Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 42 (27.10.1933)
- Date
- 1933-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Amt Prag Konto Nr. 53386 —L Nr. 42 Wien-Bratislava, 27. Oktober 1933 .ב״ה ווינא־פרעסכורג ז׳ חשון תיצ*ר 19. Jahrg! Fünfzehn Jahre Tschechoslowakische Republik. Die Tschechoslowakische Republik vollendet am 28. Oktober ihr fünfzehntes Lebensjahr. Nach einem gewaltigen Ringen, dem furchtbarsten Krieg, den die Menschheitsgeschichte kennt, kam das tschechoslowakische Volk in den Besitz seiner Freiheit und des Rechtes der Selbstbestimmung seiner staatlichen Zugehörigkeit und Ordnung und damit zu seiner Staatliehen Selbständigkeit als demokratische ,י Republik. Die besten Köpfe, die erlesensten Geister, die glühendsten Patrioten und die hingebungsvollsten Sachkenner, über die das tschechoslowakische Volk verfügt, waren an den denkwürdigen Tagen der Staatsgründung vor fünfzehn Jahren .und seitdem .während der ganzen fünfzehn. Jahre unablässig mit rastlosem Eifer am'Werk, in der Tschechoijiw^klsclien Republik ein Staatsgebilde erstehen zu lassen,׳;da!! ausgerüstet ,dasteht mit, allen physischen Or- י men und. allen•, psychischen Behelfen der Staatskunst, eiche allein erst die Verbundenheit eines jeden einzelnen Gliedes der staatlichen Gemeinschaft mit dem Staatsganzen zu einer■ seelisch befriedigenden und unlöslichen zii gestalten vermögen. Wir alle sind Zeugen, daß dieser Staat heute schon, nach fünfzehn. Jahren selbstgezimmerten Eigenlebens, im Herzen seiner gesamten Bevölkerung tief verwurzelt ist und daß sein organisatorischer Bau, von innen gesehen, ganz gewiß ausreichend fest gefügt erscheint, um allen Stürmen der jetzt mehr denn je unruhig wogenden Weltpolitik und allen Erschütterüngen der Weltwirtschaft, wie bisher, auch in Zukunft lebenskräftig zu widerstehen. Der tschechoslowakische! Staat nimmt im Konzern der Staaten eine Stellung ein, die angemessen ist der Liebe, mit der ihn seine Bevölkerung umhegt, und würdig ist der Opfer, die sie für ihn allezeit zu bringen begeitsteht. Das vollbracht zu haben, ist das große Verdienst der Männer, die das Vertrauen des Volkes zu Letikein des Staates auserkoren, und bleibt der g-tt^esegnete!Erfolg des Geistes, der sie bei ihrer Arbeit geleitet hat.; , Der fünfzehnte Jahrestag der Staatsgründung wird in allen Teilen der Tschechoslowakei nicht bloß von Gesetzes wegen, sondern auch und vornehmlich aus aufrichtiger dankbarer Ergriffenheit von der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der!konfessionellen, und nationalen Zugehörigkeit, als, Festtag erhebender Erinnerung gefeiert. Wir Juden der| Tschechoslowake'i fühlen uns in der Feier dieses Staatsfestes aufs herzliebste und innigste vereint -mit allen Staatsangehörigen. Wie aus allen G-tteshäusern,* werden auch aus unseren Synagogen Gebete, in der Sprache des heiligen G-.ttes- Wortes zu dem Weltenschöpfer; emporsteigen für das Wohl und Gedeihen dieses. Staates,! G-ttes Segen herabflehend für seine gesicherte Zukunft bis ans Ende der Zeiten. י '■ i Mit besonderer Rührung und Verehrung gedenken wir an diesem Erinnerungstäg unseres großen Staats- Oberhauptes, des Präsiden!ten Ma saryk, dessen weise Führung‘ einen Glorienschein um unsere Republik webt und dessen menschliche Größe einer ragenden Leuchte gleich auch kommenden- Generationen noch den Weg glücklichen Gemeinschaftslebens im Staate .erhalten wird. Möge ihn der Ällgüitige dem tschechoslowakischen Staate noch lange, erhalten! ' I.• I. B. Ein Siedlungsprojekt in Erez Jisroel. Das Wirtschaftsamt der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel hat einen Vorschlag zur Ansiedlung von Mittelstandsfamilien in Erez Jisroel, die sich landwirtschaftlich betätigen und 700 Pfund investieren wollen, ausgearbeitet. Zur Vorbildung der Anlage und Erhöhung der Rentabilität ist ein Zusammenschluß von mindestens zehn Leuten nötig, die nach einem gemeinsamen Plan ihre Wirtschaft auf bauen. Das Projekt scheint außerordentlich günstig, hat aber freilich die Voraussetzung, ,daß der Siedler ■selbst, wenn er auch noch ungelernt ist, mitarbeitet. Es wird in dem Plan eine Investition von . je 700 Pfund per Familie angenommen, jedoch kann der Plan g,uch bei Leuten mit etwas weniger Geld mit entsprechenden Kürzungen angewendet werden. Es soll in diesem Falle am besten eine gemischte Wirtschaft geschaffen werden, wobei der Siedler an Hand einer fachmännischen Leitung im Laufe der Zeit die Bewirtschaftung seines Gehöftes erlernen und ein selbständiger Landwirt werden kann. Die 700 Pfund sollen wie folgt eingeteilt werden: Für Hühnerzucht .. 200 Pfund ״ Milchkühe . ..... ...... . 100 ״ ״ Gemüse- und Futterbau.50 ״ ״ Bienenzucht . ... . . 50 ״ ״ Boden. 100 ״ ״ Häuschen . . . ... . 100 ״ ״ Zuschuß zum Lebensunterhalt im ersten Jahre ............. 100 ״ Insgesamt . . . 700 Pfund Hühnerzucht: Zur Verminderung des Risikos soll die Aufzucht des Geflügels in einer Zentralfarm unter Leitung eines Fachmannes geschehen und . erst. drei bis sechs Monate1 alte Hühner dem Siedler übergeben werden. Da die Hauptverluste immer in den ersten drei Monaten entstehen und nach diesen drei Monaten die Junghennen relativ leicht zu erziehen sind, ' kann der neue Siedler nach einer Anleitung die Farm fast risikolqs führen. Die 200 Pfund stellen sich wie folgt zusammen: Anteil an der Zentralaufzuchtfarm 25 Pfund, Stall und Aufbewährungsräume 50 Pfund, Geräte usw. 25 Pfund, 300 Hühner bis zum Legealter 75 Pfund, Futtervorrat und Diverses 25 Pfund; zusammen 200 Pfund. Der nötige Bodenraum GUMPENDORF <6 AUTOFAHRSCHULE TELEPHON A-36 0-85 f» Personen-. Lastkraftwagen un4 Motorrad / bteyr XU, XXX u! d Praga über 3'׳. Tonnen / Eistklassige Lehrlcrä te 1 Zeugeraäöe Preise Wien VI, GampendorferstraOe Np. 36 beträgt 1,5־ Dunam. Der• Nettogewinn in jeinem , normal schlechten Jahre beträgt rund 250 ■Mil: pro •Huhn, also 75 Pfund. .י '•!׳ .׳* Milchkühe: Es wäre auch hier wünschenswert, wenn alle Kuhställe in einem Milchwirtschaftszentrum gebaut würden, da dann die fachmännische Anleitung leichter und billiger ausgeführt werden kann. Die hundert Pfund verteilen sich wie folgt: Stall 30 Pfund, Futter- Vorrat und Geräte 20 Pfund, zwei Milchkühe 50 Pfund; zusammen 100 Pfund. Der nötige Bodenraum beträgt 1I4 Dunam, der Nettogewinn 45 Pfund. Gemüse- und Futterbau: Der Siedler soll sein notwendiges Gemüse selbst ״ ziehen, das,. Grünfutter für Hühnerhof und Vieh selbst pflanzen und außerdem, wenn es ihm die Zeit erlaubt, manches einträgliche Gemüse anbauen. Etwa 5 Pfund sind für Wasser berechnet und *der Rest für Saatgut, Stecklinge und Geräte. Der dazu nötige Boden beträgt zwei Dunam. Der Gewinn ist nicht berechenbar, da er für den eigenen Gebrauch verwendet wird. ■Bienenzucht: Kommt nur in der Nähe von Orangengärten in Frage. Ungefähr 20 Bienenkörbe. Der nötige Boden beträgt 3/.! Dunam. Reingewinn mindestens 20 Pfund pro Jahr. Häuschen: Mit Hilfe einer Häuserbaubank kann man zu besonders günstigen Bedingungen noch 100 bis 200 Pfund geliehen bekommen, die man in monatlichen Raten von eineip bis zwei Pfund .zurückzahlt. Für 250 Pfund kann man sich eine schöne Wohnung, bestehend aus zwei Zimmern, geschlossener, auch im Winter benützbarer Terrasse, Küche und Badezimmer mit W. C, bauen. Der dazu nötige Boden beträgt 1/2 Dunam. Boden: Aus dem Vorhergehenden• geht hervor, daß 5 Dunam Boden nötig sind. Die Kosten in der Nähe einer Kolonie, die wir wegen des Absatzes unserer Er- Zeugnisse brauchen, betragen Zirka 20 Pfund pro Dunam. Außer eigenem Gemüse hat also der Siedler noch mindestens 140 Pfund Einnahme pro Jahr. Davon gehen 24 Pfund für die Häuserbaubank und 36 Pfund für die fachmännische Leitung ab. Die restlichen 80 Pfund genügen vollkommen, um eine vier- oder fünfköpfige Familie bequem zu ernähren. Es ist selbstverständlich, daß ein tüchtiger Siedler noch viel mehr aus der ihm zur Verfügung stehenden Wirtschaft; ziehen kann. ־ Sollten dem Siedler noch mehr als 700 Pfund zur Verfügung stehen, so kann er sich für die Mehrsumme eine Orarigenfarm anlegen. Pie Erez-Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel, Wien, II., Leopoldsgasse 16, erteilt auf Wunsch nähere Aufklärungen. Das schönste Geschenk sind; ■ REDLER-MÖBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch, erst״ klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra*־Mitgliedj 7000 Zertifikate für das laufende Halbjahr. Wie der JTA.-Vertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat das Einvvanderuugsamt der Palästina-Regierung dem Einwanderungsdepärtement der Jewish Agency mitgeteilt, die Regierung sei bereit, der Jewish Agency für das laufende Halbjahr Oktober’ 1933 bis März 1934 7000 Einwanderungszertifikate auf Grund der Arbeiterschedule zu gewähren, wobei die auf Konto der neuen Schedule bereits ausgegfcbenen 2000 Zertifikate für, deutsehe Juden von der neuen Halbjahrsquote In Abzug gebracht werden wurden. (Die Jewish Agency hatte bekanntlich für das laufende Halbjahr 24.000 Zertifikate angefordert.) ' Die Vorbereitungen zur jüdischen Welthilfskonferenz in London.. Die Vorbereitungen ' zu der jüdischen Welthilfs- Konferenz, die, wie die ״Jüdische Presse“ bereits berichtet hat, für den 29. Oktober nach London einberufen wurde, sind in vollem Gange. Die Mehrzahl der zur Konferenz eingeladenen Körperschaften hat bereits zustimmend. geantwortet und die Delegationen zur Konferenz 'nominiert.' Dem ,,von. ..überseeischer jüdischer' Seite :geäußerten '■ Wünsch, die Konferenz -mit Rücksicht• auf -die Schwierige keit des rechtzeitigen Eintreffens .der;Delegierten,aus de.ri überseeischen Ländern. auf einen ,späteren Zeitpunkt zu 'verschieben, konnte־ voi’1 den Einberufernnicht ״ent- . sprachen .werden. Die allgemein .zugängliche Eröffnungs- Sitzung der Konferenz wird am 29. Oktober morgens im Hause des Board of Deputies abgehalten werden. Ob Lord Reading in dieser Sitzung, wie ursprünglich geplant, den Vorsitz führen wird, steht vorläufig noch nicht fest. Palästina — Hauptauswanderungsland für Oesterreich. Die Auswanderung aus Oesterreich ist durch die Absperrungsmaßnahmen fremder Staaten stark zurückgegangen] Die• Statistik' für'die ersteh sieben Monate־ des Jahres zeigt, ״daß Palästina d.a S.II a u p t a u s w ande r un g s 1 and für Oesterreich' geworden, ist. '107 Oesterreicher wanderteh ,*dorthin. aus,,,Es folgen;Rußland mit 82, ־Argentinien mit, 79, Brasilien mit'!76,׳ Vereinigte Staaten mit ' 69 und Paraguay •mit;> 61; Auswanderern. Weiter gingen österreichische; Auswanderer nach *den französischen .Kolonien 44, nach Persien 43, Türke: 22 *und den englischen Kolonien-19. s Jüdische Not in Saloniki. Der Niedergang der einst blühenden jüdischen Gemeinde von Saloniki zeigt sich darin, daß bei der Registrierung, der Personen, die aus Gemeindemitteln unterr stützt werden müssen, von einer jüdischen Gesamtbevölkerurig von 50.000 Seelen 35.000 in die Listen eingetragen werden mußten. Ein Teil der Bevölkerung ist so verarmt, daß sein Standard dem von Zigeunern gleicht. Der bekannte Philanthrop Sir Eli Cadoorie aus Shanghai hat einen Bericht der, Salonikier jüdischen Gemeinde über die dortigen wirtschaftlichen Verhältnisse erhalten und beschlossen, der Gemeinde durch Finanzierung einer Reihe ihrer Institutionen zu Hilfe zu kommen. Spanien judenfreuiidlich. Der spanische Delegierte Salvador de ,Madariaga führte im Verlauf der Debatte über das deutsche Juden- Problem in der Vollversammlung des Völkerbundes aus: ״Der Versuch Karls V. um die Welteinigung mußte scheitern, weil der Kaiser die Einigung auf der Grundlage des Christentums anstrebte. Darin war er ungerecht und grausam gegen Islam und Judentum. Heute, wo die Juden auf der Tagesordnung sind, wendet sich Spanien dieser Rasse zu, der es gewaltige Schriftsteller, bedeutende Juristen, illustre Aerzte, Staatsmänner und Mystiker verdankt. Spanien hält dafür, daß der Völkereinigungs״ versuch des zwanzigsten Jahrhunderts alle Menschen, alle Rassen, alle Nationen zu umfassen hat.“ Die erhält bei mir seif Oil Innerhalb 3 Stunden _,_:■■! eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitze: der weitbekannten Perücken-Kun jtwerkjtätte Wien I, Kärntnerring 6 Nr, U 47-1-16