Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 38 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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einbaägei* Gefühl beherrscht Unzählige äh der Wende dieses Jähres, däs ist die Furcht vor dem Leben, fefchtlgef* pSägtf die Erwägung* ob mit den gewaltigen Äülgäfeenf die>#0ä deh 2eitläitfteii an uns־ heraftgöbraehti werden, unser Können, unsere Kraft gleichen Schritt halten wird. Man sollte niemand für״ kleinmütig halten, der dieser Frage erliegt. Mäh sollte ihm aher helfen, man äöilte sein Öhr schärfen, man sollte ihn darauf auf merk*, shrn machen, wie groß ein Wesenskern einer Generation jä§il muß, Welcher der Allmächtige solche Aufgaben. stellt. " ׳..-V . Da gibt;: es ein merkwürdigen Wort altjüdischer Weisheit, das Von drei Stimmen erzählt, welche die Welt erfüllen und niemand hört sie, niemand das Rauschen de!s SonnVnbalis, niemand das Tosen der Kuh t u r, niemand das verhallende fr lüste r n‘ d e r S e eie, Wenn sie die Nephesch-Einheit löst und den Körper verläßt‘ Atis diesen drei Gebieten stellen sich, dem Menschen, jedem Menschen Schwierigkeiten entgegen. Aus der Unzulänglichkeit zunächst, welche uns verhindert, den Befehl des Allmächtigen, daß wir der Natur Herr werden sollen, im vollen Umfang zu erfüllen. Sodann aus der Kultur, welche wahrlich der Menschheit den Frieden und ihr Glück nicht gebracht hat, sondern im Gegenteil Menschen zum Kampf gegen Menschen ruft. Endlich aus der knappen Zeit unseres Daseins. Das alles spricht tägifch zu uns und wir hören es nicht.;־ [ i Aber einmal im Jahre ahnen wir es, an der Jahresw.ende; wenn wir dem Allmächtigen nahe sind. Auch das ist; eine Botschaft der Wechseltöne des Schofar. Man kahn, so man das Königtum des Allmächtigen ahnend anerkennt, die harmonischen Akkorde des Kreislaufes der Nätur erleben, man schaut in des Menschen Herz und sieht seinen Weg über die Erde, wie er bald in länger ausholenden Wellenlinien verläuft, bald stoßweise revolutiohär und in Zuckungen sich bahnt, man hört auf den Schlag des Herzens, wie es, anhebend mit dem ersten Schrei des Kindes, anschwellend und abebbend und verfallend aiisklingt. ■* Freilich eines muß vörausgehen, Israel muß sich gefunden haben. Wie kamen doch große Menschen vor nunmehr fast fünfundzwanzig Jahren dazu, .ihrer Gemein:• Schaft den stolzen Namen zu geben, den wir betend an der Jahreswende unseren kühnsten Hoffnungen zugrunde legen. Wir meinen das Wort Agudoh. Wollten Sie nicht das, was uns einmal im Jahre vergönnt ist, wirksam.in den ganzen Ablauf des Daseins verpflanzen? . . Der Weg zu G-tt führt über die Menschen. Und so wollte und will Aguda_ zeigen, , wie eine Menschengemein- Schaft sich gegenseitig belehrend, sich gegenseitig helfend, ebensowohl den Stimmen lauschen mag, die uns von allem Sein und Werden der ewigen Herrlichkeit erzählen, als auch ihr Herz wappnen gegen all die schmeichelnden Rufe, die aus dem Blühen des Irdischen den Menschen zum Sklaven der Erde machen. Es ist die Aufgabe, die Jesaia gekennzeichnet hat in den Worten ״zu pflanzen den Himmeln, zu gründen die Erde“. Unsere Weisen s. A. sagen, dieser Zauber läge im Opfer. Jüdische Kultur ist eine Kultur des Opfers, des freiwillig, freudig, begeistert, gebrachten Opfers. Jüdische Kultur weist Machtkultur ab, liegt weitab von der Hybris der Stärke und der Ge- ו1י!ויו1«ו«3 . Friedrich Karl F i e k| Frag Öf.jur. und phil .. _netten Jäl^ißflegtfnft« einander Glück ztt wünschen. Ein from1der״wünsch urid eiti schöner Brauch! Leid# Ist bei uns Juden dafür gesorgt, daß fast stete gar Mel m wünschen übrig bleibt. ה Wieder, einmal* wie sonst -in der Geschichte, ist Ahasver auf der Wanderung begriffen, Ruhelos, ziellos wandert er über die Erde. . Hatte der Vielgeprüfte: da .und dort geglaubt, eine wlrkliefte Heimat gefunden zü haben, . iuuB er zu seiner Bestürztihg immer wieder voii nettem die Erfahrung machen, daß für ihn Heimatschutz keine Geltung hat. Kahn es nun sein, däB Id tihlerer12eft'׳äer- , gefestigten Rechtsstaaten, nicht . eine Form gefunden Werden könnte, die ihm .das primitive Recht der Existenz unzweideutig sichert??^ Von vornherein sollte der unvoreingenommene Laie meinen, daß es allgemeine, für alle in gleicher Weise geltende sittliche und mo r al i s c h e Grundsätze geben müsse, mit denen das Recht allerorten in Uebereinstimmung stehen müßte. Deril ist aber in Wirklichkeit nicht so. Wohl sind eltizelne ethische Vorschriften, einzeine Moralgrundsätze der heutigen' Kulturmenschheit so in Fleisch :und Blut Übergegangen, daß es scheint, als könnte von ihnen nicht mehr abgegangen werden. Aber eine ganz allgemeingültige Morallehre, die allem Recht ihren gleichen Stempel aufdrücken Würde, gibt es leider bisher noch' nicht. DazÜ kommt, daß trotz aller Fortschritte im:' Rechtewesen *sich noch: nicht die Erkenntnis durchgeruhgen hat, daß es für den einzelnen und. den Staat nicht zweierlei Moral, bzw. zweierlei Recht geben dürfe. Noch immer ist das, was für den einzelnen Recht ist, für die Gesamtheit als solche nicht billig. Während es als selbstverständlich gilt, daß der Einzelne nicht stehlen, betrügen und morden darf, ist noch keine Instanz geschaffen, die das gleiche von den Staaten. oder besser von den Inhabern der Staatsgewalt verlangen könnte. Ja, es ist in neueren Zeiten ein Streben bemerkbar, die Allmacht der staatlichen : Gewalten zu vergöttern und so ihre Befugnisse auf Kosten des Einzelnen ins Ungemessene zu steigern. Nur so kann es kommen, daß sich die Parteiherrschaft in irgend einem Lande über Recht und Moral hinwegsetzen kann, ohne daß es eine Instanz gäbe, die dagegen mit Aussicht. auf Erfolg .Einschreiten könnte. Moral ist — wie schon, gesagt ׳— keine feststehende und allgemein gleich anerkannte Einrichtung und das Recht, das sogenannte gesatzte Recht, erfordert eine gesetzgeberische Körperschaft, die es leider für; .die Kulturwelt noch nicht gibt. .Wie wäre es nun unter solchen Umständen möglieh, doch dazu zu gelangen, daß gewisse allgemeine Grundsätze unter allen Umständen, auch in Krisenzeiten, respektiert werden müssen? Die radikalste Form der Abhilfe wäre die Schaffung,-eines Weltrec*hts. Es־ ist schon erwähnt worden, daß ein W e 11recht im eigentlichen Sinne ein Weltparlament zur Voraussetzung hat, welches die betreffenden gesetzlichen Be- Stimmungen und Rechtsgrundsätze zu beschließen hätte, Und es ist nötig beizufügen, daß ein solches Recht nur dann praktische Bedeutung hätte, wenn ihm die Möglichkeit der י Zvvängsyolistr#kung,’ lfler . mittels einer Exelmtivgevvait^~geg׳öberi ^äre. Daß äber defärtige Einrichtungen unter den heutigen Verhältnissen, bei der jetzigen Lage der Staaten und •ihren gegenwärtigen Be- Ziehungen zueinander vorläufig leider . als utopisch erscheinen müssen, wird wohl kein Beobachter der äugenblicklichen politischen Weltlage bestreiten. walt. Jüdische Kultur ist; berufen, ,,dimas hoaschukim“ zu trocknen. Sie lehrt den wunderbaren Dreiklang ,שדה, עולם נפש ו lehrt an Hand der Thora widerstehen; die Mahnung des stets schwindenden und stets, werdenden Jahres, das Brausen und Stöhnen der Menschenwelt, das Bitten und Verlangen, das Hoffen und Jauchzen der Seele in ihrem steten Werden, in ihren Geheimnissen, und den Wiedersehensschrei der scheidenden Seele. P. K., . Eibe weniger durchgreifende Art, Rechtsverhält!‘ nisse verschiedener Staaten wenigstens in gewissen Be- Ziehungen in Uebereinstirnmung zu bringen, sind die StäitiVert^ige. tndieser Hinsiebt ist schon Met geschaffen worden. Durch Vereinbarungen haben manche der Wichtigsten, namentlich Verkehrsfragen, eine ziem- Uch befriedigende Regelung erfahren. Auf dem Wege derartiger 7AVlschettstaatlicher Uebereirtkunft ist der Weltß0!CT#eiftItlsi Leben gerufen, sind MÜderungen der Krieg!- sitten^ vereinbart worden u. dgl.,, Allein. hie* ״fallens.bei näherer ' Betrachtung: zwei ' gewichtige ' Mängel In ' die Augen, Einmal Werden sieh solche Verträge naturgemäß nur auf Gegenstände beziehen, die entweder wegen der Gefahr fiir die Sicherheit beiden feilen gleich dringend sind (wie die Regelung des Flugwesens usw.), zürn anderen werden sie nur zwischen einzelnen Staaten geschlossen und gelten somit nur für die sogenannten ״vertragschließenden feilet« Eine allgemeine Garantie für Anerkennung z. B. des Menschenrechtes und des Fremdenrechtes ist also Von,, dieser Art zwischenstaatlicher Regelung nicht zu erwarten. Ein dritter Weg; auf dem man zu bindenden gleichartigen Bestimmungen Über die Rechte der Peräon gelangen kann, ist das sogenannte ״Internationale Privatrecht“. Das Internationale,Privatrecht umfaßt alle jene Vorschriften, die das bürgerliche Recht jedes einzelnen Staates enthalten muß für •jene Fälle, in defien sich ein Üebergreifen von Rechtsverhältnissen auf andere Staaten und eine Konkurrenz verschiedenstaatlicher Rechte ergibt. So muß, 11m nur einige naheliegende Beispiele >;zü erwähnen, jeder einzelne Staat in seinem Zivilrecht Ber Stimmungen darüber enthalten, was rechtens ist, d.; h. welches Recht zu gelten. hat, wenn ein Ausländer im Inland eine Ehe abschließt, ein Inländer im Ausland eine Verpflichtung eingeht usw. Schon die natürliche Folge der Reziprozität bringt es dabei mit sich, daß sich solche Bestimmungen wechselseitig aneinander .abschleifen. liier ist also auch der Boden dafür gegeben, Beschränkungen in den Rechten der Einzelnen nach Möglichkeit auszuschließen. Ein solcher Ausbau^ stieße auf die geringsten Widerstände, denn das Prestige des einzelnen Staates wird nicht berührt, da die so erzielten rechtlichen Be- Stimmungen souveränes, eigenes Recht jedes einzelnen Staates bleiben. Dies gilt jedoch hauptsächlich für närmale Zeitverhältnisse. Wie eine Ironie mutet es uns heute an, wenn wir z. B. im ״Internationalen Privatrecht“ von Gustav Walker lesen, daß Beschränkungen der Rechtsfähigkeit aus konfessionellen Gründen keine Wirksamkeit außerhalb des Rechtsgebietes haben, in dem solche Rechtsbeschränkungen bestehen; wenn ein Ausländer, in seinem Vaterland erbunfähig wäre — heißt es dort weiter —, weil er vom Christentum abfiel oder weil : er Jude ist, so würde der deutsche oder österreichische Richter ihn doch für erbfähig erklären müssen. So geschrieben im Jahre 1926! Wohl geht es bei den Satzungen des internationalen Privatrechtes zumeist nur um das Recht der Fremden, und so sehen wir. denn das Paradoxon, daß eine revolutionärc: oder parteidiktatorische Gewalt, die in einem Land ans Ruder kommt, eher noch das Recht der Ausländer wahrt, aber eine ähnliche Bindung gegenüber den eigenen mißliebigen Mitbürgern nicht anerkennt. Dagegen ist nun freilich eine ,.Abhilfe kaum möglich, Repressalien sind vielleicht in solchen Fällen die einzigen Mittel, solange nicht ein Völkerbund die Machtvollkommenheit und Exekutivgewalt in dem Maße erlangt; daß er die Rechte der Person selbst gegen Uebergriffe des eigenen Staates zu schützen in der Lage ist. So schließt sich denn der Kreis unserer Betrach־ tungen mit dem aufrichtigen Neujahrswunsche, daß schon das kommende Jahr zu Einsicht und Vernunft zurückführen möge und daß in allen angedeuteten Richtungen von denen, deren Aufgabe es ist, das Aeußerste daran gesetzt werde, damit Nächstenliebe und Menschenwürde in ihr Recht eingesetzt werden. Erzählung von S. W i e z. ——— SHIMTlvR^ (Fortsetzung) - [18] ״Und dabei lacht sie hell und munter am Schanktisch“, fuhr Debora fort, ״unterhält die Gesellschaft im Herrenzimmer, daß alles voller Bewunderung nach ihr schaut. Und wenn so ihr vergnügtes Lachen und ihre muntere Stimme ins Zimmer dringen, wo David weilt,, dann wechselt'dieser die Farbe und sieht mich wie fragend und vorwurfsvoll an.“; . ״Das ist Geschäft“, sagte Sander trocken, ״das versteht ihr eben nicht.“ . ’ Aber trotzdem bestand er auf seiner Meinung nicht und erklärte sich schließlich damit einverstanden, die Sache durch eine baldige Verlobung zu einem glücklichen Ende zu führen. I Noch weit mehr als die Eitern Merelaikas drängte der Vater Davids, Baruch Baumer, zur Verlobung, der auch bald die Hochzeit folgen .sollte. Baruch Baumer, ein etwas behäbiger Mann mit rotem, vollem Gesichte und rötlichem Barte, liebte als gewandter Kaufmann, der den Wert der Zeit zu schätzen wußte, bei allem einen ״kurzen Schluß“. Das Wort war ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, daß er es fast in jeder Redewendung und in jedem Zusammenhänge, oft auch unbewußt, brauchte. Und wenn er mit seinem Freunde Sander zuweilen am Samstag laut gestikulierend die Straße heraufkam, -so flüsterten ihnen Sppttvögei hach: ״Stuß und kurzer Schluß!“ Baruch Baumer war die ganze Woche, oft auch!hehrere Wochen, in Geschäften abwesend׳ Seine Frau war, kurz bevor David auf die Jeschiwä nach Ungarn ging —- es war dies der Mutter Wunsch — gestorben. Er lebte, wie er sagte, von den nahen Bergwerken, in; welchen Gott auch für ihn die schwarze Kohle wachsen ließ, Er ־Wär nämlich Köhlenlieferänt und zugleich auch Vermittler auf dem Kohlenmarkt, dessen Dienste die Bergwerksgesellschaften gern in Anspruch nahmen, Zudem betrieb er früher noch ein Häusgeschäft, aus welchem besonders öle Bergleute ihre Kleider und allerlei Bedarfsartikel bezogen, Dieses Geschäft hatte sich die Frau, die sich durch ganz besondere Geschäftstüchtigkeit auszeichnete* so. zum Privatvergnügen, zum Zeitvertreib angelegt,, um. die Einsamkeit während der häufigen Abwesenheit ׳ des Gatten leichter zu ertragen. Baruch liebte, seine Frau grenzenlos. Und als der, große Schlag ihn traf und der Tod, wie er bitter sagte, kurzen Schluß machte, nahm er sich an der Bahre der Gattin vor, erstens dem Sohne, der in allem das Ebenbild der Mutter war, keine zweite Mutter zu geben und dann auch das von ihr gegründete Hausgeschäft wie ein heiliges Andenken an die Verstorbene weiterzuführen und auszubauen. Gleichwohl mußte bald das Hausgeschäft für eine Zeitlang eingestellt werden. Baruch Baumer mußte seinen größeren beruflichen Aufgaben nachgehen und David bezog die Talmudschule in Ungarn, denn auch dies lag im letzten Willen der Mutter. Nur zuweilen, wenn Baruch an einem Sonntag zu Hause war, strömten die?, Bergleute in hellen Scharen zum Berg ju.de n, wie 5sie ihn hießen, um ihre häusliehen, finanziellen öder auch Herzensangelegenheiten mit ihm zü besprechen^ alte Schulden zu tilgen und neue zu machen. Baumer wußte in allem Rat und machte stets kurzen Schluß. Oft genug trug ein Bergarbeiter seine zerrissene Joppe so lange, bis der Baumer kam, bei dem er am besten, billigsten und auch auf Kredit oder auf bequeme Ratenzahlung kaufte. Der Laden, der so lange geschlossen war, öffnete sich wieder, als David aus Ungarn heimkehrte. Aber es war nicht das Richtige, meinte der Vater. ״Eine Frau 1 muß ins Haus und ins Geschäft, eine Frau, die weiß, wie , man ein heiliges Erbe verwaltet, daß es wächst und sich stets mehrt. Warum sollte es nicht Merelaika sein?“ Die Familien gehörten von jeher zusammen, galten beide als wohlhabend, angesehen und waren eng befreundet. Was die gute Debora an seiner kranken Frau wie an ihm und seinem Hause in jenen düsteren Tagen des Leides getan, konnte er nie vergessen. Das Mädchen gelbst kannte er nur oberflächlich. Mirjam, wie sie der i Sohn genannt bähen wollte, war schön, begabt und tüchtig, Was war da nun lange zu überlegen? Er, Baruch, hatte jetzt gerade Zeit und war daheim, so machte mgn einfach kurzen Schluß, ' v ״Noch besitze ich nicht das Herz des Mädchens“, warf David ein, ״Unsinn“, sagte de* Vater, ״ich habe deine selige : Mutter, die aus dem weiten Ungarn kam, vorher über״ haupt nicht gekanut und. habö üöch ih^ Htrz besessen,.. “ Der M^nn wischtesieh,eine Träne ah»; ‘ ^,Äürjam kehüeich aber“, erwiderte David mit Nach״ druck, *,und weiß, daß ich ihr Herz noch nicht besitzet David Baumer war kein Freund von langem Dis- .putieren.und Verhandeln und leeres ״Kindergerede“ nahm ’;er weiter nieht er^t, Er rechnete nur mit Tatsachen, und seine festen Beschlüsse galten ihm als solche. So benahm er sich im Hause Sanders vertraut und zwanglos wie im Hause eines nahen Verwandten und nannte Merelaika nur Tochter oder ״liebes Kind“, mochte diese noch so kalt und schnippisch diese väterlichen Kosenamen aufnehmen. Er sprach auch fortwährend davon, wie sich ״später“ die Dinge gestalten sollen. ״Später bauen wir nach der Hofseite noch einen Teil an und vergrößern das־ Lager. Nicht wahr, meine Tochter?“ Oder: ״Du kannst, liebes Kind, später je nach deinem Geschmack den Oberraum oder den Unterstock als Wohnung wählen.“ Statt der Tochter pflegte gewöhnlich die Mutter oder der Vater zu antworten, was Baruch ganz in Ordnüng fand, und an der Unterhaltung über die spätere Einteilung der Wohnungseinrichtung uäd Ausstattung der Zimmer beteiligten sich dann alle, außer Merelaika, die sich während solcher Unterhaltungen in der Regel draußen zu schaffen machte, und David, der still dem davoneiienden Mädchen nachschaute. Montag früh mußte Baruch Baumer wieder eine längere Geschäftsreise antreten. Sonntag abends sollte daher endlich ״kurzer Schluß“ gemacht und Verlobung gefeiert werden. An einem der ersten Tage der Woche, die diesem Sonntag vorausgingen, versuchte Debora sich mit ihrer Tochter einmal ernstlich auszusprechen. . > ״Man ist in solchen Tagen ernst gestimmt“, sagte sie liebevoll, ״das ist natürlich und •begreiflich, da man so nahe dem Ziele ist. Es wird vielleicht gut sein, wenn du nach der Verlobung dich vom Wirtshaus zurüokziebst und dich mehr der Häuslichkeit und der Vorbereitung für den zukünftigen Hausfranenbernf widmest. Und“ -י״ Debora hustete etwas verlegen, bevor sie den richtigen Uebergang fand —״ ׳־Zurückhaltung ziemt einer züchtigen jüdischen Jungfrau, daß du aber gar so kalt und unfreundlich gegen ihn bist, liebes Kind... “ ״Gegen wen?“ Das Mädchen wollte nichts verstehen. ' ״Mußt nicht so sprechen, Kind, zu deiner Mutter, Alle Weit beneidet dieh:,, v Wirst glücklich sein und in unserer Nähe bleiben,, , David ist ein prächtiger Menseh. Und wie lieh sein Vater jetzig schon zu dir ist“ ״Er ist es zu früh“, kam es kalt' und verbittert über die gepreßten Lippen des Mädchens,' ״Es tut mir bis in die Seele weh, ־liebe Mirjam, wenn du so sprichst, Du mußt offen zu deiner Mutter sein und dich ausspreehen, Alle Vorbereitungen sind befeits getroffen, Gäste eingeladen, und du gehst vergrämt und wie unglücklich daher, wie in. ein# unbegreiflichen und grundlosen Kinderlaune,.. “ (Fortsetzung folgt,)