Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 47 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dezember 1933 ב״ה ווינא־פרעסבורג י״ג:כסלו תרצ־ר. 19. Jahrs ■ ״Ordnung in der Judenfrage“ Die furchtbare Katastrophe, die über, die Juden Deutschlands hereinbrach, drängt die alte Frage auf: Wer gab .Israel den Plünderern preis, wer Jakob den Beutejägern? Die Antwort kann nur die Fortsetzung des• Prophetensatzes sein: Fürwahr, der Allmächtige, gegen den wir gesündigt haben, dessen Lehre wir nicht befolgten! Aber anstatt der Erkenntnis der ewigen Wahrheit dieses Satzes Rechnung zu tragen und zu den Quellen des unsterblichen Judentums ‘ zurückzukehren, wurde das Unglück für viele der Anlaß, den Gedanken des ״n a t i onalen" Judentums zu verbreiten. Als Folge dieser Gedankenrichtung ist auch die von Dr. Czermak und Dr. Karbach herausgegebene Schrift ״Ordnung der Judenfrage“ anzusehen. ‘ Diese Schrift hat eine ganz besondere Beachtung gefunden, nicht so sehr wegen ihres Inhaltes, der ja im Grunde nicht viel Neues bringt, als vielmehr wegen der Persönlichkeit des Verfassers und weil der ״deutsche Katholik“ und der ״nationale Jude“ zu einem gleichartigen Ergebnis kommen. ־ . Herr Prof. Czermak, österreichischer Unterrichtsminister a. D., ist eine führende Persönlichkeit der Christlichsozialen Partei. (Er wurde jüngst zum Obmann der Partei gewählt. Red.) Damit ist ja seine Stellung dem Judentum und der Judenschaft gegenüber gegeben. ' Gerade darum muß auch der Gang seiner Erörterung überraschen. Er bekennt die historische Wahrheit, daß die Religion, das jüdische Gesetz, die starke Macht war, die das Judentum während der ■Jahrtausende des . Druckes und der Verfolgungen erhalten hat. Gleichwohl läßt er,. der. gläubige Christ, das konfessionelle Moment neben dein, völkischen völlig zurücktreteri. Volk! Dieser Begriff ist nicht so einfach zu definieren wie etwa ein mathematischer. Wenn man sagt, die Gemeinschaft der Menschen, die gleicher Abstammung sind, die die gleichen geschichtlichen Erlebnisse haben, die sich zur gleichen, ererbten Religion bekennen, ist ein Volk, trifft das auf das jüdische Volk zu. Bei anderen Völkern — z. B. bei dem italienischen, bei dem amerikanischen — stimmt es nicht mehr. Herr Prof. Czermak wendet sich zu den charakteristischen, völkischen Eigentümlichkeiten und führt die Ueberempfindlichkeit der Gesamtjudenschaft an, wenn ein Jude als Jude angegriffen wird. Haben wir es nicht alle selbstverständlich gefunden, daß die gesamte *) Berichte zur Kultur- und Zeitgeschichte, VII. Band, ״Ordnung in der Judenfrage", von Bundesminister a. D. Dr. Emmerich Czermak und Dr. Oskar Karbach, Reinhold-Verlag, Wien, IX. Preis: S 3.50 kart., S 3.— broschiert.. Das .schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst•• klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) AUTOFAHRSCHULE TELEPHON A-360-85 99 GUMPENDORF ft / Steyr Xlf, XXX und Praga über 3l׳j Tonnen / Erstklassige Lehrkrä'te / Zeitgemäße Preise Personen^ Lastkraftwagen und Motorrad nnen /׳Erstklassige Lehr Wien V|, GumpendorferstraDe Nr. 86 Feine Damenmoden F. Borenstein, Wien II Hollandstralle.1 Fernruf: A• 4549־6־ Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln u. Kostümen, Blusen, Schoßen, Schlaf rocken, Pyjamas etc. aus eigeneu Werkstätten. Separate Maßabteilung;. (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet.) Schaatnes-frei. katholische Welt stürmische Entrüstung kundgab, als in Mexiko katholische Kirchen geschändet und katholische Priester verfolgt wurden? Ist es nicht die Pflicht aller religiös fühlenden Menschen, sich zur Abwehr zu vereinen gegen die blutige Verfolgung, der jeder religiöse Gedanke in Sowjetrußl.and ausgesetzt ist? Und der Jude soll gleichgültig bleiben, wenn er sieht, daß ein Jude deswegen geschlagen wird, weil er J u de ist? Andererseits wird hier die Gesamtheit des Judentums dafür verantwortlich gemacht, wenn einzelne — nicht als Juden, sondern al3 Kinder ihrer Zeit — in Wort und Schrift gegen Sitte und Religion — natürlich auch gegen die jüdische Religion — auftreten; dann ist der ״jüdische Geist" zerstörend! Die Renaissance stand wahrhaftig nicht unter jüdischem Einfluß und sie hat christliches Leben und Denken sicher nicht gefördert. Auch die Enzyklopädisten hatten wohl nichts mit .Juden und Judentum gemein. Wenn sich scharfe Tadelworte /gegen die ״berufsmäßigen Zerstörer von Glauben und Sitte" richten, wird - auch von jüdischer Seite unbedingt zugestimmt (werden. Das Judentum und die Judenschaft haben mit diesen nichts ־ gemein. Der Sohn von Eltern, die innerlich längst vom Judentum abgefallen waren, hat Juden nie gesehen; er kennt das Judentum nicht. Sein Urteil über Juden, über religiöse Menschen, ist gebildet auf Grund von Selbst- י betrachtung, auf Grund der Kenntnis des Kreises, dem er* angehört. Sein Urteil'ist auch danach zu werten. Wer den Taufschein als Entreebillett für;, eine an die re Gesellschaft in Anspruch nimmt, gehört nicht, z u u n s. Er ist aus unsere!! Reihen g e l ö s c'h t. Für‘/ihn י ist kein •Platz bei uns. Er soll sich seinen Weg suchen. .Wir finden es begreiflich, wenn Herrn Prof. Czermak sein Christentum für. solche Leute zu kostbar ist. Uns ist unser’Judentum zu heilig, um es durch solche Berührung entweihen zu lassen. Der strenggläubige Katholik muß das vollkommen begreifen. Für uns gläubige Juden ist Judentum mit der ererbten, von G-tt uns offenbarten Religion untrennbar‘verbunden. Es ist mit ihr e i n s. Und darum ist es uns unverständlich, daß ' Czermak, ein gläubiger Christ, eine jüdische Gruppe als die ״gesündeste“ bezeichnet, die das religiöse Element in den Hintergrund schiebt und es durch einen schiemenhaften nationalen Begriff ersetzen will, dessen Formen Kopien verschiedener neuzeitlicher nationalistischer. Be- Strebungen anderer Völker sind. Das. jüdische Volkstum, das durch die Qualen eines zweitausendjährigen Golus ethisch hochaufgerichtet gehen konnte, hat mit Nationälismus nichts zu tun. Nationalismus ist Streben nach Ruhm, Ansehen, Macht. Das steht im Widerspruch mit dem Geiste des Judentums. Es ist lächerlich, sich mit Behauptungen auseinanderzusetzen (״die geistige Führer- Schaft ist es, die der jüdische Führer anstrebt“), die auf dem Niveau der ״Protokolle der Weisen von Zion“ stehen. Das sind Fälschungen und Verleumdungen. Wenn ein Mensch, ein Jude, etwas von Wert, von allgemeiner Bedeutung leistet, so ist das nicht nur für Juden und nicht für das Judentum allein getan. Die Arbeit gehört der 'ganzen •Welt. Ein Rathenau hat nichts für Juden angestrebt, \ nichts für Juden erreicht. Seine Arbeit gehört dem deutschen Volke. Was die Großen des Geistes schaffen, gehört der ganzen Welt. Die Bauten der Geistesriesen sind nicht Einfamilienhäuser der Völker, sie sind die• Wohnung für den Genius der gesamten Menschheit. Großtaten, die die Ewigkeit überdauern, kann nicht jeder schaffen. Wohl aber kann jeder bestrebt sein, den Forderungen des Alltags zu genügen; er kann helfen, das Glück aller mitbauen, indem er seine Pflichten als Bürger seines Gemeinwesens, seines Vaterlandes erfüllt. In den Jahrhunderten der Erniedrigung und des Druckes war das der sehnlichste Wunsch des jüdischen Volkes, zur Erfüllung dieser Menschenpflicht zugelassen zu werden. Endlich ״kam ein milderer, gerechterer Geist,. der es den Juden erlaubte, Menschen unter Menschen zu sein. Und diesen Besitz zu verteidigen, soll unerlaubt sein? Es ist würdelos, siqh an einen Besitz zu klammern, der einem von Rechts wegen nicht gebührt, sagt Herr Minister 14 NSchste . PAG-Palästina-Reise 26. Dezember von Wien abgehend 2. Klasse Schiff ........ S 440.- 1. Klasse Schiff.S 660.- komplett ab Wien Inklus. Verpflegung. Aufgelöste Rückreise. Prospekte durch P A G G. m. b. H.t Wien י VI(,Caplstrangasse 2« rei. B-2&-3-81 Czermak. Mit aller Entschiedenheit muß eine solche Behauptung zurückgewiesen werden. Niemals haben wir etwas in Anspruch genommen, was uns nicht zugekommen wäre. Wir haben nie eine Doppelrolle gespielt. Wir Juden haben das Land, in dem wir wohnten, als unsere. Heimat geliebt, wir haben ihm Treue gehalten, auch wenn es gegen uns treulos und lieblos war. Jeder religiöse Jude liebt Palästina, richtiger. gesagt, das Heilige Land, aber nicht mit einer irdischen Liebe; diese Liebe ist frei von Erdenschwere, sie ist eine himmlische, sie ist die Sehnsucht der Seele nach G-ttnähe, das Verlangen des Herzens nach Reinheit und Erhabenheit, in der das ewige . g-ttliche'Gesetz das Denken läutert und jede Tat weiht.' Wir lieben das Land, das G-t t unserem Stammvater verheißen hat, in dem unsere Väter das Licht der G-ttes- Erkenntnis. angezündet haben, damit es hinausleuchte auf : die ganze Erde;'׳all en Menschen, bis in die entferntesten Geschlechter. Diese Liebe zum Heiligen Lande konnte niemals ein Hindernis dafür sein, daß die Juden mit jeder Faser ihres■ Herzens, mit jedem Blutstropfen, an dem Lande in Liebe hingen, in dem sie seit Generationen wohnen. Unser Fühlen und Denken ist mit diesem Lande verknüpft. Das• Wohl und Wehe des Landes ist ihr Wohl und Wehe. Und die Juden haben ״ihren Beitrag zum Reichtum unfl zur Fülle auf allen Gebieten des kulturellen Lebens“' geleistet, wie Herr Prof. Czermak bestätigt. Gleichwohl sollen sie ״in der nationalen Kultur nur als Gäste mitsprechen. In wirtschaftlichen Fragen soll eine wohlüberlegte Grenze gezogen werden.“ Ist es etwa eine moralische oder materielle, Schädigung unseres Vaterlandes, dajß unter den sechs Oesterreichern, die mit dem Nobel-Preis gekrönt sind, sich drei Juden befinden, die in Wien geboren sind? Es besteht sicherlich die Gefahr nicht, daß dem deutschen Volke ״die ,Führung der nationalen Kultur durch das Judentum entrissen wird“, wenn eine größere Zahl von Juden wegen hervorragender, in der Welt als bedeutsam anerkannter Leistungen die Würde u n b esoldeter Dozenten erlangen. Die gutdotierten und, einflußreichen Stellen bleiben dem Juden trotz aller Ver:־ dienste zumeist vorenthalten. Die Klage, daß die freien Berufe ״überjudet" sind, ist ja zunächst dadurch erklärt, daß die Juden größtenteils zur städtischen׳ Bevölkerung gehören, die ja viel mehr als die ländliche den freien Berufen zustrebt, Wenn die Juden meist in dem Berufe des Anwaltes und des praktischen Arztes sich betätigen, ist das nicht ihre Wahl. Die bequemeren und ruhigeren Stellen der Beamten, Richter etc., sind ihnen verschlossen. Uebrigens erfahren auch nicht jüdische Anwälte und Aerzte in freien־ Wettbewerben durch allerlei Beziehungen sicherlich weit mächtigere. Förderung als die jüdischen Kollegen. Daß bei uns die Landwirt- , schaft wenige Juden beschäftigt, ist ja ’ daraus erklärt, daß die Juden eben keinen Landbesitz zu erben Gelegenheit hatten. Die Berufswahl läßt sich eben nicht reglementieren. Sie entwickelt sich nach Wirtschaftliehen Gesetzen, In Saloniki sind Juden Hafenarbeiter, in Karpathorußland Wald- und Holzarbeiter, in gewissen Gegenden Südrußlands sind sie Feldarbeiten. Die Berufsumschichtung der jüdischen. Massen ist eine soziale Sorge der Judenschaft. Der Wunsch nach einer ״wohlüberlegten Grenze in .wirtschaftlichen;Fragen“ ist der Wunsch nach einem wirtschaftlichen Ghetto und es ist gleich, ob man von einem zentralen, einem Welteine individuell erhält bei mir $ eil on innerhalb 3 Stunden Qesichte entsprechend modellierte BesUzeider weltbekannten Pe1׳lkl^sn-K«1|1t'»«'1,t*tf'U« Wien I, Kärntnerring 6