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Jüdische Presse · 1934-03-23 · 12 (23.3.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
12 (23.3.1934)
Date
1934-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. tefcfr&tov Journal Redaktion und ‘Administration: Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. . Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr.' D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vttf, 4117. Nr. 12 Wien-Bratislava, 23. März 1934 .ב״ה ווינא־פרעסבורג ד ניסן תי־צ־ד 20. Jahrs. RUNDSCHAU. Wie lange noch? Im ״Oösterreichischen Volkswirt" führt Ernst Davis (Jerusalem) die beispiellose Konjunktur in Palästina auf drei Ursachen zurück. Der allgemeine Preisrückgang der Bodenprodukte hat die Preisgestaltung der Orangen, des Hauptausfuhrartikels von Palästina, nicht beeinflußt. Dies ist die erste Ursache. Die in den Orangen- Plantagen investierten großen Kapitalien haben im Jahre 1932 Zinsen zu tragen begonnen. Dies ist die zweite Ur- Sache. Die dritte — und man kann ruhig sagen: ‘die entscheidende — Ursache der Konjunktur ist aber die erhöhte Einwanderung der Juden. Diese Ein- Wanderung hat Menschen, also Investition suchende Kapit a 1 i e n und zugleich k o ns umierende Massen ins Land gebracht. Die Bankeinlagen sind auf 6 Millionen Pfund gestiegen und davon sind 5 Millionen Judengelder, denn der Araber hält einstweilen sein Geld im Strohsack. In Tel-Awiw hat man in diesem Jahre um 300 Prozent mehr gebaut als im Vorjahr. Die Zahl der Fabriken ist um 25, die der beschäftigten Arbeiter um 55 und die Produktion um 40 Prozent seit' dem Frühjahr 1930 gestiegen. Nach diesen Feststellungen folgen auf anderthalb Seiten Ziffern und Daten von dem den Import steigernden Einfluß der jüdischen Einwanderung, vom Werte der Benützungsgegenstände, der Gold- und Silbergegenstände, die die Einwanderer mit sich gebracht haben. Auch der Export ist selbstverständlich stark gestiegen. Ueberhaupt ist Leben, Reichtum, Arbeitsgelegenheit und Kultur in den Fußstapfen der. jüdischen Einwanderer ersprossen. Und die englische Regierung, ex offo und aus unmittelbarer Beobachtung der g.j־ün.d;ii,c,hste Kenner dieser Tatsachen, will dennoch der größten Triebkraft der Konjunktur jenes Landes, das man seiner Aufsicht und Unterstützung überlassen hat, der jüdischen Ein- Wanderung Fesseln anlegen? Will dennoch die jüdische Einwanderung Unterbinden? Wie lange will sie das noch? Nationales und Reformjudentum ... Die jüdische Reform ist aus zwei Quellen entsprossen: aus dem Unglauben und aus der Nachahmungssucht. Da man nicht mehr an das G-tteswort glaubte, erkühnte man sich zur Abschaffung oder Ummodelung der . altherkömmlichen jüdischen Bräuche. Und da man die Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden auszumerzen bestrebt war, führte man an Stelle der jüdischen fremde Bräuche ein. Die nationaljüdische Bewegung brüstete sich nun, die Nach ahmungssucht und damit die . Reformbestrebungen aus der Judengasse gebannt zu haben. Dem war aber nicht ganz so. Erstens unterschieden sich die jüdischen Nationalisten und die jüdischen Reformer bloß in der Phrase: die einen wetterten gegen die Assimilation, die anderen stellten sie als erstrebenswertes Ideal dar. Assimilanten blieben sie aber beide, ihre״ Lebensweise war genau dieselbe, und auch das traf sich daher nicht selten, daß Reformseelsorger, Priester der Assimilation, zugleich nationaljüdische Führer . waren. Die Nörgler, die hierauf aufmerksam machten, vertröstete man darauf, daß es in'Erez Jisroel ganz anders werden wird. Dort wird das historische Judentum wieder voll zur Geltung kommen. Aber wie so viele andere Versprechen des Nationaljudentums blieben auch diese unerfüllt. Die zweite Quelle der Reform, der Unglaube, richtete im Erez weitere Verheerungen an. Wie es um unseren Schabbos in Erez Jisroel steht — um nur das Allerwichtigste zu erwähnen — ist ja allgemein bekannt. Nun geht es mit eiserner Konsequenz weiter. Wir lesen jetzt in der J. T. A. folgende Nachricht: ״Eine Gruppe deutscher Juden plant die Errichtung eines Reformt e m p e 1 s in J-e r u s a 1 e m nach dem Muster der, Reformsynagogen in Westeuropa und Amer i k a. Der Regierung wurden die Statuten des Reform¬ ■ Die nächste Ausgabe der ״Jüdischen Presse‘‘ erscheint als Pessach-Nununer in verstärktem Umfange wie gewöhnlich am Freitag, den 30. März. Redaktionsschluß: Dienstag abends, für Inserate: Mittwoch früh. tempels zur Bestätigung überreicht. Man erwartet die Opposition der orthodoxen Judenschaft gegen diesen Plan.“ Dieser Fall ist?Wieder ein warnendes Beispiel dafür, was Leute, die seelisch ganz unvorbereitet und bloß aus materiellen Gründen nach dem Heiligen Lande kommen, dort anstellen, in welchem Maße sie das Heilige Land verunreinigen können, bis sie — G-tt behüte uns davor! — die Geseroh des ״Ve'szoki ho'Orez“ ereilen könnte. Charakteristisch ist aber auch die Bemerkung, daß man nur die Opposition der 6r t hodox en Juden gegen den Plan der Reformsynagoge erwartet. Die nationalen Kein einheitliches Ober r ab bin at für Erez;Jisroel. Die geführten Verhandlungen an der Engherzigkeit des Waad Leumi gescheitert. Wir haben in unserer vorwöchigen Ausgabe über die Verhandlungen berichtet,‘ welche in Erez Jisroel bezüglich der Schaffung eines einheitlichen Oberrabbinates geführt wurden und die bei Wahrung des selbständigen Charakters des orthodoxen Rabbinates, die Herstellung einer Einhei tsf ront nach auß en zum Ziele hatten. Die Verhandlungen sind nun gescheitert. Der zionistische Waad Leumi hat den weitgehenden Vorschlag der Jerusalemer Aguda;abgelehnt. Heute können wir es sagen: W i r, und mit uns die ganze Orthodoxie in Oesterreich und in aer Tschecho- Slowakei, haben ,;, von . yornh^ein . die , geführten^ Vej־־^; handlangen gelinde gesägt;~'1fffir-;if,nvz w eck mäßig gehalten. Wir haben vom ersten Augenblick in den Be- Strebungen, das orthodoxe Rabbinat in mancher Richtung mit dem der ״Knesses. Israel‘.‘ zusammenzulegen, eine Preisgabe der bisher mit so viel Opfern verfochtenen• Selbständigkeitsprinzipien und der Unabhängigkeit der Orthodoxie befürchtet, wenn wir uns auch manche daraus erwachsenden Vorteile nichtverhehlen konnten. Wnhaben' trotzdem die Bedenken nicht geäußert, weil wir nicht als ״Störenfriede“ erscheinen wollten, als welche wir von unseren Gegnern mit so großer Vorliebe stets hingestellt werden; weil wir schließlich wußten; daß diese Verhandlungen im Einverständnis mit dem orthodoxen Oberrabbiner, Raw Duscliins'ky, ]geführt wurden; Heute diese Bedenken ausführlich zum Ausdruck zu bringen, ist nicht mehr nötig... Mit um so größerem Nachdruck muß daher auch diesmal vor aller Welt festgestellt werden: DieVAgudas Jisroel, die Orthodoxie war es, die die Hand zum Frieden bot und hiebei־große Opfer schweren Herzens zu bringen bereit war. Die zionistischen Kreise, der Waad Leumi mit Rabbiner Kuk an der Spitze waren es hingegen, die diese Hand des Friedens in unbegreiflicher und unverzeihlicher Engherzigkeit z urückgewiesen haben. Bedarf es noch eines Beweises für die Not- Wendigkeit einer Öffentlich-rechtlich anerkannten selbständigen orthodoxen Gemeinde in Erez Jisroel? Für diese muß jetzt der Kampf ohne Unterlaß und ohne Abschwenkung zielbewußt weitergeführt werden. Das Recht ist auf unserer Seite — daher der Sieg unser! Unerhörter Chiliul Schabbos in Erez Jisroel. Der zionistische ״Waad leumi" veranstaltete am 9. Adar für die Arbeiterjugend eine Reise von J e r u s a 1 e m nach Tel-Chai zum Grabe Josef Trumpeldors. Die ״jüdische“ Körperschaft fand für diese Reise keine andere Zeit als den Freitagnachmittag, so daß die Rückfahrt unbedingt am Schabbos stattfinden mußte. In fünfzig Autobüssen fuhren hunderte zionistische Jungen und Mädels mit ihren blauweißen zionistischen und roten bolschewistisehen Fahnen am F r e i t a g a b e n d durch die Kolonien, nachdem die religiösen Juden die Bethäuser verlassen hatten und sich zum Kiddusch nach Hause begaben. Besonders große Aufregung entfachte dieser skandalöse Chillul Schabbos in Haifa, wo die Autos die Synagoge passierten, eben als die Betenden diese verließen. Zu be- Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1/ Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernabme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra"-Mitglied. Führer bleiben kühl bis ans Herz, sie rührt es gar nicht, daß wieder ein Makel des Golus nach dem heiligen Erez Jisroel verschleppt wird! Sie sind auch in dieser Sache nicht unsere Bundesgenossen. (j.) merken ist, daß diese Reise von der Gemeinde des zionistischen ״Waad leumi" veranstaltet wurde, der die selbständige orthodoxe Gemeinde bekämpft und die orthpdoxen Juden gewaltsam in die zionistischen Gemeinden einfügen will. Jeruschalmi. Der bolschewistische Kampf gegen das Judentum. Anläßlich des herannahenden Pessachfestes ist in der jiddisch geschriebenen kommunistischen Presse, wie dies vor hohen jüdischen Feiertagen schon Tradition geworden ist, ein heftiger antireligiöser Propagandafeldzug eröffnet worden. Gleichzeitig veröffentliehen die Zeitungen Berichte ihrer Korrespondenten aus allen Teilen des Landes, aus denen zu ersehen ist, daß trotz allem von den Parteistellen und antireligiösen Organisationen ausgeübten Druck die religiöse Grundhaltung «brtuter'^plk^schichteh'micht-erschüttertwerden;kÖnritei״ Die . Namen jener jüdischen Arbeiter, die in den Handwerkergenossenschaften und Kollektivfarmen dafür eintreten, daß die. jüdischen Arbeiter an den Pessachfeiertagen die Arbeit ruhen lassen, werden öffentlich angeprangert. Die Delikatess-Orange für den Kenner ist die PARDESS ORANGE aus Jaffa (Erzeugnis jüdischer Pflanzer) Schutzmarke RAMEL» Saftig ■ Süß ■ Kernlos ln jedem besseren Geschäft erhältlich erhält bei mir schon innerhalb 3 Stunden eineindividuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weitbekannten Perücken-Kumtwerkftätte Wien!, Kärntnerring 6

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