Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1933-03-31 · 13 (31.3.1933) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
13 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630489-2630502--4408-2636569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Novinove ■־ ״■■׳ fiadit «tost a telegfäfo* liimi { י!-» '״ 2feitüf1feir^^n1: ¥«^lgtief viersenttet Journal exp&lte paf l%Met*f. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN V. b. b. ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, H,, Malzgasse 12 a. Tel, A-48-445. — Tscheche- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, das Übrige Ausland 3 Dollar/ Einzelnummer ÖSt. Gr. 40. Zahlungen auf Konto Jüdische Presse*, Wien, für Oester» reich :Poat8i)afkasaettK6nt0Nf־.D-936i4» Deutschland t Post■• scheckkönto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagt eb Nr. 40217; »• olens Post8park.*Amt Warschau Nr,190409: Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz 1 Post* scheckk. Zürich Viü, 4117; für die Tschechoslowakei; *jadische Presse״,Bratislava, Postspk.־ Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 13 Wien-Bratislava, 31. März 1933 ב*ו! ווינא־פדעסבודג. ד׳ נים! תרצ׳ג. 19. Jahrg. ן Die Juden in Deutschland. Die Ereignisse überstürzen sich. Was im Augenblick, da diese Zeilen niedergeschrieben werden (Mittwoch nachmittag), richtig ist, mag vielleicht, wenn das Blatt in die Hände unserer Leser gelangt, nicht mehr aktuell oder bereits überholt sein. Am 30. Jänner d. J. wurde der Führer der nationalsozialistischen Partei zum Reichskanzler ernannt und־ am 5. März brachte die Neuwahl des deutschen Reichstages dem neuen Regime eine Mehrheit, wie sie kaum je eine Regierung besaß. Und diese Mehrheit hat der Regierung ein in der Geschichte der demokratischen Staatsform einzig dastehendes Brmächt i g u ngsg.eset z in die Hände •gegeben, mit welchem die Regierung in der Lage ist, Gesetze und auch verfassungsändernde Gesetze, ohne Mitwirkung irgend einer gesetzgebenden Körperschaft, ja selbst ohne Mitwirkung des Reichspräsidenten, zu erlassen. Es ist verständlich und wird niemanden wundernehmen, daß in einem Augenblick solch radikaler Um-, wälzurig und' revolutionärer ״nationaler Erhebung“ Eiemente, die der radikal-antisemitisch eingestellten nationalsozialistischen Partei angehören und nun ihre Stunde gekommen sähen^^1׳׳ einem momentanen Rauschzustand tief bedauerliche Ausschreitungen gegen einzelne Juden herbeiführten; ״ die ל—•. wieiaus 'den . Kundgebungender;yerantwörtlichen Regierungsmitglieder und Parteiführer hervorgeht — von der Regierung und von der Partei nicht nur nicht gebilligt, sondern auf das'schärfste verurteilt werden. v inzwischen hat in vieleri Ländern eine maßlose Pressehetzkampagne gegen Deutschland eingesetzt, die — das steht; heute bereits fest — in Wirklichkeit nich t die vereinzelten Judenverfolgungen, auch nicht die vorgekommerien Bo'ykottaktiorien.gegen jüdische Geschäfte, ja nicht einmal die in vielen Provinzen Deutschlands erlassenen Schächtverbote zur Ursache hatten, sondern von Politikern entfacht wurden, die an den gewiß für die Juden Deutschlands und für die Juden ariderer Länder sehr betrüblichen, aber״ Zwangsläufigen Erscheinungen der Umwälzung im Deutschen Reich, ihr. politisches Süppchen kochen wollten. / . . ״ Die stark übertriebenen Greuelmeldungen, die in, ausländischen Zeitungen verbreitet wurden, führten sogar in Amerika, England, Polen und in anderen Ländern zur Propagierung einer Boykottbewegung gegen deutsche Waren. Gewiß, diese Absicht ist längst aufgegeben worden, seitdem die Wahrheit über die Vorgänge in Deutschland durchgedrungen ist. Und trotzdem künde t jetzt die Reichsregierung, bzw. die nationalsozialistische Partei eine organisierte an ti jüdische B7o-ykottbe we gung an, die am 1, April einsetzen soll, für den Fall, daß die Ankündigung dieser Boykottbewegung allein nicht genügen sollte, um die im Ausland tätigen Deutschlandfeinde‘endlich zum Schweigen zu bringen. Unsere Aufgabe ist es heute, mit aller Entschiedenheit den Vorwurf zurückzuweisen, der in der Ankündigung der antijüdischen Boykattbewegung enthalten ist. ]Nicht von den Juden: in Deutschland geht die ״K a iri p a g n e d e s H ä s s e s“ gegen Deutschland aus, auch nicht •von den Juden in anderen Ländern. Das jüdische Volk ist in seiner tausendjährigen Geschichte an Verfolgungen und an Leiden gewohnt, Das jüdische Volk, das stets seine r e 1 i g Vö's e Besonderheit bewahrt und zu schätzen versucht hat, betrachtet sich immer als treues Mitglied jeries ,Staates, in welchem es lebt und Wohnt. Nichts liegt! den Juden Deutschlands ferner als eine Schädigung oder Herabsetzung Deutschlands. V Was wir verlangen,;der Schutz der Person, der Schutzer^worbener Rechte, ״der Schutz der sch wer,erkä 1hpf ten staatsbürgerlichen G lei c hjbe r echt igiing, der ' Schutz der religiösM1: Bfedtirfnisse und; die Ermöglichung der Entfaltung eines freien .reli- giösen jüdischen Lebens. Wenn in den ersten .Tagen der nationalen Revolution in Deutschland Terrorakte gegen jüdische Bürger vorgekommen sind, so liegeri ,. diese gewiß nicht im ,;System“, in der Revolution |;als vsolchen begründet, sondern sie sind bedauerliche Nebenerscheinungen dieser Revolution, die kaum vermeidbar waren, da schließlich diese Revolution durch eine radikalentisemitische Bewegung herbeigeführt wurde.; (Und wenn in dem ersten Augenblick des. Schreckens und der —• züriiindest nicht unbegründeten — Verzweiflung allzu energische, nach. den tatsächli<^n; ypifälleriyaichtj.begründete Schritte' von Das schönste Geschenk sind ״jüdischem Marxismus“, n i c h t s *mit ״jüdischem Weltkapital“ zu tun, sondern sie . sind eine bedauerliche Nebenerscheinäng jener begreiflichen Nervosität, die die — wie bereits gesagt •— von politisch interessierter Seite verbreiteten Greuelnachrichten heivorgerufen haken. ״ . Wir sind dessen sicher, daß die :angekündigte antijüdische Boykottbewegüng n i cht eirisetzeri wird. Das deutsche Volk und die ihm verantwortliche Regierung kann und darf und wird — so wollen wir hoffen! — eine Entrechtung der Juden nicht zulassen. Die Entziehung des wirtschaftlichen Fundaments bedeutet dein vollkommenen Ruin der deutschen Juden und wird gewiß auch Deutschland nicht zu Nutzen gereichen. ' In dieser schweren, von banger Sorge erfüllten Tagen bleibt uns religiösen Juden nur eins: לא בד,יל ולא בכח בי אם ברוחי אמר ה• צבאות Zurück zu G־tt, zurück zu seiner Thora! Dann wird uns ,Haschern בבל דור ודור עומדים עלינו לכלוחנו ו הקב• ה מצילנו מידם wie bisher auch jetzt aus dieser Not und Verzweiflung erretten. ותשובה והפלה וצדקה 5 י מעבירין את רוע הגזרה Herr Rabb. Dr. Weinberg, Professor am Rabbinerseminar zu Berlin, der Ende voriger Woche in Wien weilte, gewährte unserem Mitarbeiter eine Unterredung über die derzeitige Lage der Juden Deutschlands, die wir riachfolgend wiedergeben. Dr. Weinberg. sieht die derzeitige Lage besonders optimistisch, hoffen wir, daß er —recht behält! Redaktion. Die Lage der Juden Deutschlands, erklärte Doktor Weinberg, wird im Ausland zu Unrecht viel pessimistischer beurteilt als in Deutschiarid selbst.‘Die Schilderungen über Judenverfolgungen, die diverse Zeitungen veröffentlichten, sind stark ü b e r t ri e b e n. Vermutlich wird diese Preßkampagne gegen Deutschland von Politikern betrieben, die jede jüdische Tragödie für ihre polifisehen Zwecke auszunützen für gut.halten. Die Nachrichten, die von pogromartigen Ausschreitungen gegen die Juden wissen wollen, werden zumeist gerade in Ländern verbreitet, die selbst in der Kunst der Pogrom-Macherei besondere Uebung haben. Die Aktionen bei den ausländischen Regierungen zugunsten der in Deutschland lebenden Juden entspringen weder der Initiative der deutschen Jpden,, noch entsprechen sie ibfem Willen, Ueberhaupt bringt man in jüdischen Kreisen und in Preis und Qualität / Gratisberafuhg durch erstklassige Architekten / Beachten Sie die Adresse Wien I, Sc hotten ring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra*־Mitglied) insbesondere in orthodoxen Kreisen der nationalen Erhebung Deutschlands mehr Sympathie und Verständnis entgegen, als die Führer dieser Bewegung es wissen.,Die r e 1 i g i ö s e n Juden wissen, wie sehr, sie * gerade ■.Hitler für seinen energischen, durchgreifenden Kampf gegen den ]Kommunismus und den Atheismus dankbar sein müssen, der in Rußland die. jüdische Religion äuszurotten .versucht, und jede religiöse Kultur bedroht. Daß bei der großen Revolution, die in ,Deutschland jetzt vor sich geht, vereinzelte Exzesse gegen Juden vorgekommen sind, ist nicht zu bestreiten. Aber dafür kann man .weder die Regierung noch die Partei als solche verantwortlich machen. Es besteht sogar die berechtigte HpffriÜng, auf Griirid der staatsmännischen Kundgebungen' des deutschen Reichs-, kanzlers, daß er genau so wie Mussolini bestrebt sein wird, . die nationalsozialistische Bewegung, die nichts anderes, als die Aufrichturig Deutschlands erstrebt, vom Antisemitismus freizuma'cheri.. Auf die Frage unseres Reporters, wie es um die Sch e c h i t a in Deutschland unter dem neuen Regime bestellt sei, erklärte Dr. Weinberg: Es besteht iri örthodoxen Kreisen die Hoffnung, daß, nachdem der Reichs-, ״kM^c!^|diß^J^eg€ted^s reli^ösen^J^toi^aJafeällgeirieinejs• '"BaBirr^es^t^^''imd־%öikäebens^bezi^^^t^hat^Ar«;aück;v::: der jüdischen Religion und dem Bedürfnisder jüdischen Gläubigen Vers t ä n d n i s e n t g e g e n b r tngen wird. Er wird doch einseheri, daß durch die Ent-■ Ziehung des Fleischgenüsses, die schließlich nur die gläub i g e n Juden trifft, die Judenfrage nicht gelöst werden' kann, und er wird auch eirisehen, daß ein Schächtverböt, das im A.uslande als nicht aus Gründen der Huriaanität: hervorgegangen, sondern aus der Absicht, : gerade den: frommen. Teil der Juden zu quälen, betrachtet wird, das neue Regime riür: belastet. , : :; (Seit der Gewährung dieses Interviews sind? leider, neüerlich] in verschiedenen Provinzen: Schächtverboteerlassen worden, so daß heute nahezu in ganz Deutschland: das Schächten verboten ist. Die Red.) : ' •״;•'׳:! ׳'" י, , ■'׳ ׳ ־ •י‘־' •■'־ '•■■׳־ Aus den Berichten, die aus Deutschland einlangen, ist zu ersehen, daß die Verfolgungen, denen die ,Juden ausgesetzt sirid, wenn auch in gemäßigterer Form, noch andauern. Jüdische Äerzte in öffentlichen Spitälern sind an vielen Orten fristlos entlassen worden. Gerichtsfunktionäre jüdischen Glaubens wurden entweder in Pension geschickt oder an niedrigere Stellen der Zivilrechtspflege; versetzt. Fast sämtliche Juden, die in öffentlichen Diensten standen, wurden von ihren Posten entfernt. Ueberfälle auf Juden und jüdisch aussehende Passanten haben auch in: der vergangenen, Woche an mehreren Orten stattgefunden, jedoch sorgte die Polizei für die baldige Wiederherstellung der Ordnung. ־׳ . '־• ■■■ ׳;־’ ., , * Aus New York •wird telegraphiert, daß der Pressechef der N. S. D. A. P., Dr. Hanfstängl, dem Hearstsehen ״International Service“ ein telephonisches Interview gab, in dem er sagte, der . Reichskanzler hätte ihn beauftragt, zu erklären, daß. die im Ausland verbreiteten Nachrichten über Judenverfolgungen ״gemeine Lügen“ seien. Der kommissarische preußische: Innenminister Goering empfing am Samstag die ausländische Presse und IN- UND AUSL MODENEUHEITEN 1" gg°AsIL EIDE OLLE AMTE GEGR. 1869 TEL Ü0״־21-־-r54 FRANZ NEUMANN, I, CONCORDIAPLATZ 5 IV - ׳ ■י*ff; erhält bei mir. schon V Stimdvlit Qesiphto enti^rechoricl mo^elliorte Besitze? der weltbekannten Wien I, Kärntnerring 6 (&gfÄ0n0Nr! u.r«.1Q.16 m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.