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Jüdische Presse · 1933-06-16 · 24 (16.6.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
24 (16.6.1933)
Date
1933-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Juni 1933 ב״ה ודנא-פרעסמרג כ״ב פיח תרציג, 19. Jahrg• In ernster Stunde♦♦♦ Oesterreich hat Wieder einmal eine kritische Woche hinter sich. Der nationalsozialistische Kampf um Oesterreich hat die Formen blutiger Kriegshandlungen angenommen. Die schrecklichsten Formen blutiger Kriege! Ohne Warnung, ohne Schutz der Frauen und Kinder, ohne Rücksicht auf friedliche und alte Männer wird geschossen und Höllenmaschinen werden in Bewegung gesetzt, die nicht nur Sachgüter zerstören, sondern auch wertvolles Mensch־en 1 eben fordern. In Wien haben diese unmenschlichen Kampfhandlungen bisher mehrere Menschenleben gekostet, darunter auch das Leben eines braven, ehrsamen, jüdischen Kaufmannes. Die Regierung tat alles und nicht ohne Erfolg, um diesem terroristischen Wüten ein rasches Ende zu bereiten. Der österreichische. Bundeskanzler weilte zur Zeit der schwersten Ausschreitungen in London, um an der historischen Konferenz zur Besserung der Weltwirtschaftslage teilzunehmen. Die Revolverschüsse und Bombenexplosionen in Oesterreich haben sowohl unserem Bundeskanzler, der mit hewunderungswürdiger Energie die Selbständigkeit Oesterreichs verteidigt, wie der dort versammelten Öeffentlichkeit mit erschütternder Deutlichkeit gezeigt, wie es um Oesterreich steht. Man wird wohl mit Bajonetten und mit den Machtmitteln der Staatsexekutive die Kampfhandlungen der Nationalsozialisten zurückweisen und unterbinden können. Eine wirkliche Hilfe wird aber erst kommen, wenn die Regierung in die Lage versetzt ׳ wird, die Selbständigkeit. Oesterreichs mit wirtschaftlichen Mitteln zu unterstützen. Wir Juden verfolgen mit leidens c h a f 11 i c h e mint eres s e d e n Kampf O e s t e rr.eich s um - s ein e S e 1 bs tändigk e i t. Diese Selbständigkeit ist mit die Existenzmöglichkeit der jüdisehen Gemeinschaft in Oesterreich. Wir erachteii es für unsere selbstverständlichste Pflicht, die Regierung in dieser Wirtschaft- . liehen Aufbauarbeit mit allen Mitteln zu unterstützen. Unsere jüdische Aufgabe erschöpft sich aber in dieser Pflichterfüllung allein noch nicht ganz. Wir haben uns gegenüber noch Sonde r p f lichten. Wir müßten diese schweren Zeiten, die die Lage des österreichischen‘Judentums in ihrer ganzen Tragik erkennen lassen, endlich benützen, um eineJ Besserung bei uns . selbst herbeizuführen. Der Schrei jüdischer Eltern nach der jüdischen Schule muß unbefriedigt bleiben, weil die Mittel fehlen, jüdische Schulen zu errichten. Die Folgerung nach wirtschaftlicher Umschichtung der jüdischen Bevölkerung bleibt eine Forderung, deren Not- Wendigkeit und Dringlichkeit niemand leugnet, es .fehlen uns aber die verantwortlichen Führer, um diese innere Umschichtung durchzuführen. Und last not least die große Sehnsucht nach religiöser Wiederauf- 1’ich tu n g bleibt so ganz und gar unbefriedigt. Nichts weist darauf hin, daß die große Chance, welche in dieser aufgewühlten Zeit für religiöse Arbeit erstand, richtig erfaßt würde. In einer Zeit, in der die jüdische J u g e n d hoffnungslos, die jüdischen erwerbenden Schichten ratlos, wo die jüdischen Akademiker aussichtslos dastehen, in einer solchen Zeit können gegen die Schrecken von außen und gegen die .Hoffnungslosigkeit von innen - nur die von unseren Vätern ererbten religiösen Güter das feste Fundament den wankenden Söhnen unseres Volkes bieten. SpezialveYkehi’ nadi Palästina lämtliche Gütertransporte und Uebersiedlungen Ullmann, Rink & Co., Wien, IV., Floragasse 7. Tel; U-44-0-7S Die zuckenden Ekrasitbomben,■ die auf blitzenden Revolverschüsse rütteln am Weitgewissen und rufen die Machthaber und die einsichtsvollen; Staatslenker der ganzen Welt zu Hilfe zur Re ttung’Oester reichs. Mögen die ernsten Stunden, die wir in der verflossenen Woche erleben mußten, auch unser Herz aufschließen und unserer Gemeinschaft Hilfe bringen, Hilfe in der Heranbringung unserer ewigen religiösen Güter an unsere Jugend, an all unsere leidenden Glaubens- Das schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erstklassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. W i e n I, Schotten r i n g Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) genossen, damit sie Kraft finden und Hoffnung auf bessere Zeiten und Kraft und Hoffnung, auf die endgültige! Erlösung zu warten. L. Jisroel. II Das Preßbüro der Agudas Jisroel in Zürich (Postfach Selnau) meldet:; . , London. H: A. Goodman, Generalsekretär der politischen Exekutive der Agudas Jisroel, sprach in Angelegenheit der Erez-J1 sroel- Zertifikate im Foreign Office vor. Paris. Generalkonsul S. Guggenheim, Basel, und M. D. L e w.e n s t e i n, Zürich, verhandelten hier mit den verschiedenen Hilfskommissionen wegen der Lage der deutsch e.n J u d e n. Neben Ansiedlungs- Projekten erstreckten sich diese Besprechungen insbesondere auf. die in Deutschland selber schnellstens zu bringende finanzielle Hilfe. ■; ׳ Paris. Unter dem Vorsitze^ des Mitgliedes der politischen Exekutive ׳ der ‘Agudas^Jisroel, Herrn Advokat’ M. M u l l e r, Paris, konstituierte sich hier ein Büro; welches die speziellen Interessen der geflüchteten ortho- DER FAST SELBSTTÄTIGE, BILLIGSTE QUALITATS-KÜHL- SCHRANK / NUR: WIEN I, BÄCKERSTRASSE 4 doxen deutschen Juden, wahrnimmt. Außerdem befaßt sich dieses Büro auch mit Ansiedlungsp r o j e k t e n für deutsche Juden in Frankreich. Jerusalem. Zwischen der Leitung der Agudas Jisroel und der Jewish Agency fanden hier Verhandlungen über ein Uebereinkommen betreffs der Z e rtif ikate statt. Die Verhandlungen sind noch zu keinem Abschluß gelangt. Subotica. Die jugoslawische Landesorganisation der Agudas Jisroel weihte dieser Tage die erste Hachschoro in Jugoslawien ein. Dieselbe befindet sich in nächster Nähe von Subotica, auf dem Gute des Herrn D eutsch. Basel. Zu einer Besprechung trafen sich hier die Herren Neville Laski, London (Präsident des Board öf Deputies), Professor Norman B ent wich, London, Dr. T. Lewenstein, Zürich, Generalkonsul S. Guggenheim, Basel, und M. D. .Lewenstein, Zürich. Es ergab sich, daß in bezug auf die von der Agudas Jisroel eingenommene Stelung bezüglich der Frage der Konstituierung der deutschen Juden als ״nationale Minderheit“ sowie bezüglich der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses vollkommene Uebere i n s t i m m u n g herrscht. Amsterdam. Die holländische Agudas Jisroel errichtete in Enschede eine Hachschöro, auf welcher bereits eine Anzahl junger deutschen Jud׳e.n eingetroffen ist. Warschau. Außer der bereits vor einiger Zeit eröffneten Hachse hör o in Mlawa wurden dieser Tage fünf neue Hachschoro-Zentren durch die polnische Agudas Jisroel eröffnet. Gegründet 1882 Lebensversicherungs- יי um in wH Gesellschaft ןן Ver.sicherungsbestand Ende 1931 . . . . . . . ..... . . , . .... . . 2775 Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 . . . . ... . . ... . . . . . 182 Garantiemittel Ende 1931 . . . . . . ... .. . . ... . , . . 472 ■Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 . .... . . . , . . . . , , . . . . 43 Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschechosh> wakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und vKleinäsieni•;.:־■/■;ד'■׳v;. -■ Millionen Millionen Millionen Millionen Schilling Schilling Schilling SqhiiliUg, Generalversammlung der Agudas Jisroel, Fortsetzung unseres vorwöchigen Berichtes. Zum Schlüsse gedachte der Referent (Gen.- Sekr. David Türkl) der Leiden unserer deutschen Brüder: ״Es ist eine Zfeit der Not und Bedrängnis, in der wir leben. In den zweitausend Jahren unseres bitteren Golus haben die Söhne Jakobs Unendlich' viel Leid ertragen und Furchtbares erfahren. Wieder■ ist namenloses Elend und grausamer Schrecken über das jüdische Volk hereingebrochen. An die schlimmsten Tage unserer Leidenszeit werden wir erinnert angesichts des Schicksals unserer Brüder im;Deutschen Reich. Nach einigen kurzen, Jahren scheinbarer Freiheit erschallt wieder die - rauhe ־ Stimme des , blutigen Hasses, der grausamen, fürchterlichen Verfolgung. Wir suchen nach. Gründen für diese Erscheinung:; Wir; suchen nach einem Weg aus dieser Not. Da müssen, wir aber an die Grundlagen denken, auf denen das jüdische Volk auf gebaut ist, auf die Quellen, aus denen es seine Lebenskraft geschöpft hat. Durch die Thora ist Jisroel zu einem Volk geworden, durch den Geist der Thora und i m Geiste der Thora kann das jüdische Volk leben und gedeihen. Zurück zu den Quellen unseres Lebenselementes müssen wir streben! Zurück■ zum öeiste der Thora! Das Leben des einzelnen und das Leben der Gesamtheit im Geiste der Thora einzurichten ist die Pflicht eines jeden Juden. Das ist das Programm der Agudas Jisroel!“ . . In einem sehr interessanten Referat, das unter dem Titel ״D ie Neuges ta 1 tung der Agudas Jisr 0 e 1 i n d e n Länder n d e s Westen s“ angekündigt war, berichtete Herr Direktor Dr. Leo D e u t s c h 1 an d e r über die derzeitige Lage‘ der Agudas Jisroel in den verschiedenen Ländern und über die Schritte, die die Agudas Jisroel zur Linderung der schweren Not unserer deutschen Brüder unternommen hat. Besondere Hervorhebung ver-, dient die Audienz der agudistischen Vertreter, Generalkonsul Sally Guggenheim und Rabbiner de Fano (Mailand) beim Papst —^die ״Jüdische Presse*!--hat über diese Audienz ausführlich berichtet in welcher ein päpstlicher Bischof eindringlich darauf hinwies, die religiöse Judenheit' möge doch dafür sorgen, daßv' ihre Stimme nicht im Chor der. anderen jüdischen Gruppierungen und Organisationen untergehe. Gerade die religiöse Judenheit habe in der heutigen Zeit des Judenhasses die-heilige und große ‘Aufgabe, zu'zeigen, daß Judentum reinstes religiöses G-ttesstreben und G-ttesdienst bedeutet und daß es jeder Richtung fernesteht, . die die Religion j nicht als oberstes Weltprinzip betrachtet und in schädv licher Weise innerhalb der menschlichen Gesellschaft wirkt. I Namens der Kultusgemeinde richtete Herr Doktor j Feldsberg warme Begrüßungsworte an die General- Versammlung, in welchen er die Bedeutung der thoratreuen Judenheit für das gesamte Judentum hervorhob und in seiner Eigenschaft als Obmann der Friedhofskommission der Kultusgemeinde das Versprechen gab, die Errichtung einer landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte für religiöse Jugendliche auf dem freistehenden Boden des jüdischen Friedhofes zu ermöglichen. Für den Vorstand der Adas-JisroelTSchiffschul begrüßte Herr Medizinalrat Dr. Reiniger die Ver- Sammlung,.".■' ■;..,r:.■ ■' In der Debatte ergriffen־ Herr N. D lekmann: über aktuelle Erez-Jisroel-Fragen das Wort;, und Hem David B o ndy, der auf die große Bedeutung jeder; WM bei mir iilviDiriialt» 6 Stunden ibrem^^•Qesichle entsprießend modelliert! Besitzet der weltbekannten PerUcken-KumtwerKitätte Wien I, Kärntnerring 6

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