Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 17 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, H, Malzgasse 12 a. Tel. A-48-4-16. — Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 14Ö. .Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Atootiiiemeiitpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, das Übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien, für Oester-, reich :Postsparkassenkontn Nr. D-93614: Deutschland :Post- Scheckkonto Beriin Nr. 12.619• Jugoslawien: Postspk.-Ainf Zagt eb Nr.40217: ׳- ölen: Poatspark.-Amt Warschau Nr.190409: Ungarn: Postspk.-Amt Budapest ivr. 50170; Schwele: Post, scheckk. Zürich Vili, 4117; für die Tschechoslowakei: *Ja. dischePres8e*,Bratislava,Postspk.‘AmtPfagKöntöNr.53386 Nr. 17 Wien-Bratislava, 28. April 1923 ב*ף. ח־ינא־פרעסבורג ב׳ אייר 'תרצ׳ג 19. Jahrs. Das Kind in der Schule♦ Das schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL Nach einigem Zögern ist nun die deutsche Reichsregierüng auch mit der Neuordnung des Schulwesens fertig geworden. Fortab dürfen jüdische Kinder nicht ohne weiteres in die öffentliche Schule gehen. Kinder jüdischer Eltern, die erst nach dem August 1914 aus dem Osten nach Deutschland gezogen sind, sind ausnahmslos vom Schulbesuch ausgeschlossen. Kinder jüdischer Eltern deutscher Staatszugehörigkeit dürfen nur nach der Prozentnorm in die Schule gehen. Innerhalb dieses Prozentsatzes werden Kinder jüdischer Frontsoldaten öder Kriegsgefallener bevorzugt werden. Eine Erleichterung findet man ,in diesem Dokument der Grausamkeit nur gegenüber Kindern aus Mischehen, soweit sie vor dem Anbruch-des Dritten Reiches geschlossen wurden. Für Kinder künftiger Mischehen güt die Beschränkung der Nichtarier. Diese Verfügung der Reichsregierung, die sich nun nicht gegen weltberühmte Hochschulprofessoren, sondern gegen ünmündige Kinder wendet, wird in der Kulturwelt einen neuerlichen Aufschrei der geschändeten Zivilisation auslösen. Die deutschen Juden selbst kämpfen mit dem letzten Rest ihrer Kraft und Würde nunmehr nicht so sehr gegen ihre Sonderstellung als Rasse, sondern gegen 'das Kains- Zeichen einer minderwertigen Rasse. Wir wollen weder in die blutenden Wunden unserer deutschen Brüder Salz streuen noch Wehklagen über neue deutsche Greuel gegen Kleinkinder erheben. Es genügt, wenn wir konstatieren, daß die deutsche Regierung des JDritten Reiches restlos auf dem Standpunkt einer Theorie steht, nach welcher die Juden samt und sonders eine minderwertige Rasse dars;te 11 e;n, . ^wüebec'; di&l^Vahrheit und ■^.ckaiu*,;Wert i dieser Theorie wird die Zeit urteilen; wir können über dieses . Urteil nicht in Zweifel sein. Wir müssen nur seelisehen Mut und körperliche Kraft besitzen, die schwere Zeit der Prüfung bis zur Urteilsverkündung zu überdauern. ■ , Schon jetzt aber leuchtet mit Strahlendem Glanz in Zeiten der Bitternisse die jüdische Schule. In allen großen jüdischen Zentren Deutschlands bestehen mustergültige jüdische Lehranstalten, welche in der verflossenen Aera des L i b e r a 1 i s m u s und der in Deutschland mit besonderem Hochdruck betriebenen Assimilation einen schweren materiellen und moralischen Kampf zu führen hatten. Jetzt*bilden sie eine ,Insel der Seligen, eine Oase des Trostes für jüdische Kinder und jüdische Lehrer, die hier auf eigenem Grund und Boden lehren und lernen dürfen. Wir Juden in Oesterreich,.besonders aber in Wien, sind diesbezüglich schlechter dran. Wir sind nicht in dem Maße mit jüdischen Schulen versorgt, wie es in Deutschland der Fall ist. Trotz eifriger Propaganda einiger begeisterter Freunde der jüdischen Schule haben wir es in Wien, was das untere Schulwesen betrifft, nicht weiter gebracht als bis zu einer einzigen privaten Volks- und Hauptschule für Knaben und Mädchen. Die einzige jüdische Mittelschule, die in Wien existiert, das Chajes- Realgymnasium, ist infolge des dort herrschenden areligiösen Geistes und des dort eingeführten Hebräisch mit sephardischer Aussprache leider als Parteischule zu betrachten, die für viele, besonders aber religiös gesinnte Eltern nicht in Betracht kommt. Es sind aber überhaupt nicht die Mittelschulen, die uns hier so stark fehlen. Die österreichischen Schulbehörden w a r n e n seit geraumer Zeit vor dem Zustrom zur Mittelschule. Wir unsererseits als religiöse Juden haben stets schwere Bedenken gegen die wahllose Beschickung der diversen Mittelschulen durch unsere Kinder geäußert. Es ist eine traurige Tatsache, daß mehr als '95 Prozent aller religiösen Kinder, die eine Mittelschule besuchen, am Ende für das thoratreue Judentum verlorengehen. Alle behördlichen Ermahnungen und alle religiösen Warnungen verloren bisher ihre Wirkung vor der blinden Liebe jüdischer Eltern, die ihre Kinder, mit dem Doktorhut gekrönt, in sozial gehobener und materiell auskömmlicher Stellung sehen möchten. Alle, selbst tiefreligiöse jüdische Eltern leben in der Vorstellung, daß speziell ihre Kinder eine Ausnahme trilden werden. Sie glauben, daß ihre Kinder als seltene Ausnahme auch in ihrem akademischen Beruf den Sabbat werden heilighalten und im allgemeinen einen religiösen Lebenswandel werden führen können; sie hoffen, daß trotz der erschreckenden Proletarisieriüng aller akademischen Berufe, ihre Kinder als Ausnahme ein auskömmliches Brot werden haben können. * Nun sind die wirtschaftlichen Verhältnisse auch bei uns in Oesterreich derart schlecht, die politische Situation derart gespannt, daß nunmehr die oberste Schulbehörde zu energischen Maßnahmen greifen mußte. Die neueste Verordnung des Unterrichtsministers will nun an die Mittelschüler einen erhöhten intellektuellen und moralisehen Zensus anlegen. Schüler,י,die nicht fleißig und intelligent genug sind, ein genügend gutes Zeugnis zu erlangen, sollen vom Mittelschulstudium ausgeschlossen werden. Gegen diese Verordnung ist nichts einzuwenden. In der Praxis wird sich wohl zeigen; daß so mancher Mittel- Schullehrer seine jüdischen Schüler anders, strenger prüfen wird als die nicht jüdischen, Wir gestehen es aber offen ein, daß diese ״Prüfung“ noch am leichtesten zu ertragen ist. Es ist. nicht vernünftig, daß so viele minderbegabte und unbegabte jüdische Kinder1 die Mittelschule besuchen. Wir hoffen aber, daß unsere .religiösen Führer ebenfalls strengere Maßnahmen ergreifen werden, um den religiös so gefährlichen Zustrom von Kindern orthodoxer Eltern zur Mittelschule hintanzuhalten. Der psychologische Augenblick ist vorhanden. In jedem jüdischen Herzen zittert der Schimpf nach, den man dem jüdischen י Schullände in Deutschland antut. In Oesterreich sind G-tt sei Dank die Verhältnisse nicht so weit, aber wozu leugnen, Von Oberrabbiner Dr. J. Carlebach, Altona. Gekürzte Wiedergabe aus der Jakob Rosenheim-Festschrift. Die überall äußerst gespannte politisehe Weltlage verleiht den interessanten und lehrreichen Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters besondere Aktualität. R e dak t i o n. Die Menschheit ist in Fragen, der Ewigkeit von kurzem Gedächtnis. Probleme, die gestern alle Herzen beschäftigten und scheinbar einfür allemal ihre Lösung erfahren hatten, entschwinden heute wieder aus dem Gesichtskreis. Die großen Erlebnisse sind vergessen, und ihre beim Drohblick des Schicksals alle Herzen zwingende Logik weicht wieder dem bequemen Schlagwort der Stunde. So mit der Frage von Moral und Politik. Hätte man nicht glauben sollen, die aufwühlende Erschütterung des Weltkrieges habe mit so eindringlicher Sprache zu allen gesprochen, die Nemesis ■ der Weltgeschichte, im Zusammenbruch der Fürstenhäuser und der auf Gewalt gegründeten Staaten, im Scheitern aller Diplomatie der Unterdrückung und Ueberlistung, habe ihr Todesurteil über alle reine Machtpolitik so nachdrücklich verkündet, daß der Widersinn der ihr zu Grunde liegenden ״politisehen Moral“ als unverlierbarer Besitz für alle Zeit sich in die Herzen eingegraben und zur gedanklichen Selbst- Verständlichkeit geworden sei?? Aber schon heute sind wir weit davon entfernt, daß dieses Fazit für das Lehen der Oeffentlichkeit, für Völker und Gruppen des politisehen Lebens gezogen würde. Selbst im jüdischen Kreis ist das wahre Verhältnis von Moral und Politik noch längst nicht zu voller Klarheit durchgedrungen, geschweige denn zur Verwirklichung gelangt. Um so mehr ist es immer erneute Pflicht, es zur Diskussion zu stellen und vor allem die charakteristischen Momente zur An- IN- UND AUSL. MODENEUHEITEN |fj g«°AsIL SEIDE \AJOLLE GEGR.1869 WW T E TEL. U-21-0-54 ♦31..■' FRANZ NEUMANN, I, CONCORDIAPLATZ 5 in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst•• klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra‘-Mitglied) auch die Wiener Atmosphäre ist nicht mehr frei von dem Bazillus des Judenhasses. Trotz aller Abwehrmaßnahmen der verantwortlichen Schulbehörden dringt von der Straße aus in jedes Klassen- Zimmer der Ruf nach der judenreinen Schule. Wehe den Ohren, die bisher unseren Ruf: Das jüdische Kind in die jüdische Schule! nicht hören wollten, diesen wohlgemeinten, freundlichen, einladenden Ruf. Jetzt werden diese verstockten Ohren den haßerfüllten, grimmigen,• verächtlichen Ruf ,,Juden hinaus!“ vernehmen müssen. Wir religiösen Juden haben uns eine richtige religiöse Erziehung unserer Kind er n ü r an e i ner j ü di s c h e n Schule vo rstellen können. Hoffentlich werden unsere v e r an t wörtliche n r e 1 i gi ö s e n F ü h r e r — u n d alle Eltern sollen verantwortliche Führer ihrer Kinder sein — endlich für die Schaffung und Erhaltung von jüdischen religiösen Schulen sich mit aller Tatkraft eins e t z e n, da m 1 t d a s j ü d ische K i n d i n der jüdisehen Schule erzogen werden kann. Spektator. ־־ ■־ .׳*>•.,'־יי 4- < י'•■' ־ ־ , ' schäulichkeit h erauszuarbeiten, welche die prophetische -und rabbinische ״Auffassung über •die^Geltung'-des״ Sittengesetzes im Leben der Völker kennzeichnen. Volk und Individuum. Wir beginnen mit:der Fragestellung, welche für das gesamte Problem von fundamentaler Bedeutung ist: Für wen gilt das moralische Gesetz in erster Linie und in höherem Grade, für den Einzelnen oder für die politischen Gebilde der Parteien, der Völker, für die Menschheit?? Der Vorkriegsmentalität war es selbstverständliches Dogma, daß moralische Prinzipien nur das I n d iyiduum verpflichten. Selbstsucht des einzelnen galt jedem Edeldenkenden als verächtlich. Nicht so der Egoismus der Völker. Wenn die verantwortlichen Führer und: Leiter der großen und kleinen Organisationen der Menschen für die Interessen der ihrem Sch,utz Anvertrauten mit wahlloser Gleichgültigkeit in den Mitteln eintraten, mit der schleichenden Hinterlist der Schlange und der blutrünstigen Grausamkeit des Raubtiers, dann traf sie kein Vorwurf. Im Gegenteil. Hier war ein reiner Egoismus, eine skrupellose Amoral Pflicht-und Verdienst. Das war das politische ABC zu allen Zeiten. Die innere Rechtfertigung fand der Politiker vor seinem Gewissen in dem Gedanken, daß diese Handlungen der Uri- .moral doch nicht im eigenen Interesse, aus persönlicher Selbstsucht geschehen, sondern . zum Heile und zum Besten Ariderer vollführt würden. Unter diesem Gesichtspunkt konnte der Egoismus heilig gesprochen werden. Mit diesem Gedanken beschwichtigten sich die ihn selbst oft quälenden und beschämenden Gefühle der Würdelosigkeit seines Handels, bis sich ihm ״weltanschaulich“ die Notwendigkeit und innere Berechtigung einer zwiefachen Ethik ergab: der Moral des einzelnen und des Ethos'der Gewalt. Die jüdische Auffassung —׳ hierin den größten sittlichen׳ Fortschritt verkündend — ist im Prinzip eine gerade entgegengesetzte. Alle Gesetze der Ueber- Windung des Egoismus, der Bindung des Menschen, an eine höhere Pflicht gelten zunächst für die V öl ke r und dann erst für das I n d i v i d u u m. Die Sünde, die Handlung der Feigheit und der Furcht, der Begehrlichkeit und der Leidenschaft ist für den einzelnen noch verzeihlich, entschuldbar, denn die dunklen Mächte in ihm drängen und treiben und verwirren sein sittliches Urteil. Anders die Völker und Gemeinschaften. Sie sind überhaupt nur auf sittlicher Grundlage denkbar. Denn ,ihre Schaffung und Möglichkeit beruht auf dem sittlichen Grunde der Unterordnung des einzelnen unter den Willen der Gesamtheit, der Preisgabe der individuellen Belange und Bestrebungen für das große Ganze, Das Individuum, isoliert gedacht, könnte vielleicht, dem Tiere gleich, ohne Moral, leben, ein oder mehrere Robinsone, vereinsamte mm Dic* reisende Dsime erhält heF mir $ c h o n i!ן n e r h aI b 6 Stund e n eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Blitzet de!־ weltbekannten Peril<ken>K11nstwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 Sr Telephon Nr, lM7~i-l6