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Jüdische Presse · 1933-09-08 · 36 (8.9.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
36 (8.9.1933)
Date
1933-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Zürich VIII, 4117; für die Tschechoslowakei! ,lüdlsche Presse*,Bratislava, Postspk.- Amt Prag Konto Nr. 53386 * 1 Nr. 36 Wien-Bratisldva, 8. September 1933 . ' ...... . t ביה ווינא־פרעסבורג י״ז אלול ת!־צ־ג. 19. Jahrg. ■. י : ' ־'׳• ־... / Das neue Schuljahr. Donnerstag, den 14. September, öffnen die Wiener Schulen ihre Pforten. Auch die jüdische Schule, die Talmud-Thora-Schule, die mit dem heranbrechenden Schuljahre ihre Vollendung erreicht. Für die gesetzliche Schulpflicht bis zum 14. Lebensjahr steht nun sowohl für Knaben wie für Mädchen eine jüdische Volks- und Haupt- ,schule zur Verfügung. Es war ein ganz außerordentlich opfervoller Kampf, den man für die Aufrechterhaltung und den Aufbau der Schule führen mußte. Ein Kampf nach verschiedenen Richtungen. Ein Kampf um das Wohlwollen und Verständnis der Behörden und ein Kampf um Geld. Mehr als 100.000 Schilling sind jährlich aufzubringen, um diese einzige jüdische Schule in Wien zu erhalten. Der allerschwerste Kampf mußte und muß aber noch zuweilen geführt werden gegen dem Unverstand, den man erschreckenderweise in weiten jüdischen Schichten findet. Ein tiefwurzelndes Vorurteil gegen die jüdisehe Schule, das man nur sehr schwer bannen kann. Selbst die erschütternden Erfahrungen in Deutschland haben es nicht zuwege gebracht, daß jüdische Eltern freudig ihr Kind in die jüdische *Schule bringen. Nur wenn man die widerlichsten Auswüchse der verflossenen Assimilations- Periode sich vor Augen hält, kann man die, psychische Verfassung jener jüdischen Mütter verstehen, die ihre Söhne und Töchter so ganz unbekümmert der Öffentlichen Schule anvertrauen. Vielfach findet man auch sabbathaltende Juden, die Woche für Woche mitansehen, wie ihre Kinder am Sabbat von der Wohnung wegschleichen, ohne Kiddusch, ohne Sabbatweihe, um dann auf der; Schulbank, als Gespött für Kameraden, mitunter aber auch für die Lehrer,'ohne Mitarbeit — die Sabbatweihe soll durch keine Werktagsarbeit entweiht werden -r״ dazu- ““Tsitzen.—Solange*:keine ״'jüdische Schule-da warv^wußte -mandie behördliche Verfügung,, daß kein jüdisches Kind gezwungen werden darf, Schreib-, Zeichen-• und Handarbeiten Samstag in der Schule zu verrichten, außerordentlich hoch einzuschätzen. Unverständlich ist es aber, daß; es n o c h heute religiöse Autoritäten gibt, die es dulden, daß sabbathaltende Kinder, denen eine jüdische Schule zur Verfügung steht, durch den Schulbesuch den Sabbat zu einem Wochentag erniedrigen.' Aber nicht nur der Sabbat allein ist von ausschlaggebender Bedeutung im Leben eines Schulkindes. Die junge Kinderseele wird von der Kameradschaft und von der Klassengemeinschaft nur allzu tief beeinflußt. Wir sehen, daß trotz aller behördlichen Maßnahmen und Ver- Warnungen die verschiedenen politischen Parteien und die verschiedenen Kulturrichtupgen in der Schuljugend ihre treuesten Mitläufer finden.' Viele jüdische Eltern haben. schon mit dem kostbarsten Gut, der Seele ihrer Kinder, ihre verwegene Unbekümmertheit in der Auswahl der Schule bezahlen müssen. Macht man jüdische Eltern auf die Wichtigkeit der Schulwahl, auf den überragenden Einfluß der Schulgemeinschaft aufmerksam, so lächeln sie klug-überlegen: ״Mein Kind erliegt nicht solchen Einflüssen." Alle jüdischen Eltern halten ihre Kinder für eine Ausnahme. Das Endresultat ist aber, daß mehr als 95 Prozent der Kinder sabbathaltender Eltern am Ende ihrer Mittelschullaufbahn Sabbat ver ächter sind. \ In Deutschland entstehen trotz würgender Wirtschaftskrise, trotz der furchtbaren politischen Unsicherheit neue jüdische Schulen. Dort bringen jüdische , Eltern es nicht mehr über sich, ihre Kinder der feindlichen Atmosphäre auszusetzen. G-tt sei dank sind in Oesterreich, speziell in Wien, die Verhältnisse nicht so arg. Unsere Kinder fallen aber hier dem unauffälligen, stillen, mitunter liebevollen, aber eben deshalb mit unheimlicher Sicherheit wirkenden Aufsaugungsprozeß zum Opfer. Sie wachsen unwissend, unjüdischrohne schlichtes, demutvolles jüdisches Selbstbewußt sein Wirksamstes Mittel gegen Schweiß und Geruch, kalte Füße, Brennen, Schwielen und Wundlaufen. ,,Genius‘‘, Wien, X,, Trost- Straße 73/75. Vertretungen zu vergeben. AUTOFAHRSCHULE TELEPHON A-36-Q-85 1 f Personen-. Lastkraftwagen und Motorrad / Steyr XU, XXX und Praga über 3‘/* Tonnen / Erstklassige Lehrkräfte / Zeitgemäße Preise Wien VI. Gtimpendorferstraße Nr, 88 Gegen den jüdischen ״Weltkongreß11 Auf der Fahrt nach Genf zu einer Konferenz, die das Komitee zur yorbereitung des jüdischen , Weltkongresses einberufen hat, hielten sich die Delegierten EliaS M a z u r, Präsident der Warschauer Kultusgemeinde, Vorsteher Redakteur E. B. Eckermann, Abgeordneter Wys- 1 i c k i, Präsident des Verbandes der jüdischen Kaufleute, und Chaim Raßner, Präsident des Verbandes der jüdischen Handwerker in Polen* einige Stunden in’Wien auf. Unser Mitarbeiter benützte die Gelegenheit, um sich über die Stellungnahme der polnischen Judenheit zum jüdischen Weltkongreß und zu der Situation der deutschen Juden zu vergewissern. ' Frage: In wessen Auftrag und zu welchem Zw e c k e rf 0.1 g t Lh r e j e t zi g e Reise nach Genf? Unsere Reise nach Genf •Erfolgt in! Auftrag und als Delegierte des V er eini’g^tjen jüdis chen Hilf s- .komitees für die Juden;Uestschlands, und sie hat den ausschließlichen Zweck,י jMitleK und Wege für eine ausgiebige Hilfe für unsere* ^OTückten Glaubensbrüder in Deutschland zu suchen. Wi^M|gen Gewicht auf die Fest- Stellung, daß' wir keinesfa|i|M1ach Genf fahren, um an den gleichzeitig stattfindenaeOT Beratungen über den ein- . zuberufenden jüdischen;1y^^»ngreß teilzunehmen, wenn es auch nicht ausgeschiöl»® ist, daß wir dort unserer entschieden ,ablehnenden? H^^ig gegenüber dem ״Welt- ־ kongreß“ Ausdruck geben r|^^eri. Diese Feststellung ist wichtig, weil, auf der Tagesöffimung der Genfer Konferenz Lals.ersten Punkt! das»Ref^at^1per den Weltkongreß steht und aus unserer Teilnahme an dieser Konferenz falsche Schlüsse gezogen werden könnten. Wir werden sofort nach Eröffnung der Konferenz unser Desinteressement, an den Beratungen• über den ״Weltkongreß ‘ ‘ dadurch öffentlieh bekunden, daß wir einen Antrag auf Aenderung der Tagesordnung stellen werden~in dem Sihne״ daß die Frage einer Hilfe für die deutschen Juden zuerst ,behandelt werde, damit wir gleich nachher Genf verlassen können. Frage: Welches sind die wichtigsten Momente, welche Ihre ablehnende Haitung gegenüber dem ״Weltkongreß“ be7 stimmen? Wir verweisen diesbezüglich vor allem auf den ablehnenden ^Beschluß der Agudas Jisroel und anderer Organisationen. Ein ״Weltkongreß“, dessen Mitglieder aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen sein sollen, wird niemals irgend welche praktische Erfolge erzielen können. Das erkennen wir am besten auch an dem jetzt zu Ende gegangenen Zionistenkongreß. Ein jüdischer ״Weltauf. Jene jüdischen Eltern, denen vor diesem Resultat graut, werden ihre Vorurteile gegen die jüdische Schule aufgehen und ihre Kinder in dieselbe schicken. ' Der allerschwerste innere Kampf gegen Unverstand und Indolenz, gegen Besserwissen jüdischer Eltern, ist auch überwunden, Wenn auch noch viel, sehr viel auf dem Gebiete der Aufklärung und Belehrung jüdischer Eltern zu leisten ist, so ist doch das Schwerste überstanden.. Von% Jahr zu Jahr wächst die Zahl jüdischer Kinder, die in die jüdische Schule, gehen.1 Mit besonderer Genugtuung soll festgestelltWerden, daß das allerschlimmste Vorurteil, nämlich, daß jüdische M ä d c h e n nicht einer ebenso sorgfältigen jüdischen Erziehung bedürfen wie die Knaben, erschüttert werden konnte, Die Mädchenvolks- und -hauptschule der Malzgasse, die mit dem kommenden Schuljahr ihren vollkommenen Ausbau erreicht, ist der schönste Beweis hiefür. In dem Gewühl des Großstadtlebens ist die festeste Stütze der jüdischen Familie die jüdisch-erzogene, religiös-gesinnte, züchtige, jüdische Frau. Hoffentlich wird sich die* nun• vollendete jüdische Mädchenschule als Erziehungsstätte in diesem Sinne bestens bewähren. Tiefschwarze Wolken behängen ringsum den jüdisehen Horizont. Ungewiß und sorgenvoll ist die Zukunft, welcher die österreichische Judenschaft entgegengeht. Ein Trost; und eine Genugtuung sondergleichen ist es, daß in der- Periode des allgemeinen Niederganges mindestens unsere Kinder eine gute jüdische Schule brauchen können. Wenn sie, bzw. ihre Eltern es nur wollen! ' P. kongreß" würde lediglich den leidenschaftlichen Judenhaß steigern, ohne auch nur den geringsten Nutzen zu bringen. Darüber hinaus würden die ״Wahlkämpfe" zwangsläufig zu einer schweren inneren Zerklüftung der Juden in den einzelnen Ländern führen. Wir in Polen, die wir nur mit schwerer Mühe zur Organisierung der Hilfe für die Juden in Deutschland unsere verschiedenen Richtungen an einen Tisch bringen konnten, können uns den Luxus vollkommen Überflüssiger und nur schädlicher ״Wahlkämpfe" nicht leisten;? Wahrscheinlich auch die Juden anderer Länder nicht. '׳־' Frage: Wie stellen Sie sich zu den zwischen der Zionistischen Organisation und der deutschen .Reichsregierung abgeschlossenen Verträgen über die - Transferierung von 3 Millionen Mark jüdischen Vermögens im Wege von Maschinenliefe rung e n n a ch P al ä s t i n a und über die gegenseitige Exportförde- .rung?■׳.׳.׳'.׳ Diese schändlichen Uebereinkommen werden von allen jüdischen Kreisen in Polen 7— auch von den zionistischen — als ein* Verrat an den Gesamtinteressen des jüdischen Volkes betrachtet und auf das entschiedenste bekämpft. Wir werden gegen diese Verträge;auch bei der Genfer Konferenz schärfsten Protest einlegen. Es mag richtig sein, daß mit Hilfe speziell des ersten Vertrages 3 Millionen Mark jüdischen Vermögens aus Deutschland ״gerettet“ werden sollen. Durfte es aber überhaupt möglieh sein, daß jüdische Vertreter mit der Reichsregierung verhandeln, solange die Knechtung und Entrechtung der Juden in -Deutschland>-ahdauert?-Was hedeutemdenmüherhaupt diese 3־ Millionen Mark und die verschwindend geringe Zahlihrer Besitzer, im Vergleich zur großen Masse der unterdrückten Juden in Deutschland? Und erst der zweite Vertrag, der der Reichsregierung eine Ausfuhr ,deutscher Waren nach Palästina zusichert, im dpppelten Werte der *Einfuhr palästinensischer Orangen! Wollen wir Deutschland eine P r ä mie für die grausamen , Judenverfolgungen gehen? Die Boykottaktion, die gegen Deutschland eingeleitet wurde, hatte doch den Zweck, der antisemitischen Welle wenigstens in den anderen; Ländern Halt zu bieten. Sie wird nun illusorisch durch Verträge, die ״jüdische Vertreter“ abzuschließen sich erkühnen. Die Boykottaktion, die in Polen fast lückenlos durchgeführt wird, hat in erster Linie in unseren eigenen Reihen bedeutende Opfer gefordert; Denken wir bloß an die vielen jüdischen Vertreter deutscher Firmen in allen Ländern, die meist um ihr Brot gekommen sind. Wir haben die Opfer gebracht, weil sie uns geringfügig schienen, im Vergleich zum Zweck der Aktion. Die Opfer dürfen nun nicht umsonst gebracht worden sein. Wir. werden alles tun* um die Durchführung der zionistisehen Verträge zu verhindern. ׳ Enthusiastischer Empfang Chuster Ra ws in Erez Jisroel. ״ Feierliche Amtseinführung. Dem am 28. August in Erez Jisroel eingetroffenen neuen Oberrabbiner der Jerusalemer orthodoxen Gemeinde, Rabbi Joseph Zwi Duschinski, wurde bei der Landung in Jaffa ein enthusiastischer Empfang bereitet. Oberrabbiner Duschinski befand sich in Begleitung von Rabbi Mosche Blau und zehn Schülern. In Tel-Awiw, Moza und Jerusalem wurde der neue Oberrabbiner von zahlreichen Delegationen und einer großen Menschenmenge begrüßt. Aus Deutschland, der Slowakei, Oesterreich und Ungarn waren Be- , grüßungstelegramme eingetroffen. Am Donnerstag, den 81. August, wurde Chuster Raw feierlich in sein Amt als Oberrabbiner der orthadoxen Gemeinde in Jerusalem eingeführt. Der׳ Feierlichkeit wohnten Vertreter der Palästina-Regierung und die ausländischen Konsuln, unter ihnen auch der deutsehe Konsul, bei. Ansprachen hielten der sephardische Oberrabbiner Jakob Meir, Rabbi Mosche Blau, der tschecho- Slowakische Konsul, Vertreter des Distriktskommissärs und der Bürgermeister von Jerusalem. Rabbi Duschinski erklärte in seiner Antwort auf die Begrüßungsreden, er werde sich bestreben, das Werk seines Vorgängers Rabbi Sonnenfeld «fort^nsptzei»; sein Ziel sei der Aufbau einer,־stärken jüdischen Orthodoxie in Palästina und die Hersteiiung friedUcher Beziehnngen zwischen dieser und den übrigen jüdischen Gemeinschaften sowie fler iiichtjüdishheh Bcvölit^PiPff* m erhält bei mir sc 11 on;’|nnerhalb 6^ Stirnd691 eine individuell ihrem Oesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten Perlicken-Kunttwerkstätte Wien l, Kärntnerring 6 PF Telephon° Nr. U-47-1 -16

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