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Jüdische Presse · 1933-09-20 · 38 (20.9.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
38 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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; ־_ ״ ־'V• 71-Klf <*<Ai• Iföviaöyd ftlteM n&dit post a tefcgMfb« DIE |NTERESSEN Stigmas ._J Redaktion und Administration: Wien, H.f Makgasse 12 a. Tel. A-48-4-15. — Tscheche- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Bracheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpretee: Ganzjährig: für Oesterreich $ 16, Tschechoslowakei tschech• R. 80, das Übrige Ausländ 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. : ■־ Zahlungen auf Konto ,Jfldiaehe Preise*, Wien, für Oester« feichiP08f8pafka88enkontoNr.D-93614: Deutschland (Postitiieckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien » P08t8pk.-Amt Äigieb Nr.402t7;/ ölen: P08t8park.‘Amt Warschau Nr.1904091 Ungern: Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweix »Postscheckk. Zürich V1II, 4117: für die Tschechosfowekei: jüdl8chePfe88e*,BraH81ava,P08t8pk.-AmtPragK0ntQNr.53386 Nr. 38 Wien-Bratislava, 20. September 1933 ♦כ״ה ווינא־פרעסבורג כ״ט אלול תי־צ־ג 19. Jahrg. Rabbi Israel Meier Hakohen זצוקיל — der ״Chofez Chaim 6« רבינו הגאון המחש ר׳ ישראל מאיר הכהן בעל חפץ חיים זצרק״ל איננו ביום ־ערב שבח קודש בשעה 7 בבוקר יצאה נשמתו בקדושה וטהרה .. Gesenkten Hauptes, ״dem Armen und Bettler gleich“ כדלים וברשים דפקנו דלחיך tritt das jüdische Volk vor den Allmächtigen hin, um von ihm ein günstiges Los zu erflehen. Aermer als in allen vorangegangenen Jahren müssen wir diesmal von seinem Richterstuhl erscheinen. Denn er, der große-״heilige Greis“ — wie wir ihn gekannt und genannt haben —, e r, den das ganze gläubige Judentum in allen Enden und Weiten des Exils sieben Jahrzehnte hindurch als den מ ג י ן הדור, den ״Beschützer seines Zeitalters“, anzusehen gewohnt war, ist gerade in dem Augenblick, da wir seiner so ungemein dringend bedürften, ein gezoge n in d äs Ge fildedesewigen L e b e n s“. R a b ,bi Israel M e i r Hak o h e n זצוק*ל wie er hieß, der ״Chofez Cha jim“, wie ihn der Volksmund nach seinem berühmten ersten Werk bezeichnete, ist Freitag, den 24'. Elui, nach achttägiger Krankheit im Alter von etwa 95 Jahren verschieden. Dieser jugendliche Greis, dieser Ragende, Große, Wissensreiche, Heilige, dieser Lehrer, Führer, Volksmann, Gelehrte, Prediger, dieser Bildner, Tröster, Wecker und Rufer, dieser Seher und Verwirkliche!•, mit einem Worte: dieses lebendige Vorbild für alles, was lebendig ist und lebendig sein will im Judentum, ist nicht mehr auf Erden, zählt nicht mehr zu dem lebendigen Goldschatz des Judentums, der ihm Schutz und Schirm sein sollte in den Zeiten moralischer und geistiger Not. In seiner grezenlosen, wahren Bescheidenheit wies er jedes Lobeswort, jede Ehrenbezeichnung sein Lebenlarig weit von sich. Aber er wuchs dennoch 'immer höher und größer. Und jetzt, da er die ehrerbietigen Bezeichnungen — er nannte sie תוארים נוראים ״furchtbare Titulaturen“ —- nicht mehr abzuwehren vermag, nehmen wir vvahr, daß er über alle ״Würdigungen“ hinausragte und keine Bezeichnung an das, was er dem thoratreuen jüdischen Volke der letzten Jahrzehnte war und durch sein Wirken noch lange sein wird, auch nur annähernd heranreichen kann. Seit mehr als tausend Jahren entbehrt das jüdische Volk auf das schmerzlichste eine nach innen ünd außen offiziell anerkannte einheitliche geistige Führung. Während des Bestandes des jüdischen Staatswesens war der Vorsitzende des hohen Synedrions (Richter, Propheten, Hohepriester üsw.) die höchste geistliche Instanz. Nach der Zerstörung des Heiligtums bestand noch jahrhundertelang־ in Erez Jisroel die Institution des Bes- Din-Hagodoi tusw. .יבנה, אושר) deren Vorsitzender die Gesamtführung des jüdischen Volkes innehatte. Später wurde sie auf die jeweiligen R6sch6 Mesiwrto in Babylonien übertragen (ר י ש ג ל ו ת א und ג א ו ן). Seit dem Tode des Raw-Hai-Gaon ist uns auch diese segensreiche Institution verlorengegangen . . . Seither ist es nie wieder gelungen, einen Ersatz zu schaffen. Und man sieht darin eine entsetzliche Verschärfung, der Goluszerrissenheit, welche durch g-ttliche Vorsehung בערה über das jüdische Volk verhängt wurde . . . Wir können jedoch beobachten, daß nahezu in jedem Zeitalter — und immer, Das schönste Geschenk sind REDLER-HOBEL in Preis unllÖwaHtätllGrätisbSratüng durch erst- Massige Architekten 7 ■Beachten Sie die Adresse. Wien I. Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra‘-Mitgiied) ««K ״GUHPENDORI“ Personen-, Lastkraftwagen und Motorra4'׳/fittyt׳ .. über 3*׳» Tonnen / Etstklasslge Lehrkrü -te /^Zeitgemäße Preise■ Nflgn VI. Ownipendorfeivitreile Nr. 88 wenn es dringend nottüt — der . Hüter Israels einen Mann entstehen läßt, der, ohne offiziell gewählt oder ernanut worden zu sein, das Vertrauen des gesamten thoratreuen Judentums genießt. Ei* wird der stillschweigend anerkannte Führer — gegen seinen Willen und gegen seine Absicht. Es ist dies 'eines der unerklärlichsten Phänomene in der Geschichte des jüdischen Volkes . . . Eine solche Erscheinung war der Ohofez Ghajim in unserem schwergeprüft ten Zeitalter! Und nun haben wir am letzten עשיק auch ihn verloren. . . ' Keiner hat wie er so konsequent Ehrenstellen und Führertum abgelehnt. Selten ist;der Satz unserer Weisen: ״Wer die Ehrung flieht, den verfolgt sie“, so in seiner Totalität in Erfüllung gegangen wie bei ihm. . . Gerade sein erstes Werk, das er vor 62 Jahren aus purer Bescheidenheit anonym herausgegeben hat, hat ihm Weltruf verschafft! Es behandelt das Thema der ״reinen Zunge“ ünd" geißelt ״üble Nachrede“. Dieses auf halachischer «Basis‘‘ auf gebaute, rein ethische Werk hatreine unglaubliche. Verbreitung genommen. Eine Tatsache, die nicht nur Von de»״ beiden Juden G. s. D. noch immer vorhandenen Aufnahmefähigkeit für ethische Probleme zeugt, sondern in erster Reihe von der g-ttbegnadeten Fähigkeit des unvergleichlichen Autors, den Weg zum jüdischen Herzen zu finden. Nie hat er eine ״Rabbinerstelle“ angenommen. Seine Gattin führte einen Krämerladen, um das Allernötigste zum־ Leben aufzubringen, und er wollte nichts anderes als Lehrer seiner Jeschiwoh im kleinen litauischen Städtchen Radin sein. : Hunderte. Jünger saßen ihm dort zu Füßen und trugen den Geist seiner Lehre in die jüdische Welt. Es wird kaum einen jüdischen Menschen geben, der nicht wissen würde, wer der ״Ohofez Chajim“ war. Jeder wird eine erhebende Episode aus seinem Leben, ein tiefes Wort aus seinen Schriften, eine befreiende Tat aus seinem Wirken erzählen können . . . Und wenn sie alle, groß und klein, alles, was sie von ihm wissen, erzählen würden, sie könnten kaum ein halbwegs treues Bild von diesem großen Führer des jüdischen Volkes gehen. Es wäre kaum ein. Tropfen aus dem Meere. Was wir hier schreiben, es soll auch nicht anders als das Stammeln eines einzelnen von den vielen Hunderttausenden gewertet werden, der seinen Schmerz über den Hingang des Zadik in die Welt hinausrufen möchte. Er hat seinen dauernden Ehrenplatz in den jüdisehen Herzen ebenso eingenommen wie seine Werke in den Bücherregalen der Gelehrten und des thoraliebenden Mannes aus dem Volke. Es hat im letzten Jahrhundert kaum einen Thoragelehrten gegeben, dessen Werke bei L ebz eiten eine solche Verbreitung gefunden haben wie z. B. der ״חפץ חיים״ und die משנה ברורה״,, Sie sprechen den gediegenen Kenner ebenso an wie den einfachen Mann aus dem Volke. Vermöge seines ungeheuren Wissens hätte er unter den Größten auch in Amt und Würden glänzen können; er verzichtete darauf und sah seine vornehmste Aufgabe darin, die.Thora in die breitesten Schi0hten fles Volkes hinauszutragen und in ihnen jüdisches Denken und jüdisches Fühlen zu pflanzen. Er lebte in dem Volke und mit dem Volke. Auch seine Werke waren mit dem Volksleben verknüpft. Auf das Drängen der Juden von Radin, die darauf bestanden, daß er, wenn er unter ihnen lebe, auch ihr Rabbi sein müsse, nahm er diese Stellung unter zwei Bedingungen an: erstens, daß er keinerlei Gehalt von der ■Gemeinde beziehe, und zweitens, daß seine Spteziälvefkehr nadi Palästina ■ ־auch'über Bratislava via Donau.'Sämtlich» GfHttrtranspartt md Uberaitdlmgen ULLMANN, RINK & Co., Witn 17, Floragaise 7 / Ttleph-n U-440-78 religiösen Entscheidungen für alle bindend sein müßten. Als sich einmal ein Radiner Jude weigerte, das Urteil des , Ohofez Chajim anzuerkennen, sandte dieser seinen Rahbinerkontrakt der Gemeinde sofort zurück und Übernahm . seitdem das Amt nicht mehr. Als die große Auswanderungswelle nach Amerika einsetzte, schrieb er ein ״einfaches“ Sefer für das Volk, sein ״נ ד חי ישראל״ welches dem jüdischen Emigranten in seinem neuen Golusland Wegweiser und Führer wurde. Schon vorher, als Tausende russischer Juden in den russisch-japanischen Krieg ziehen mußten, schrieb er sein ״מחנה יש רא ל״ in dem er das riehtige Verhalten des jüdischen Soldaten in der Garnison und im Felde laut Gesetz und Moral der Thora in Regeln züsammenfaßte ... Es ist derselbe Verfasser, der die umfassenden Halacha-Werke zum א ו ח und den!מצות ה נ הו גוה בז מן הבית herausgab. K ein Gebiet des wahren jüdischen Volkslebens, wo er nicht im Sinne der Thora, helfend, ־ beratend und aktiv mitwirkend, seinen Anteil genommen hätte. Vor einigen Jahren sehen wir ihn in Wilna eine große Frauenversammlung einberufen. Schauplatz: die ״Große Schul“, Thema: ״Die Reinheit der jüdischen Ehe.“ Wobei er die althergebrachte Sitz- Ordnung auf den Kopf stellen läßt: die Frauen füllen die Bänke des Parterres bis auf die letzten Plätze, die Männer sind auf der Galerie. Man kann sich die ungeheure Wirkung kaum vorstellen, den greisen,, verehrten Rabbi za. tausenden Frauen sprechen zu hören ־ ' Schön als gebrechlichen Greis erreicht ihn die Kunde, daß unsere traditionsvergessenen Brüder der ' nationalen Richtung in jahrelanger Wühlarbeit bei der Pilsudski-RCgierung einen Gesetzentwurf ‘durchgesetzt haben, der die Reform der Kchillaverfassung und des Rabbinatswcsens in Polen erstrebt und an den Lebensnerv des gesetzestreuen Judentums rührt. In einer Besprechung mit den führenden Thoragrößen entwickelt der' Ohofez Chajim seihen Plan, daß er im Ministerium persönlich Protest erheben una das Vorgehen der Regie- ' rung mit scharfen Worten geißeln wolle. Besorgt machen ihn seine Freunde darauf aufmerksam, daß er mit dieser Redeweise ins Gefängnis kommen könnte. Doch er erwidert: ״Ich vverde die Mauern des Gefängnisses küssen, die es mir ermöglichen, für mein Volk zu leiden.“ Er wird zur Ministeraudienz getragen, da der gebrechliche Greis nicht mehr gehen kann.; Tatsächlich führt er dort eine an die alten Propheten gemahnende scharfe und unerschrockene Sprache, und der Minister — er zürnt nicht. Die Intervention ist •von vollem Erfolg begleitet: in einer halben Stunde hat er das Zerstörung sw erk von J a hr e n zu n ichte g e- . macht . . . . .... Ein eigenes, vielleicht das glänzendste Kapitel seines Lebens und Wirkens bildet seine Anteilnahme an der Agud ab ew e gun g. Schon vor dem Kriege, -vom.erstem Augenblick der Gründung angefangen, war er in der ■; vordersten Reihe derjenigen rabbinischen Autoritäten, die mit dem ganzen Einsatz ihres Könnens, zur Agudas Jisroel gehörten und mit allen Details ihrer Aktionen vertraut waren. Zahlreiche begeisterte und begeisternde Kundgebungen hat er im Laufe der Jahre für die Aguda - und die agudistischen Bestrebungen erlassen, die die Besten des jüdischen Volkes in der Agudas Jisroel das zukünftige Kraftzentrum für alles wahrhaft jüdische Wollen erblicken ließen. Der Welt wurde diese Beziehung des ״Ohofez Chajim“ zur Agudas Jisroel offenbar, als er vor zehn Jahren, ein Greis von über achtzig Jahren, in mühseliger Reise zur Kenessich Gedauloh nach I N S EID E S A M T E S PI TZ EN ־ WOLLSTOFFEN HU IHN ER & DEUTSCH W I E N V I I,׳ N :E U B A'U-G ■AVS 6^10 ׳ mir ו6ס rflait« וו © qi* halb 3 : s t uw d וווו! eine: mdiyMiiell ihrem Qesichte entsprechend, modellierte Besltjei der weltbewunten PerUcKBn^KUIIltWerkltätte Wien I, Kärntnerring ö NP TdlcpÜoii Nr» IM7-J 16י

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