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Jüdische Presse · 1933-09-29 · 39 (29.9.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
39 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die Sühnende Kraft des 10. Tischri wirkt als Ausflüß g-ttlicher Gnade, um .,dem sündigen Menschen die Möglichkeit des sittlichen und religiösen Wiederaufstieges zu gehen. Trotz' dieser wunderbaren Erhabenheit des Tages kann der Mensch ohne e i g e n e s Hinzutun, ohne den büßfertigen Willen zur Besserung, dieser Gnade nicht teilhaftig werden. Besonders dort, wo den Menschen die Möglichkeit gegeben ist, den angerichteten moralischen oder materiellen Schaden gutzumachen, kann die Sühne ohne GUtmachung nicht bewirkt werden. Diese. Lehre, von Gnade und Sühne gilt• nicht nur zwischen; dem jüdischen Volk und seinem G־tt,‘ nicht nur. zwischen Juden untereinander, sondern auch in bezug auf die n i c.h t j ü d i s c h e Welt. Die Sendung des Propheten Jona, dessen Buch am Jom Kippur in der Synagoge öffentlich verlesen wird, belehrt uns über ׳die tätige Reue,• welche die Einwohner, von Ninive bekundet haben/ Diese Büßfertigkeit deri heidnischen Stadt soll uns Juden zur Erfüllung unserer* eigenen Pflichten mahnen. Diese Belehrung wird uns noch vielfach heut zutage erteilt. Wir sindr leider gewohnt, unser Verhältnis zu den Völkern nUr ciänach einzurichten, wie sie uns Juden gegenüber sich stellen, ob anti- oder philosemitisch. Allein die Völker■ haben auch ein nach innen ,gewandtes 1 eigenes Leben und wir wollen es feststellen, daß viele5 der Völker in der letzten Zeit eine Abkehr von einer materialistisch eingestellten, nur nach irdischen, Genüssen gerichteten;Lebensweise anstrebten. G-ttlosenbewegung, Preidenkertum,;Rebellion ■ gegen religiöse ,Grundsätze;:sind ^״eiiÄge.rnaaß.eÄ^aug-derJMode *gegängqm* In'. Anbetracht. des״' großen Schadens, welcher;durch jüdische Nachäffung dieser antireligiösen Bestrebungen auch in unseren Kreisen äügerichtet. wurde, müssen wir dankbar sein über die ׳ Umkehr, welche die uns: umgebenden Völker nun bekünden. Zunächst, wirkt diese Umkehr als Anklage gegen u n s. Wie einst den Prophet Jona sich der Sendüng nach Ninive entziehen, wollte, um nicht erfahren zu müssen, daß Heiden der Ermahnung und der Zurecht- Weisung geneigte re Ohren schenken als . die Juden selbst;• um nicht erfahren zu müssen, daß' der Prophet im fremden Lande mehr bewirkend kann als im eigenen, so wollten auch wir. von ■dem geistigen Umschwung unter den Völkern keine Kenntnis nehmen. G-tt ließ aber die Rücksicht Jonas nicht gelten, der Prophet mußte seine Sendung vollbringen,• und so? wirkt die Umkehr Ninives noch heute für uns Juden •als Mahnung und Ansporn,, uns zu besinnen ־und nicht durch konsequente Verfolgung der Sünde uns in die Vernichtung zu stürzen. Sicherlich!.'Wenn Wir am heiligsten Tage uns in unseren Bethäusern versammeln, so gelten unsere Gebete zunächst Um die Gnade G-ttes, damit wir der sühnenden Kraft dieses Tages teilhaftig werden. Wir müssen aber auch(wissen, daß wir: zur Gütmachung verpflichtet sind. Zur GUtmachung nicht nur unseren eigenen Brüdern, ' gegenüber, sondern auch gegen alle jene, welche durch unjüdisches Verhalten jüdischer Menschen von ihrer ererbten religiösen Bahn abgelenkt wurden, Es will die Anklage nicht verstummen, daß es vielfach Juden wären, welche das gesunde sittliche Gefühl der Nichtjuden stören und mit allerlei Bazillen der Areligiösität, der Unsittlichkeit, der Respektlosigkeit gegen vererbte Anschauungen vergiften. Mag nun diese Anklage.noch -so unb e r e c h t i g t sein, denn es;sind nur einzelne entartete' Individuen, Juden wie: Nichtjuden, die das ■Gift der G-ttlosigkeit in sich tragen und verbreiten, dieses Bewußtsein allein genügt nicht, wir müssen vielmehr durch reuige Umkehr vor aller Welt beweisen, daß wir als Juden den Weg zu G-tt finden und wedsen wollen, ■■■״׳,. ■ Die Völker sind alle in Aufruhr. Ein geistiger Umschwung hat sich ihrer bemächtigt, sie wollen sich auf religiös-sittlichen Grundlagen erneuern, Heil den Völkern, die zu.einem wahren Glauben zurückfinden! Wir Juden sollen durch diese.Umkehr nicht beschämt werden. Vielmehr wollen auch wir unsere Sünden bekennen und uns der Besserung;zuwenden und an unserem großen, heiligen Bußetag den Allmächtigen bitten, daß wir wiederum als Volk des Beispiels vor allen Völkern dastehen. Als Beispiel wahren, innigen G-ttesglaubens, , als Beispiel eines reinen, heiligen Familienlebens, als Beispiel unseres redliehen Lebenswandels, damit wir in der י Erfüllung unserer heiligen jüdischen Mission vor G-tt und den *Menschen bestehen können. . - ־ L, 19. Jahrg. Hamduiaiis ♦ ♦ ♦ (Fortsetzung der vorwöchlgen Länderberichte.) Frankreich. t;. Die Ereignisse, die sichiln den letzten Monaten in Deutschland abgespielt haben,’!haben auch die Juden der anderen Länder der Gola aus,; ihrem Gleichgewicht gebracht. Nicht nur, daß durch *sie das jüdische Bewußtsein aufgepeitscht wurde uudf;'niancher Einzelne zur Selbstbesinnung angeregt wurde,, sondern auch der Kontakt mit: besonders tragischeb. Einzelschicksalen der Flüchtlinge ist dazu angetan)!׳die einheimischen Juden aufzurütteln und ihren Willen zür Klall-Arbeit zu stärken. Es ist wohl bekannt, daß derjEinwandererstrom vor allem sich nach F r a n ki־e';l c h ergoß, weil in diesem Lande die Niederlassuhgsmöglichkeiten : für Flüchtlinge relativ leichter sind. In einer besonders schwierigen Lage befinden sich aber die orthodoxen Flüchtlinge, weil .es. außer in -Paris und im.;Elsaß nirgends orthodoxe Gemeinden gibt. Das E1 s a ß, *imtlssen ' die Flüchtlinge aber verlassen, weil die Regierung keine Auf enth a'l t s erlaub n^i s im Grönland gibt. Paris •׳ ist ü b e r,f ü 111, so daß sich dort verhältnismäßig wenig . Zukunftsmöglichkeiten finden.;׳! So muß nun daran gedacht: werden, durch eine Kanalisierung der; Einwanderung״ neue orthodoxe Zentren,*zu.schaffen, welche den Kern für zukünftige Gemeinden *büden werden. Die spe- ■ .*״*.**-.-• __ .v ..........iSfeJ#־ eiriigüng*1 ,,Association ' des/ Amis de la Tradition juive" (AgudaA Jisroel in Frankreich)? "organisiert. Die; Vereinigung studierte zuerst; die Möglichkeit eines großzügigen Siedlungsprojekts in '״S ü d f r a n.k r e i ch, wo, der Boden sehr billig und *!früchtbar ist, aber unüberwindliehe Schwierigkeiten verhinderten bis jetzt die Verwirklichung dieses Projekts. Um so schnell •wie möglich an der B eruf sumschichtung der deutschen Juden mitzuarbeiten, und auch gleichzeitig die deutsche Aliah nach Erez Jisroel zu unterstützen, widmete 'sie sich der־ Organisierung von . H ä c h s c h o r oh ent r e n, von denen bis zur Zeit fünf mit zirka ־. sechzig Jungexis gegründet worden sind. In jedem Zentrum wurden eine,• rituelle Küche eingerichtet und!alle Voraussetzungen; ge- ווווווו1(1ווווווווווווווווווווווווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווו Die ״Jüdische Presse״ in Deutschland verboten. Durch die Postdirektiön erhielten wir diese Woche ,die Mitteilung, daß die, ״Jüdisc h e P r e sse“ bis auf;weiter qs in Deut.8ch 1 and verbateh \vurde. . .׳׳.■ ׳'■ ׳ ״ ׳ Unsere Leser wissen, daß ‘wir uns bisher immer die . erdenklichste Mühe gegeben haben, das Thema Deutschland; in loyalster Weise; zu behandeln, und alles vermieden haben, was auch nur /den Schein einer tendenziösen Uebertreibüng oder;,Greuelpropaganda“ er- Wecken könnte. Dennoch kam uns das Verbot nicht allzu Überraschend, nachdem in letzter Zeit eine ganze Reihe von ausländischen jüdischen Zeitungen in Deutschland verboten wurden, die gleich i uns sich stets größte Zurückhaltung — oft zum Aerger der eigenen Leser — auferlegten. Das Verbot triffft uns natürlich sehr s c h w o r, Wir verlieren eine große Zahl .von Abonnenten und der Schaden wäre für uns kaum tragbar, wenn wir nicht den Mut und die Hoffnung hegten, den Verlust hier vielfach wieder hereinbringen zu ־können. Für jeden in Deutschland verlorenen Abonnenten zwei neue in Oesterreich und in der Tschecho- Slowakei! —י lautet die Parole. Wir bitten unsere Leser und Freunde, uns,■in ,dem schweren Kampf ihre Mithilfe uiidMitarbeit an gedeihen zu lassen. Jeder Leser werbe einen neuen Abonnenten, dann wird die ״Jüdische Presse“ nicht nur erhalten bleiben, sondern noch״yyeit äusgebaut und verstärkt werden können, Diese Bitte — \yollen wir hoffen —■ wird diesmal bestimmt Gehör, finden. VERWALTUNG DER ״JpPISCHEN PRESSE‘?. schaffen, um ein jüdisch-geistiges Leben zu ermöglichen. Eine spezielle Beratungsstelle für •orthodoxe Flüchtlinge wurde in‘ Straßburg gegründet, deren Zweck darin be-j steht, den zerstreuten Flüchtlingsfamilien bei der Erfüllung ihrer jüdischen Pflichten behilflich zu sein.' ׳״..׳, Nachdem nun die deutsche Orthodoxie durch die äußeren Ereignisse ihre Stoßkraft auf das Weltjudentum verloren hat, ist es Pflicht der anderen orthodoxen Grüppen, diese große Lücke auszufülleri und neue geistige Zentren zu schaffen. Zu diesem Zwecke, wurde in Straßburg unter der Leitung von Grand-Rabbin Weil aus Colmar, Mitglied des räbbinischen Rates der Agudas Jisroel, die erste f r an z ö si s c h e. J eschiw o .ins Leben gerufen. An dieser Jeschiwo, welche das Thora■:,, lernen wieder in Frankreich einführeri wird, unterrichten zur Zeit die Herren Rabbiner Jakobowitz. aus. •Köln, Wassermann aus Barawocze und Speier aus Frankfurt. ׳ Wenn das Werk gelingt, so wird hier ein Zentrum entstehen, das auf die weitere Entwicklung der׳ französischsprechenden Juden von größter Bedeutung werden kann. Dr. E. Schnurmann, Straßbürg. י Polen. Die schwere Wirtschaftskri-se'im allg'e- , meinen und,die Not der Juden in ,Polen, im besonderen haben viele aktu.elle, Pro bl e m e, rdie ־ bis.vor^kurzem, grund treten lassen. Die . Meinungsverschiedenheiten; ׳ innerhalb der jüdischem Parteigruppierungen über die Art; ׳ der Führung der lokalen. Inlandspolitik sindr.ver-, ׳ schwanden und allgemein wird heute! bereits die Richtig-, keit und Zweckmäßigkeit jener politischen Linie an er-, kann t, die in den letzten Jahren von den Vertretern der A g u d a s J i s r o e 1 proklamiert und geführt wurde. . . .י; Die schwere ökonomische' Krisis nacht uns natürlieh schwere Sorgen um die Erhaltung der religiösen E rziehun g s in st i t u t i o n e n, die — wohl unter schweren Opfern •— sehr weit ausgebaut wurden. Die Jeschiwos und Chadorim, ebenso wie die 250 in den letzten zehn'■ Jahren' geschaffenen Beth-Jakob'-Schulen, ringen um' ihre Existenz. Zu den direkten Folgen der allgemeinen. * Krise?’sind noch die indirekten hinzugekommen, die in' äey ׳ Streichung oder Kürzung der bisher von den Geineinden deh Lehranstalten gewährten Subventionen■ bestehen. Innerhalb der jüdischen Bevölkerung herrscht bittere‘ Not. Aber trotz alldem lassen wir den Mut .und die Hoffnung nicht sinken. •Mit ver-V doppelter Kraft arbeiten wir _ weiter an dem Ausbau des?; religiösen Erziehungswerkes, und so ist es uns auch iin? vergangenen Jahre' gelungen, eine Reihe neuer Schälen" zu eröffnen.• , ' Im letzten halben Jahre stand die gesamte polnische Judenheit unter dem Eindruck der Umwä 1 zungen in Deutschland. Der Schmerz .der Juden in Polen über die jüdische Tragödie in Deutschland manifestierte sich ip gewaltiger Form, in den Protesten, die ' än einem Tage in allen Winkeln der polnischen ׳ Republik von allen' jüdischen Parteien gefaßt und proklamiert würden. Zürn 9 r s ten Male ist es jetzt bei der Organisierung der , Hilfe für unsere deutschen Brüder gelungen,? a 11 e jüdischen Parteien in Polen zu gemeinsamer Hilfsarbeit, von Das schönste Gescüenk sind in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst», klassige Architekten / Beachten Sie die; Adresse, Wien I, Schottehring Nr. 35; Samstag geschlossen (,Schomra‘-Mitglied) AUTOFAHRSCHULE (S|J M DEN DODF^ TELEPHON A-36-0-85 Personen-. Lastkraftwagen‘und , Motorrad / Steyr.XII/XXX und'Praga Uber 3% Tonnen / Erstklassige Lehrkräite / Zeitgemäße Preise Wien VI. Gumpendorferttraße Nr. 8B erhält bei rnir schon lnnerhalb 3 Stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte I: 15■ W Besitjei der weitbesaiwten P0rÜ<lk6n*KÜItltW€1rK|tätt6 . •^Telephon0 Nr/0*47*1*16 Ülial

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