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Jüdische Presse · 1933-09-01 · 35 (1.9.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
35 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Vovliiovö v^platnö povolenß riadit post a telcgraiov Zeitungen vom Verleger versendet v Bratislava eis. 41572-HI-20. & par i’ädiien* b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODÖkEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PRESSE Redaktion und Administration: Wien, n., Ualzgasse 12 a. Tel. A-48-4-15. — Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Bnoheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer Ost. Qr. 40. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien, für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland :Post• Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 1 Postspk.-Aat Zagreb Nr. 40217; Holen: Po8t8park.-AmtWarschauNr.l9040fc Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII, 4117; für die Tschechoslowakei: ״JÜdiache Presse*, Bratislava, Postspk.-AmtPragKontoNr.5%86 Nr. 35 Wien-Bratislava, 1. September 1933 •ב״ה ווינא־פרעסבות י׳ אלול תיציג 19. Jahrg. Der 18. Zionistenkongreß, Von unserem Prager Mitarbeiter. Das schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL Prag, 29. August 1933. Man darf es ohne jeden Rückhalt sagen, daß diesmal der Tagung des 18. Zionistenkongresses nicht nur die zionistischen, Kreise, sondern auch die nichtzionistische Welt mit einiger Spannung und mit gewissen Er- Wartungen entgegengesehen haben. Die furchtbare Lage der Juden in Deutschland und der Umstand, daß die großen jüdischen Organisationen, wie die Alliance, das American Jewish Committee usw., infolge verschiedener Umstände, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll, zurzeit zur Passivität verurteilt sind, ließen erwarten, daß die Zionistische Weltorganisation, die in einer solchen Zeit einen Kongreß abhält, sich in einer geeigneten und wirksamen Weise in die Bresche stellen und zweckentsprechend mit einem klaren Tätigkeitsprogramm eingreifen werde. Deswegen haben auch diejenigen, die mit offenen Augen die Entwicklung der Dinge betrachten und sich sonst keineswegs von den bombastischen zionistischen Tiraden blenden lassen, diesmal ihre sonst kritische Haltung den Zionisten gegenüber zurückgestellt und erwartet, daß in Prag das große Losungswort zugunsten der Juden Deutschlands gesprochen werden wird, daß dort ein klares, reales, durchführbares Programm verkündet werden wird, wie diesen Hunderttausenden zu helfen wäre, die um ihr Existenz gebracht wurden und um ihr Leben zittern müssen. Aber wie bitter wurd en sie enttäuscht! Von der Tribüne des Zionistenkongresses wurden bloß Worte gehört. Worte, nichts als Worte! Worte des Protestes, ein Appell an den Völkerbund — mit einem Wort: Kundgebungen, wie man sie bereits von verschiedener Seite zu hören bekam und die ebenso wirkungslos verhallten, wie die so hart umkämpfte Resolution des 18. Zionistenkongresses verhallen wird. Das, was wir in Prag zu hören bekamen, waren wiederum die bereits zur Genüge bekannten Deklarationen von den alleinseligmachenden Aussichten des Zionismus, ohne daß ein Weg gezeigt wurde, wie. und in welchem Ausmaße der Not der deutschen Juden zu steuern wäre. Wieder einmal hören wir die bekannten statistischen Aufstellungen Doktor Ruppins, daß in Palästina Platz für so viele tausende Juden vorhanden ist, ohne daß aber der Weg gezeigt wurde, auf welche Weise und mit welchen Mitteln eine solche Aktion durchgeführt werden könnte. Es war eine bittere Enttäuschung! Aber nicht nur der Mangel an praktischen Hilfsmöglichkeiten für die deutschen Juden trat so evident zutage. Auch das moraliche Gewicht des Zionistenkongresses läßt so viel zu wünschen übrig, daß seiner Kundgebung jeder reale Wert versagt bleiben muß. Die Herren Zionisten haben es leicht, urbi et orbi zu verkünden, hinter ihnen stehen 800.000 Anhänger — obwohl auch diese Ziffer kaum 4 Prozent der Gesamtjudenheit umfaßt und nach sechsunddreißigjähriger Arbeit, nach siebzehn Kongressen, nach der Balfour-Deklaration und nach all den ״Erfolgen“ und ״Siegen“, die seit Jahr und Tag bei jeder Gelegenheit verkündet wurden und werden, ein ziemlich kärgliches Ergebnis ist. Immerhin würden 800.000 organisierte Menschen eine resepektable Masse darstellen, mit der man rechnen müßte. Wie ist es aber in Wirklichkeit? Nicht die Gegner des Zionismus, sondern sie selbst haben ja die Wahrheit enthüllt, daß die große Zahl der Schekelzahler in den Kongreßjahren nur dem Umstande zuzuschreiben ist, daß gewisse Parteien ganz einfach tausende und aber tausende Schekolim kaufen, um so ihrem Wahlglück ein wenig nachzuhelfen. CORPOSAN Wirksamstes Mittel gegen Schweiß und Geruch, kalte Füße, Brennen, Schwielen und Wundlaufen. ״Genius“, Wien, X., Trost- Straße 73/75. Vertretungen zq vergeben. AUTOFAHRSCHULE fl IIM DF M HADC“ TELEPHON A-36-0-85 9 9^1 WPIt#EFIftJWKr Personen-, Lastkraftwagen und Motorrad / Steyr XII, XXX und Praga über 3‘/i Tonnen / Erstklassige Lehrkrä te / Zeitgemäße Preise Wien VI, GumpendorferstraBe Ni*. 86 Zionisten selbst gestehen, daß zumindest die Hälfte der Schekolim nicht von Menschen gekauft werde, die der zionistischen Weltanschauung huldigen und zur zionistisehen Fahne schwören, sondern ganz einfach an Krethi und Plethi verteilt werde, damit diese oder jene Partei bei den Wahlen ״siegen“ könnte. Wenn solche Dinge ohne jede Geniertheit öffentlich verkündet werden — welch moralisches Ansehen kann ein Kongreß besitzen, der auf eine solche Weise zusammengesetzt; worden ist? Abgesehen davon,.sind auch die Vorgänge auf dem Kongresse selbst, wie nicht minder die Dinge, die ihm vorangegangen sind, ebenfalls nur sehr wenig geeignet, das Schwergewicht desselben zu stärken. Die Wahlkampagne spielte sich in den meisten Ländern in den häßlichsten Forme nab. Es gab Zusammenstöße mit blutigem Ausgang; es gab eine Hetze von rechts und links, wobei vor den schärfsten Mitteln nicht zurückgeschreckt worden ist. Alle Gruppen und Führer gingen gewissermaßen ramponiert aus dem Wahlkampf hervor. In den Vorkonferenzen waren nur Klagen und Beschwerden zu hören. Der sonst so lammfromme ״M i srachi“ konnte nicht mehr umhin, direkt mit dem Austritt aus der Zionistischen Organisation zu drohen, wenn die Verletzung der religiösen Gefühle nicht aufhören würde. Und man weiß, daß eine Art stilles Uebereinkommen zwischen der Zionistischen Organisation und ihrem ״frommen“ Klüngel,״" dem ״Misrachi“, besteht, daß dieser bei j e d e m Kongreß gegen die Verletzung der jüdischen Religionsgebote protestieren muß und daß dann nach dem Kongreß — alles beim alten bleibt und die Religionsverletzungen unvermindert und ungeniert fortgesetzt werden. Diesmal ist der Misrachi nicht einmal im Kongreß- Präsidium vertreten. Die Linksgruppe bearbeitete den Mord an Dr. Arlosoroff nach allen Regeln der Kunst und scheute sich nicht, die Revisionisten als solche für diese Tat verantwortlich zu machen; sie ging sogar so weit, beim Kongreß selbst es demonstrativ abzulehnen, mit den Revisionisten am Präsidialtisch zu sitzen. Andererseits unterließen es die Revisionisten nicht, sich mit den in Palästina unter dem Verdacht des Mordes an Doktor Arlosoroff, bzw. der Beteiligung an demselben, Verhafteten solidarisch zu erklären und ihnen Begrüßungstelegramme zu übermitteln. Schließlich ließ es sich Jabotinsky nicht nehmen, in Prag seine ״Braunhemden“ aufmarschieren zu lassen, obwohl diese Farbe gerade angesichts der Vorgänge in Deutschland nicht nur auf jeden Juden, sondern auch auf jeden menschlich denkenden Nichtjuden höchst provozierend wirken muß — und so ist es denn deswegen auf dem Kongreß selbst zu Zusammenstößen gekommen, denen erst die .tschechische Ordnungspolizei ein Ende bereiten mußte . . . Zum Ueberflusse mußten die Kämpfe •um die Wahl des in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst«• klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) Präsidiums und die späteren Vorgänge, die zu einer Unterbrechung der Kongreßberatungen führten — angeblich wegen des Einlangeris sensationeller . Enthüllungen über die Arlosoroff-Affäre — nach außen hin den peinlichsten Eindruck auslösen und dem Ansehen, dem moralischen Gewicht des Kongresses einen ^argen Stoß versetzen ... Ist eine Körperschaft, die•”;unter solchen Umständen geboren wurde und die uriter solchen Erscheinungen ihre Tagung abhält, das geeignete Iristrument, um in einer so ernsten Zeit als Wortführerin für die Sache des Judentums aufzutreten? Nie und nimmer! Es ist eine bittere Enttäuschung nach innen und außen! Für die glaubenstreuen Juden, die ja seit jeher der zionistischen Politik höchst kritisch gegenübersteheri, hat dieser Kongreß eine weitere Bestätigung für die Richtigkeit ihres Verhaltens gebracht. Die stärkste Gruppe auf dem Kongreß ist die linke Arbeiterpartei, die fast die Hälfte der Mandate errang — ganz gleichgültig, mit welchen Mitteln! Diese radikale Linksgruppe beherrscht den Kongreß, und sie wird auch in der neu zu wählenden Exekutive •absolut entscheidenden , und überragenden Einfluß haben. Wenn es schon jetzt hinsichtlich der religiösen Belange'.so^arg bestellt ist, daß selbst der ״Misrachi“ mit dem*״:Austritt drohen mußte — wie wird es noch sein, wenn die Herren von der Poale Zion e tutti quanti die Leitung ganz in Händen haben werden? Schon jetzt zeigen sie ihre Machtbegierde, indem sie die Neuwahl des Misrachisten Färbstein in die Exekutive nicht zulassen wollen, obwohl die ״Misrachisten“ auch nach dieser Hinsicht ein Ultimatum gestellt haben: Entweder Farbstein oder keiner! Farbstein ist den Herren von der Linken zu energisch, zu impulsiv, ein allzu starker ״Verfechter“ der religiösen Belange. Und wenn sie auch wissen, daß seine ״Energie“ in religiösen Dingen nur eine Pose ist, eine hübsche Geste, als Lockspeise berechnet, damit auch die religiösen Juden ihm auf den zionistischen Leim gehen, er erlaubt sich doch zuviel, er ״übertreibt“ seine Aufgabe, die doch lautet: Protestieren um des Protestes willen! Er kann den Herren von der Linken nicht passen; sie möchten irgend eiüen lammfrommen Misrächisten, der sich mit einem lendenlahmen Protest begnügen und den Dingen sonst ihren Lauf lassen wird . . . Das sind schöne Perspektiven für die zukünftige Entwicklung der Dinge in Erez Jisroel ... Fürwahr, der 18. Zionistenkongreß ist ein großer Versager geworden, nach außen und nach innen, ein jämmerliches Fiasko, wie man es im politischen Leben schon lange nicht erlebt hat ... Zehn Jahre seit der ersten Kenessio Gedauloh. In diesen Tagen fand vor zehn Jahren die 1. Kenessio Gedauloh der Agudas Jisroel statt. Die uns aus diesem Anlaß von ganz hervorragender, führender agudistischer Seite zur Verfügung gestellten Ausführungen finden besonderes Interesse, da eben an die Einberufung der 3. Kenessio Gedauloh geschritten wird, und sie stehen auch in einem angenehmen Gegensatz zu den Bericht über den jetzt in Prag stattfindenden Zionistenkongreß. Die Redaktion. Heute sind es zehn Jahre, daß zum ersten Male seit der Zerstörung Jerusalems sich jüdische Juden aus der ganzen Welt in Wien als Delegierte zusammenfanden, um über das Wohl und Wehe der Judenheit und des Judentums zu beraten. 600 Männer, die Elite der gläubigen Judenschaft, versammelten sich, um sich auszusprechen, wie man die argbedrohte Gläubigkeit erhalten und den schweren Kampf gegen die gewalttätige Assimilation führen könne. Gegen die Assimilation (Angleichung an die Religion der Nichtjuden),' die nationale ebenso als die antinationale, die weriige Jahre vorher gerade in Oesterreich ein schweres Attentat gegen die Gläubigkeit versucht hatte, indem sie einen Gemeindebund als staatlich anerkannte Zwangsorganisation plante, der eine Million gläub i g e r Juden an 200.000 a- und a n t i religiöse Westjuden in religiöser Beziehung auf Gnade und Ungnade ausliefern wollte. Die Tagung, die in musterhafter Harmonie verlief, wurde von Millionen orthodoxer Juden begrüßt und gefeiert und hatte den Erfolg, daß sich die strenggläubigen Juden auf dem Erdenrund vereinigten, daß 30.000 jüdische Töchter, die vom Liberalismus und Zionismus bedroht waren, eine gediegene jüdische Erziehung erhielten und erhalten, daß hunderte Gemeinden in Polen mit zwei Millionen Seelen das Joch der antireligiösen Elemente abwerfen und heute von religiöser Führung geleitet werden und daß die religiöse Bevölkerung, die Urbewohner Erez Jisroels, nicht ganz unter der zionistischen Gewaltherrschaft erstickt. Die Berserkerwut, die diese Versammlung in antibiblischen Kreisen herausrief und die sich in geradezu erhältflbei mir schon innerhalb 6 Stunden Die reisende Dame eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Perücke OTHMAR SCHIFF Besitzet der weltbekannten Perücken-Kunitwerkftätte Wien I, Kärntnerring 6 mr8 Telephon Nr. U-47-1-16

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