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Jüdische Presse · 1933-05-12 · 19 (12.5.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
19 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Kötiäolrö *ftrtatnö 00v01en6 riadlt post a telegfäiöt׳ 71 * DfätfeiäTe &*. mn-mm. ־ : Zeitütrgef» m Verleger -:-."׳ J61t11nät exüldlS M H .. ״ . _ . .; ...- ......; Redaktion und Administration: Wien, H., Malzgasse 12 a. ,Tel. A-48-4-15. — Tschecho- *Slowakei: Bratislava, Postfach 140.: Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abötttiementpfeise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech•;K. SO, das Übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen atif Konto «Jüdische Presse*, Wl8n, füfOeäferrelcB :P08t8parka8sertkontoNr.D-Kl614; D6utschlartd.*P08t* 8checkkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 1 Postspk.-Artit: ZagiebNr.40217; eolen: Postspark.-AmtWarscHauNr.l90409,‘ Ungarn j Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170;,Sein»ete! Postscheckk. Zürich Vill, 4117: für die Tschechoslowakei »• .tüdische Presse״,Bratislava,Poätspk.-Amt Prag Konto Nf. 53386 Nr. 19 Wien-Bratislava, 12. Mai 1933 כ*ח ווינא־פרעסכורג a״t אייר תרציג, 19. Jahrg. אגרא דתעניתא צדקתא Die Ereignisse überstürzen sich. Wir sind Akteure geworden und können nicht mehr objektiv beobachten. Die Geschehnisse treiben unser Denken und oft genug auch unser Handeln in eine Richtung, .die unserer eigenen diametral entgegengesetzt ist. Während wir, die glaubenstreue Judenschaft, immer gewohnt waren, die Dinge um uns an den Maßen der Ewigkeit zu messen und nicht den Einflüssen und Eindrücken des Augenblicks zu erliegen, bringen uns heute Zeitungsmeldungen, ׳ nicht selten sehr zweifelhaften Ursprunges, Reden, oft genug sehr fragwürdiger Menschen, und ähnliche Dinge mehr, aus. der Fassung. Mag sein, daß die Zeitgeschehnisse besonders fürchterlich sind, aber wer wollte behaupten, daß es so etwas in der Geschichte unseres Volkes noch nicht gegeben hat? Die Ursache unserer Fassungslosigkeit liegt daher gar nicht bei den Ereignissen selbst. Sie liegt in der losen Haltung, in unserer religiösen Einstellung, sie iiegt in unserer neuen Lebensrichtung, die auf den Moment und seinen Erfolg basiert und daher zeitlich gebunden ist. Es war eine glückliche Idee unserer geistigen Führer, einen Fast- und Buße tag uns aufzuerlegen zur Einkehr und Selbstbesinnung. Jawohl, zur Einkehr und Selbstbesinnung! Unser Fasten ist keine Demonstration nach außen, unsere Kasteiung ist und bleibt nach innen gerichtet, unsere Gebete und unsere Buße führen nach oben oder sollen nach oben führen! r . Und der Erfolg? . . . ^*'Betrachten wir die Dinge einmal in Ruhe; und* klären wir unsere Stellung zu ihnen. Das jüdische Volk ist an zwei großen Fronten geschlagen. In Rußland seelisch und geistig, in Deutschland materiell und kulturell. Das russische Judentum mit seinen immensen geistigen Reservoiren droht im Sumpfe der roten Hölle zu ersticken; das deutsche Judentum, das stolzeste, vornehmste, westlich-kulturell bestentwickelte und materiell-konsolidierteste, wird von einer planmäßigen systemisierten Verfolgung in seinem Lebensnerv so zielsicher getroffen, daß es menschlicher Berechnung nach ein Entrinnen kaum geben kann. Wie mag׳ das alles gekommen sein? Wir sind religiös genug und haben den Mut, uns zu־ sagen, daß Lenin und Hitler — so sehr wir sie und ihre Richtung ablehnen, weil sie aus niedrigen Gefühlen über Menschen usurpatorisch zu herrschen sich für berufen halten —, daß beider Werdegang auch für uns eine Mission beinhaltet. Erinnern wir uns an das - Rußland von vor dem Krieg. Neben den lauteren Quellen, die das jüdische Wissen dort in den Zadikim und Gedolim hatte, war Rußland leider auch die Heimat der H a s k a 1 a h, der jüdischen F r e i g e i s ti g׳k e i t. / Die3e Freigeistigkeit, über sich selbst hinausgewachsen, hat alle Dämme zerstört und ist ins Uferlose gewachsen, sie ist zum Welt- Verhängnis, ja, zum Weltfluch geworden. Und daß an den verheerenden Folgen auch unsere unschätzbaren Werte zügrunde gingen und gehen mußten, ist jüdisches Schicksal. •ב״ון שניחן רשות למשגיח, אין מבחין ״ בין טוב לרעWenn dem Zerstörer einmal freie Macht gegeben ist״, sagen unsere Weisen, ״dann macht er auch vor dem Guten nicht Halt.“ Ein. Zufall bringt uns am Fasttag eine kleine Broschüre auf den leeren Mittagstisch, die vor drei Jahren gehaltene Rede eines Rabbiners über den N i’e der■: gang des deutschen Jude ntums. In bewegten Worten belebt die Rede trockene statistische Zahlen über das Harakiri des deutschen Judentums. Mischehen, Austritte, Spätehen und gewollte Geburtenbeschränkung haben das deutsche Judentum in einer Weise dezimiert, daß die vollständige Auflösung zu einer Rechenäufgabe für Schüler der Volksschule geworden ist. Die jüdischen Fundamentalgrundsätze von der Reinheit und Heiligkeit der Ehe waren vergessen worden — — weil sie jüdischem Geiste entstammen. Was nutzte es, daß unsere wahren Führer zur Einkehr mit prophetischen Worten riefen, sie wurden als Finsterlinge, als Ghettojuden verlacht und verschrien. Es ist beileibe den Feinden und Hassern nicht als Verdienst anzurechnen, daß sie den Abfall . mit rauher und gewalttätiger' Hand eindämmen, aber es'mag ein Teil ihrer Mission sein, um derentwillen sie der Allmächtige zur Macht kommen ließ. Sie stoßen die Ueberläufer zurück, sie säubern ihre Literatur von den Eindringlingen mit brutaler Hand . . . sie haben k e ine anerkennenswerten Gedanken dabei! Aber unbewußt und ungewollt dienen sie auch dem Guten. Täglich kehren längst Verlorengeglaubte zurück. Vielleicht erleben wir es noch, daß die erlauchten Geister, die wir Juden der Welt in Kunst, Literatur und Wissenschaft gegeben haben, sich daran;erinnern, wie dankbar das Judentum immer war, wenn das Schaffen jüdisch blieb. Vielleicht werden die ״Verstoßenen aus dem Lande Oschur“ doch zurückkehren und anläßlich der Säuberung *des deutschen Geistes auch in ihrem jüdischen Geisteskämmerlein großes Reinemachen v e ransalten. Sehen wir vom brutalen Alltag, in dem auch die Guten und das Gute — das ist jüdisches Schicksal! — leiden, hinweg zum anderen Ufer, wo die Gestrandeten Ausblick halten nach einer neuen geistigen Heimat. Wir haben gefastet, das ganze Weltjudentum ist dem Ruf unserer Großen gefolgt, und von New York bis Jerusalem, von England bis Australien, überall hat dieser Ruf Resonnanz gefunden, überall wurde gefastet. Aber ist damit alles erschöpft? ■Hat der Chofez-Chaim, und mit ihm alle anderen Gedolim, in seinem Rufe sonst nichts gesagt? Reinheit der Familie,; Sc.habb.osh e i 1 i g u n g, religiös e E rzie h u n g d e r J u g e n d, jüdisch denk e n und 1 e tie n. aus uns selbst heraus, d a s soll der Sinn, das soll die.Konsequenzunserer Sammlung siein^^Wir^^yerbrennett-'irtichtll^^vas^anderenfÄgehört,; wir schlagen niemanden. Wir ־• entzünden in, unserem Herzen eine reinigende Flamme, die alles Un jüdische verzehren soll, und schlagen uns selbst in die Brust für die Sünden der Vergangenheit. Wir errichten uns selbst die Mauern die uns seit Jahrtausenden ein mächtiger Schutzwall gegen die Uebergriffe brutaler Feinde waren, und zimmern uns innerhalb dieser Mauern unser züchtiges, sturmsicheres jüdisches Haus. Zurück aus den Kulturstätten der Völker zur jüdischen* Zurückgezogenheit! Was haben unsere Jünglinge in den Unterhaltungsdielen der anderen zu suchen? Warum müssen unsere Mädchen den anderen auffallen? Zurück! Selbst zurück! Ehe die anderen uns treiben! Das ist der Sinn unseres Fastens. Einer dem anderen rufe zu: Zurück zum Judentum in Familie und Gesellschaft, in geistiger und kultureller Beziehung! Zurück zur Jüdischkeit! Und damit bringen wir das Judentum vorwärts! Siegmund Ste r n. (Fortsetzung folgt.) Schwierigkeiten in der religiösen Erziehung der jüdischen Jugend*). Von Lehrer Ludwig Tauber. Häufig hört man aus. dem Kreise jüdischer Eltern, die es mit ihrer Erziehungspflicht vollkommen ernst nehmen, Klagen über Mißerfolge in der Erziehung ihrer Kinder zu gesetzestreuen Juden. Meistens liegen die Fälle so, daß die Kinder in ihrer frühen Kindheit und auch während des beginnenden Reifealters von den Eltern als ״fromm" bezeichnet werden und die Abkehr von der Religiosität sich erst später vollzieht. Hält man dann etwa den Eltern vor, sie hätten ihrer Erziehungspflicht nicht voll und ganz Genüge geleistet, so weisen sie dies mit der Verantwortung zurück, ihrerseits das möglichstegetan und kein Geldopfer für die jüdische Erziehung ■■ ihrer Kinder gescheut zu haben. Die Veränderung in der religiösen Einstellung des Jugendlichen wird dementsprechend fremden Einflüssen, die außerhalb der Familienerziehüng liegen, zugeschrieben. Gegen diese verheerenden Einflüsse, anzukämpfen, hört man dann weiter, seien die Eltern, beim besten Willen zu schwach. *) Wir, setzen heute die, seinerzeit angekündigfce (siehe ״Jüdische Presse“ Nr. 6, vom 10. Februar 1933) Artikelserie-über pädagogische Erziehungsprableme fort, — Die Redaktion, Das schönste Geschenk sind 1 REDLER-MOBEL in Preis und Qualität / Gratisberätüng durch ersfc״ klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse Wien I, Sc hotten ring Nr. 35 ,Samstag geschlossen (,Schomra*-Mitglied) ' Kinderheim in SAUERBRUNN neu eröffnet! / Großer, herrlicher Garten / י Spielplätze / Geschultes Personal / Mäßige Preise i O. VVEISS, Restaurateur, Sauerbrunn, und AUSKIIlllt% H. SGHOTTEN, Wien II, Gr. Monreng. 26,r; IN- UND^. AUSL. MODENEUHEITEN 1K g^L EIDE OLLE GEGR.1669 TEL.U-21-0-54 FRANZ NEUMANN, I, CONCORDIAPLATZ 5 Reklarpeverkauf vom42;bls20.Mai Ab שבועות Wieder-, bzw.a Neueröffnung unserer | Eigener Park, neue Duschanlage, Spielwiese, | | Plantschbecken, Sandgrube, ärztliche Aufsicht. | Leitung: Staatlich geprüfter Lehrer ׳■׳";־. J. EISENBERG, ׳ | Wien, II., Große Pfarrgasse 8 (Tel. A-45-4-92). E3 herrscht in: jüdischen Kreisen die Auffassung, die religiöse Erziehung habe mit Erreichung des vierzehnten ‘ Lebensjahres in der Hauptsache ihren Abschluß, gefunden. Die Eltern sind gewöhnlich ,während dieser ersten Phase der religiösen Entwicklung mit dem Erfolg ihrer religiösen Beeinflussung recht zufrieden, per Dreizehn- bis Vierzehnjährige, der am Ende dieser Phase steht, paßt sich ja noch recht gut •in seiner religiösen Lebensweise dem Erziehungswillen der Eltern an. In dieser allgemein herrschenden Auffassung, daß ein Kind vor dem vierzehnten Lebensjahr als religiös an: gesehen werden könne, liegt aber ein großer Erziejiungs■: fehler begründet: Diese Meinung erzeugt nämlich in deij Eltern eine veränderte, neue Haltung zu dem• Vierzehnjährigen. Entweder verhalten sie sich von nun an ,passiv, ״da alles Erreichbare in bezug auf religiöse Erziehung־ erreicht worden sei“, oder sie wenden eine übermäßig^ Strenge auf, . wenn entdeckt wird, daß die Lebensweise ihres Zöglings. mit dem Religionsgesetz in Widerspruch steht. Und zu ihrem Erstaunen entdecken die Eltern, daß dasselbe Mittel der Strenge, das bisher mit so viel Erfolg' angewandt wurde, nunmehr bei Vierzehn- bis Achtzehnjährigen gänzlich versagt, ja, nochmehr, däs-.gUtA^nr vernehmen ,zwischen Eltern und. Kindern zerstört und, je’ häufige? angewendet, desto mehr die neuentstandene Kluft vertieft. 'S.4•■'׳., Nun soll aufgezeigt werden, daß ein;Kind vpr dem: Eintritt in die Geschlechtsreife nicht wirklich religiös sein kann, Wir ha-ben uns daran gewöhnt,־ verschiedene tafr 1 mir s 11 qj! Ifi 11 g 1*l1a״l:b' :6■■ St 11 1) d0n Gesichte entsprechend :modellierte Besitzer der welttje'Kannten: 11 Kärntnerring §$$ 4 '4 - ״״.wn י” צ־׳' ־1־’f'״” - ,*י י

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