Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 33 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Chuster Raw Josef Zwi Duschinsky begibt sich diese Woche nach Erez Jisroel zum Antritt der Nachfolge nach Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld s. Z. 1. als Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem. Tausende jüdische Herzen begleiten im Geiste den großen Lehrer der Gola auf seiner,Alia ins Land unserer Sehnsucht. Die ergebene Liebe tausender Schüler, vom zarten Jünglings- bis zum reifen Mannesalter, die ehrfurchtsvolle Hingabe aber tausender Anhänger,■ sind ein Geleite, wie es nur wenige Reisende haben. Sie alle sind glücklich und stolz darauf, daß ihrem Lehrer und ihrem Führer die hohe Ehre zuteil wurde, an die Spitze der ,;heiligen Gemeinde“, in die heilige Stadt berufen zu werden; alle Jereim der Welt freuen sich mit ihnen in dem beseeligenden Gefühl, daß durch die g־ttliche Vorsehung der richtige Mann an den richtigen Ort gestellt wurde! Und dennoch sind wir alle von einem quälenden Gefühl der Bangigkeit und ernster Sorge erfüllt: Wird er dort dieselbe Atmosphäre von Liebe und Verehrung vorfinden, die wir in der Gola ihm entgegenbrachten? . .. Im heiligen Lande geht jetzt ein Verschmelzüngsprozeß sondergleichen vor, sich, in dem jüdische Brüder; aller Erd? teile und Schattierungen geläutert , gewollten Einheit zusammengeschweißt -werden.. -Wird unsere ״Leuchte der Gola‘• auch in der Glut dieses Schmelzofens diegebührende Beachtung finden? Wird sein mahnendes Führerwort gehört werden, innerhalb seiner Gemeinde und außerhalb? Wird die Stimme dieses aufrechten Mannes, dem politische Mätzchen und Finten so ferne sind, im Lärm des Parteihaders nicht unter-!gehen? . . . 4 Wenn wir uns jedoch nur zwei seiner hervorragenden Eigenschaften vor Augen führen, müssen all diese Fragen und Zweifel verstummen. Es sind dies: seine grenzenlose Ah a w as-hoorez und Aha w a s- Jisroel, getragen von einem mit gewaltigem כ ח ה ת ו ר ה beflügelten' Willen. Angesichts dieser Eigenschäften, die den großen Lehrer so hervorragend ausreichnen, darf sich unsere Hoffnung zur Sicherheit verdichten, daß er m. G. H. alle Hindernisse überwinden und seine Gemeinde und den Aufbau des Landes im Geiste der Thora zu einem gewaltigen Aufschwung führen wird.' Diese Reise, sie wird vielleicht von historischer Bedeutung für das jüdische Volk werden . . . Und wir begleiten sie mi t tränender Freude, mit Hoffen undBangen und innigen Wünschen! David Bondy. WECHSELINKASSO SO GROSCHEN PRO STÜCK Füll ALI,E BEZIRKE WIENS Bankgeschäft Friedrich Knoll, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 7-9, Tel. R-24-2-72, R-24-3-73. Das schönste Geschenk sind in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst•• Massige Architekten 7 Beachten Sie die Adresse. 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Wie der Prophet Jeremias, standen damals äTe Führer des gesetzestreuen Judentums .'ünd;^rnten':wi#i)Elufer in der Wüste vor Überschwenglichen Hoffnungen,!■vor Mißverstehen der neuen Zeitzeichen1. Die Künder und Wegbereiter der neuen Zeit hatten die ״Erlösung“ vorausgesehen und alles Alte, als überwunden bezeichnet. Sif, rieten einem jungen, aufstrebenden Geschlecht, sich3־|:äQZ. auf die ״neue Zeit“ ׳einr zustellen, die alte, bewährt^ Tradition zuliebe e£ner noch ganz unklaren Zukunft ein|^ .^^imilatiön’ der. Geister führte zur ReVÖlütiou •?der Gemüter. Umsonst warnten die verantwortlichen :Führer des thoratreuen Judentums, /umsonst rieten;sie, festzuhalten an den alten, erprobten Methoden ■der?vll)>söu:deMig,' ■ des Sichselbstgenügens, und warntenvqif:deii eingedämmten, zUrückgedrängten, schlummemdehlldühkleri Kräften einer überwunden geglaubten' Epoche4Kein halbes Jahrhundert war verstrichen: und sie hättenlr&cbt-behalten. /Diesmal: ist' es;;rascher! Wir jungen : Menschen ״denken^nbch^^di^&ftöt'ämäßlichiderfBaiföur- Deklaration Schofar blasen ließ. Wir' erinnern uns noch, wie die jüdischnationalen. Assimilanten ein Minderheitsrecht predigten, das Wohl politisch - dem Gedanken der Absonderung Rechnung; trug, aber gleichzeitig die Revolution der Geister förderte.' Und wir erinnern uns, wie die verantwortlichen Führer aüch vor ' dieser Fälschuüg gewarnt haben, und wir wissen noch, wie sie verhöhnt, yerspottet und bekämpft wurden. Und wir stehen' heute mitten im Zusammenbruch dieser neuen Ideologie und sehen schaudernd,, wie der natürliche Zug zur Rückkehr wieder umgefälscht wird. Wir stehen fassungslos vor der Tragödie eines Volkes, das um jeden Preis den Versuch macht, seinem erprobten Weg auszuweichen, und dornige Seitenpfade geht, in denen es strauchelt. Und wir fragen uns ergriffen, wie es kommt, daß die primitivste Selbstverständlichkeit n i c h t d u r c h- > d ringt? Wem kann es heute noch unklar sein, daß die. Hälfte der Tragik unserer Zeit genommen wäre, wenn das gesamte Judentum auf. dem Boden der Gesetzestreue stünde? Nicht als ob wir damit sagen wollten, daß der furchtbare Ungeist der Zeit sich nicht auch gegen das religiöse Judentum richtet,' nicht als ob wir ins Metaphysische hinausspielen wollten, daß das religiöse Judentum wahrscheinlich behütet worden wäre -vor solchen Prüfungen. Aber was wir ja sägen wollen, was wohl unbestritten bleiben wird, ist; die Behauptung, daß religiös eingestellte Menschen;־.die’ Tragik 1 eichter getragen hätten. Wer jeden Tag in seinem Gehet seine Verbundenheit mit der zerstörten Heimat, seinem Zusammenhang mit den gedrückten Menschen Ausdruck gibt, wer sich einig weiß mit den -Verfolgten, wo immer sie auch wären, der ist nicht so fassungslos, wenn es ihn einmal selbst betrifft.' Wer weiß, ob nicht auch schon alles überwunden wäre im Wechsel der Zeiten, wenn wir nicht selbst immer neuen Anlaß zu neuen Fälschungen gegeben hätten. Der Antisemitismus, das haben, die jüngsten Erscheinungen gezeigt, reagiert furchtbar genau auf das, was im Judentum gesündigt ־wurde. Wer weiß, um wieviel milder der neuzeitliche Antisemitismus gewesen wäre, wenn er nicht den Vorwand der Rassenmischung, den ihm die Mischehe und die geistige und kulturelle Einmischung gegeben haben, besäße.; ׳ \ Was wäre nun selbstverständlicher, als daß nun jetzt, da der Feind mit rauher Hand diesen vermeintlichen neuen und besseren Weg verrammelt hat, wenn wir nun selbst mächtig, mit der unwiderstehlichen Gewalt jüdischer Ueberzeugung darangehen ,möchten, diese verrammelten Wege zu verlassen und unseren alten, schmalen, aber ausgetretenen Weg zu beschreiten? Es ist unfaßbar, das sei die Konsequen z dieser |E1y7äguug, daß heute nicht in der ganzen Welt eine riesige, unwiderstehliche, allem entsagende, niederre^eP4e M^bhuwob־ew,egung einsetzt. Wer in der Welt kann nach dem Züsammenbruch der deutschen Demokratie noch die Verantwortungslos^- keit besitzen, das jüdische Haus auf die schwachen Fundamente einer scheinbaren, Demokatie zu stellen? Heute Ist die Zeit, hinauszugehen und faktisch zu kämpfen gegen die Götzen einer neuen Zeit.; 444\;4;'%;: 4 Es geht zur Jahreswende• und wir Juden sind ge•!■ wöhntj um diese; ZeitllRechnungsabschlüsse für uns und für unsere Umgebung Ssu machen. Mögen die Führer der Orthodoxie sich doch auch ihrer Pflicht bewußt werden. Mögen sie die -Kraft!gewinnen, hinauszugehen und zur Rückkehr zu mahnen, zu rufen und den Weg zu weisem Mögen aber auch wir bereit sein, dem Rufe zu folgen, den Führern Regimenter■ zu stellen und den־ Kampf in unseren Reihen zu beginnen für. die Heiligung der jüdischen Idee, für die Erhaltung unseres Volkes, und wir hätten den ersten Trost. Um den zweiten, die Anerkennung vor der Welt, ist uns dann nicht mehr hange.י Siegen wir über uns und wir haben die anderen besiegt. Beherrschen wir uns selbst und wir werden von niemandem mehr beherrscht. Finden wir uns, wie wir uns verloren haben, und wir. werden getröstet, wie wir geschlagen worden sind; ■. ״׳׳׳׳44 "• ׳s;:;s.;;4;׳ Vor dem 18. Zionistenkongreß. Montag, den 21. August, tritt der'■-18.״;־Zionisten^־ kongreß in Prag zusammen. Den Zionisten, die bis zum heutigen Tage nur eine Minder he i t innerhalb . des jüdischen . Volkes bilden, ist es: gelungen, durch ihre'propagandistischjeh^.;Methodeh;, die Aufmerkäamkeiif ^?der!^esa^eh 4 ^*üdischen־;^lt;'־־aber״äuch‘4fene-Vder“andereh^Völker^.auf sich zu lenken. In dem gegenärtigen Augenblick, da die antisemitische Leidenschaft Hitler-Deutschlands die Judenfrage in ganz Europa; und in Amerika in ' den Mittel- punkt der Aufmerksamkeit gerückt hat, erwarten diese Kreise die diesbezügliche Stellungnahme, des Zionistink’ongresses. Der Zionistenkongreß wird demnach mehr denn je mit den Galuth-Problemen sich beschäftigen. Hoffentlich we'rdln seine Beschlüsse so gehalten sein; daß daraus k e i n S chaden für das jü di sehe Volk entsteht. 44:!" 44 4׳■׳;44 ׳; W.i r 1 eh nen d i e j ü dis c h hat io nale Politik ab. Diese Ablehnung des zionistischen Stand- Punktes kann uns aber nicht zurückhalten, das warnende Wort an den Zionistenkongr,eß zu erheben und zu sagen, daß ein Großteil der feindselig eingestellten nicht jüdischen Welt mit Sehnsucht auf ein ungeschicktes Wort, auf eine unklare Wendung, auf eine unüberlegte Aeußerung wartet; um. eine neue Haß- Propaganda gegen das gesamte jüdische Volk zu entfalten. Es wird da wenig nützen, daß die Zionisten nun , eine Minderheit im jüdischen Volke bedeuten. .׳. Wenn auch die gegenwärtigen Ereignisse! jede jüdische Körperschaft zwingen, mit der Gesamtlage der Juden sich zu befassen, so wird selbstverständlich doch 71'■ den Hauptgegengstand.des Zionistenkongresses die Palä stina-Frage bilden. Es ist nicht unsere Sache; hier auf die gewaltigen Gegensätze hinzuweisen, welche die zionistischen Gruppen untereinander trennen. Das mögen die Zionisten untereinander ausmachen, Aber es berührt die jüdische G e s a m t h e i t, wenn im Parteikampf der einzelnen . zionistischen Gruppen Methoden angewendet werden, die wir bisher im Judentum glücklicherweise nicht beobachten konnten. Wir orthodoxen Juden, welche die Zionistische Organisation und auch ihre misrachistische Abart aus innerer religiöser Ueberzeugung stets ablehnten, wollen auch ־ jetzt in aller Offenheit verkünden, daß wir von der Wirksamkeit der Zionistischen Organisation für Palästina qhensowenig Ersprießliches erwarten wie von ihrer Politik in den Galuthländern, wobei wir betonen, daß wir״f ü r eine positive, auf bauende Arbeit in und für Erez Jisroel sind. Wir aus unserem religiösen Standpunkt sägen, daß es unmöglich, ist, den Menschen mit ausschließlich materialistischen Gütern zu befriedigen; Trqtz aUer Propagaudä und trotz aller Parteidisziplin läßt siph;die Be eX® Menschen nicht wegdisputieren, vDie Seele; die in ihrem Urgrund nach re 1 igiöseh Werten lechzt. Nicht anders ist unsere Einstellung zu der Ziouistisphen Organisation. Trotz aller Errungenschaften, trotz aller Propaganda, trotz aller Aeußerungen von Weltkapazitäten läßt sieh, bei einem jüdischen Menschen die“ jüdische erhält bei mir g e |1 o w 11111 e r!19.! I®. 6:51 61-d d g^ii ihrem Gesichte entsprechend modellierte Be5U3e* derweitbekannten PerücKen-Kunitwerkftätte Wierrl. Kärntnerrlng 6 &gTtb4h0״״Nr!ü.r47^!8 *. I / ׳