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Jüdische Presse · 1933-09-20 · 38 (20.9.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
38 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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•זן::ז׳*?$־; älf^?*^SSsSfp!f|5^SPP® '׳־.Cf«׳1e.; Iv: C?-: I« einer liftveffei* Üefier Öfen Süßeren Verlauf seine» Lebens Ist wenig bekannL,v‘g6W0fäeÄ. An seiner Bescheidenheit scheiterte jeder Versuch, von ihm selber «!verlässige Daten Uber litauisiÜI Orte,v __ Mt leÄteaüf Utatliscl seiner Zelt, Mit i Muttec,ver#äfst und, merliefedürchs Leb 1 heiratete 8e er, einem kleltföt tlltern gebofeftp war er von Vater mid ite sich/Vöft da ah noch kÄ1W»V ™ jting dlrjifechter einls begüterten Mannes, der es sieh als ein Glrofeanrechnete, elften jungen גדול ganz zu versdrgeh. Nach kurzer Zeit aber ging der edle Schwiegervater zugrunde. Rabbi Israel Meir זצ*ל erhielt sieh rtün von einem kleinen (Geschäfte, das seine Frau verwaltete» ßr aber lernte» So gingen viele «fahrsehnte dahin, ßr leitete eine große und sehr berühmte Jeschiwoh in Radin (bei Wilna) und Im Laufe der Jahrzehnte wurden es hunderttansende Talmide Chachomim in allen Weltteilen, die sieh mit Befriedigung als seine Schüler bekennen» Seine Werke können wir heute hier nur summarisch atifzählen. ßs sind dies auch nur die bekanntesten: חפץ חיים, שמירת הלשון, שפת תמים, חובה השמירה, משנה בדורו! אהבת הפד, שם עולם,“שער שמירת השבת, שער המפץ, שער ההוקת .התורה, שער התחזקות, קונטר־ נפוצות ישראל, חותמהרח, המורן הדת, מאמר תורת הבית. ■מאמר עלבונה שלתורה, מהנה ישראל. נדהי ישראל, קונטר׳ תפארת אדם, קונטד מדוח ומשקלות* ל רן ו טי הלבה, ספרא (תיב> ביאור, טהרח ישראל גדר עולם. Sehr zahlreich sind außerdem die Werke anderer Großen der Vergangenheit, die er kommentiert neu herausgab, so z. B. א ם פ ח זק ני ם, גבורת א ר י׳ u. a. Ferner sind von ihm eine Menge Traktätchen, Aufrufe und Pro- *kiamationen in hebräischer und jüdischer Sprache erschienen. Mehrere kleinere Werke sind in fremde Sprachen übersetzt worden. Sein erstes Werk, den ״חפץ חיים״ hat er schon vor 62 Jahren herausgegeben. Er bekannte sich nicht als Verfasser. Das Buch wurde durch jüdische Hausierer in die verstecktesten Dörfer getragen und für billiges Geld feilgeboten. In kurzer Zeit erreichte es eine' beispiellose Verbreitung und wurde mit ungeheurer Begeisterung aufgenommen. Noch selten hat das jüdische Volk so in a 11 e n seinen Gliedern den Schmerz des Verlustes gefühlt wie beim Chofez Ghajim. Hier verliert der Gelehrte seien גאון הדור, der Chossid seinen Zaddik, die Agudas Jisroel ihren repräsentativen Führer, der Mann aus dem Volke seinen Wegweiser,־ der Bedrückte seinen Helfer, die Schüler ihren Lehrer, der ״Große rabbinische Rat“ seinen Führer und die gesamte Judenheit ihren treuesten Hirten. Das alles ist die Frucht eines langen Lebens, das nun abgeschlossen der jüdischen Geschichte angehört. Der Segen, der aus ihm in reichen Strahlen ausströmte, dauert aber fort bis ans Ende der Zeiten. זכר צדיק לברכה, זכותו יגן עלינו ועל כל ישראל! Die Levvajoh des ״Chofez Chajim ז$י״ל Seit längerer Zeit fühlte sich der große Heimgegangene schwächlich. Die Krankheit dauerte jedoch nur acht Tage. Sorgfältige Pflege und ärztliche Kunst konnten nichts mehr ausrichten. Freitag früh um viertel 8;Uhr hauchte er seine reine Seele aus. Sofort trat eine allgemeine Bestürzung in der Stadt hei der gesamten jüdischen " und . nichtjüdischen Bevölkerung ein. Ein Komitee von führenden Rabbinern und Schülern über- ( nahm die Vorbereitung der Lewajoh. Die Wache hielten ' die nächststehenden Schüler. Mozze-Schabbos fing der Strom der Teilnehmer an, sich in die Stadt zu ergießen. Zahlreiche Sonderzüge brachten Tausende und aber Tausende aus allen Gegenden des Landes nach Radun. Besonders stark offenbarte sich die Teilnahme in der nahegelegenen Stadt Wilna. Die Gemeindeverwaltung und das Rabbinat hielten sofort eine Trauersitzung ab, bei der der intime Freund und Mitarbeiter des Dahingeschiedenen s.;z. 1., Rabbi Chaim Oser Grodzenski, den Hesped hielt. Die Erregung ergriff ihn so sehr, daß die Aerzte es ihm verbieten mußten, an der Lewajoh teilzunehmen. Sonntag nachmittags um 1 Uhr begannen die Hespedim in. Radun. Als erster sprach der Gemeinderabbiner von Radun. Ihm folgte der Stiefschwiegersohn ^des Niftor, Rabbiner Hillel Ginsburg, Dann sprach sein ältester Sohn, Rabbi Leb, ferner der älteste Jeschiwohleiter Rabbi Mosche Londinsky und sein Schwiegersohn Rabbi Mendel Sack, sein Enkel Rabbi Joschua, sein jüngster Sohn Rabbi Aron und darauf der Kobriner Raw Rabbi Pessach Flunkin, auf dessen Anregung ein ״Chofez- Chajim-Fonds“ zur Unterstützung der Jeschiwoh gegründet wurde, Rabbi Ch. S. Top aus Wilna und der Lomzaer Rosch Jeschiwa, Rabbi Mosche Schatzkes. Dann erst setzte sich der riesige Zug in Bewegung. Die Lewajoh dauerte bis spät in die Nacht hinein. Man schätzt die Teilnehmer auf mehr als 20.000 Personen. Staats- und Ortsbehörden rechneten es sich als Pflicht an, dem großen Juden die letzten Ehren zu erweisen. Die Trauerbotschaft in Wien. In Wien hat sich am Sonntag die Todesnachricht mit Blitzesschnelle verbreitet und das gesamte religiöse Judentum in tiefe Trauer versetzt. Der Vorstand der Agudas Jisroel versammelte sich am Montag zu einer Trauersitzung, bei welcher der mit seinem Schwiegervater, dem Woloziner Raw und Rosch Jeschiwoh, Rabbi Jakob S c h a p i r a, in Wien weilende Talmid des. Chofez Chajim, Rabbiner Simon Langbort, und Herr Jakob Joel B raun aus Bratislava tief ergriffene Hespedim hielten. In der Jugendgruppe würdigte Herr Elieser Spitzer, der vor zwei Jahren die S'chioh hatte, den Chofez Chajim s. Z. 1. in Radun zu sehen, die Personlichkeit des großen Niftar, ..lllllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllh. Montag, den 5. Tischri um 1/, 8 Uhr abds. tindet im Lokale der Jugendgruppe II. :Floßgasse 1, ein von der Wiener Aguda veranstalteter Hesped statt. 'Mlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllli!•' Das Fest des Gedenkens. l'L Ky- Unter Sehöfartönyfeiert feräel dertA«bt4ch ehtes nette« Jahres, Ultir; Sehofäftoite« huldigt e? seiftem O-tt und König, des$y Herrschaft afteft fä seinem Walten Überall merktrsr ist» Der gläobige Jude; ז weife es, daß der Feind, deKÖÜer Israel wütet, G - t,t e P Herrscherwillert erfüllt, wenft ätich er dieses Willens siet! nicht bewußt ist!und in seinen Handlungen sieh selbstherrlich dünkt. Furchtbar war das Wüten des Feindes gegen Israel ittt Vefflössenen. Jahre. Mit gläubigem, demutsvollen Gemüt wollen Wir auch darin das Walten G»ttes erkettfieii. Es gehört zur Naturgeschickte des jüdischen Volkes, daß wir von Zeit zu Zeit aus unserer Rühe *aufgescheucht und von Land zu Land getrieben werden, fn den Jahrtausenden des Exils war dieses Gehetztwerden, dieses Demütigen das Normale. Zwischen Judenverfolgungen, Raubzügen und Plünderungen waren manchmal Jahrzehnte der Ruhe, des Friedens eingeschaltet. Diese normale Golusgeschichte schien in den letzten Jahrzehnten zumindest in Miteleuropä eine Unterbrechung zu erfahren. Wir haben schon wirklich geglaubt, daß es bloß noch in den halbzivilisierten Lädern Judenverfolgungen und Judenentrechtung gibt. Ach, wie glücklich wähnten wir 'Uns unter den zivilisierten Völkern, in der Annahme, daß der Antisemitismus mit der fortschreitenden Zivilisation gänzlich verschwindet. Der moderne europäische Antisemitismus riß uns aus IN- UND AUSL. MOD£NEUHE(TEN In detail QEIDE ° w0LLE GEGR. 1869 QAMTE TEL. U-21-0-54 FRANZ NEUMANN, I, CONCORDIAPLATZ 5 dieser süßen Träumerei und wir mußten unter dem Einbruch des Hitlerismus erkennen, daß unser Golusdasein ein Abirren von der Norm auf längere Zeit nicht duldet. Mit erkennendem Auge sehen wir, daß wir Judensind und Juden bleiben müssen... Wie war es denn in den vielgepriesenen Jahrhunderten der Aufklärung? An der /Schwelle der Emanzipation erhoffte man, daß man den ewigen jüdisehen Idealen als freier ^enehiunter־ den;.zivilisierten Völkern wird leben;könuen. Was ist nun aus diesem freien jüdischen Menschen geworden? Ein ״freier“, der sich frei dünkte von den ewigen heiligen jüdischen Gesetzen. Kein Sabbat, keine Tefillin, keine jüdische Küche, keine jüdische Familie. Und gerade dieser von allen jüdischen Bindungen freigewordene Jude ist der Stein des Anstoßes unter, den Völkern geworden. Ein Jude, frei '׳ aller Bande der Tradition und der überlieferten Sitte, irrte herrschaftslos von Gelegenheit zu Gelegenheit, versuchte sich auf allen Gebieten des Völkerlehens, mischte sich in jeden Streit der anderen ein. Er ward ein verachtetets, manchmal gefürchtetes, aber immer als Fremdkörper empfundenes Subjekt unter den Völkern. Nun kam die große Reaktion gegen dieses Abirren vom ewigen jüdischen Weg. Das Gesetz der Golusgeschichte setzte ein und^ wir haben uns wieder unter d(en Peitschenhieben des Feindes unseres Judeseins, unseres jüdischen Schicksals erinnert. G-tt ist unser König! ״Wenn ihr sprechen werdet, wir wollen werden wie die Völker, so wahr jeh lebe“, spricht der Ewige, ״mit starker Hand werde ich über euch regieren.“ (Ezechiel, Kap. 20.) Mit starker Hand, mit rauher Faust werden wir erinnert, daß G-tt unser König ist. Möchten doch die S c h o f a 1• t ö n e uns zu einer freudigen Huldigung^ unseres Königs erheben, wenn auch wir durch unsere Handlungsweise ihn vielfach gezwungen haben, sich nicht nur in seiner könig- Eilt Tag-.i des Gedenkens ist tmsefh Roschi HasöhöiiO-Fcst* •G-tt; gedöhkt ttil seiner tiftllchöpfc. Und wi r denken der vielen Geschehnissei, dfeftöir selbst erlebt haben find die uns in der Geschichte erzählt werden. Und wenn Wir so in der Geschichte unseres Volkes blättern und vergangener Jahrhunderte gedenken, so finden wir, daß die Thora, diese ewige jüdische Lehre; stets mit dem jüdischen Volke die Wanderschaft antritt. Durch eine solche zufällig erzwungene Wanderschaft verpflanzte sich das Thorawissen von Babylon nach Spanien. Auf solcher unnatürlichen Wanderschaft kam die Lehre nach Deutschland. Die Judenverfolgungen in der Rheingegend an der Wende des 13. Jahrhunderts veranlaßten die großen Leuchten der Thorawissenschaft in Deutschland, nach Spanien und nach ■Erez Jisroel auszuwandern, um da auf Jahrhunderte das jüdische Studium zu befruchten. Die Vertriebenen aus Spanien an der Wende des 16. Jahrhunderts haben sowohl nach West wie nach Südeuropa Strahlen ewiger jüdischer Geistestaten gebracht. Die wilden jüdischen Verfolgungen in Polen in der Mitte des 17. Jahrhunderts haben wiederum die Thoragelehrsamkeit in Oesterreich gefördert, indem gewaltige Thorafürsten hier eine freundliche Zufluchtsstätte fanden. Der tiefe Zusammenhang zwischen dem Schicksal des jüdischen Volkes und der jüdischen Lehre offenbart sich in der gemeinsamen Golusgeschichte dieser beiden Komponenten ewigen jüdischen Seins. Zuweilen schritt das Volk voran und bereitete der Thora eine Heimstätte. Ein andermal wanderte die Thora zuvorderst, um ׳ jüdischen Menschen eine Daseinsmöglichkeit zu bereiten. Und wenn wir so unserer Vergangenheit gedenken, so werden wir der Pflichten unserer Gegenwart bewußt. Dann dienen wir unserem Volke am besten, wenn wir den jüdischen Menschen zu dem Näihrboden der jüdischen Ewigkeit führen. Thorawissen, Thoraleb e n zu v e rbreiten, das ist die jüdische Aufgabe, die uns in der Gegenwart am meisten nottut. Noch immer, trotz harter Schicksalsschläge, ist dieses Bewußtsein nicht in alle jüdischen Lager gedrungen. In all e jüdischen Lager?! Und was ist mit der Orthodoxie selbst? Ist in unserem Lager der große Aufbruch der Geister bemerkbar? Versteht man in unserem Lager die bewegte Sprache des Augenblicks? Fühlen wir es, daß wir berufen waren, jetzt als Träger der ewigen jüdischen Tradition all unseren Brüdern und Schwestern Wege zu weisen zum Zurückfinden auf den richtigen jüdischen Pfad, sich G-tt zuzuwenden, dem König, dem Meister unseres Alltags, dem Lenker unserer Geschicke? Ein Fest des Gedenkens ist unser Rosch-Haschono-Fest. Man wird unser zum Guten gedenken, wenn w? r unserer jüdischen Pflicht, unserer jüdischen Aufgabe gedenken. Unter Schofartönen huldigen wir unserem G-tt und König an diesem Tage. Diese Schofartöne können aber nur dann eine Huldigung G-ttes beinhalten, wenn sie vorher sich als Weckruf bei dem jüdisehen Volke bewährt haben. Viele Schreckensrufc tönen durch die Welt von einem Ende bis zum anderen. Das jüdische Herz ist aufgeschreckt, das jüdische Gemüt auf gelockert von all dem Furchtbaren, das unsere Ohren vernehmen und unsere Augen sehen müssen. Möge doch auf diesem Wege, wie einst bei den Schofartönen am Sinai, nicht nur bewirkt haben, daß das Volk erhebt, sondern daß die ewige Wahrheit und daß der ewige Glaube G-ttes in unserem Herzen Wurzel schlägt und unsere Seele reine Früchte trägt, daß wir unserem G-tte und unserem König in Jubel huldigen können. TISCHLEREI FÜR MOSEL UND SITZMOBEL BESTE ARBEIT , _ _ __ Skizzen und Kostenvoranschläge ADLER, VII,APOLLOG. 18 unveibindlich (Unter Aufsicht des: ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel-Schiffschul) wünscht כוח״ט zum lahreswechsel S. & G. PISK Wien XX, Nordwestbahnstraße 71 Gegründet 1885 Telephon A-42-0-58 Lebensvers1chenjn|s- ״P HO NIX'* §35“״** Aus dem Jahresberichte 1932; Versicherungsbestand . ... . . . . . . , . . V. 2728 Millionen Schilling Prämien-und Zinseneinnahmen .. 179 Millionen .Schilling Garantiemittel ........... 527 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten .......... 60 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet; Oesterreich, Deutsches Reich, eechosiovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslawen, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten*

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