Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 12 (24.3.1933)
- Date
- 1933-03-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 12 Wien-Bratislava, 24. März ב״ד, ווינא־פרעסבורג נ״ו אדי תרצ*ג. 19.Jahrs« Der Abschnitt der Erneuerung♦ Unter ungeheurem Getöse vollzieht sich der Erneuerungsprozeß der Völker in Europa. Die Begieitumstände dieser Erneuerung ziehen auch uns Juden in starke Mitleidenschaft. Gleichviel, ob in Rußland der Kommunismus oder in Deutschland der Nationalsozialismus mit einer alles niederdrückenden Gewalt die alleinseligmachende Heilslehre verkündet, wir Juden stehen als Leidtragende dabei. . Das unsagbare jüdische Leid, das von uns nun getragen werden müß, wirkt aufwühlend auf die jüdische Seele. Ein Erneuerungsprozeß im Leide. Es scheint ,schon zu der Kulturgeschichte des jüdischen Menschen zu gehören, daß nur der Schmerz so reinigend auf seine Seele wirkt. Aus der Finsternis ■Aegyptens.,■wies, der Allmächtige auf den sich erneuernden Mond und sprach: Also schaue es und heilige diese Erneuerung! Und so ward der Neumond des Monates Nissan das Sinnbild der jüdis'chen Erlösuiig aus der ägyptischen Knechtschaft. Auf einmal bekam das jahrhundertelange Leiden in 'Mizraim einen Sinn. Viel, "unsagbar vielt mußte ,an ,Leid-ertragen werden,^י:wW^eele *■ :ainahmstemt;■;zu machen, G-ttes Wort und G־ttes Weg' zu verstehen. Wir Juden müssen auch jetzt noch viel, unsagbar viel leiden. Dieses Leiden bekommt aber einen tiefen Sinn, wenn durch dasselbe die jüdische Seele aufgeschlossen wird,. G-ttes Wort und G-ttes Weg richtig zu verstehen. . Die Völker riefen uns, als sie unser bedurften; sie ließen gerne ihre Wissenschaft, ihre Kirnst durch jüdische Gelehrte, durch jüdische Künstler und nicht zuletzt durch jüdische Mäzene fördern. Der Großhandel, die Industrie, die Warenhäuser und. die Bankinstitute der modernen Volks- Wirtschaft verdanken ihren Aufschwung nicht zum geringsten Teile jüdischer Initiative, j ü d ischen Fleißes und jüdischen Weitblickes. Man ließ all dies durch jüdische Hände geschehen. Nach getaner Arbeit muß der Jud unter Schimpf und Schande von seinem Arbeitsplatz abtreten. Es ist dies grausam, aber durchaus nicht neu! Seit im Pharaonenland Josef das Volk vom Hungertode retten durfte und dann vom nächsten Pharao nicht mehr gekannt wurde; seit die Familie Josefs in Mizraim unter allen Ehren aufgenommen und ihre Enkelkinder wieder in tiefe Knechtschaft gestürzt wurden, wiederholt sich dieses Spiel unzählige Male in der jüdischen Golusgeschichte. Sicherlich liegt ein tiefer Sinn in diesem ewig sich wiederholendem Spiel des Schicksals. Wir Juden dienen wiUig unseren nichtjüdischen Brüdern, deii Völkern, in deren Mitte‘ wir leben. Wir dienen mit Eifer deren Interessen; und nur allzu oft vergessen wir, dann an uns selbst. Verliert aber der Jude den sicheren Halt seiner jüdischen Seele, versucht er allzu Fel n e Dam e n m öden F. Hollandstraßei Wien II. Fernruf:;A-45-6-49 Stets neueste Modelle In Kleidern, Mänteln und Kostümen. Blusen, SchoBcn, SchlafröcUen, Pyjamas eto, aus eigenen Werkstätten. Separate Maßabteilung, (Kostüme und Mäntel■ werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen 'Leitung gearbeitet,) Schaatnes-Irel. stark seiner nichtjüdischen. Umgebung sich anzupassen, so entsteht eine Farce, welche den Spott, die Verachtung, den Haß der Völker auslöst. Nicht der Jude, der an seiner festen jüdischen Form festhält, ist der Spott der Völker, sondern der Jude, der allzu kraß "das Gehaben der. Völker zur Schau trägt. Ueberall in. Mitteleuropa. hört man jetzt vom jüdischen Leid. Wir möchte!!, daß alsbald von j ü d ischer Erneuerung gesprochen werde. Daß die entfremdeten Kinder, die von ihrer Wahlheimat, von den. Universitäten und Laboratorien, von den Spitälern und Gerichtshöfen, vom öffentlichen Leben der Völker vertrieben werden, in ihre Blutheimat, in das Das schönste Geschenk sind REDLER-M0BEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch’erstklassige Architekten / Beachten Sie die AdiesSe Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) י jüdische Haus, zurückfinden. Die Völker schreien: Der Jud’! Wir wollen aus dem Schimpf eine Ehre machen. Der Jud’! das s i n d wir und das wollen wir sein v o r a 11 e m! Mögen wir Juden welchen Beruf immer haben, Berufung haben wir hur eine: Jeder von uns־ möge immer und überall.wissen und nie vergessen, daß er ist und bleibt in Stolz und in Demut: der Jud’! ־ ‘ L. 1 Antisemitische Schlagworte und ihre Abwehr. Der offizielle Antisemitismus, der Nationalsozialismus, bedient sich in seinem’wüsten Kampf gegen Juden und Judentum allerlei imerlauW Mittelchen. Die beliebtesten sind und VerdreHimgen historisch«:! Ereignise und feststehen• der.!Tatsachen: Dei*Angriff^inseriert׳ eine: ״Uebersetzüng ides JE &;tm hdtiX.7^ «urid^jemi^^il^sieü seinen. Lesern mit folgenden Worten: ״Was-steht ,im;Talmud? Neben langatmigen, und haarspälterischen , rituellen Regeln finden wir im Talmtid verschiedene Anweisungen zum' Betrügen, zur Beraubung und' Ausbeutung־ der . •Nichtjuden; nach dem Talmud ist alles Eigentum.der Juden; weiterhin ganz deutliche Lehren, nach denen die Nichtjuden keine Mensehen, sondern Vieh sind, deren Leben ,und Seele gänzlich wertlos ist. Jeder Nichtjude muß den Talmud kennen!‘' Braucht der Nationalsozialismus noch bessere ״Argumente׳:, um den Haß gegen die Juden im Volke zu schüren? Wundert man sich, wenn solchen ״Argumenten“ -—״schlagende“ Beweise folgen? . Sehr häufig begegnet man der antisemitischen Behauptung, die Juden seien Bolschewiken, sie hätten den Bo 1 schewismus geschaffen, sie hätten Sowj e t r u ß 1 and Hilfe geleistet. Wir bringen heilte in aphoristischer Form eine kleine Auslese von Tatsachen und Beweisen, die die Lächerlichkeit Und Absurdität dieser Vorwürfe demonstrieren, wenn auch im Grunde gQnommen die Widerlegung solch unsinniger Beschuldigungen nicht notwendig wäre. Wir werden von Zeit zu Zeit. ähnliehe Fragen in der gleichen Weise behandeln. Die russische Revolution• ■ ais Werk der, Juden hin־• zustellen, ist ein lächerliches Manöver. Das absolutistische Rußland war wegen der uneingeschränkten Herrschaft des Zaren und seiner großagrarischen Gefolgschaft stän■: dig revolutionär. Selbst die Söhne des russischen Adels kämpften, ehe an die Revolution von 1917 zu denken.war, in den .Reihen der Revolutionäre und Terroristen; Es ist kein. Zufall, daß zu den hervorragendsten Theoretikern der russischen revolutionären Bewegung Adelige wie Michael Bakunin, Peter Fürst Krapotkin usw. gehörten. 1904 bis 1905 führte die russische, Revolution ein Vertreter. äer Bürger und Bauern: der Priester Georgij Gapon. Wer hat dem russischen Bolschewismus Vorschub geleistet? Nicht die Juden, sondern die ehemalige kaiserliche deutsche Regierung! Sie fuhr 1917, Lenin im Salonwagen von der Schweiz durch Deutschland nach Rußland! Der bekannte Nationalsozialist Graf E. Reventlow schreibt selbst in einem Aufsatz (״Weltkampf“,. April 1930); ״Stalin hat der! Juden Trotzki-Braunstein ... entthront..., dem anderen mächtigsten Juden Rußlands, Sinowiew-Apfelbaum hat Stalin das Rückgrat gebrochen. Nicht , anders war es mit Rädek und -zahlreichen Juden mittleren• Einflusses. ....- Es -ist ■also nicht so, daß die Schließung der christlichen Kirchen in Rußland eine jüdische Verfolgung des Christentums bedeutet; denn einmal ist die Schließung auch von Synagogen eine Tatsache..." ■7,-vl'; Lenin war Nie h t j u d e. Er stammte aus einer Familie des russischen Beamtenadels. Kalinin und Stalin, die an hervorragendsten Stellen der Sowjetunion stehen, sind auch;Nichtjuden. Die Leiter der wichtigsten Einrichtüngen, auch der GPU, sind keine Juden. Die neuere Ent■? Wicklung hat, wie E. Reventlow selbst zugibt; in Rußland den Einfluß der jüdischen Bolschewisten immer stärker zunickgedrängt, wofür die Verbannung Trotzkis. der deutlichste Beweis ist.- ״ד.,. - ׳ Die־ nationalsozialistische;,Wuppertaler Zeiturig“ (Nr. 209 vom 10. September 1932) gibt in einem Artikel über ״Die : Juden im Sowjetstaat“ mit der. Bemerkung. ״Jetzt von 9 nur 1 (Kaganowitsch)“ zu, daß von einer Vormachtstellung der Juden in Sowjetrußland nicht die Rede ‘ sein kann. Die sogenannte G-ttlösenpropaganda , in Rußland, die sich übrigens mit gleicher Stärke wie gegen die anderen Religionen auch gegen die jüdische wendet, hat in Deutschland und auch in Oesterreich eine starke Gegenwehr geweckt. Von zahlreichen Agitatoren wird die Gelegenheit benützt, um zugleich mit der Bekämpfung der G-ttlosenpropaganda auch . den Bolschewismus als eine Form jüdischen Weltherrschaftsstrebens in seiner Gesamtheit anzugreifen. Der״ ׳jüdische Bo 1schewismus" wird in vielen Zeitungen als feststehende Redensart gebraucht. Der Bolschewismus ist Gegner jeder Religion; dem Judentum ist Religion ein Lebenselement. Daher ist es unsinnig, Judentum und Bolschewismus in Zusammenhang zu hriiigen. Sie haben ebensowenig etwas miteinander zu tun wie Bolschewismus und Christentum. Ein großer Teil־’der Synagogen in Rußland wurde enteignet und für Parteizwecke verwendet. So; wird den Juden in Rußland mit Gewalt jede Möglichkeit genommen, ihre religiösen Bräuche zu pflegen. Jüdische religiöse Schriften werden verbrannt; die Juden, die an ihrer Religion mit Treue , festhalten wollen, müssen die grausamsten Verfolgungen erdulden. Die Herstellung von Gegenständen des jüdischen Rituals und der Genuß ritueller Speisen (zum Beispiel Mazzos) wird mit Gewalt verhindert. Es wird behauptet, die ״jüdische Hochfinanz“ habe den Bolschewismus und das Chaos in Rußland. gewollt. Die Sinnlosigkeit einer derartigen Behauptung ergibt sich schon daraus, daß die erste finanzielle Maßnahme der Bolschewiken die Annullierung sämtlicher Auslandsschulden war. Agudistische Gesellschaftsreise nach Erez Jisroel. Wir haben bereits über die von der .Erez-Jisroel־ Zentrale der Agudas Jisroel in Aussicht genommene G e- Seilschaftsreise na0h ׳ Erez J1 s ro e 1 - über Pessach berichtet. Als Termin für diese Reise ist die Zeit vom 5. April bis 1. Mai d, J. 'vorgesehen. Die Einschiffung erfolgt in Neapel mit dem Amerikadampfer ״Vu 1־ kania“. Die Kosten dieser Reise in der DI. Klasse einschließlich des IStägigen Landaufenthaltes (Rotels, Verpflegung, Fahrten, Ausflüge, Führung usw.) betragen RM. 600, wobei die Rückfahrkarte eine Gültigkeitsdauer von drei Monaten behält. Teilnehmer,die für ihre Unterkunft im Lande selbst sorgen wollen, haben nur die exmäßigte Schiffskarte für die Hin- und Rückfahrt(Preis: RM, 245) zu bezahlen. Auskünfte erteilt die-Erez-J|groel- Zentrale in Frankfurt a. .M״ Hanauer Landstraße 15, und* in Wien, H.> Leopoldsgasse 16. . eine mdivmüeil mir schon * Innerhalb 6 $tundein ihrem Gesichte entsprechend modulierte 6»r1dM^ui)^i1»1tmPerttcke1i-Kun1twerkttätti I, Käj-nthei'ring 6 BÄ« ׳ ,־ ר״:'-” «