Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 18 (5.5.1933)
- Date
- 1933-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nfc 18 mmm1 presse recke!•* hat Auferstehung gefeiertih einer Weise; die ge* eignet ist, auch den, sattelfestesten C«V.*er aus dem Ron- 2ept ln bringen. öäs Idehi des deütschjüdischen Liberalismtis; das Völikcmifiene Aüfgehen der deutschen Juden in ihr WiftsVölk, ist dUfßh'dfe letzte Entwicklung wohl für immer au Grabe getragen worden. Ünd das Fazit aus diesem Geschehen? Die Alten, die!lieht , mehr tttäkehretr können, brechen ausamtnen. Aber die Jugend Will und wird heute ebenso* Wenig wie irgendwann auf ihr Recht zu leben vef* sichten« ist Ihr ,*—• G*tt sei dank —* diejenige Lebensbasis entsagen, auf die sie durch Verirrung ihrer Väter gestoßen worden war und die su völligem Untergänge hätte führen müssen, so sucht sie mit aller Kraft nach einer anderen« Sie will, sie kann und sie Wird sich neu orientieren« Jedoch wohin? Man darf es sich nicht verhehlen, daß die mangelhafte Orgatiisa* tion und der chronische Quietismus der Orthodoxie heute leider nur wenig Wahrscheinlichkeit dafür bieten, daß die aus dem TodesscWafe der Assimilation erweckten Gemüter in gerader Linie, geschlossen der!Thora, dem ewigen Leb.ensquell unseres Volkes, zugeführt werden können« Immerhin aber wird ein großer feil de» Weg surückfinden, vor allem diejenigen, die das Band zur Tradition noch nicht völlig gelöst hatten. Alte verstaubte Bräuche Werden verjüngt, erhaiten neuen Sinn und neues Lehen, der £utonmenitatig mR dem Klalt-Jisroei wird wundersam verstärkt und der hoffnungsvolle Blick zur T h o r a u!f9 nach dem im Geiste der Thora erbauten Mrez Jisroel gerichtet« Aber auch unsere anderen Brüder, die,־ dem Natio* naiismus als Modegeist unserer Beit Huldigend, sieh deui Zionismus in die Arme werfen, auch Sie sind Ufil auf ihrem Wege vom deutschen Nationalismus zum jüdischen Natio* naiismus um ein gutes Stück näher gekommen, wie groß• immerhin die Kluft auch ist, die uns noch heute Vötteinan* der trennt. Traurig, unsagbar traurig ist das Schicksal unserer Brüder im Deutschen Reich. Drohende Gewitterwolken verdüstern den politischen Horizont auch unseres Landes, und dennoch, wer wollte in all diesem Geschehen die Hand des Allgütigen verkennen, des Hüters Israels, der sein Volk nicht untergehen läßt und es mit sicherer Hand seinem Ziele zuführt! A. B. Aus der Agudas Jisroel. Audienz beim Papst wegen der Lage der deutschen Juden. Das .Mitglied der politischen Exekutive der Agudas Jisroel, Gencralkonsül Sally Guggehheim und Herr Rabbiher de Fano, Milano, sprachen im Vatikan wegen der Lage der deutschen Juden vor und wurden yom Papst in Privataudienz empfangen. Ein ausführlicher Bericht über diese Audienz wurde nicht verlautbart. Westeuropäische Aguda-Konferenz in . .. . Brüssel. Sonntag Und Montag voriger Woche fand in Br üsse 1 in Anwesenheit zahlreicher Delegierter der Landesorganisätionen von Frankreich, England, Belgien, Holland, Italien und der Schweiz eine Konferenz der Agudas Jisroel statt. Den Vorsitz führten die Herren! Öberrabbiner Hir sch, Zwolle, Rabbiner Langer, Paris, Rabbiner Dr. T. L e w e n s t e i n, Zürich!, und Oberrabbiner Rotten borg, Antwerpen. Die Konferenz beschäftigte sich sehr .eingehend außer mit allgemeinen organisatorischen Fragen besonders mit der religiösen und bürgerrechtlichen Lage der deutschen Juden sowie über die in dieser Beziehung im Aufträge der westeuropäischen Landesorganisationen von den Herren Generalkonsul S. Guggenheim, Basel, H.. A..G 0,0 dm a 11, London, und M. D. L e w ens t ei n, Zürich, unternommenen Schritte, über welche der Konferenz genaue Berichte• Vorlagen. Mit dem Großen Dondoher Hilfskomitee für deutsche Juden wurden Verhandhingen geführt und eine gegenseitige Verständigung vereinbart, Aehnliche Schritte werden bei den übrigen großen Hilfsorganisationen unternommen werden. Es wurde beschlossen, eine Wirtschaftskommission in Zusammenarbeit ״ mit den ,übrigen bestehenden Hilfsorganisationen für die deutschen Juden ins Leben zu rufen, dessen Vorsitzender Mäitre Mathieu. Mülle r, avocat ä la Cour d'appel, Paris, ist.und dessen Mitarbeiter die Herren Advokat Lebba, London, Advokat Schnurmann, Straßbourg, Advokat de Haas, Utrecht, Advokat Dr. Ortlieb, Zürich, und S. Richter, Antwerpen, sind. Unter die Aufgaben dieser Kommission fällt insbesondere die Schaffung von Hachschär a- Z e n t r cn in verschiedenen Ländern sowie die Errichtung von Fachsehulen zu ermöglichen, um die B er uf s Umschichtun g durchzuführen. Es wurde ferner bestimmt, daß die Landesorganisationen sich aktiv an den Arbeiten der bereits bestehenden Hilfsorganisätionen beteiligen und, wo solche noch nicht bestehen, gründen; sollen. Im Interesse . des Weiterbestandes der jüdischen Gemeinden, Lehr- und Erziehungsinstitutionen in Deutschland ergeht der Ruf an die Juden der ganzen Welt, sich eine 5- bis lOprozentige Erhöhung der Gemeinde- , Steuer aufzuerlegen. Die Leitung der Delegierten-Konferenz wurde beauf tragt, die Möglichkeit zu prüfen, eine interkonf es sioue 11 e E inhe i t s f r o nt zur Bekämpfung der immer mehr sich in der Gesellschaft mehrenden .Ä ■SCHOKOLADE 5*1*20 g-ttesfeindllchen ,Strö mu n g e n ins Leben zu rufen. , Das westeuropäische Büro der Agudas Jisroel wird nach Zürich verlegt. Ferner wird in L o 11 d 0 11 ein Erez -Jisroel -Amt und in ZUrich ein Presse- und Informationsdienst sowie eine Rechts-, schütz- und WirtschaftshIlfsabteÜun'g für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland geschaffen. Konferenz über Erez-Jisroel-Arbeit in Deutschland. ׳ Am 23. April fand eine Zusammenkunft des Vorsitzenden der Palästina-Weltzentrale der Agudas Jisroel Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M., mit dem Vorstand der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel und dem Palästina-Amt der Jugendorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland statt, die der Besprechung aktueller Palästina-Fragen, insbesondere derjenigen der Emigration deutscher Agudisten nach Erez Jisroel gewidmet war. Es wurden Beschlüsse gefaßt betreffend die landwirtschaftliche Ausbildung junger Agudisten, die nach Erez Jisroel übersiedeln wollen. Das neueingerichtete Palästina-Informationsbüro der Agudas Jisroel wird regelmäßig wirtschaftliche Informationen über die Lage in Palästina verbreiten. Ferner wurde ein großzügiges Siedlungsprojekt für Mittelständler mit größerem Eigenkapital besprochen. Eine Aussprache mit dem Palästina- Amt über die Verwendung der für Juden in Deutschland jüngst bewilligten Palästina-Zertifikate führte er zu einem befriedigenden Resultat. Es wurde die Gründung eines ״Noar agudosi“, als Zusammenfassung aller auf dem Boden der Agudah stehenden Jugendlichen, die sich für landwirtschaftliche oder handwerkliche. Betätigung in Erez Jisroel ausbilden, beschlossen. ' Agudistische Kreiskonferenz in Wolhynien. Vergangenen Sonntag fand, in Rowno in Anwesenheit zahlreicher Delegierten, und Rabbiner eine Kreis- Konferenz der Agudas Jisroel für Wolhynien statt. Im Gegensatz zu Kongreß-Polen hat die Organisierung der orthodoxen Judenheit in der Agudas Jisroel in Wolhynien erst viel später eingesetzt, was für die Orthodoxie einen uneinbringlichen Schaden verursacht hat. Die Propagandaarbeit der zionistischen und anderen ״freien“ jüdischen Organisationen hat bedauerlicherweise bei der Orthodoxie keinen . organisierten /Widerstand gefunden, was -einen nicht zu unterschätzenden Abfall Jugendlicher zur Folge hatte. Die Führer der Orthodoxie in Wolhynien haben daher bereits vor längerer Zeit beschlossen, eine straffe agudistische Organisation zu schaffen, welche sich inzwischen bereits segensreich auswirkt. Die Kreiskonferenz beschäftigte sich mit allen die Orthodoxie berührenden Problemen, insbesondere mit Erziehungsfragen der männlichen und weiblichen Jugend. Es׳ wurden verschiedene. Beschlüsse gefaßt und es ist zu erwarten, daß Agudas Jisroel nunmehr auch in Wolhynien die Wortführerin im jüdischen Leben wird. Die Selbständigkeit der Orthodoxie in Erez Jisroel. Der von der Mandatskommission des Völkerbundes als Rapporteur über die Frage der jüdischen Gemeinschaft in Palästina eingesetzte D r. Ruppe 1 2imm«rmal«rf Künstler mit ,einigen:■ hundert Anerkennungsschreiben, malt 2immer und Küche, gasfest» um SO Schilling modern, hygienisch, rein, i*: hünf Jahre Garantie Sdiöny, 111«, Mametgasae 43. Lokal!gffraX, studiert gegenwärtig in Palästina das Problem der off Mellen Vertretung der palästinensischen Judenheit. Dr. Rüppel empfing Delegationen des zionistischen ״Waad leuiiii" und der selbständigen orthodoxen Gemeinde. Die Delegation des ״Waad leumi" verlangte ״im Interesse der Errichtung des jüdischen Nationalheimes“ die Anerkennung einer einheitlichen jüdischen Gemeinschaft, während die agudistische Delegation Dr. Rüppel die Forderung der Orthodoxie vorlegte, ihre religiösen Angelegenheiten in strenger Übereinstimmung mit der jüdischen tfeberlieferung in eigenen anerkannten orthodoxen Gemeinden regeln zu können. Bekanntlich soll in der nächsten Session der Mandatskommission des Völkerbundes die Entscheidung über die öffentlich-rechtliche Anerkennung der selbständigen orthodoxen Gemeinden in Erez Jisroel fallen. Die Orthodoxie verlangt — mit Recht! —, daß sie nicht in schwerste Gewissenskonflikte gedrängt werde, wie sie die Zugehörigkeit zu von N i c h t r e 1 i g.i ÖS e n geleiteten Gemeinden mit religiohsgesetzlich verbotehem Frauen- Wahlrecht usw. mit sich bringen. Die Orthodoxie verlangt, daß ihr die Möglichkeit gegeben werde, ihre r e 1 i g i Ösen Belange selbständig und frei, im Geiste der Thora und Tradition, zu verwalten. Aller Voraussicht nach wird die Entscheidung in positivgünstigem Sinne fallen. Jedenfalls aber werden die orthodoxen Organisationen noch mit allem Nachdruck nach dieser Richtung hin tätig sein müssen ünd auch die ״Jüdische Presse" wird sich noch mit dieser Frage ausführlich zu befassen haben. Agudas Jisroel in Großwardeiii. Unter großer Beteiligung fand am vergangenen Sonntag die Generalversammlung der Agudas-Jisroel- Jugendorganisation in Groß wardein statt. Von den verschiedenen wichtigen Problemen, die behandelt wurden, nahm die Keren-Hajischuw-Frage den breitesten Raum ein. Die Großwardeiner Jugendgruppe hat besonders in den letzten drei Monaten über beträchtliche Erfolge in der Arbeit für Erez Jisroel hinzüweisen. Nach Beendigung der Diskussion wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen und die Herren Eugen Feldmann, L. Friedmann, B. Gottlieb, Ules Pollack, Ignaz Fisch, Zoltan Oppenheim, J. Herling, J. Koppelmann, K. Kolmann, B. Weiß, Ernst Kirsch und B. Rosenthal neu- bzw. wiedergewählt. \ Der neue Vorstand wird sofort die Vorbereitungeh zur Einberufung der Landeskonferenz in Angriff nehmen. Es gibt im Lande eine ganze Reihe von Ortsgruppen, die nur in losem Verhältnis zu einander stehen, obwohl ein intensives Zusammenarbeiten unbedingt notwendig ist. Die Landeskonferenz soll die einzelnen Gruppen auf ein gemeinsames Arbeitsprogramin einigen. Die Konferenz wird für den 10. Siwan nach Großwardein einberufenwerden. Großrabbiner von Sadagora nach Erez Jisroel abgereist. Der Sadagoraer Rebbe, Großrabbiner Mordechäi Friedmann, ist am Montag, in Begleitung seines Sekretärs, nach Erez Jisroel abgereist. Am Bahnhof hatten sich die Mitglieder der großrabbinischen Familie und zahlreiche Anhänger eingefunden, um in herzlicher Weise Abschied zu nehmen. Sadagoraer Rebbe, bekanntlich ein Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel, wartete schon seit Jahren sehnsüchtig auf die Gelegenheit, einmal selbst im Heiligen Lande sein zu können. Diesen Wunsch zu erfüllen! fiel ihm jetzt um so leichter, als er von zahlreichen Anhängern in Erez Jisroel gebeten wurde, dorthin zu kommen. Großrabbiner Friedmann wird voraussichtlich bis nach Schwuos im Lande verbleiben, wo er auch im Interesse des Kläll tätig sein und sich für die Ge- Währung von Einwanderungszertifikaten für orthodoxe Olim an die Aguda einsetzen will. Auf seinem Wege begleiten ihn die besten Wünsche seiner Anhänger und Freunde. (Wir wünschen ihm eine gute Ueberfahrt und viel Erfolg! Die Redaktion.) / . Erzählung von S. Wie z, (Fortsetzung) [4] Wie wird sich der Rabbi freuen, wenn er nächstens zu ihm kommt, mit seinem Sohn, vielleicht mit seinen Söhnen — — — Denn dieser David Baumer war ein Mann, mit dem man sich sehen lassen konnte . . . Wenn nur das Mädchen zuweilen nicht gar so sonderlich wäre . . Er hätte sich vielleicht auch über die Erziehung der Tochter mit dem vielwissenden, heiligen Manne beraten sollen. Er hielt es damals nicht für nötig, es war ja nur ein Mädchen , * . ״Aber es wird schon anders, wenn sie einmal aus der unseligen Schenke heraus an die Seite eines solchen Mannes kommt. Was, Debora, ist es etwa nicht so?“ So schien der Bück des Mannes zu fragen, der jetzt prüfend auf/den Mienen der Gattin ruhte, Sie lächelte und nickte vielsagend mit dem Haupte, Sie .verstand alles, Frau Debora, und war mit allem einverstanden. . Und während die Jungen lernten und die Alten sich so ׳ stumm ,uüterhieiten, huschte! mit leichtem, leisem gebritt, ein polnisches Liedchen träliernd und ein Buch in der Hand, Merelaika ins Zimmer. Mit etwas fremdem, haltern Büch maß sie die Anwesenden. Mit halb zugezogenen Augenbrauen betrachtete *sie die Lernenden, und ein verächtliches Lächeln umspielte ihren schönen Mund. Wie sie sich bei so faden Dingen, die sie kaum verstand, so ereifern und erhitzen konnten! ... Und er war doch '!m Grunde nicht häßlich, der junge Mann mit dem zarten Gesichte, der großen Denkerstirn, die das kecksitzende, nach hinten verschobene , schwarze Käppchen ganz zum Vorschein kommen ließ, den schwarzen Augen, die sehr klug schienen und oft in der Hitze der . Redeschlacht energisch funkelten. Warum mußte David gerade ״Bocher“ sein und in einer. Sprache, die ihr ein Greuel war, in einem Tone, der sie an jene Judenschule erinnerte, von der der Lehrer einst so Verächtlich sprach, wenn es in der Klasse laut herging, über Gegenstände sprechen, von denen man sonst in keinem vernünftigen Buche nur ein Wort fand? Sie hätte am liebsten auch hier ״Schluß für heute“ ge* bieten mögen, allein hier hörte ihre Machtsphäre auf. Sie fühlte sich nicht heimisch, nicht behaglich in diesem Kreise. Und ein leises Unbehagen ging von ihr auch auf die ganze Umgebung über. Im Vorplatz knurrte der Hund, der mit dem Wirtschaftsschluß und dem Heimgang Wainkas ins Haus zurückkehrte, wütend, und die Katze, die vor einer Weile noch am Seelenfrieden der trauten Familie teilgeriommen hatte, sprang unruhig von einem Platz zum anderen. David fand, daß es bereits spät, war, und ging. V. Die Mondscheibe leuchtete voll und hell, als hätte sie es just auf diesen Punkt abgesehen, in den Hinterhof der ״Ochsen-Wirtschaft“ hinein. Hier breiteten sich grüne Fluren, im fahlen Mondscheine schimmernde, buntbepflanzte Felder aus, aüf die die Hügelketten in großen, wachsenden UmHsaen nächtschwarze Bilder zeichneten. Ein Stoßwind kam von Norden her ünd wirbelte von Zeit zu Zeit den Sund auf, Dort am Abhang hub es zu surren und zu summen an. ■ ־ \ Der Wind hatte den kreuzweise übereinander* gehefteten Flügeln der Windmühle Atem eingehaucht und nun bewegten sie sich gespenstisch und kreiselten lustig in der* Luft, Oben wurde ein Lichtschimmer sichtbar, und bald begleitete das Arbeiten der Müblenflügel ein lustiges Lied, gepfiffen von Müllers Hans. Man mußte den präcb* «geh, Wind ausnützen ,,, ■. ׳ :־.; '/T ־. Wie wohl ihr dieser kühle Luftzug tat; seit geraumer Zeit stand Merelaika da, betrachtet den stemenbesäten Himmel, den blassen Mond, die in Nachtdunkel gehüllten grünen Fluren. Wie tot lag die weite• Ferne . . . Und im Hause schlief alles ... Kein Licht, kein Leben weit und breit. Und nun kam ein Hauch von oben und die Welt bekam Odem und Leben. Die Luft hüpfte vor Lust und das Tal streute neckisch dem sich über sie beugenden Bergriesen Sandhaufen in die Augen . . . Die Mühle schwang die Flügel und sang Lieder voll Leben und Lust in die stille, dunkle Nacht hinaus ... Wie wohl das tat! Und da hatte sie ans Schlafengehen gedacht ... ־ Leben, leben . . . Ein unbestimmtes Sehnen nach Leben, nach einem anderen, besseren Leben erfüllte Merelaikas Brust, ein dunkles Ahnen, daß anderswo, in weiter Ferne, dort jenseits der Berge, deren Umrisse der Mond undeutlich zeigte, eine Zauberwelt ihrer harrte. Sie hatte in der Schule Fremdes in ihr Wesen aufgenommen, das ihre alten, schwachgebauten Heiligtümer zertrümmerte, aber ihr ein Neues noch nicht gab. Sie wurzelte unbewußt zu tief in dem Boden, dessen sie sich schämen zu müssen glaubte, und dieser Widerstreit der Empfindungen ließ im jungen, empfänglichen Herzen Hoffnungen, Ahnungen und Wünsche entstehen, die, je unklarer sie waren, um so berauschender und sinnverwirrender wirkten. Es war ihr oft, als müßte noch einmal der Ritter, von dem die Märchen erzählten, kommen und sie in jenes Traümland hinter den Bergen entführen, wo sie des Lebens Sinn und Wert erfassen, des Daseins be« seligende Freuden genießen werde , , ,; , Das Leben daheim erschien ihr öde, fad und freudlos, namentlich, wenn die Lichter in der Wirtsstube herunter* gedreht waren und sie in das enge Famiüenzimmef mußte , . , sie liebte im Grunde ihre Eitern, und hatte auch ihren Rrude? nicht ungern. Aber was konnten sie ihr bieten? Sie verst^hd sie nicht und verachtete ihre Sprache und ihre Wesensart, in der Ueberzeugung, daß sie ihr niemals den Weg zeigen würden zu jenem Traum* lande, wo, das Glück blüht whd das volle Leben rauschte *'׳