Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 44 (10.11.1933)
- Date
- 1933-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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*Tovhtove vyplittirie pbvoSeim riauit ptl»t * tolvjtrar׳•♦ t ttfüiiftftkw 6t*. יי וי.. Jä&. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN leitungen vmn V ('Hegtet *•*(•«*•■»«1*1 Jotifhal expMiö pät rediuül־ ,. v K- ■Sv*־•״ * Y;Rb; :Ml 3);ז .^m lUdaktion und Administration: Wien, 11.* llalzgasse 12 a. Tel. A-48-4-15. — Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abontiettteiitpfeise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16* Tschechoslowakei tschech• K. 80* das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse*. Wien, für Oester» reich: Postsparkassenkonto Nr. D•93614; Deutschland »Post- Scheckkonto Berlin Nr. 12*419; Jugoslawien 1 Postspk.-Amt Zagt eb Nr. 40217; h ölen! Postspark.-Amt Warschau Nr.190409; Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schwel* t Post* scheckk. Zürich VlII, 4117; für die Tschechoslowakei t ,Jü- (Hache Presse“,Bratislava,Postspk,»Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 44 Wien-Bratislava, 10. November 1933 •ביה ווינא־פרעסבורג כ״א חשון תרצ׳ד 19. Jahrg. ״Preßburg — Prag“. Rabbi Meir Schapiro וצי ל war während des letzten Jahrzehnts infolge seiner Arbeit für Agudas Jisroel und die orthodoxe jüdische Gesamtheit mit den Führern der slowakischen Orthodoxie in engster Verbindung. Er war auch wiederholt in diesem Lande und seine begeisternden Reden hinterließen überall einen unverwischbaren Eindruck. Unvergessen sind auch heute noch insbesondere seine Reden, die er vor einer mehrtausendköpfigen Zuhörerschaft am 17. und 18. Tamus 5684 in Bratislava hielt und die seinerzeit von der gesamten jüdischen und nicht jüdischen Presse als Ausdruck einer neuen Lebensaktivität des thoratreuen Judentums sehr beachtet wurden. Von dem nachhaltigen Eindruck, den er damals von seinem Aufenthalt in Bratislava und Prag mitgenommen hat, zeugt ein Aufsatz, den er bald darauf — er befand sich auf einer Reise nach Paris und London im Interesse der ״Jeschiwos Chachme Lublin“ — in der Straßburger Zeitung ״La Tribüne Juive" über ״Preßburg — Prag“ veröffentlichte. ׳Dieser Artikel war damals in Nummer 32 der ״Jüdischen Presse“ vom Jahre 1924 abgedruckt und machte seither die Runde in sehr vielen Zeitungen. Angesichts des unerwarteten Hinscheidens seines Verfassers זצ*ל dürfte er unsere Leser aufs neue interessieren. Wir bringen ihn als herrliches Dokument seiner Gesinnung und. Denkart deshalb hier erneut zum Abdruck: : ״Zwei Strömungen haben vor ungefähr hundert Jahren .gegeneinander gekämpft: : eine gem ä ß i g t e und eine• k o m p r,0 miß 1 o s e. Beide haben . betont, den’Interessen des jüdischen Volkes und der jüdischen Religion zu dienen. Dem objektiven Beobachter mußte es damals sehr schwer gefallen sein, sich zu der einen oder zu der anderen Strömung zu dezidieren. Hingegen haben wir es heute leichter, ein Werturteil über die damaligen zwei Richtungen abzugeben; der Prozeß der Entwicklung beider hat bereits seinen Abschluß ge- . funden: und ihre Früchte sind es, die uns das Urteil erleichtern. + Preßburg und Prag, beide haben sich in der jüdischen Welt durch die großen Männer, große Jeschiwos und ihr impulsives jüdisches Leben berühmt gemacht. 1 Ein neuer Zeitstrom. Die Haskala-Epoche kam. Viele jüdische Führer fanden es für unumgänglich, für ihre heilige Pflicht, das jüdische Leben zu refor- mieren, es zu verwässern, es möglichst der umgebenden Welt gleichzumachen. Manche dieser Reformer waren der irrtümlichen Meinung, durch ihre Zugeständnisse die Masse zu gewinnen, sie dadurch vor den Gefahren des Abfalls zu schützen. Da kamen die damaligen bodenfesten jüdischen Führer, die sich durch jenen Zeitstrom nicht verwirren• ließen, und sagten: Nein, keine Halbheiten, keine Zugeständnisse, wir wollen das Ganze erhalten und dafür treu kämpfen! Und eben diese zwei jüdischen Zentren, Preßburg und Prag, waren es, die die entgegengesetzten Methoden zur Erhaltung des Judentums anwandten. Die Reform in Preßburg hat sich an einer SESSEL, Tische, Lolterbelten Spezialwerkstätte, Adler VII., Apollogasse 18, Tel. B-38-7-82. Billigste Preise, Zahlungserleichterungen. Das schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst•■ I Massige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra‘-Mitglied) AUTOFAHRSCHULE - TELEPHON A-36-0-85 9 9 U Personen-, Lastkraftwagen und Motorrad / Steyr XU, XXX und Praga über 3‘/, Tonnen / Erstklassige Lehrkrä.te / Zeitgemäße Preise Wien V(, QumpendorferetPsBe Np* 88 In Erefc Jisroel ist wieder Ruhe. Der normale Zustand ist im ganzen Lande Wieder hergestellt. Die a r ab i s c h e Exekutive hat den von ihr proklamierten Generalstreik offiziell für beendet erklärt, nachdem die Streikparole in den letzten zwei Tagen ziemlieh wenig beachtet wurde. Entgegen den auf Grund der arabischen Drohungen gehegten Befürchtungen ist der 2. November, der Jahrestag■■ der Verkündung der Baifour-Deklaration, ruhig verlaufen. Am frühen Morgen versuchten Beduinen aus Wadi-Hawarith, nach Tulkarem zu ziehen. Die sich zusammenröttende Menge wurde von einem niedrig fliegenden Aeroplan aus zerstreut. Am Abend vorher wurden gegen; das Polizeilager auf dem Skopusberg einige Schüsse abgegeben, die niemanden ververletzten. Auch der Freitag, Wöchenfeiertag der Moslems, ist ruhig verlaufen. Das ״Sechsührabend-Läuten“ (Verkehrssperre) wurde nach Jerusalem nunmehr auch in Haifa aufgehoben. An dem Freitag-Mittaggebet in der Omar-Moschee zu Jerusalem hahmen Massen Araber aus den umliegenden Dörfern teil, aber nur ein kleiner Teil der Moschee-Besucher versuchte eine Kundgebung zu veranstalten; sie wurden von der Polizei rasch und ohne Mühe vertrieben. Ungeachtet der iStreikbeendigungsparole der arabischen Exekutive dauert im Jaffaer Hafen der Streik zum Teil noch an, so daß sieben Frachtschiffe nicht ausgeladen werden können. 1 Die Zahl der Opfer während ,der ganzen Unruhewoche hat sich nach genauer Prüfung bedeutend geringer erwiesen, als anfänglich sogar von den Behörden angenommen wurde. Im ganzen wurden während der Unruhewoche ■5 Araber, unter ihnen 1 Polizist, getötet, 25 Araber wurden schwer verletzt ins Hospital gebracht,' 127 Araber erlitten leichtere Verletzungen. Die Polizei zählt 27 verletzte englische und arabische Polizisten. 4 Die offizielle Mitteilung der Palästina-Regierung, ,daß eine Reihe Kommunisten wegen aufrührerischer Propaganda im Zusammenhang mit den Unruhen verhaftet wurden, wirft ein . eigentümliches Licht auf die Tätigkeit der arabischen Exekutive, .die sich sowohl deutschen nationalsozialistischen, als auch russischen bolschewisti-, sehen Einflüssen zugänglich zeigt. In A m man und im übrigen T r an s j a r dani e n herrscht entgegen anderslautenden Meldungen vollkommene Ruhe.. Die gegenwärtig in Genf tagende Mandatskommission des Völkerbundes hat zu den Ereignissen in. Palästina n i c h t Stellung genommen. Wie die JTA. erfährt, haben sich jedoch prominente Mitglieder der Kommission dahin geäußert, es sei zu bedauern, daß die Palästina-Behörden, . denen die Rädelsführer der Unruhen schön von'früher bekannt waren, nicht, kürz entschlössen diese verhaftete; sie hätten so die Kundgebungen und das Blutvergießen',verhindern können. ■׳־ M festen, eisernen Mauer angestoßen, an -dem. felsenfesten Charakter des חתם סושרזציל«• Mit der Losung *חדש אשור מן התוח־ן wies er .jeden Versuch einer—Neuerung im Kult, die :die ,jüdische Tradition nicht kennt, von sich. Und auch sein Nachfolger, sein Sohn, der כתב מופר זצ*ל wich nicht um eine Haaresbreite von der väterlichen Ueberlieferung. Seine konsequente Losung war: יקוב חדין אח חהך (das Gesetz soll den Berg durchlochen!...) In Prag dagegen begegnete die Reformströmung gemäßigten Führern des Judentums, 'welche der Ueberzeugung waren, daß die Anstrengungen vergeblich seieu, ganz gegen den!Strom zu schwimmen. Sie führten die Losung im Munde: “״שמאל דוחה וימין מקרבת (es umarmte die־ rechte Hand, was die linke abstößt). Sie meinten, daß dies das beste Mittel sei, die gefährlichen Waffen den Händen der strikten Reformer zu entwinden, auf dem Wege des Entgegenkommens glaubten sie, sie weniger schädlich zu machen. Ihr Nachfolger Rappaport 0שי׳ו> u. a. sahen sich schon gezwungen, auf dem Wege der Kompromisse mehr fortzuschreiten, da die Reformer nach und nach’ihre Ansprüche anschwellen ließen. Rappaport und Genossen schrieben und sprachen daher zweideutig, orakelmäßig, wollten jedem gerecht werden und proklamierten sehr of die Devise ״הוראת שעה שאני״ (die Zeit ist ein wichtiger Faktor in der Entscheidung). So entspann sich ein Kampf zwischen den zwei Losungen von חדש אסור מן החורת und הוראת שעה שאני. Beide hatten sowohl ihre Verteidiger als auch ihre Bekämpfer. Das polnische Judentum sah, fern vom Kampfplatz, dem sich in Westeuropa abspielenden Kampf der Methoden zu. W e r ist damals im Recht gewesen? Die Folgen sollen lehren, F a k t e n sollen sprechen! Auf einer Reise von Polen nach London hat siclx dem Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit geboten, Preßbürg und Prag zu besuchen und dort das jüdische Leben zu observieren. Wenn P.r e ß h u 1: g mit seinen Größen stolziert, die auf seinem Friedhof ihre ewige Ruhe fanden, so kann man getrost auch umgekehrt sagen, daß jene Größen der Vergangenheit auch auf ihr Preßburg stolz sein können. Jene Größer! sind nicht nur unsterblich durch שפחותיהן דובבות בקבר, indem man dort gelegentlich etwas in ihrem Namen nacherzählt., sondern sie führen ein regelrechtes Mitleben mit den Lebenden von heute. Man weiß in Preßburg noch heute ganz genau, was der מהרם ברכיי דל gefragt und der חתם סופר דל geantwortet hat. Und wenn man bei uns ih Polen die große Bedeutung des Rabbi Meschuiem Preßburger (מחר'ם איגרא דל> ftuf dem Gebiet des י Charifus kennt, so weiß das Preßburger Judentum viel,־ sehr viel von׳ dessen frommem Lebenswandel: zu erzählen; so ist das Preßburger Judentum bestrebt, s e*i n jüdisches Leben 'nacli dem Müsterd 1 e s e s Großen in •Israel•;einzübrdnen.: Auf Tritt und Schritt ist das jüdische Preßburg zu sehen. Hier die Schiurstube des Chasam Sofer, wo man hundert Bachurim antrifft, die Talmud und Ppßkim; eifrig studieren, dort begegnet man verschiedenen eingebürgerten Gebräuchen, die von מהרים' איגרא;•ל und מהרים בו־ביי ז*ל herrühren. Eine feste Kette des' Lehens verbindet die vergangenen mit den lebenden Geschlechtern. Im Lauf der Zeit hat sich vieles auf der Basis des Alten vervollkommnet, mehrere jüdische . Institutionell sind neugeschaffen, darunter auch die berühmte ״Mensa“ für die Jeschiwa־Zöglinge. Und jene Tradition des Chasam Sofer ist noch heute ein großer Faktor im jüdischen Leben Preßburgs. '7 -י.־':.-• , ■ "■/ * ־ ' . ■ Um 2 •Uhr nachmittags besteigst du den Schnellzug ih Preßburg und um 9 Uhr abends bist du in Prag angelangt. Du willst natürlich das j ü d i s c h e. Prag sehen. Du erhältst die Antwort, daß du morgen früh um 8 Uhr das jüdische Prag zu sehen beginnen kannst.. Pünktlich zur Stunde, am Frühmorgen,. kommt zu dir, eine Person und führt dich direkt auf — den' alten Friedhof. Er zeigt dir die Grabsteine von'כלי יקר, ר׳ דוד גא:׳, מהדיל מפראג דל Er bringt dich dann auf einen zweiten Friedhof^ wo er dir den Grabstein des נורא!ביחודא דל zeigt; Von öort geleitet er dich irgendwohin, wo du die alten Steine der bekannten historischen Alt-Neu-iSchul •besichtigen kannst. Und wenn du fragst: ״Ünd wo ist das l e b e n d i g e jüdische Prag zu sehen?", so bekommst' du die Aritwort, daß statistisch in Prag nur noch 160 , jüdische;Seelen rituell leben. Und wenn du dich nach der Zahl der jüdischen Bevölkerung neugierig erkundigst, so erfährst du, daß sie sich auf'35.000 beläuft. Natürlich, dein Begleiter bemerkt bald dein unzufriedenes Gesicht und er beeilt sich, dir zu sägen, daß er dir eine Wichtigkeit zu zeigen vergessen habe. Er führt dich, als wolle er deine Unzufriedenheit mildern, zum ״Jüdischen Rathaus“ und zeigt dir die alte Uhr, deren Zifferblatt mit jüdischen Lettern versehen ist... Ja, das ist das jüdische Gesicht Prags: Die Uhr schreitet׳ vor . . . und zeigt jüdisch, das Leben• aber ־ un jüdisch. Der החם סופר וציל hat den Prozeß gewonnen! III Umänderungen von J u,1p p e r.n und Pu Hove r n, K U n s t s t 0 p p e n von Stoffen und Seide, Rep a s- 9 i e r e n und• AnstrlcKen von SttfimpfenVn u r in der REPASSIERWERKSTÄTTE SCHLESINGER, Wien, I., Weihburgg. 2• (Ecke :Parkring),. Tel, Kt21,908־. emeindiviciuell b6i:.Ä.vJ•.., schon Innerhalb 3 stunden Gesichte entsprechend modellierte P©I*M©|C© Wlen:;|rKfrnt1^rrihg.^