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Jüdische Presse · 1934-04-13 · 14 (13.4.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
14 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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föl&ttfö föVöleift ÜWÄI HK * t emöÄiAti «1*. 41572-nt-jo. ¥WBf Vfeftefef TOiDAfttifli Jourtia! ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS, Redaktionen(! Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei:!Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Suhotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland* Schw. Fr, 14. Einzelnummer öst, Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fol* gettde Postsparkassenkonti: Wien Kr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, •Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 19Ö.4Ö9, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. ■■■■BaaaHHHnBBaMtoBnaRKnaBBBaaKSBBaiaBBBAa■ Nr. 14 Wien-Bratislava, 13. April 1934 כ״ה ווינא־פרעםכורג כ״ח נ־סן תיצ־ד 20. Jahrg. ״Klärung der Judenfrage“.*) Die vielfältige Diskussion, die Czermaks Schrift ״Ordnung in. der Judenfrage" anregte, ist ein Beweis für das lebendige Interesse an diesem Gegenstände. Es ist unstreitig richtig, wenn Oskar Trebitsch in seiner ״Rhettoordnung in d-er Judenfrage" bemerkt., daß jede ״scheinbare Originaidummheit, die jemand über das Juden thema vor bringt, sich als Erbdummheit erweist“, die sich eben behauptet. Diese Bemerltung wird wahrhaftig nicht widerlegt, wenn man den ersten der drei Autoren hört, der in dem Buche ״Klärung in der Judenfrage" zu Worte kommt. Herr Beia Ban g'h a, Angehöriger des Jesuitenordens, langjähriger Generalsekretär aller Marianischen Kongregationen, Missionsprediger, in Budapest, nennt seine Ausführungen: ״Katholizismus und Judentum“. Zunächst gibt er eine Charakteristik der Juden. Mit den Einzelheiten seiner Ausführungen sich zu beschäftigen, lohnt nicht die Mühe. Mit Worten, die von salbungsvoller Milde triefen und mit einem Augenaufschlag, der in demutsvoller Ergebenheit schwimmt, bringt er die altesten Ladenhüter des primitivsten Radauantisemitismus, die längst als Lügen und Fälschungen erkannt und-erwiesen sind, vor. Das Niveau und die Treue seiner Dar- Stellung sei durch ein einziges Beispiel gekennzeichnet: Er nennt Kaiser Josef einen Bedrücker des Katholizismus! Wenn Herr Bangha als gläubiger Katholik, als treuer Diener seiner Kirche, als begeisterter Bruder seines Ordens im Katholizismus die höchsteי Blüte menschlicher Vollendung sehen will und mit Enthusiasmus für diese seine Anschauung eintritt, wird jeder billig Denkende dies recht finden. Wer könnte sich darüber wundern? Aber als objektiver Kritiker, der für wahren ׳ Frieden und echte Nächstenliebe eintreten will, müßte er es auch selbstverständlich und recht finden, daß der gläubige Jude in seinem Judentum, dem ursprünglichen Empfänger der g-ttlichen Offenbarung, die absolute Reinheit und Sittenhoheit sieht und in deb Befolgung des biblischen Gebotes ״nach G-tt zu gehen“ den Weg zur wahren G-t.t.nähe findet. Herr Bangha mag ja recht .haben, die meisten modernen Juden leiden an einem erschreckwerden soll, zeigt die biblische Vorschrift: ״Du sollst, den Fremden liebreich behandeln, du kennst das Gemüt des Fremden, denn du warst selbst, ein Fremder im Lande Aegypten.“ Die Reformjuden sehen in dem biblischtalmudischen Gesetz das Produkt der jüdischen Volksseele; der orthodoxe Jude verehrt, darin die unmittelbare, ewige Offenbarung des g-ttlichen Willen. Das ist ein dogmatischer Unterschied, der uniiberbriickbar ist und mit eiserner Konsequenz zu einer Trennung der Weltanschauungen .innerhalb des Judentums drängt. Auf alle aber, ob Liberale oder Orthodoxe — da gibt, es keinen Unterschied — hat. die 3000jährige Erziehung in diesen Anschauungen und Grundsätzen so eingewirkt, daß sie wohl, eine ״begeisterte Freude“ am Wohlt.un haben und den Erörterungen des Herrn Bangha über Nächstenliebe, die sich in den .Tudenmorden der Kreuzzüge, in Autodafe, in der Bartholomäusnacht hekündet, verständnislos gegenüberstehen müssen, und alle werden seinen Vorschlag zur Klärung der Judenfrage ־״’־ die Annahme der Taufe — wohl entschieden ablehnen. Daß auch die Annahme der Taufe an sich von Herrn Bangha nicht als lückenlose, endgültige Lösung der Judenfrage angesehen wird und daß Herr Paul Kris, der jüdische Renegat, sich bemüht, für die getauften Juden einen Platz an der Sonne zu suchen, braucht uns nicht zu interessieren. Die abgefallenen Juden haben mit dem Judentum nichts zu tun, sie sollen9 ihre Stellung und ihre Lage nach ihrem Gutdünken/Sich einrichten. Die Erörterung der Judenfrage und die Vorschläge zu ihrer Lösung haben das Bestehen der Judenfrage zur selbstverständlichen Voraussetzung. Trebitsch führt aus, daß sie territorial begrenzt ist und weist an der Hand von statistischen Daten die imrichtigen Voraussetzungen für das Auf werfen derselben; denn niemals haben die Juden auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten einen wesentlichen Einfluß genommen. Nur ganz gelegent- Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1/ Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. liehe und vereinzelte Fälle sind es, daß in unseren Gegenden Juden in leitenden Stellungen waren. Aber was gelten Ziffern und Tatsachen? Formal gibt es ja auch hei unskeine Judenfrag e. Das Gesetz räumt den Juden volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung ein. Wird sie auch praktisch geübt? Ist sie jemals praktisch geübt worden? N e i n! Und insolange es möglich ist, daß hestehende Gesetze von den berufenen Wächtern des Gesetzes nicht beachtet oder verletzt werden, kann von einer Regelung der Judenfrage im gesetzlichen Wege nicht gesprochen werden. Denn wenn, deri Judenfeinden entgegenkommend, ein Gesetz geschaffen würde, das Beschränkungen in einem gewissen Maße normiert, würde es nicht beachtet werden. Das wissen wir aus Erfahrung. Immer und immer wußten die Machthaber, vom kleinsten bis zum höchsten und größten, bei allen beschränkenden Bestimmungen noch einen ״Dreh“ herauszufinden, um die gegebenen Zusagen noch einzuschränken. Auf diesem Wege ist für die Juden nichts zu erzielen. Aber gleichwohl können wir die elegische Resignation Trebitschs nicht teilen. Wir werden getragen durch den Gedanken an das Sinai-Gesetz. Derjenige, der an der Spitze der zehn ־ Gebote verkündet hat: Ich: bin der allbarmherzige-ge- rechte G-tt, der dich aus Aegypten herausgeführt hat, der duldet nicht, daß ein Mensch den anderen unterdrücke, er will die Freiheit und das Glück der Mensehen. Der Tag, der den Menschen Freiheit und Gerechtigkeit bringen wird, bringt die endgültige' Ordnung der Judenfrage. IBRI. Dienet in Liebe . . Für den religiösen Aufbau des Heiligen Landes. liehen Mangel an religiöser Bildung. Wenn er aber behauptet, daß zwischen Bibel und Talmud ein himmelweiter Abstand besteht, so beweist er, daß er vom Tal-, mud. auch keine blasse Ahnung besitzt und nur alte, längst, widerlegte Fälschungen nochmals nachsagt. Der Talmud, die Sammlung der vom Sinai überlieferten mündli ch e ri Lehren, ist die erklärende, organisch auf der Bihel fußende Ergänzung des offenbarten, g-ttlichen Gesetzes und darum das m o n u m e ntalste Werk ethischer und g e i s t ig e r V ö 11e n d u n g. .Ta es ist. wahr, der Talmud hat das jüdische Geistesleben beeinflußt und geleitet. . Der ethische Gehalt der talmudisehen lehren, seine..haarscharfe.Logik haben den Juden die Kraft gegeben, 19 Jahrhunderte unmenschlicher Bedrückung, teuflischer Verfolgung und grausamster Erniedrigung, ohne sittlichen Schaden zu tragen und hocherhobenen Hauptes^ geistig und sittlich ungebrochen durch die Geschichte zu wandern. ' Es mag sein, Herr Bangha sagt es, die Juden waren in ihrer Verteidigung ungeschickt. Ihre Feinde waren in ihren Angriffen sehr schlau; sie richteten ihre Waffen — und sie waren nicht und sind auch heute nicht wählerisch in der Wahl ihrer Waffen — immer' gegen die unerschöpfliche und unverlierbare Kraftquelle des Judentums, gegen den Talmud. In dem biblischen Gebot: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, sieht der talmudische Lehrer H i 11 e 1 die Zusammenfassung des gesamten jüdischen Gesetzes, indem er den Pröselyten belehrt: ״Was du nicht willst, das dir geschehe, tu auch deinem Nächsten nicht.“ Eine 1800 Jahre dauernde Kulturentwicklung erst brachte den Königsberger Weltweisen zur gleichen Erkenntnis, die er im kategorischen Imperativ zusammenfaßte: Handle so, daß die Maxime (subjektiver Grundsatz) deines Willens als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte. Wie der kategorische Imperativ praktisch betätigt ״ («־Klärung in der Judenfrage“, von Bela Bangha, Oskar Trebitsch und Paul Kris, Reinhold-Verlag, Wien- > Leipzig, 1934. .__ Vor allem: Das glaubenstreue Judentum war es, das durch die Jahrtausende hindurch den Jischuw Erez Jisroel mit aller Liebe und Zähigkeit gepflegt und verteidigt hat. Das gl a ubenstreue Judentum war es, das unter unendlich schwierigen politischen und Ökonomischen Bedingungen, unter einer barbarischen Oberherrschaft eines unzivilisierten Staates, opfermütig seine Existenz in Erez Jisroel und damit die Existenz Erez Jisroels für das Am Jisroel verteidigte. Wir Thoratreuen halfen unter den schwierigsten Bedingungen immer schon mit, die herrlichen Institutionen in Erez Jisroel, all’ die Jeschiwos, Talmud-Thoras' und sozialen Werke, wie Spitäler, Altersheime, Armenküchen etc., zu schaffen. Ganze Straßenzüge und Stadtteile erstanden unter der Hand der Thoratreuen in den Zentren des alten Jischuw. Eine Stadt wie Safed z. B., mit selten gesundem Klima, die heute infolge des übergroßen Andranges zur Küste viel an Einwohnern und an Bedeutung verlor, zählte vor dem Weltkriege 10.000 jüdische Seelen! Auch auf kolonisatorischem Gebiet haben thoratreue Juden recht Ansehnliches geleistet, doch sind diese Leistungen in dem Meer zionistischer Propaganda untergegangen und vergessen worden. Einen ganz großen und entscheidenden Einfluß hatte und hat aber die Orthodoxie auch auf den neuen Jischuw. Die neue Privatwirtschaftliehe Initiative auf dem Gebiete der Landwirtschaft, Industrie, des Handels und des Bauwesens hat sehr viel dem ’ religiösen Judentum zu verdanken. Aber: Die organisierte Orthodoxie hat bis jetzt ihre historische Aufgabe dem organisatorischen Aufbau unseres Landes gegenüber nicht verwirklicht. Es fehlte zwar nicht an Willensäußerungen, an ernsthaften Vorschlägen und verheißungsvollen Anläufen. Schon in den ersten Anfängen des Zusammenschlusses der Orthodoxie nahm das Erez-Jisroel-Problem einen zentralen Platz ein. Aber dafür, daß der innere Wille sich nicht in schöpferische und fruchtbringende Taten wandelte, dafür, daß wir uns von der Palästina-Front so sehr zurliekzogen, weil die ersten Versuche fehlschlügen, anstatt neue Kräfte für neue Arbeit zu schöpfen, daß wir es unterließen, unsere Massen systematisch zu aktiver Mitarbeit am Aufbau und an der Einwanderung zu erziehen, dafür reichen die Entschuldigurigsgründe nicht aus. Wir haben eine doppelte Aufgabe zu erfüllen: Die Sicherung einer Wirtschaftliehen Heimstätte für unsere Brüder, nicht minder aber auch die heilige Pflicht, der g- 111 i ch e n Leh r e, der nationalen Verfassung, die: uns am S i n a i gegeben wurde, zur uneingeschränkten Herrschaft in unserem Lande zu verhelfen. Und weil diese Aufgabe doppelt ist, ist sie doppelt schwer — das Ziel aber unendlich höher und verheißungsvoller. Deshalb: Es muß eine neue Zeit schöpferischer Arbeit für und in Erez Jisroel in unseren Reihen anbrechen —- und sie bricht an: Die ersten Sturmzeichen melden sich. Ein Erwachen durchzieht die Glieder unserer Bewegung. Alle fühlen sie nun das Gebot der Stunde,, mit wirklicher Aufbauarbeit zu beginnen. Es ist jetzt der günstigste Moment, sich wichtige Positionen im Jischuw Erez Jisroel zu erobern. Eine thorabegeisterte Jugend, eine Jugend, durchdrungen von der innigsten Erkenntnis ihrer heiligen und hohen Aufgabe, eine Jugend, die bereit ist, für diese Aufgabe ihr ganzes Sein einzusetzen, eine solche Jugend steht bereit, mit uns zu gehen, ja, uns voranzugehen, Pionier und Wegbereiter zu sein. Neue Kräfte gesellen sich zum alten, treuen Jischuw und verstärken ihn. Sie besetzen einen jedem erkennbaren und nicht mehr wegzuleugnenden Platz im neuen Jischuw. Im Golus ist eine starke Wandlung in der Einstellung der Orthodoxie gegenüber dem Aufbau unseres Landes im Geiste der Thora eingetreten. Das allezeit bestandene V e r a n t w 0 r t u n g s g e f ü h V das Arewus-BeWußtsein, wendet sich nun auch diesem heute brennendsten Pro- Die ׳ reisende.. .Denie erhält bei mir schon Innerhalb 3 Stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte pesitaet der weltbekannten Perücken-Kunttwerkttätte Wien I, Kärntnerring G SÄ^Ä uÄ1

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