, di höchste Aufgabe d im jüdischen Vo1 des G-ttesgesetze Zufa11 s m e h r h eitm .seit jeher ihre;!,in erblickt hat, jp d i e A u.t o r i t ä t unabhängig von zur Geltung zu br i n g e n, hat diese Kult|1sgemeinde, noch bevor im Staate der Autoritafsgedanke Fuß gefaßt ז hatte; verlassen, umdannt sinnfällig zum Aus- ־• druck zu bringen, daß die religiösen Postulate des Judentums nicht dem Willen einer Mehrheit ausgesetzt werden können, •die durch Zufälle bestimmt wird. . Die Zionisten, die die Kultusgemeinde, entgegen der gesetzlichen Bestimmung, in eine nationale Volksgemeinde umwandeln wollten, hätten nichts da,-. gegen gehabt, durch ein zensusfreies Wahlrecht die religiösen Belange den Stimmungen der Gasse auszuliefern. Sie haben ihren Zufallssieg bei den letzten Wahlen zu einer schrankenlosen Pärteiherrschaft ausgebaut, und alle Versuche, sie zur Raison zu bringen, sind an ihrem Machtwahn gescheitert. Die Herren haben die Situation, die ihnen die Demokratie geschaffen hat,‘ schrankenlos ausgenützt und schreien jetzt in bewährter Methode von ״M e s s i r a h“,־ wenn das thoratreue Judentum den religiösen Zug der Zeit, nicht für seine persönlichen und Parteizwecke, wohl aber für seine Idee, die Idee .׳des auf Grundlage des G-ttesgesetzes konstituierten jüdischen Volkes, auszuwerten versucht. Diese Idee ist älter als die Aguda und sie ist so selbstverständlich, daß man für sie, bis zu der Zeit, in der die vom Religiönsgesetz Abgefallenen sich mehrten, nicht einmal kämpfen mußte. Erst als der Abfall sich mehrte, tauchte als neues Auskünftemittel zur Wahrung der religiösen Interessen der Gedanke der Trennung auf. Solange die jüdischen Gemeinden jüdisch verwaltet waren, gab es keine Trennung. Erst die aggressiven Formen des jüdischen Liberalismus und die noch wilderen Ausartungen des jüdischen Nationalismus haben den Gedanken der Selbständigkeit der Orthodoxie gefördert. Nie hat die Orthodoxie angegriffen, sie hat vielmehr nur dort, wo ihr ein Verbleiben durch die Unreligiösen unmöglich gemacht wurde, ihrer Selbständigkeit zugestrebt. Das Gesetz über die Kultusgemeinden vom Jahre 1890 spricht klar aus, daß die Kultusgemeinden die religiösen Interessen zu wahren und deren Institutionen Lei'sfungsfähigsfes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien 1/ Sdiottenrlng 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra"-Mitglied. zu verwalten haben. Wäre es in irgend einer anderen Religionsgemeinschaft möglich, daß zu religiösen Sachwaltern Menschen bestimmt werden, die diese religiösen Grundsätze Öffentlich mißachten? In welcher anderen Religionsgemeinschaft könnte ein Religionslehrer, der selbst ungläubig ist, auch nur eine Stunde. auf die Kinder losgelassen werden? Oder will jemand behaupten, daß es möglich wäre, daß ein christlicher Religionslehrer Unterricht erteilt und während des Religionsunterrichtes die Gesetze der Religion öffentlieh mißachtet? Aber das ist nicht genug. Meldet sich ein junger Mann, der nach jeder Richtung hin, selbst nach der Bekundung der Wiener Kultusgemeindeinstanzen, bestqualifiziert ist, zur Religionslehrer- Prüfung, so wird er nicht einmal zur Prüfung zugelassen, nur deshalb, weil er —■ strenggläubig ist. Während zionistische Parteivereine mit gigantischen Summen subventioniert werden, verweigert die Kultusgemeindemehrheit die Subventionen den religiösen Institütionen־in*״unerhörter Weise־.־ Die Agudas-Jisroel- Jugendgruppe Wien II., die die zionistische ״Stimme“ als gar so ״unbedeutend“ hinstellt, ist, laut Bekundüng selbst des I ns p ektors de r Kultusgemeinde, anerkannt der größte und b e d e utendste jüdische Jugendverein Wiens und hat bis heute von der Kultusgemeinde noch keinen Gr0s c h e n an Subventionen bekommen. Für die lumpigen vierhundert Schilling, die die Bib li o th ek dieses Jugendvereines bekommt und die nicht einmal ausreichen, um die Einbände zu erneuern, geschweige denn die Bibliothek zu ergänzen, erkühnt sich die ״Stimme“ von ״eingeheimsten“ Subventionen der Aguda zu sprechen. Ja, zahlen denn die Agudisten vielleicht keine Kultussteuer und haben sie denn nicht das Recht, die Kultusgemeinde für ihre religiösen Institutionen heranzuziehen. (Es ist allgemein bekannt, daß die strenggläubigen Juden von der Kultusgemeinde bei der Steuerbemessung weniger Schonung erfahren und daß Rekurse von orthodoxen Juden niemals günstig erledigt werden, weil bei diesen Zensiten die Drohung mit dem; Austritt nichl befürchtet wird.) Die Herren scheinen wirklich der Meinung zu sein, daß die Kultusgemeinde ein zionistisches’ Pa rteiinstrum e nt ist und die Steuergelder der Wiener Judenschaft nur für ihre Zwecke da sind. Sie scheinen der Meinung zu sein, daß sie mit den Geldern der Gemeinde politisches ״Wohlverhalten“ belohnen und daß sie mit dem Entzug Strafexekutionen verhängen dürfen, wenn ein politischer Schritt nicht ihren Wünschen entspricht. So hat der besonders streitbare zionistische Vizepräsident den beiden . einzigen Jeschiwos (höheren Thoralehranstalten) Mattersburg und Deutschkreutz ihre Subventionen versagen wollen, bloß weil diese Gemeinden sich gegen den Versuch der Schaffung eines Gemeindebundes unter zionistischer Oberhoheit zur Wehr setzten. Wiederholt wurde mit dem Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde ernst und würdig über diese und noch viele andere Fragen, dio anzuführen den Rahmen dieser Ausführungen sprengen würden, verhandelt, um den Frieden •der Gemeinde so gut und so «li eine individuell erhält bei mir El e il CM9 3 stunden ihrem Geeichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten PQriiCkQllpKl1nftWCIPkft3tte Wien I, Kärntnerring 6 W»!vI1!h

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