Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 14-15 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Das schulden Wir Unserer sorgengequälten Jugend, auch wenn Wir uns nicht mit jedem Satz des Artikels identifizieren können. — Die Redaktion. Hart und schwer trifft das Gewissen jedes rechtgläubigen Juden der Mahnruf, den unsere Bachurim immer wieder um Abstellung ihrer schreienden Not an diC jüdische Öeffentlichkeit richten. — Junge Menschen ringen allenthalben um‘ihr nacktes Dasein. Hier steht aber mehr auf dem Spiel. Die Besten der jüdischen Jugend, die all ihre Lebenskräfte, ihren Idealismus und Enthusiasmus dem Dienst am Heiligen widmen, sollen zu ihrem und der Gesamtjudenheit Nutzen vor dem Untergang gerettet werden. Gibt es noch Hilfe für unsere Bachurim? Ja! Und es liegt nur an uns, daß wir mit festem Willen und Entschlossenheit hier Wandel zum Besseren schaffen. Der Kern des Uebels liegt darin, daß der Großteil der Jeschiwa-Schüler nach Absolvierung seiner Studien; meistens im 18. bis 20. Lebensjahr, vcn heut auf morgen ohne jede Vorbereitung der praktischen Welt überantwortet wird. Nur ein Bruchteil der Absolventen verbleibt dank seiner besonderen geistigen Begabung als Rabbinerkandidat weiter in der Obsorge der Jeschiwa. Die übrigen, die überwiegende Mehrzahl, soll sich selbst um ihren Lebensunterhalt kümmern. Doch auf welche Weise? In den Jeschiwos beschäftigten sie sich ausschließlich mit dem heiligen Thorastudium, praktisches Wissen zur Erreichung eines Lebenserwerbs wurde ihnen dort nicht gelehrt. Im Lebenskampf bewährt sich aber in der Regel nur derjenige, der durch planmäßige Erziehung und Arbeit hierzu ertüchtigt wurde. Man stelle daher die überschüssigen Jeschiwa-Absolventen als Lehrlinge in eine auf Gemeinschaftsgrundläge äufgebaute orthodoxjüdische Erwerbsgenossenschaft ein! In Anlehnung zum Beispiel an die Koscher-Lebensmittelproduktion kann zunächst in bescheidenem Ausmaß ein Erziehungsheim gegründet werden, in dem eine kleinere Anzahl von Bachurim unter fachmännischer Leitung zwei4 Jahre hindurch der* praktischen Ausbildurig unterzogen wird, während welcher sie durch disziplinierte Arbeitsmethode zu perfekten, auch den Anforderungen des Gewerbegesetzes entsprechenden Arbeitskräften - der ling Wäliend dieser zweijährigen Lehrarbeit auch das Thorastudium nicht vernachlässigen. Bei verkürzter Arbeitszeit, die der technische Fortschritt ermöglicht, können mehrere Freistunden für ätudienzwecke gesichert wefdett. Näehr zweijähriger Lehrlingszeit übernimmt ihn die Rröduktivgenossehsehäft als Angestellten auf weitere drei Jahre mit einem äetnen Fähigkeiten und seiner Tüchtigkert angemessenen fixen Gehalt. Dieser Angestellte wirkt jetzt auf dem ganzen.. Gebiet des ׳ Handelsbetriebe» (als Erzeuger, Verkäufer, Buchhalter, selbständiger Filialieiter), je nach seiner Eignung und Begabung. Der praktisch geschulte Jeschiwazögling wäre, als wirklich religiös eingestellter und thorageschulter Mensch, dem weitestgehendes religiöses Vertrauen gebührt, der berufene und willkommene Faktor in allen Branchen der koscheren Lebensmittelindustrie! Nach diesen fünf Jahren wäre das Erziehungswerk beendet. Der -Jeschiwaabsolvent hat einen praktischen Beruf, der junge Mann könnte nunmehr ohne Befürchtung seinem Schicksal überlassen Werden; er wird sich als g-ttesfürchtiger, praktisch tätiger Mann behaupten. Wir retten Generationen, indem wir den Jeschiwaschüler, der unter den heutigen Verhältnissen, bar jeder materiellen Stütze, sehr oft dem moralischen Verfall preisgegeben ist und zum ״Luftmenschen“ — ein Individuum ohne Exlstenzbasis — wird, ‘ rechtzeitig sum produktiven Glied der Gesellschaft erziehen. Wir leisten damit aber auch ein Gutes an der ganzen jüdischen Gesamtheit, indem wir das Ansehen der Bachurim heben. Eignet sich“ aber der Jeschiwazögling zum Handwerk und Gewerbe? Besitzt er die notwendige physische Wohnzimmerschrank Modell Kallinger Das praktlsoheReprSsentatloiisstQ c k moderner Inneneinrichtung enthält Raum für Kleider, Wäsche, Schuhe, eingebaute ulasvHrine mit Glasschiebetüren,' Bar- 8chrank, fabelhafte farblge'lnnenbeleuchtcng, zeitgemäßer Preis Uebernabme kompletter Wohnun?selnrlchtunger, auch Einzelstücke.Tischlerei KALLINGER, für moderne Raumkunst, Wien III, Obere Welßgärberstraße 11 (bei Urania) Tauglichkeit dazu? Ja! Wir lassen Tatsachen sprechen. Im Herbst des vorigen Jahres hat ein bekannter Weingroßhändler in seinen Bösinger Weingärten fünf Bachurim aus Jeschiwos als Arbeiter zur Weinlese angestellt. Zwei Monate arbeiteten die wackeren jungen Leute im Freien; sie überboten täglich die achtstündige Arbeitszeit und produzierten mit ihren emsigen Händen; in diesen zwei Monaten zirka 500 Hektoliter Wein. Der Wein erliegt in Pezinok unter Siegel und Verschluß des dortigen orthodoxen Oberrabbiners als koscheres Erzeugnis und harrt seiner Bestimmung. Vorläufig ist die Arbeit in Pezinok beendet und die fünf gingen zurück in die Jeschiwa. Es bietet sich aber die Möglichkeit, die Arbeit fortzusetzen und sie gleichsam als ersten praktischen -Versuch der besagten Erziehungs- und Erwerbsgenossenschaft im Weinbau gelten zu lassen. Der erwähnte Weinhändler hat seine Bereit* Willigkeit ausgesprochen, den Wein, den dfe fünf Bachürim gefechst haben, durch ein zu diesem Zweck zu bilelendes Organ der orthodoxen Laftdeskähzlei zu verwetten. Der allfällige Nutzen soll dem Erziehungsheim zugute kommen; für eventuellen Verlust will er selbst aufkommen. Dieser Vorschlag würde bereits der Landes* kahziei ZU Händen ihres Präses übermittelt. Die Frage wurde auch düfehherateri und ׳man beschloß, eine weitere Sitzung binnen acht Tagen einzuherüfen, um dort die geplante Kommission als Organ der Landeskanzlei einzü* setzen. Die Frist verstrich und es wurde kein Organ ge1* bildet. Es geschah nichts. Was bringt die Zukunft? Wird׳ die LandeSkahzlei sich zur Tat auf raffen? Der Plan darf Anläßlich des פסח vergessen Sie nicht auf den altbewährten' verläßlich koscheren י ca AECHT FRANC« KAFFEE, der mit dem Namen Franclc und der Kaffee« muhle auf dem Kistel in einzigartiger, stets gleichmäßig guter Qualität hergestellt ynd dessen Verläßlichkeit von Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner SIMON SCHREIBERaus Erlau in seinem Hechscher bestätigt wird. Den FRANCK KAFFEE kann nicht^nur für Pessach, sondern auch das ganze Jahr , hindurch jeder Israelit ganz "beruhigt ohne das geringste Bedenken genießen, weil die Erzeugung yerläBlidi כשי unter ständiger Aufsicht frommer, verlaß- |״li.£her. Maschgichim>fgeächieht. י Die Hausfrauen wissen seine Vorzüge zu schätzen und immer größer wird die Zahl seiner Anhänger. 1 LITERATUR _. Aus der halachischen Literatur. In der ״Jüdischen Presse", war schon kurz die Rede ״ von dem bedeutenden neuen halachischen Werk,*) das, einem wahren אוד מוצל gleich, aus dem handschriftliehen Nachlasse des הרה־ג׳ ר׳ משד! פ־רשט vor einigen Monaten im Druck veröffentlicht und dadurch dem talmudischen Studium zugänglich gemacht würde. Der Verfasser zählte zu den anerkanntesten rabbinischen Autoritäten der uns vorangegangenen Generation. Er war in Vörösvär geboren und verschied nach zwanzigjähriger rabbinischer Wirksamkeit als Oberrabbiner von Marosväsärhely •im Alter von 55 Jahren am 18. Adar I des Jahres 5630. Aus seinen!Unterlassenen zahlreichen Manuskripten und Auf- Zeichnungen konnte nur ein Bruchteil gerettet und dem Druck übergeben werden. Es ist ein großes Verdienst seines Sohnes, Herrn Oberrabbiner, Rabbi Jeschaja Fürst in Wien, und seines sachkundigen Mitarbeiters, Herrn Rabbiner' U**• H, Katzburg in Väc, um die halachisch-rabbinische Literatur unserer Tage, dieses Werk zusammengestellt und ediert zu haben. Es enthält auf mehr als 200 Folioseiten hauptsächlich Responsen zu den vier Teilen des Schulchän Aruch und Novellen zu einzelnen - סוגיות und zu Teilen der Traktäte החובות. גיטין und שבועית, Er stand yin regem pilputistischem Briefwechsel und pflegte tiefgründige halachische Erörterungen mit den hervorragendsten rabbinischen Persönlichkeiten seiner Zeit, wie zum Beispiel Rabbi Josef Schaul Nathansohn in Lemberg, Rabbi Salomo Kluger in Brody, Rabbi Salomo Ullmann in Makö, Rabbi Israel Jizchok Landesberger in Großwardein, Rabbi Mordchaj Wolf Ittinger in Lemberg, Rabbi Salman Löb Teitelbäum in Drohobitsch, Rabbi Chajim Halberstam in Sandec und anderen mehr, Inhaltlich erstrecken sich die Responsen auf alle Gebiete der rabbinischen Praxis. Zwischendurch werden zahlreiche סוגיות השים gründlich erörtert und schwierige Partien aus den Auseinander- Setzungen der Dezisoren haarscharf gelöst und in übersichtlichen Abhandlungen erläutert. Es ist hier nicht der Ort, auf <jie Fülle des talmudischen Stoffes, der in diesem Werk zur Besprechung gelangt, im einzelnen einzugehen. Die Erforscher der jüdischen Geistesschätze und die Talraide Ghachomim, die in die Mqefesttefe des. Talmud zu tauchen verstehen, werden'oft hach diesem Sefer greifen und den Herausgebern Dank wissen für die Gabe, die sie unserer Literatur geschenkt haben. J. J. B. , ס6י מ ר א 1־1 . מ ש 1־1 תוכו חנוף שאלות וחשוכות כפלפול והלכה חידושים וכיאורים כסוגיוח השים אוד מוצל מהחידושים חרכים אשר הניח אחריו כרם דיי3 הגאון חמפויםם החריף וכקי החכם השלם י׳ משח סירסען זצ׳ל שהי׳ רג י?,? מאראשוואשאהעלי יע*א. נייפעסם חחג*כ ו׳ זר*כ 2 w | KLEINES FEUILLETON ■ Golus-Schicksal... Von Jizchok'ben Aharon. Er stand an' einer Ecke der Rosenthalerstraße in Berlin. — Ob er heute noch dort so steht, das weiß ich nicht, ich habe diese Stadt seit einem Jahre nicht gesehen. — Weißbärtig, mit langen Pejes, das Haupt mit dem breiten Samthut bedeckt, bot er das Aussehen eines echt frommen russischen Rabbiners, der er tatsächlich auch war. Schlüsselringe verkaufte er dort. Hosenträger. Sockenspangen. Natürlich auch Zündhölzer und jene kleinen Quietschpüppchen, die das Entzücken der Vier- und Fünfjährigen aus der Gegend des ״Alex“ bilden. Er hatte nicht das ״Neueste“, das ״noch . nie Dagewesene“, das ״Epochemachende“ ,. ׳.. Trotzdem umstand immer eine Horde zerlumpter Judenkinder aus den Elendsquartieren des Scheunenviertels den Alten, der mit weinerlichem Tonfall ׳ seinen armen Kram anbot und zwischendurch Geschichten erzählte. Er kämpfte mit seiner schwachen Stimme gegen den Verkehrslärm. Er warb mit den Händen und wehumränderten, gehetzten, bittenden Augen: ״Kaufen Sie! Sie werden brauchen!...“ Oh, er wußte nur zu gut, daß er mit dem ״Sie werden brauchen“ in Wahrheit bloß die Mizwoh des Käufens bei ihm meinen konnte. Wer kauft unter den Juden, die die Rosenthalerstraße passieren, so bald Schlüsselringe, Hosenhalter usw., da man doch die daranzuhängenden Objekte kaum besitzt? ... Und unermüdlich erzählte er unterdrein kleine Geschichten vom Sassöwer Rebben, vom Rabbi Sussja, vom ״Sadagoraer“, erzählte er seine Lebens- und Leidensgeschichte von Kiew an, wo er geboren wurde uiicl als Raw gewirkt hat, bis zu seinem heutigen Dasein als Standhausierer. Jeden Käufer segnete er. Jeden, der ein bißchen näherguckte, frag־ er auch, ob dessen Kinder vielleicht' Religionsunterricht benötigten? Er hatte auch im Osten und Norden Berlins Schüler, denen er — man glaubte es seiner verzweifelten Beredsamkeit — seine Seele widmete. ־...Daneben, stand die Schar der Kinder mäuschenstill. Es war kaum zu glauben: Berliner Jöhren; die einen Hausierer ehrfürchtig belauschen, jede seiner Worte und Gesten zu verfolgen scheinen... Sollte etwadie Macht der Rede eines frommen Rebben...? Ich hatte mich lange vergeblich um das Geheimnis bemüht, was diese verschlissenen, bejammernswerten Ostjudenkinder eigentlich so in den Bann des alten Galanterieverkäufers zog? Aber eines Abends, da erfuhr ich es. Erfuhr ich es, tiefinnerst ergriffen von der Heiligkeit eines unscheinbar anmutenden Mannes. In einer finsteren Seitengasse, wenige Schritte von der Chassidimklaus entfernt, teilte er die unter Aufwand seiner ganzen Kräfte untertags buchstäblich erkämpften Pfennige unter die Kinder, unter einen Haufen polnischer und russischer Krüppel. Die letzten Münzen, und mit einem zärtlichen Blick auf den Säugling, den sie trag, schenkte er einer zerlumpten Jüdin und verschwand hinter der Türe d?s Beshaknesses. Der alte Chassidimrabbi, der, unscheinbar und bescheiden, das Leben eines der ״Sechsunddreißig“ führt, mag die tröstende Gewißheit vermitteln, daß bei allen Widrigkeiten einer schweren Krisenzeit das Judentum seinen Mann zu stellen imstande sein wird. Solange es Menschen gibt, die fast allein für fremde Hungernde arbeiten, können wir uns gar nicht in Gefahr fühlen. Deutschland wird einmal erwachen! — Aber im Geiste jenes Hausierers von der Rosenthalerstraße... ״Anti — Anti“. Mit den perfidesten Mitteln der Verleumdung und Entstellung versuchen ׳ die Antisemiten die Juden unmöglich zu machen und das Volk gegen sie zu verhetzen. Der C. V. in ■Deutschland, der es sich als oberste Aufgabe gestellt, die Ehre des Judentums und der Juden zu verteidigen, bat in überaus dankenswerter Weise eine Sammelbroschüre unter dem Titel ״Anti,— Anti“ zu-' ׳ sammengestellt, welche so ziemlich sämtliche Einwände, die gegen das Judentum erhoben werden, entkräftigt. , festgesetzten Bedingungen S 43, Der ,,Große BrocJdiaus“,*) Ein flüchtiger Querschnitt kann nur andeuten, ist nur Antippen an Zehntausende von Fragen, zu denen der ״Große Brockhaus“ ebensoviel©,Antworten weiß — stets , klär und zuverlässig. Viele, viele Abbildungen — zweiundvierzigt^hseud weröep es im ganzen Werk sein—, bunte und einfarbige; Netzätzungen, Strichzeichnungen, Kupfertief drucke und Offsetdrucke, die modernsten Druckverfahren werden angewendet in wohlüberlegter Auswahl. *) Der ״Große Brockhaus“, Bandl3(Mue—Ost),in Leinen S 47; bei Umtausch eines alten Lexikons nach den 13, Band beweisen dies aufs neue! , Wie wir vor zwanzig Jahren noch nichts wußten von Raketenflug, Rundfunk, Aetherwellenmusik oder Reparationen, wie wir auf Grund der überraschenden Ent- Wicklung auf allen Gebieten unsere Einstellung zum Leben grundlegend ändern mußten, so ist auch im ״Großen Brockfiaus“ jede Zeile Text, jede Karte und jede Abbildung neu. Stichproben in dem soeben erschienenen Ein jüdischer Kalender. Im Verlag Messorah, Lodz, Wschodnia 34, ist zu Beginn des bürgerlichen Jahres ein sehr praktischer Wand-Abreißkalender erschienen, der außer den jüdischen und bürgerlichen Tagesdaten, sowie den Daf-Hajomi und Moled auch die wichtigsten Jahr- Zeiten verzeichnet. Auf der Rückseite jedes Blattes finden sich schöne Diwre-Thora, Lebensbeschreibungen und manchmal auch schöne M.escholim, Moderne Küdien* Vorzimmer« WohnznnmerM F. KOHN, Wien II, TABORSTRASSE NR♦ 22 Telephon R40-7״-l4 S;amstag g©schlossen Angeschlossen der ״Schomra״