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Jüdische Presse · 1933-07-28 · 30 (28.7.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
30 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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R0*ükw6 teitö *Mi post * telegr&fö♦ m, £e1ttHi£@n vom Verleger versendet V. b. b. (-j.ijs,)־.׳'' mwi mm ORGAN FÜRDIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN יןןןןן<ןןן£ןןןןן Redaktion und Administration: Wien, tt., Mal2gasse 12 k. Tel. A-48-4-15. — Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. . JBrscheint jeden Freitag. — RedaktlönsschlüB : Mittwoch Mittag, i Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich $ 16, Tschechoslowakei tschech. k, 80, das Übrige Ausland 3 Dollar« Einzelnummer öst. ör. 40. Zahlnngen auf Konto ״Jüdische {,resse*, Wien, für Oester* reich: Postspaflcassenkont״ Nr. D- 93614; Deutschland iPoat* scheckkonto Berifa Nr. 12*619; Jugoslawien tP0st$pk.*An1t ZagiebNr,40217;. oleni Hoatspark.■־Amt WarschauNr,l90409; Ungarn t Postspk.־־Amt Budapest!Nt. 50170; Schweiz t Post* scheckk. Zürich VlU, 4117; für die Tschechoslowakei! ״tü• d!8che Presse“,Bratislava,P08tspk.* Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 30 Wien-Bratislava, 28. Juli 1933 ב״ה ווינא־פרעסבורג כ״ז תמוז■ תיצ*ג 19. Jahrs- Der neunte Aw Höhepunkt und Abschluß der dreiwöchigen Trauer, dieser neunte Aw. Erschütternd in iseiner Düsterkeit, er h e b e n d in seiner Kraft. Jahrtausende konnten dem Schrriterz nichts anhaben, den der Jude ob des Verlustes seines Reiches, ob der Einäscherung seines Bes-Hamikdosch empfindet. Aus diesem lebendigen heilsamen Schmerze sprießt Zukunft, keimt neues Leben. Wahrlich, der Schmerz ist in der Folge der Zeiten nicht geringer geworden. Neues Leid, von Frevlerhand unserem Volke zugefügt, reißt grausam die a 11 e n Wunden auf. Das in den alten Kinos beweinte Schicksal von Magenza, Speyer und einiger Rheingemeinden erfährt eine überdimensionierte Größe, der gegenüber selbst der leidgewohnte Jude fassungslos gegenübersteht. Fassungslos und doch hilfsbereit. Nur hilft jeder nach eigener Art. Wie reagiert das jüdische Volk auf die Ereignisse in Deutschland? Die eine Gruppe, die jüdische Ereignisse immer nur äußerlich miterlebt, greift zu der Tasche. Juden werden existenzlos, jüdische Kinder hungern, jüdische Institutionen brechen zusammen. Wir wollen Ihnen rasch und stark unsere Bruderhand entgegenstrecken. Es wird einem warm ums Herz., wenn man diese Hilfsbereitschaft sieht. Doch man muß sägen, die richtige Antwort auf die deutschen Ereignisse ist dies n i c h t, ebensowenig wie das Judenschicksal in Deutschland ausschließlich materieller Natur ist. Eine andere Gruppe, die zionistische, reagiert wieder auf eigene Weise auf das Judenelend in Deutsch-’ land. Sie erblickt darin eine Bestätigung ihrer v ö 1 k isehen Theorien, sie konzentriert ihre Hilfsaktion für die deutschen Juden auf Palä s tina. Was durch Zionisten den deutschen Juden zugute, kommen soll, das soll ihnen jn palästina zuteil werden. Auch diese großartige Hilfsbereitschaft verdient Beachtung. Aber Bei aller Bewunderung wird man sagen müssen, daß das deutsche Judenschicksal eine nicht ausschließlich palästinensische Frage ist. Das deutsche JudenJchicksal ist die׳ Aufrollung des Judenproblemsjin seiner ganzen Tiefe . und Breite. f Die Judenfrage in ihrer ^Totalität hat sich wieder. aufgetan. Auf diese Frage müssen wir antworten. Die Judenfrage in ihrer Totalität. Das ist nicht nur die Frage, wie ein Jude zum andern steht, das ist nicht nur, wie ein Jude zu Palästina steht. Sondern)das ist die Frage, wie der Jude z u s ein e m G’t t e ste h t. י Vor dem 9. Aw ist jächabbos Chason. Jesaja spricht da zu uns. Er verlangt Einkehr, Säuberung, Entfernung des Bösen aus unserer Mitte.;Dann und nur dannk.pnien wir de s n euen ״Jerus alern .umd ״utn &eMe s, .־a‘ würdig werden. Das tiefe Mitgefühl mit unseren Brüdern und Schwestern in Deutschland möge auch in uns den Mahnruf Jesajas aufkeimen, daß wir würdig des großen Schmerzes und des kommenden Heiles werden. L. Zur Regelung der Schochtim-Anstellung. Seit Jahr und Tag sind unsere Gemeindeväter, die verantwortlichen Führer der orthodoxen Gemeinschaft, von einer schweren Sorge bedrückt. So oft es sich um die Neuanstellung eines Schoch et handelt, beginnt ein Feilschen unserer Gemeindevertreter um die Bewilligung zur Aufnahme eines Schochets nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft. Während die Industrielle Bezirkskommission das im Jahre 1926 beschlossene Inlandarbeiters ch ut'z ge setz, nach welchem es untersagt ist, ausländische Arbeitnehmer zu beschäftigen, die nicht mindestens seit 1. Jänner 1923 ständig in Oesterreich wohnen, auch auf die Schochtim angewendet wissen will, weisen die jüdischen Vertreter mit Recht darauf hin, daß in Oesterreich■ überhaupt keine , für die Ergreifung des Schochet-Berufes geeigneten Persönlichkeiten vorhanden sind, Und so hat, denn bisher die Industrielle Bezirkskommission immer die Bewilligung zur Beschäftigung der in Frage kommenden ausländischen Schochtim für kurze Zeit erteilt und diese Bewilligung dann immer, nach Ablauf, prolongiert. Soll es jetzt anders werden? Die Industrielle Bezirkskommission versucht die Beschäftigung der ausländischen Schochtim unbedingt zu verhindern, obwohl der § 7, Absatz 1, des' Inland-Arbeiterschutzgesetzes die Zulassung ausländischer Arbeiter gestattet, wenn keine inländischen vorhanden sind. Und in aller Form ist es nachgewiesen, daß keine geeignete Schochtim österreichischer Bundesbürgerschaft vorhanden sind. Es kann auch keinen österreichischen Schochet geben, weil einzig und allein diese aus ländischen Schochtim jenes große Maß von Vertrauen , besitzen, das sich als Vorbedingung für eine Anstellung als Schochet in einer Spezialverkehr nadhi Palästina R| auch Uber Bratislava via Donau, Sämtliche Gütertransporte und Übersiedlungen R| ULIMAWN RINK 4 Co., Wien 17, floragaeee 7 :( Telephon U-440-78 religiösen jüdischen Kehillo darstellt, dank der Erziehung, die sie in ihrer noch streng religiösen ungarischen, slowakischen oder polnischen Heimat genossen haben, dank der Vorbildung, die sie in den Talmudhochschulen (Jeschiwos) ihrer Länder erhalten konnten und vor allem dank der Möglichkeit einer praktischen Uebung im Schächten, die in Oesterreich überhaupt nicht vorhanden ist. Kein einziger strenggläubiger Jude würde das Fleisch von Tieren genießen, die von Personen geschachtet sind, welche nicht dieses Maß von Vertrauen in religiöser, moralischer und fachlicher Hinsicht verdienen und besitzen. ' ■ ׳ '׳ ' Die religiösen Juden sind die letzten, die die Tendenz und den Sinn des Inlandarbeiterschutzgesetzes nicht verstehen und billigen würden. Es ist der natürliche Selbsterhaltungstrieb, daß der Staat erst seine eigenen Bürger versorgt haben will, ehe er den Bürgern anderer Staaten Verdienstmöglichkeit in seinen Mauern gewährt, dann — aber auch nur dann — wenn eben die eigenen Staatsbürger der betreffenden Berufsgruppe brotlos, von den fremden Staatsbürgern verdrängt sind. Dies trifft aber auf den Schochtimberuf keinesfalls zu. Warum wurden nicht in den letzten Jahren österreichische Schochtim herangebildet? — so fragt die I. B. K. Wir sind die letzten, die etwa das Vorhandensein einer orthodoxen jüdischen Jugend' in Oesterreich bezweifeln oder gar leugnen würden, Gibt es aber in unserem Lande jüdische Menschen, die den Geist von Thora und Jiroh’ schon mit der Muttermilch eingesogen haben, wie jene von der I. B. K. perhorreszierten slowakischen, polnischen öder ungarischen Schochtim? Gibt es in Oesterreich oder für Oesterreicher Möglichkeiten für die theoretische und praktische Ausbildung zu Schäphtern? Und das wichtigste: kann man denn erwarten, daß junge Leute Das schönste Geschenk sind ift Preis und Qualität/ Grätisberatüng durch erst•• klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitgliedj Badetrikols, Zwickeleinsetsen, ״Wenden, Reparieren, Aendem. Repassierwerkstätte, I., Weihburggasse 29. XE.; Hauptstraße 28. Tel. R-21-9-08, R-31-2-63. einem jahrelangen, mühevollen und kostspieligen Studium obliegen, wie es der Schächter-Beruf erfordert, wo in ganz' Oesterreich nur etwa 40 Schochtim Beschäftigung finden,' also jährlich nur etwa die Stelle für einen Schochet frei wird? . v Wir sind dessen sicher, daß sich die. gerechte Sache doch durchsetzen wird. Zumal, da in Oesterreich die f reie Religions Übung : absolut gewährleistet ist und die Verwendung von Schächtem, die das Vertrauen des religiösen Judentums ge-: nießen, die über die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und eine entsprechende Uebung im Schächten verfügen und die einen auch in religiöser Beziehung makellosen. Lebenswandel nachweisen können, \ zu den wichtigsten Bestandteilen einer freien Reli- 1 gionsübimg gehört. Die österreichische Regierung, die schon oft und Freidenkerbundes — ihren, •Anerkennung und Dankbezeü- gung seitens aller religiösen Bürger verdienenden Willen.׳ bekundet hat, jedes religiöse und konservative Streben zu schützen und zu verteidigen, kann und wird es nicht dulden — so wollen wir hoffen —, daß der gläubigen Judenheit Oesterreichs Steine in den Weg gelegt werden, wo es sich um die Befriedigung religiöser Bedürfnisse handelt. Für den österreichischen Staat ist die Schächter- Frage eine Bagatelle, für die religiöse Judenheit — eine Lebensfrage! Was ist es mit den ״Weisen von Zion66? Eines der stupidesten Fälscherwerke des internationalen Antisemitismus sind die ״Protokolle der Weisen von Zion". Die erste Ausgabe dieser, von vielen Gerichten als verleumderische Fälschung festgestellten ״Protokolle“ und ״Geheimnisse“ erschien 19 0 5 in Rußland. Die zweite Ausgabe erschien 1917, während der zweiten russischen Revolution, und gibt den Schwindel als Protokolle von 24 Geheimsitzungen, abgehalten auf dem 1. Zionistenkongreß 1897, aus. Die Haüptquelle der Fälschung ist eine 1865 in Brüssel von Maurice J o 1 y herausgegebene antimachiavellistische Schrift gegen die Weltherrschaftspläne Nap.oleons III. Obgleich diese Schrift' mit dem Judentum absolut nichts zu schaffen hat, ist sie erstaunlicherweise indirekt zur Bibel des internationalen A n t i s e m i t i s m u s geworden, denn fast ‘ einzig und allein auf ihr beruht all der plumpe Blödsinn, den Fritsch, zeitweise Ford und jetzt die Hitler-Nationalsozialisten über die Juden in die Welt gesetzt haben. Die Fälscher haben einfach die Weltherrschaftspläne Napoleons׳, in den ״Geheimnissen“ ersetzt durch die ״Weltherrschaftsplänel“ der Juden. Die Enthüllung der Um־'■ fälschung der belgischen Broschüre in die ״Geheimnisse der Weisen von Zion“ ist dem hervorragenden Christliehen Journalisten Norman Hapgod zu verdanken. Er veröffentlichte seine ^Enthüllungen bis ins kleinste Detail . WECHSELINKASSO 50 GROSCHEN PRO STÜCK FÜB ALL1E BEZmKE WEENS B an k e e s 0 b ä f t F r i e <1 r i 0 h K n o 11, w Vni 7 ־ 7.0׳nÄ1 ־D-O/i-01179 •־ *D-O/l. Nidil mir kaufen sondern lesen und weitergeben sollen Sie die »Jüdische Presse«! Sie werden sie schätzen lernen b§1 mir ö. C Ü U׳W ■1׳ י'׳ ü u©r il 51J12. 6 5. ׳׳f ii w dl Gesichte entsprechend modellierte " “ “*י eine־ individuell i Besitzer der vveltbekannten Perücken-Kunstwerkftätfe Wien I, Kärntnerring 6 (Ä־gwepi.«0״nV •16 | '

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