Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 3 (19.1.1934)
- Date
- 1934-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f Bfattaiave Ste 41520*10*2ל. * ■ ' י*", ORGAN FÜR OIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS ts-sa Ü8S ';Vir':!..'!;:״'-‘;; assas״« ׳.. öfefl Bedaktion und Administration: Wien, II., Mälz« gasse 12 a, Telephon A«46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381, Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag, Äbonnementpreise: Ganzjährig: für Öesterreicli S 16, Tschechoslowakei Kc SO, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Or. 40. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse", Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. jD-93614; Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr. 122619: Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen: PöstSpfc,*AMt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budftpest 60170; Schweiz: Pöstscheekk Zürich Vlll, 4117: ׳ . .... ... ,־..■■■ . ■ .• .׳.;. r.. .. ׳_. Nr. 3 ב״ה ווינא-פדעסבורג ג׳ שבט תיצ-ר- 1934 Wien-Bratislava,19. Jänner - : 20. Jahra■ Jüdische Erziehungsfragen in Wien. Soweit dieser Artikel sich mit der , 1 sra elitischen Kultus gemeinde in j Wien befaßt, müssen wir ausdrücklich be- ׳ tonen, daß wir, die wir aus den bekannten ideellen Gründen eine selbständige or thode cce Ge me in de erstreben, unsere Zuge- Hörigkeit zur Wiener Kultusgemeinde nur als vorläufig noch gesetzlich erzwungene Situation betrachten. Solange diese ‘ Zwangslage andauert, müssen wir unsere Rechte mit allen Mitteln verteidigen. Die ' Zeit scheint uns nicht mehr fern zu sein, wo unser ■Ziel erreicht sein wird, zumal da gerade das schreiende Unrecht, das die Kultusgemeinde uns Tag für Tag zufügt, die diesbezüglichen Aktionen nur erleichtern kann. — Re da kt ion. Die jüngste Generalversammlung der Wiener Taimud-Thora-Schule, über die wir an anderer Stelle berichten, hat wieder ein anschauliches Bild geboten, welch fruchtbare Arbeit innerhalb der Wiener Orthodoxie auf dem Gebiete der Er- Ziehung geleistet wird- Diese alte Schule, deren Gründüng , von mehr als 80 Jahren mit den Anfängen der Wiener Orthodoxie sowohl sachlich wie personell zusammenfällt — es war sicherlich kein Zufall, daß die Gründer der;Schiffschul gleichzeitig die!Schöpfer der Talmud- Thora waren —, hat in den Nachkriegsjahren eine sehr günstige Entwicklung genommen. Die einstige Knaben- Volksschule wurde mit einer Hauptschule ergänzt und. überdies ,konnte, dem!Schulwerke eine Mädchenvolks-. .und -hauptSChule angegliedert werden.' Noch mehr als die quantitative;Entwicklung der Typen und der Klassen dieser Schule ist der positive religiöse Geist derselben zu begrüßen. Etwa 450 Kinder werden an diesem Schulwerke erzogen. In unmittelbarer Nachbarschaft der Talmud-Thora wirkt die . * Jessod Hathora. Der Kindergar.ten׳zieht schon das vorschulpflichtige Kleinkind in den!Bannkreis einer religiösen Belehrung. Von diesen Anfangsgründen an vermittelt diese erprobte Lehranstalt jüdisches Wissen bis zu der hohen Stufe gediegener talmudischer Kenntnisse. An der Grenze zwischen dem 2. und dem. 20. Bezirk ist es die.Wiener Beth־ Jakob-Schule, ' die den Mädchen unter vorzüglicher pädagogischer Lei-־ tung die Anfangsgründe jüdischen, Wissens, jüdischen!Schrifttums, und jüdischer Lebensweise beibringt und sie in positiv religiösem Geiste erzielt. In der Reihe dieser' Anstalten muß schließlich rühmend die erst vor vier Jahren gegründete Beth-Jakob-Religionslehrerinnenbildungsanstalt hervorgehoben werden. Zwei Schulmänner, Herr Direktor Dr. Deutschiänder und Herr Rabbiner Dr. Po 11 ak, haben ihr Bestes gegeben, um eine Institution ins Leben zu rufen, deren kulturelle Bedeutung auf dem Gebiet der religiösen Mädchenerziehung in überraschend kurzer Zeit, man darf gelassen das große Wort aussprechen, zu?uropäischer B׳erühmtheit gelangt ist, 40 bis 50 Mädchen frequentieren diese Anstalt und bilden sich mit mustergültigem Fleiß innerhalb zweier Jahre zu Religionslehrerinnen im Sinn von Beth-Jakob heran. Die Zöglinge Fei ne Da m e n m o d e n F. Borenstein, Wien II HollanidstraBe 1 Fernruf : A• 45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln u. Kostümen, ־ Blusen, Schoßen, Schlaf rocken, Pyjamas etc. aus eigenen Werkstätten. Separate Maßabteilung. (Kostüme' und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner ,persönlichen Leitung gearbeitet.) Schaatnes-frei. dieser Anstalt haben bisher hoch alle trotz der immer drückender werdenden Wirtschaftskrise Anstellungen gefunden, und noch immer wird auf Kandidatinnen gewartet, damit sie nach ihrer Diplomierung sofort an einer neugegründeten Schule ihre Stellen antreten können. Das Dr.-Krüger-Heim, in welchem diese Lehranstalt e|n wertvolles Glied in der Reihe der übrigen dort untergebrachten jüdischen Lehr- und Bildungsanstalten darstellt, besitzt in den Donauländern eine Popularität, der sicli kaum eine andere Wiener jüdische Lehranstalt rühmen kaün. Als wertvoller Kranz um |diese Kernpunkte jüdischreligiöser Lehranstalten!befinden sich in Wien noch etwa ein Dutzend von; ׳ | Ghadorim, Talmud-Thoras und Religionsschulen, an denen wertvolle religiöse Aufbauarbeit geleistet wird. . I' ■. ׳' ׳ . ■ ־ ׳ ־ Wir haben diesen kurzen Ueberblick über die Haupterziehungsanstalten der Orthodoxie in Wien nicht etwa aus dem Grunde gegeben, um uns mit der Existenz dieser Anstalten zu rühmen, sondern, im Gegenteil, um festzustellen, daß all diese Institutionen infolge der 5immer tiefer und schrecklicher sich auswirkenden Wirtschaftskrise sich in furchtbarer Not befinden. Diese Not zwingt uns selbstverständlich zu if kritischen Betrachtungen. . In erster Reihe richtet sich , unsere Kritik gegen uns selbst, gegen die Wiener Orthodoxie. Diese Orthodoxie hat bessere. Schulen, als. sie es'^verdient. Man. hat nicht das ״ Gefühl, daß die führenden Männer dieser Orthodoxie das richtige Verständnis für die Leistungen dieser Schulen be-! sitzen, sbnst würde man nicht beobachten können, daß/' diese Schulen und Lehranstalten, so ganz auf sich gestellt, einen harten Existenzkampf führen. Es ist gänzlich ausgeschlossen, daß in einer Gemeinschaft, die begreift, was Schule und Erziehung für die heranvvachsende Jugend bedeutet, derart wenig verinnerlichte י Begeisterung für die Thoralehranstalten und religiösen Schulen vor- . handen ist. Als jüngst in Amerika ^ie Wirtschaftskrise akute Formen annahm, drohte einzelnen Thöralehranstalten der Untergang. Da haben die Rabbiner — und nicht nur die orthodoxen—wie die Bethausvorstände. der Stadt beschlossen, ihre Synagogen und Bethäuser so lange zu schließen, als die jüdische Bevölkerung nicht die Mittel für die Erhaltung der Schulen bereitgestellt hat. Diese imponierende und geschlossene Protestkundgebung hat volle Wirkung erzielt; schon der Beschluß allein genügte. Nicht für einen Tag mußte irgend eine Synagoge in Boston geschlossen werden. Denken wir an eine ähnliche Situation in Wien. Unsere Thoralehranstalten stehen alle mitten drin in der Katastrophe, wir haben noch nicht gehört, daß die Wiener Orthodoxie, ihre Rabbiner und Führer, sich aufgerafft hätten, eine energische und wirksame Hilfsaktion in die Wege zu leiten. #. So eine energische und zielbewußte Rettungsaktion würde aber nicht nur in der breiten jüdischen Oeffentliehkeit, sondern selbst bei unseren # Kultusgewaltigen Eindruck machen, Die Klagen wollen nicht verstummen, daß es bei der Wiener Kultusgemeinde kein5 Verständnis für die große Bedeutung dieser religiösen Thoralehranstalten und jüdischen Schulen /gibt. Man spricht und schreibt, so viel von dem Inspektorat der Wiener Kultusgemeinde, Wir haben noch nicht die klare Forderung der Orthodoxie gehört, daß, wenn schon die Wiener orthodoxen Juden , der einheitlichen Zwangsgemeinde angehören müssen, wenn schon die Subventionierung dieser religiösen Lehranstalten aus den gemeinsamen Steuergeldern a l l e r Wiener Juden vorgenommen werden muß, dann für diese religiösen Schulen und Thora- Lehranstalten ein -r e 1 i g i ö s e r Schulmann als Inspektor angestellt ,werde, der wirkliches, inneres Verständnis für jene Disziplinen hat, welche an jenen Talmud-Thoras und Ghadorim unterrichtet werden. Mag die Wiener Kultusgemeinde für die Ueberwachung des allgemeinen Reli- Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien I, Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. gionsunterrichtes an den öffentlichen Schulen Religions-; lehrer und Inspektoren anstellen, wie es ihren Prinzipien entspricht; die Wiener Orthodoxie müßte, solange sie; der Wiener israelitischen Kultusgemeinde angehören muß,;; die Bestellung, eines or th o doxen S chu 1 mann es׳; für die o r t h o d o xen Lehranstalten verlangen. Wir zweifeln nicht, daß die Orthodoxie, wenn sie sich endlich zur Rettung und Erhaltung der Thoralehranstalten aufraffen und zusammenschließen wollte, sicherlich auch diese überaus׳ wichtige Forderung durchsetzen würde. ' .' , ' ' ' ■!&"' V ••־'■-. ' ' ’-’V— Nebst diesen;ideellen Forderungen hat die Wiener;: Orthodoxie noch andere Beschwerden. Es wollen die Klagen nicht verstummen über die Ungleichmäßigkeit der Subventionen, die die Kultusgemeinde im Rahmen ihres Erziehungsbudgets verteilt. Die Subvention des Cha jes-Re algymnasiums, die schon früher S 36.000 betrüg, wurde.bei der . Uebernahme der Kultusgemeinde durch die Zionisten um ein volles Drittel auf S 48.000 jährlich erhöht; Hingegen,; wurde die Subvention der Talmud-Thora-Schule von S 24.000 nur mit einem Achtel dieses Betrages auf S 27.000 erhöht. Es . muß in dem orthodoxen Steuerzahler das Gefühl wach werden, י __ daß hier nicht sachliche Notwendigkeiten, sondern parteipolitische Bestrebungen die Maßnahmen beeinflußt haben. Nicht־'anders kann man denken, wenn, man erfährt, daß die Be t h - J a k ob-Rel igionslehre r i nne nb i 1dungsansta 11, *über die wir oben geschrieben haben, eine Subvention von sage und schreibe S 500 erhält, hin- ׳ gegen dem P ä d a g.o g i u m, das etwa ähnlichen Zwecken dient — mit dem Unterschied, daß hier das Religiöse und.? dort das Nationale betont wird— mehr als das Zehnfache an Subvention zugewendet wird. Es wäre nicht angebracht, diese Summen nur mit der schweren Wirtschaftslage der Wiener Kultusgemeinde zu begründen, hat doch diese Kultüsgemeinde noch im Krisenjahr 1933 Gelegenheit gefunden,; die , Subvention ״ der Theologischen Lehranstalt, über deren religiös-kulturelle Bedeutung;wir >; uns eine Aeußerung versagen wollen, deren unmittelbar;; praktische Bedeutung für die Wiener Judenheit aber gewiß sehr minimal ist, von S 20.000 auf 25.000 zu erhöhen. Das sind die g r o ß.e n jüdischen Lehranstalten; von der Benachteiligung der k 1 e i n e n wollen wir da gar nicht sprechen. Es gibt viele innerhalb der Orthodoxie, die nur . mit großem Mißtrauen auf die zionistische Wirtschaft in der Kultusgemeintje ־ schauen. Es schweben ihnen die ver- ■ § nichtenden Ergebnisse der zionistischen Gemeindeführung '. in Berlin, in Warschau und in Oradea vor. Üeberall da haben die Zionisten nach kurzer Alleinherrschaft und nach Ausnützung der Gemeindegelder für ihre Partei rasch abgewirtschaftet. Wir denken aber, daß die Zionisten klug genug sind, aus ihren eigenen Fehlern zu lernen. Die Interessen der Orthodoxie gehen nur auf die Erziehung der Jugend und, mag ' unsere politische Stellung zur Kultusgemeinde; wie immer sich gestalten, ■ -■ für eine jüdische Gemeinschaft muß das höchste Gut eine Jugend bedeuten, die religiös positiv als Trägerin der Gemeinschaft heranwächst. Wir hoffen daher, daß diese nur allzu gerechten Forderungen der Orthodoxie im eigenen Lager wie bei den verantwortlichen Führern der Wiener Kultusgemeinde Beachtung und Erfüllung finden werden. In dieser furchtbaren Zeit der wirtschaftlichen Not muß die;Urtjiodoxie innerhalb des gegebenen Rahmens befriedigt werden, denn ansonsten ist der Weg der Entwicklung nicht vorher auszudenken.; . Die Orthodoxie wird, wenn nötig, ihre Lebens- Interessen und ihre Rechte, tüo sie höher;steßeK muß ' als alle politischen Erwägungen, in.diesen aufgeregten schweren Zeiten dort verfechten, wohin man nur bei letztem Zwang geht, 'L— '•*vsm : *■ ■* +.' a. schon Innerhalb *:stunden eine individuell ihrem Qesiehte entsprechend modellierte Besitze! der weltbekannten P©rÜCkdl"Kl1n|tW©rH|tätt© Wien!, Kärntnerring 6 §Ä6 T נ*. .