Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 37 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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׳ 4: Hftdort tmsf a V ßfftöÄkte m ORGAN DIE INTERESSEN D JUDENTUMS. "awar!*- Terwmie• Redaktion und Administration: Wien, IL, litalzgassö 12 a. Tel. A-48-4-16. — TscheCho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. ■nohelnt jeden Freitag. — Redaktiönsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: OitezjfiHrigsftlr Oesterreich S 16, Täcbecböslowakei tschech. K. 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer Ost. Gr. 40. ■׳....ץ;;■/ : .״ Zahluogen ftuf Konto .jüdische Pf«*ae‘״ Wian, für Oesfefr elehrPoatspafkaasenfepru^Nf. ü-936U; Deutschland!Post* scheckkonto Berlin Nr. I2i6l9; Jugoslawien 1 Poatsnk.-Amt ZagtebNf.40217;polertjP08t8park.-AmtWarschauNr.l9040Q; Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr.!50170 ן Schweiz»Postscheckk. Zürich Viti, 4117! für die Tschechoslowakei: ja. dische Presse*,Bratislava,Postspk.-Amt Prag Koatö Nr.K388 ■ י-־ ־..י■ ■ •י .-־׳־ ■*־■■ ■״ ■יי י•׳■ ־ ■׳ .'-.■י.׳ - . ׳■■ . ־ '׳' .*, . ä־. •'־.'״ '׳ '■ ־ ״ -י' •־■־־ - ־ - יי'- Nr. 37 Wien-Bratislava. 15. September 1933 .ב״ה ווינא־פרעסכותיכ״ד אלור תיציג /'v׳ ■ ־ . . ..—־־. ■■ י. ■; : . , ■ ... '■״ :/ / '׳ , 19. Jahrg. Oesterreich hat in den letzten Tagen Höhepunkte österreichischen Staats- und Volksgefühls durchlebt. Und auch die Ju den in Oesterreich! Wenn auch die äußeren Anlässe: Katholikentag, Vierteljahrtausendfeier der Befreiung von den Türken, programmatische Kundgebungen des österreichischen Bundeskanzlers, mit Juden und Judentum nicht zu tun haben, so kann man doch behaupten, daß auch die österreichische Judenschaft von dem Hochgefühl ergriffen wurde, das a 11 e Oesterreicher iri diesen Tagen beseelt hat. Selbstverständlich denken wir hier zunächst an den religiösen Teil der österreichischen Juden- Schaft. Nach den Verheerungen des Materialismus, nach dem Ausrottungskampf, welchen auf diesen Materialismus basierte Organisationen auch in Oesterreich gegen die jüdisehe Religion führten, wurde durch die mächtige Kundgebung des Katholikentages dieser Materialismus zumindest zum Stillstand gebracht, wenn nicht gar für lange Zeit zürückgedrängt oder vernichtet. Nicht nur die Massenkundgebungen haben bei: dem religiös fühlenden Menschen diese Genugtuung und Befriedigung hervorgerufen, sondern auch die Reden, welche die verschiedenen hohen kirchlichen Würdenträger, besonders der Erzbischof Kardinal Innitzer, gehalten haben, welche von edelster Religiosität und voller Duldsamkeit getragen waren. Wie es christelt, so jüdelt es sich. Wenn es den Katholiken gelingt — und wir wünschen es ihnen aus vollem Herzen — die religiösen Grundsätze des Katholizismus im Staate durchzusetzen, so hoffen wir, ׳:׳;־ daß es auch u n s gelingen wird, die jüdischen Grund- Sätze, ״die; ewigen Postulate unserer heiligen :Religion;, bei den jüdischen Menschen zur Geltung zu bringen. Es blutet unser Herz, wenn wir. in Tausenden und aber Tausenden Kundgebungen von dem jüdischen Marxis-: mus sprechen und schreiben hören, als ob der Marxismus als Lehre und als Weltanschauung nicht Hetakomben von uns gläubigen Juden selbst gefördert hätte, und als ob in, dem Land, in welchem dieser Marxismus zur vollendeten Herrschaft gelangt ist, in Sowjetrußland, die jüdische Religion und die jüdischen religiösen Massen nicht die schreck 1 ichsten Opfer dieser areligiösen und antireligiösen Lehre geworden wären. Ein frommer Katholik kann unmöglich dem Hitlerschen Rassenwahn verfallen, daß er die Rasse, der sein Religionsstifter selbst ängehörte, als minderwertig und als verwerflich bezeichnet. Aus dieser Erwägung heraus haben wir verständnisvoll und mit großer Beruhigung die programmatische Erklärung unseres Bundeskanzlers gehört; er sprach anläßlich der großen vaterländischen Kundgebung betont und vielfach unterstrichen von den Christi i ch - d eutsche n Grundlagen des künftigen österreichischen Staates. Es war nie das Bestreben von selbstbewußten Juden gewesen, die Entwicklung der anderen Völker durch Einmengung in ihr Staatswesen zu beeinflussen. Es war zu jeder Zeit; auch im Mittelalter, vielfach der Fall, , daß Kirchenfürsten und weltliche Staatslenker den Rat von Juden erbeten Und befolgt haben. Nie aber war es der Ehrgeiz dieser Juden, irgendwie durch Bekleidung von Staatsstellen öder durch Öffentliches Zurschautragen ihrer Würde, durch Betonung ihres Einflusses, den nationalen öder. den religiösen Charakter irgend eines Staates zu beeinträchtigen. Unerschütterlich hoffen wir, daß das zu neuem, pulsierendem Leben erwachte Oesterreich unter der Führung von Bundeskanzler Dr. Dollfuß das neue Staatswesen so einrichten wird, daß den Juden ein Lebensrecht und die Möglichkeit der religiösen Entfaltung geboten wird. י Die prunkvolle Feier der Befreiung der Stadt Wien von der Türkengefahr vor 250 Jahren hat auch bei uns Juden einen mächtigen Widerhall geweckt. Wenn man in FÜR MÖBEL UND SITZMOBEL BE S T E ARBEIT ADLER, VII,APOUOG. 18 Skizzen und Kostenvoranschläge unverbindlich ־ sraü ״GUMPINDORf “ Personen-. Lastkraftwagen und Motorrad /’ Steyr XU, XXX und Praga über 3‘l, Tonnen / ״Er stk lässige L ehfkrl te / r gejtaeroäiJe Preise Wien VI GumpendorferstraBo Nr. 8B *a :?־.׳■ . : ■■ ■, - den Annalen der jüdischen GEeschichte nachblättert, so findet man, daß während der Türkenbelagerung im Jahre 1683 kein Jude in Wien weilte. Im Jahre 1670, wurden die Juden aus Wien vertrieben. Nur der jüdische Friedhof blieb als einziges Denkmal eines einst pulsierenden jüdisehen Lebens in Wien übrig. Doch kaum ein Jahr später finden wir schon den berühmten S a m u e 1 O p p e nheim in Wien. Ohne jüdische;Mithilfe war es eben nicht möglich, die Türkenkriege wirksam zu führen. Kein Geringerer als Prinz Eugen, der edle Ritter, hat dies behauptet. Seit 1684 waren wieder Juden in Wien, welche durch die Begründung des Großhandels und von Fabriken wesentlich zum wirtschaftlichen Aufstieg der Monarchie beigetragen haben. : . Das erwachte Oesterreich schafft se^ne neue politisehe Grundlage im Schatten' ׳. des Katholikentages, im Schatten der Befreiungsfeier von türkischer Belagerung. Wir Juden freuen uns über das zu neuem, stark'pulsierenden Leben erwachte religiöse ־ Gefühl des neuen österreichischen Menschen. Wir hoffen, daß es auch uns Juden gelingen wird, neues, pulsierendes, religiöses, frommes Das schönste Geschenk sind REDLER-MÖBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst■• klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schömra'-Mitglied) Leben in unseren Reihen zur Entfaltung zu bringen. Die feierlichen Reden der bedeutenden Kirchenfürsten, die vielfachen Kundgebungen unseres Bundeskanzlers geben uns Gewähr, daß dieses neue, auf religiösen Grundlagen aufgerichtete und gefestigte Staatswesen, inf edler Duldsamkeit und aus wohlerwogenen eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen, uns Juden einen menschenwürdigen, rechtlich gesicherten und wirtschaftlich ertragbaren Lebensraum gewähren wird.. Damit wir unseren eigenen jüdischen Aufgaben und unseren Pflichten dem Staat gegenüber als auf rechte, i religiöse, von den ewigen Wahrheiten unserer heiligen; Thora durchdrungene Menschen nachkommen können. w 7 Die Genfer ״Weltkonferenz“. נ * : Von unserem Sonderkorrespondenten. In Genf fand vom 5. bis 8. September eine; ״jüdische Weltkonferenz“ j statt; die von den Initia- ..; ׳ - toren des ״Jüdischen *wMtkÖngresses“; Dr., Stephen : Wise und Nahum Goldmänn, einberufen wurde. Geladen waren diesmal die :einzelnen Landeskomitees für Hilfe für die deutschen Juden, weil die Veranstalter auf diese Weise ein stärkeres Interesse und eine stärkere Teilnahme an ihrer ״Weltkonferenz“ hervorrufen wollten. Allerdings hat auch dieses Manöver fehlgeschlagen. Die nachfolgende Schilderung unseres Korrespondenten, die während der Konferenz niedergeschrieben würde, zeigt das ganze Fiasko der Machenschaften dieser zionistischen Herren. ■ Genf, 7. September 1933. ״Noch f ehl en im Gremium dieser Konferenz die Vertreter der großen jüdischen Organisationen, wie Board of Deputies, Consistoire, Agudas Jisroel und andere.“ Mit diesen Worten hat Dr. Nahum Goldmann in seinem Referat über den ״Jüdischen Weltkongreß“ diese Weltkonferenz“ trefflich charakterisiert. Sie ist und bleibt das Privatunternehmen einiger mehr oder weniger bekannter jüdischer Männer. Das offizie 11 e, repräsentative ,Welt judentum steht der ganzen Angelegenheit vollständig f ern. Seit mehr als einem Jahre hat die Exekutive zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses eine enorme Propaganda für ihre Idee entfaltet. Die erste der Presse übergebene Mitteilung sprach von rund 100 Delegierten aus allen Ländern der Welt. Die offizielle Präsenzliste nennt aber nur die Namen von 54 Personen, Unter Berücksichtigung der Exekutive und der unter Vorbehalt Teilriöhmenden bleiben rund 40 Personen, die mit Mandaten der Konferenz beiwohnen. Beachtet man ferner, daß das ״Vereinigte polnische Komitee zur Abwehr der deutschen Verfolgungen“ 10 und: das ״Französische Komitee für den Weltkongreß“ 12 Herren und Damen entsandte, dann kommt man auf rund 18 Delegierte für die geskmte übrige jüdische Welt: Amerika ist nur durch * Dr, S. Wise, den Initiator dieser ״Weitkonferenz“, ver-, treten. Präsident M. Davis und N. Fischer vertreten die; Federation of Synagogues׳ in London. Mit Ausnahme der. kann, auch■: nichts ein , einziger ׳ der) Delegierten das ׳^e^b.:fÜr^^;yinnJ^^ra^^’vneluneni:■: im* Namen der jüdischen Bevölkerung seines Heimatlandes zu sprechen.-Ueberhaupt nicht vertreten sind die folgen-, den Länder: Holland,. Schweden, Norwegen, Finnland;; Litauen, Estland, Oesterreich, Ungarn, die ^Türkei. Erez: Jisroel ist durch einen Abgesandten, des Waad Eeumi;; Amerika, wie schon gesagt, nur durch Dr. s; Wise yer-:> treten, Südafrika durch einen privaten Beobachter. DäS ist die Repräsentanz des überseeischen Judentums! Weltkonferenz!! Die Konferenz wird morgen geschlossen werden; und zweifellos wird die Einberufung des ״Jüdischen Weltkongresses“ für das Frühjahr 1934 und die Proklamation des ״Jüdischen Weltboykotts“ gegenüber Deutschland' beschlossen werden. Eine Diskussion über die Zweck-, mäßigkeit der Einberufung des ״Jüdischen, Welt-' kongresses“ wurde seitens. Dr. Goldmanns auf .Grund des. letztjährigen Genfer Beschlusses nicht zugelassen. Als ob nicht neue Momente hinzugekommen wären, die eine abermalige Erwägung berechtigt hätten! ״Ist der Weltkongreß einmal beschlossen, so hoffe ich: und bin überzeugt, daß die meisten jetzt noch abseits; stehenden Organisationen sich uns änschließen.“ Dies ist die Meinung Dr. Goldmärins. Großartige rhetorische Leistungen vollbrachte Dr. S. Wise. Sieht man seine Gesten und hört maq|seine Worte, drängt sich der Vergleich mit anderen, heute? sehr bekannten demagogischen Volksrednern auf. Sein Ruf nach dem offiziellen jüdischen Weltboykott gegenüber Deutschland beruht mehr auf Gefühlsmomenten denn auf: politischer Ueberlegung. Seine religiöse Pietät veranlaßte ihn immerhin^ in seinem gestern abends gehaltenen Referat■ sich bei der' Agudas Jisroel zu entschuldigen, daß er in über 100 Kirchen in Amerika gepredigt hat! Als Delegierte des Vereinigten polnischen Komitees nehmen an der Konferenz auch die Herren Gemeindepräsident Mazur und Stadtrat Eckermann aus Warschau Lebensverslcherungs• Gesellschaft Aus derp Jahresberichte 1932: Versicherungsbestand .' . . . . . . Prämien- und Zinäeneinnahmen . . , Garantiemittel ... . . . . . . Auszahlungen an die Versicherten , . W Gegründet , ., . . , . , 7 :. . . . . , . . 2728 Millionen Schilling . . ...... . . . . , . . . . . 179 Millionen Schilling . . . , , , , , ... , ,527 . . . . . . , ׳ Millionen Schilling . , . -. 60 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Cechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein,־ Ungarn, Polen, Jügoslavien, Bulgarien; Griechenland, 'Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. ז , mir ' * $c׳n9i1 Innerhalb 6 Stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten I, KärntnerrJng 6׳!ff*’ T