Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1934-02-23 · 8 (23.2.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
8 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630538-2630546--4663-2636866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Nr.'8 *tMairiAtmilt. iwMiaMMwiBWiii?1 tim נשר!lAustris'* כשר EMMENTALER BLOCKKffSE 10 Deka 35 Groschen Unter Aufsicht Sf.Ehrw. Herrn Rabb. Josef Benedikt (״Adas Jeschurüfi'V Wien). Verkaufsstellen: Bef n* hard Eichlejv Wien, II״ Maidgasse 14. Juda L e i t fl e r, Wien, 11״ Große Schiffgasse Iß. Gemeindewahl in Gattendorf (Bürgenländ). Am 28. v. Mi fanden die Wahlen in die orthodoxe ICultus•* gemeinde statt. Nach der, Eröffnungsansprache des Präses Wilhelm Reindler, Delegierter der orthodoxen .Landeskanzlei, erhielt Herr Oberrabbiner Perls das Wort. Zum Gemeindepräses würde einstimmig Herr Wilhelm Reindler wiedergewählt; Vizepräses: A Kraus; Vorstands* mitglieder: J. Moser, L. Reis, N. Spiegel,\ E. Weigl; Kontrolle: Dr. Friedl, S. Gleichmann; Finanzausschuß: E. Ein* jhorn, J. Rosenfeld, S. Reindler und O. Schindler. S. D. J, Vereinsnachrichten. :Sijum Haschass in der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe Wien, II. Dienstag, den 6. Adar, am Vorabend des Jahrzeittages nach Reb Josef Baümgarten s. Z. 1., fand .sich im großen Saale der Jugendgruppe die Wiener Orthodoxie zusammen, um gemeinsam den Sijum- Haschass feierlich zu begehen. Recht ansehnlich war die JZahl der Beteiligten, denn keiner wollte sich ausschließen, um einen kleinen Beweis seiner Anhänglichkeit an den verehrten Führer zu zeigen. Obmann Chaim Herzog hielt einen warmen Nachruf, in dem er die Leistungen des Niftar für die Jugendgruppe hervorhob. Namens der Leitung versprach er den von Reb Jossef s. Z. 1. vor- :geschriebenen Weg weiter zu verfolgen und der Jugend ״einzuprägen. Herr Salomon Schreiber erinnerte namens der Baale-Batim an Reb'Jossef als väterlichen Freund, .als unermüdlichen Ratgeber in allen Angelegenheiten. Als letzter sprach der Dajan der Schiff schul, der Sohn des Verstorbenen, Reb Schlomo Baumgarten. Einleitend ־brachte er einige gediegene Charifusworte seines Vaters, um dann im Anschluß an die letzten Zeilen der letzten Massechto begeisternde Worte an die anwesende Jugend zu richten. Es ■wurde dann noch einmal Schass verteilt und in später Nachtstunde trennten sich die Teilnehmer, :in dem Bewußtsein, in würdiger' Weise das Andenken unseres großen Führers gefeiert zu haben. Agudas-Jisroel-Mädchengruppe Wien. Schabbos "Parchas Tezaweh spricht Herr Rabbiner Dr. Joel Pol lak in seinem Zyklus ״Unsere G e b e t e“ im Lokale der ״Wienea“, II., Obere Donaustraße 91, um :halb 11 Uhr vormittags. 1 Personalnachrlchten. Silberne Hochzeit: Im engen Kreis. der Familienmitglieder feierte dieser Tage der Präsident der Adas- Jisroel-Schiff schul, Herr Komm.־R. Siegmund Bon di •und Frau die 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Dem .Jubilar, der sich in allen jüdischen Kreisen größter Wert- .Schätzung erfreut, wenden sich die Glückwünsche aller Freunde zu, denen sich auch die Redaktion der ״Jüdischen Presse“ aus ganzem Herzen anschließt. (Im Verlaufe einer ,:Sitzung des G. A. der Agudas Jisroel übermittelte Herr;Dr. Deutschländer dem Jubilar die Glückwünsche der .Agudas Jisroel.) Todesfall: Im Alter von,\ 78 Jahren verschied nach längerer Krankheit Herr Awrohom (Adolf) Fischer, langjähriges Mitglied der Adas Jisroel-Schiffschul und Präsidialmitglied der ״Einheit“. Wegen seiner Wohltätigheit erfreute sich der Verblichene allgemeiner Wert- ,Schätzung. Herr Armin Fischer betrauert in ihm seinen Vater. תנצב״ח _ Ä 4 ininniimiiiinivinihininiiinninininmtmninimiinmnniiiit. I Schokoladenfabrik J. Örtinnauef & Go» Ä. G. WIM niifc St , . ־-4 •ihfc 1M1 ft 'Ih■ . » : ג«ך, 1 ACHTUNG ÄCHTUNG! fdffti f i« ׳.■ .־׳פ$ר-י&ל-;8םה.׳־■■:,׳ ■•■'•׳ unter Aufsicht Ehrw. Rabbiner David Friedmaiui י דג רעית יראי& מרפא לנ6ש, ©לי&רא ■ sind überall erhältüeh. Alleinvertrieb: H״ Gr. Pfarrgasse 24, Tel. A-45-605 Vom Wiener Stadtschulrat konsemonierte j y 01 $ C H E KOCHSCH UL E Streng koscher Leiiunq: C. Schaars Dlatkurta, ainfacha bl! felnita Küche, Rohkost, Hatlonalspaisen Anmeldungen, Auskünfte.* Wien II, Hollandstrasn Kr. S, Hl. Stiege 1/41 Mtt m Freiäe» ■ ■ ■ a ■ Da elektrische Lehrchassis. Unseren Lesem emp* fehlen wir die kostenlose Besichtigung eines eiMiMgäftiien neuen Lehrbehelfes — des elektrischen Lehrchassis *— in den renommierten Neudegger Fahr sc h ul e n, Wien, VIH,, Neudeggergasse 18, Tel. B.*46*S*f2, und Inzersdorf (Ni*Oe.). Diese Schulen empfehlen wir als solide, ohne Lockpreise arbeitende Institute. Referenzen in der Re* daktion dieses Blattes (Tel. A*46-0*15). , E . Im redaktionellen Teil enthalteneentgeltliche Notizen sind durch ein nachgesetzes E gekennzeichnet. ■ ■ ■ ■ lllaacaiiiaa■■■■■« >'■■■«■ 1 ■ ■ ■ « ■ tf a; T-m -־V■׳' •m m s c h e c ho slo w a k e i Rabbiner Versammlung in der Slowakei. Einige Anregungen. Wie wir vernehmen, wird in der Slowakei demnächst eine. Rabbinerversammlung stattfinden, welche darüber beraten wird, wie man am erfolgreichsten dem täglich zunehmenden Abfalle von der Orthodoxie ent* gegentreten könnte und was man tun soll, um die Orthodoxie und das traditionstreue jüdische Leben zu heben, zu verbreitern und zu vertiefen. Wenn man die schwere, krisenhafte wirtschaftliche Lage der ganzen Welt und speziell die der Juden betrachtet, dann sieht man, was für einen Kampf es kostet, als glaubenstreuer Jude zu leben, die Kinder glaubenstreu zu erziehen und die Töchter so zu verheiraten. Eine der wichtigsten Fragen ist die Erhaltung der Jeschiwos und die Zukunft der Jeschiwo- Z ö g 1 i n g e. •Die Jeschiwos aus den Mitteln freiwilliger Gaben zu erhalten, ist auf die Dauer unmöglich. Es müßte durch ein Landesstatut jeder verpflichtet werden, einen gewissen Prozentsatz seiner Kultussteuer als Talmud- Thora-Zuschlag zu zahlen. Mit diesen Fonds könnte man dann alle Talmud-Thora-Anstalten — sowohl für die männliche wie für die weibliche Jugend, denn beide sind gleich wichtig — nach Bedarf unterstützen. Durch die neuen Gewerbegesetze, welche auch für den Handel einen Befähigungsnachweis verlangen, ist es noch dringender geworden, daß der Jeschiwo-Bochur Berufskenntnisse erlange. Nachdem der Handelsstand die ungünstigste Aussicht auf die Zukunft hat, wären Han d w e r k und L a n d- Wirtschaft zu empfehlen. Jetzt wäre darüber zu beraten, wie man die Thora-Anstalten mit den Berufs- Anstalten verbinden könnte. Wenn auch das Diplom keine sorgenlose Existenz sichert, so sind doch zahlreiche Eltern, welche ihre Kinder in das Gymnasium oder andere' Mittelschulen schicken, glücklich darüber und glauben, daß ihre Kinder dadurch in eine höhere gesellschaftliche Stellung werden gelangen können. Demnach dürfte man nicht ruhig Zusehen, wie eine große Zahl Knaben und Mädchen ohne jüdisches Wissen, ohne religiöse Belehrung äüfwächst, denn der obligatorische Religionsunterricht ist nicht viel mehr wert als Null. Wäre es nicht ein Gebot der Zeit, für den Talmud-Thora-U nter rieht der Mittelschulzöglimge reichlich zu sorgen? Die Nachteile dieses offiziellen jüdischen Unterrichtes verschwinden neben großen Vorteilen. Um die jüdische Schuljugend vor der Schabbos- Entweihung zu schützen, wäre es da nicht vorteilhaft,‘ in £er ganzen Slowakei den Fünf tage ־ U n t erricht 8nzustret)6n? Damit ermöglicht wird, daß die orthodoxen Töchter trotz der schädlichen Einflüsse, denen sie in den Schulen, in der Gesellschaft und im Leben ausgesetzt sind, glaubenstreu heranwachsen, möge die Rabbinerversammlung beschließen und erklären, daß es eine Notwendigkeit ist, auch für die Töchter eine Talmud-Thora (Beth-Jakob)-Schule der Volksschule äüZÜgliederfl.t5t Es wäre schließlich zu wünschen, daß die Rabbinei^ Versammlung darüber berät, wie der Entstehung von Zwistigkeiten, die häufig zu argen.Skandalen ausarten, vorgebeugt werden könnte, Zwistigkeiten, die leider nur allzu oft in Gemeinden entstehen, in welchen ein Rabbinerposten zu besetzen ist. B. N. Zusammenkunft der Talmidim des Nitraer Raw. Die Leitung der Nitraer Jeschiwoh ruft alle ,ehemaligen Talmidim des Nitraer Raw שליט״א zu einer Zusammenkunft am Schabbos ם׳ חצוה, ם׳ זכור auf. Besonders in der heutigen Zeit, im verschärften Kampfe ums täg- '׳ liehe Brot, der das Festhalten an der .Tüdischkeit äußerst erschwert, ist solch eine geistige Waffenübung dringendste Notwendigkeit. Und ganz besonders wir Großstadtjugend müssen die Gelegenheit wahrnehmen, für eine kurze Spanne Zeit, dem gefährlichen Weltstadtgetriebe zu entfliehen, um einige Stunden in reiner, von Thorageist durchwehter Atmosphäre, in der Nähe unseres verehrten Rebbe zu verbringen! Wir wollen dort neue Kraft schöpfen, um auch weiter den schweren Versuchungen, die an den jungen Menschen so oft herantreten, wirksam begegnen zu können, und uns Ansporn holen, um weiter• in dem uns von unserem treuen Rebbe gewiesenen Wege zu wandeln, zu wirken für Haschern und seine Thora-Hakdoscha. Ein Talmid. ■. < יי;" ' * Skiläufen ist schön wenn die Medizinalbon־ bons ״ Waldextrakt‘ ‘Ihre Gesundheit schützen I PROTI A CHRIPCE Hermann Bahrs Besuch beim ״Wunderrabbi von Sadagora“. Von Chajim Bloch. Es dürfte nur wenigen bekannt sein, daß der vor :kurzem dahingeschiedene österreichische Dichter Hermann;B ah r ziemlich häufig für einen J u de n gehalten wurde; dies vermeinte so mancher selbst in seiner engeren Heimat. Eine amerikanische Zeitung widmete Hermann Bahr sogar, dem namhaften ״j ü d i s c h e n“ Dichter und Dramatiker, zu seinem sechzigsten Geburtstage einen längeren Artikel und hob seine Umkehr zur Frömmigkeit ־hervor:'er beachte genau den Sabbat, gehe täglich zum -Gebet in־ die Synagoge, esse nur Koscheres und trage einen Vollbart. Eben dieser Bart, der Bahr das Aussehen eines ehrwürdigen orthodoxen Rabbiners gab, hatte es ihm ,angetan. Freilich trug zu der irrigen Annahme, er sei; Jude, auch der Umstand viel bei, daß er jahrelang mit den meisten österreichisch-jüdischen Schriftstellern und;Künstlern befreundet war, und daß er viele Juden zu Mit- .arbeitern seiner Wochenschrift ״Die Zeit“ zählte. Auch ■seine im Jahre 1894 erschienene Schrift über dem Anti- .semitismus, die er, nebenbei bemerkt, einem jüdischen Freunde Dj\ Emil Ausspitz widmete, wie .auch sein Romaif . ״Die Rotte Köhras“, ließen ihn in den Augen vieler als H Juden erscheinen. Interessant ist in diesem Zusammenhange, daß in Ostgalizien der Name Bahr oft yorkomrat. Hermann Bahr war also in der beneidenswerten Lage, als . Jude gehalten und, wie er mir selbst erzählte, an- . gesprochen zu werden —־ ohne es zu sein, denn er stammte laus einer rein arischen Familie, Ich lernte Bahr im Jahre 1919 in Wien kennen.!Mein Werk ״Die Gemeinde der Chassidim“ stand vor dem :Erscheinen und ich ging Bahr an, dazu einige einleitende;Worte zu schreiben. Da aber einige Monate früher mein ׳ ,Buch;,Der Präger Golem“ mit einer Einführung des be- ’kannten christlichen Mystikers Hans Ludwig Held er- .,schienen w#/ meinte Bahr, ein Geleitwort seinerseits wäre zu dm neuen Werke nicht am Platze, Allenfalls :frischten; die:;‘wenigen Druckbogen; vom . erwähnte^ Chassidim-Werk, die ieh ihm gab, in Hermann Bahr die :Erinnerung; an seinen :Besuch; beim ״W und erra bbi von -Bada go r a»‘ auf* Er schilderte mir ausführlich dieseu\Be®uch, der anfangs der Achtzigerjahre staftfand und erlaubte; mir, seihe Begebenheit in der Einführung zu ־ ־brihgem Äbübsch mm diene Begebenheit; auch klang, und ,.dbwöhJ Bahr für ihre Richtigkeit sich Verbürgte, konnte; ich von ihr damals keinen Gebrauch machen, weil vieles meines Wissens nicht ganz stimmen konnte; ich mußte, freilich sehr ungern, auf ihre Erwähnung verzichten.; Im Jahre 1930 erschien von mir unter dem Titel ״Priester der Liebe“ ein Buch, das eine Menge von neubearbeiteten Geschichten und Sprüchen aus der Welt der Chassidim enthält. Bahr hatte die Güte, über das Buch eine lange Anzeige in den ״Münchener Neuesten Nachrichten“ vom 29. März 1930 zu veröffentlichen und kam bei dieser Gelegenheit auf seinen Besuch beim Wunderrabbi in Sadagora zurück, von dem er folgende Schfiderung gibt: ״Um eben diese Zeit begann, um hinter den anderen Burschenschaften nicht zurückzubleiben, auch die meine langsam, sozusagen verschämt, antisemitisch zu werden; Theodor Herzl, der ihr angehörte, war der neuen Denkart erstes Opfer; er wu?de höflich ersucht, seinen Austritt anzumelden. Die Wiener Jugend war in den Achtzigerjahren schon, was man heute nationalsozialistisch nennt. Aus Wien verwiesen, ging ich zunächst nach Graz, und als man mir auch dort bald zu verstehen gab, meine Gegenwart sei unerwünscht, weil ich, selber ein deutscher Irredentist, den italienischen Irredentisten, an denen es damals dort nicht fehlte, ein Bündnis mit uns vorschlug, zog ich wanderfroh nach Osten: in die Bukowina. Die-Til^ralc Staataweisheit ' unserer Hofräte ׳ineinte^ ja, den •kaiserlich-königlichen Orient mit . einer deutschen Universität 'in Czeraowitz beglücken zu müssen. Eine nöüe Welt ging mir auf: Wie glühte da Montags, wenn 'Markt war, der lehmige Ringplatz von bunten Farben! Da kamen rumänische Popen kutschiert, neben ihnen die Frauen püt ihren ־ großen, trauraumflorten, heißen1 Augen; und; rings: das, Getümmel kreischender Händler!: Ich hatte bald äüch hier einen Kreis tatbefeiter Studenten um mich: Ilnser Lärm dröhnte durch die Stadt.:;Zufällig erfuhr ich; daß es in der Nähe einen ״Wunderrabbi“ gab. Das weckte meine Neugierde: was ist das; wie schaut der aus; was ־ kann er? Ich härte, sein Vater sei schon Wunderrabbi gewesen und seih Großvater aüsk» in Badägdra hätten sie stets einen Wunderrabbi. So: was muß man doch geseheh habe», ״fdjer vrebe 4em Kerl, wenn er an mir kei» (. Wunder tut! Uud so wurde denn fi|r den nächste» Tag * " eia Wagen besteht, und ,wir fuhren, in■ dicke Peize verimimmt. mit Weinflaschen durch dieigrünnüge Kälte. Der'Kerl sollte mich kennenlernen; ich wollte sehen, wer rvon uns beiden besser zaubern kam!!;Wir kamen jodend an und erzwangen (uns den ״Eintritt» Ein alter Mann saß vor uns, ■ nach einer Pause fragend; ,Was wünsche^־׳die Herren Studenten?» Ich antwoftebi;־ ^Wunü§וTa!kU®ihekl^ erwiderte; ,Bitte!‘ Dann schwieg er. Auch meine Gefährten schwiegen. Und zu meinem Verdrusse schwieg auch ich. Meine Trunkenheit fiel von mir ab, ich dankte dem Alten •höflich, wir legten ein Geldstück hin, hörten ihn dan- ■ ken und wurden entlassen. Mein Lebensnerv war .berührt: mein Gefühl für große Form.“ Die Schilderung dieser Begebenheit konnte nicht ganz stimmen und Bahr dürfte sich ihrer nach fast fünfzig Jahren nicht recht erinnern. Denn ׳ der ,;Kerl“ von Sadagora, der ״Alte Mann“, war kein. anderer, als der berühmte׳ Cha3sidimführer Rabbi Abraham Jakob (starb 1883), zu dem Tausende von Juden aus Rußland und' Rumänien in Scharen zogen, um seinen Segen zu empfangen. Er war ein Rabbi, ein Symbol für eine große religiöse Gemeinschaft. Er führte einen fürstlichen Staat und war von einem ganzen Stab von‘״Hofleuten“ und Leibdienern umgeben. Zu ihm konnte man ohne Erlaubnis nicht hereinkommen, einen Eintritt nicht erzwingen. Da , half auch Trunkenheit nicht. Was aber der Geschichte am > deutlichsten das Merkmal einer Dichtung auf drückte, wgrxi! die Behauptung, der Rabbi hatte sich für das Goldstück bedankt. Nim war es Prinzip des Wunderrabbi von Sadagora, von einem Christen unter keinen Umständen Geld anzunehmen und selbst bei Juden hatte er sich nie bedankt. Es lebte hier ein fünfundneunzigjähriger Jude namens Körner aus Sadagors, der erst voriges;g|hF starb. Er hatte noch den Begründer der. Sadagoräer Räbhi- Dynastie, nämlich den aus Rußland nach Oesterreich geflüchteten Rabbi Israel von Rusbiu (starb: jL8äl)> kanut und wurde später ״Leibgardist“ des Rabbi Abraham Jakob, Körner konute sich an dea ״Streich»» d§r ״Studenten aus Czeruowjtz‘» noch gut erinnern; Nmk so igefährlich war es wohl nicht. Die ״Herreu Studenten?» kamen zwar in Trunkenheit an, wurden aber von einem noch mehr stämmigen Chossid in einer Weise verwiesen, daß ihre Trunkenheit im Augenblick verflogen war. Darauf wurde der Oberleibdiener geholt; er gewährte ihhbn Ein* laß in die Stube des ״Alten“; bei geringstem Versuch, sich den Eintritt zu erzwingen, wären sie freilich außer, Tor gesetzt worden. Auch als sie vor den Rabbi traten,1 benahmen sie sich zahm. Der Anführer betitelta״d§Ä Rabbi . mit ״Wunderrabbi“, ׳ dieser aber lächelte gütig: und meinte, er sei wohl Rabbi, aber kein Wundermann, Sonst/enthielt er sich jeder sprechlicben Unterhaltung mit ,Ihnen. Wahl?. Ist, daß ־ sie ihm Geld geben wollten, daß er aber die;; An* , nähme verweigerte. ■־ ■־.׳> •׳- . .•.■־■/ , Een ״Kerl»», gesehen zu ■ haben, war für Hermann, Bahr jedenfalls ein Erlebnis, dössen er sich noch in seinem ־ Alter erinnerte, , : , .. '׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.