Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 11 (17.3.1933)
- Date
- 1933-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630489-2630500--4396-2636555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
,• ־׳ ■* ־ Ml M ft mmmmm iii:;׳ V ■Wy Ui׳- Uf^v צנ»ז ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, H., Malzgasse 12 a. Tel. A*48-445. — Tschecho‘־ ׳ Slowakei: Bratislava, Pöstfäch 14Ö. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: י Mittwoch Mittag. :Abomiementpfeise:Ganzjährig*fürOesterreich S 16, Tschechdslöwekei tschech. k. BÖ, das Übrige Ausland 3 Dollar. Ciiizelfitiitniier öst. Gr. 40. Zahlungen auf Konto Jüdische fresse״, Wien, für Oesterflieh: Postsparkassenkonto Nr. D- 93614; Deutschlähd iPos't- , , sCheckkontoBerlin Nr. I2i6i9; Jugoslawient Postsok.-Amt Zagreb Nr. 40217;olen:P03t8park.־AmtWar8chauNrt190409;, Ungarn t Post8pk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz t Post’ scheckk. Zürich Vlli,4il7rfür die Tschechoslowakei s Jü* ׳ di8chePre8se״,Brati31ava,P0at8pk.*AMt Prag Konto Nr. 53386 * ־'■ .'.... ' .׳: ■ .־ :׳ .••׳,. . •זי-': ... ■•■״-,.. - ־ ... ‘יל־ -■ ־ - 'י-'־ r.' ־ Nr. 11 ב*ד, ווינא־פרעסבורג יט׳ אדר תרציג. ■י ' ’ ':}Wien-Bratislava, 17. Närz 1B33 •י 'jf ■־ '.? «■׳'-• •־■• י■ •י י־.-•■.• ־־; . 19.Jahrg. Früh ehe« Vor! Dr. M. Äscher, Bex-les-Bains. Schwer lastet auf uns das Golus! Doch der Druck, der von außen über uns kommt, wirkt um so schwerer und schmerzvoller, als '* auch bei uns selbst, im Inneren, manch leidvolle Wunde klafft. Wie oft muß man die » traurige Wahrnehmung machen, daß unser Heiligstes, unser altes schönes Familienideal, ins Wanken gerät und jüdisches Familienleben zerstört wird. Wie oft sieht man Eltern um ihre Kinder, die in der Großstadt seelisch zugrunde gingen, weinen und jammern, obwohl — so traurig auch die Wahrheit ist ־— sie selbst , an dem Unglück mitschuldig sind. Vor allem hat es an der rechten Erziehung, ״am Chinuch gefehlt. Aber nicht zuletzt fehlte , es an dem liebevollen Sicheinfühlen in das ' . Innenleben der Kinder. Der gute Wille und; ' das rechte Verständnis: die heran wachsen den Kinder, insbesondere die Söhne, der Ehe f r ü h z e i t i g zuzuführen, um ihnen dadurch manch schweren Seelenkampf, zu ersparen, ist nicht in genügendem Ausmaß vorhanden. Die Gemoro sagt, daß jeder jüdische Mensch, der bis zum 20. Jahre nicht geheiratet hat, sein Leben lang von unreinen und ungesunden Gedanken erfüllt wird. Um dieses wich- - tigevProblem der ]Frühehe zu*erörtern/haben, wir uns an eine Reihe von Persönlichkeiten; gewandt, mit der Bitte, sich zu diesem , Thema zu äußern. Wir beginnen'mit den . Ausführungen des. als * ' ' "' ' kannten Dr. Ascher.',’'’*^־•־ 'Die’* Redaktion.'" ' ' Ihr Weisen Israels! wie richtig ist doch euer Wort ״ בן שמנה עשרה לחשהZu*achtzehn Jahren ist die Zeit der Ehe- Schließung gekommen“. Viel Fluch kam , über den Okzident, weil er sich ■n i c h t, nach dem Rezept der Weisen richtete. Wenn auch die Naturen verschieden sind und je nach Klima, Erfahrung und •Veranlagung bei manchem י früher, bei manchem später die Entwicklung eintritt, so gilt doch auch heute noch selbst für uns im Okzident, daß,, im Durchschnitt alle Menschen, die zu achtzehn bis vierüridzwanzig Jahren noch nicht verheiratet sind, etwas Anormales aufweisen. Wohl ist es richtig, daß der Kulturmensch des Westens nicht plötzlich umsatteln kann. Schule, Beruf, Militärdienst und die ganze Art unseres Erwerbs gestatten uns kaum, schon zu achtzehn Jahren ein Haus zu gründen. Vor dem Aufbau der Familie muß eine reale Grundlage vorhanden sein, um nicht von vornherein Frau und Kind der Not und dem Elend* preiszugeben. Man überlege jedoch mit uns, welch schreckliche Folgen gezeitigt werden, wenn durch zu späte Verheiratung unsere Kinder der Uebermacht der Sinnlichkeit erliegen. Und hat man ernstlich darüber nachgedacht, so frage man sich, ob es nicht an der Zeit sei, Bresche zu legen und gemeinsam eine neüe Welt zu'zimmern. ' Wir leben im Jahrhundert ungeahnten ״Fortschritts“. Mag Unsere Zivilisation auch technisch überaus hervorragend sein, in ethischer Beziehung stehen wir jedoch auf tiefer Stufe. Aller äußere Glanz kann uns über die inneren Gebrechen und Mängel nicht hinwegtäuschen. Die Konsequenzen unserer bedauerlichen Zeitrichtüng machen sich überall bemerkbar, und man kann sich nur darüber wundem, daß unseren lieben Mitmenschen noch immer nicht die Augen aufgehen. Daß vielen die Gründung eines Hauses erst zu 25 bis 35 Jahren möglich ist und viele gar wegen ihrer ökonomischen Lage überhaupt nicht daran denken dürfen, eine Familie zU gründen, ist wohl der beste Beweis dafür, daß wir unter jammervollen Verhältnissen leben und der Kern der Zuf eine D a m e n m o d e n F. Borenstein, Wien II. {!pllandstraüe 1 Fernruf: A-45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern,. Mänteln und Kostümen, Blusen, Schoßen, Schlafrocken, *Pyjamas etc. aus eigenen Werkstätten, Separate Maßahteilung,י (Kostüme und Mäntel werdeu ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet,) Scliaatiiieii-frei. stände faul ist. Nicht nuf in unserem Berufsleben kommt dies zum Ausdruck;: auch in unserem gesellschaftlichen Leben bergen ,sich unter dem Mantel ״Sitte" ungestraft Verlogenheit, Oberflächlichkeit und Heuchelei. Das Verbotene wird in scheinbar gestattete Form gegossen,* und wenn das Böse zu häßlich ist, So wird es so lange parfümiert, bis man’ seihe Art nicht mehr erkennt. Wenn wir . mit dem Leben deir , Verstellung, Maßlosigkeit und Schrankenlosigkeit foftfahren, so ist es wohl klar, daß wir einem Untergang entgegengehen. Jede Fiber ist gespannt, atemlos rennt alles,' jeder macht dem anderen den Platz streitig, auf dem er steht, und versucht, ihn aus der Bahn zu drängen. Der Geist unserer Zeit ist zerreibend, und immer größer; Werden die Schwierigkeiten] die sich der Fristung eines bescheidenen Daseins entgegensteilen. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen umlernen. Das Uebel mag vieie Gründe haben, die wir mehr oder weniger gut kennen. Hauptgrund aber dafür, daß eine entnervende, entartete Üeberkultur entstanden ist und der Mensch Sklave geworden ist, da wo er herrschen sollte; ist, daß man die Ordnung der Natur verschoben, t: die Naturgesetze umgangen hat.' Wenn die Urkraft des Menschen vergeudet wird, nur um der Leidenschaft zu frönen, so gleicht dies dem Mord- und. ist gleichsam als Verringerung des göttlichen Ebenbildes zu betrachten. Die höchsten Zwecke des Daseins sind auf die vernünftige Leitung der sinnlichen Triebe gegründet. Alles hängt also von dieser richtigen Leitung ab.• Wervin den Wissenj schäften Fortschritte ' und״'in der', Moral Rückschritte macht,, macht mehr Rückschritte als Fortschritte. Unterliegt der Mensch dem Geschlechtsleben, so muß er bald auch auf allen anderen Gebieten; unterliegen. Beherrscht; er jedoch' die Naturkräft,^'sp lwirder als/Herr und Ge- '; bieter auf den;]Höhen;wsd1reä|Kütürfprtechiitts ■wandeln.;• ־־ ' V '״; י• לא ‘*"ההר^^^דןדי׳לשבת י ייצרה'■ <ישעי*:י -מ'ח>ז---גNicht zur Ein-1 : öde hat er sie erschaffen? sondern zur Wohnstätte hat er sie gebildet.“ Von solchen, die gesund sind, Mittel haben und doch nicht heiraten', heißt es: א*ר אלעזר כל אדם שאין לו ״ אשה .־אינו אדם (יבמות, ם*»Jedermann, der unverheiratet bleibt, verdient nicht, Mensch genannt zu werden.“ א׳ר חנלאי כל,.אדם• שאין לו יאשה שרוי בלא שמחה בלא'ברכה בלא שובה; מערבא אמרי בלא תורה בלא■ חומה ז רבא בר עולא יאמר בלא שלום Wer nicht heiratet, bleibt ohne״ (יבמות ם*ב) Dai schönste Geschenk sind ] REDLER-HOBEL in Preis und Qualität / Gratisberätung durch erstklassige Architekten / Beachten Sie die Adresse: Wien I, Sch o11e1»r 1 ng Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitgiied); V eigentliche Freude, ohne Segen, ohne Glück, ohne Thora, ohne Schütz, ohne Frieden, d. h. unausgeglichen.“- — ״ פרד ורבוSeid fruchtbar und erziehet“ ist das. erste, Gebot, welches an das Menschenpaar ergeht.; , לפחה חטאת רבץ ואליך תשוקתו Naturgemäß ist, daß das Sehnen nach Sünde groß ist und diese ständig ״vor der Türe lagert“. Alles kommt darauf an, daß wir der Versuchung nicht zum Opfer fallen. א• ר אפי יצר הרע בתחילה דומה לחוט 'של בוכיא ולבסוף דומה כעבותות העגלה <םוכה, נזב). .,Der böse Trieb gleicht anfangs einem. Spinngewebe; wenn man ihm jedoch nachgibt, so wird er bald so stark wie ein' Wägenseil.“ אמר רבא בהחלה קראו י הלך ולבסוף; קראו אורח ״ ולבסוף קראו איש(שם)Anfangs ist der böse Trieb wie ein Vor* übergehender. Sobald du ihm Einlaß gewährt hast, gebärdet er sich wie ein Gast und ganz zuletzt schwingt er sich zürn Herrn des Hauses auf.“ Der Vernünftige wird sich deshalb vor dem ersten Schritt zur Sünde hüten, wohl wissend, daß der erste Schritte leicht Ursache;sein kann, .daß man immer mehr Sklave• der Leidenschaft wird. Der vernünftige :Mensch wird: in •Entschiedenheit; des Willens; sich einen Damm bauen; der stark genug ist, ‘ der Begierde stanäzuhalten: Die; vom; Schöpfer uns ver-, ל liehene Kraft haben wir dazu zu benützen, das zu tun, waß Vernunft und Gewissen empfeitlen,. nämlich; die vom ScKöj>fer /höchstem Ziele;־^ uns allen liegt von Natur aus die Sehnsucht, ein Haus zu; gründen, sich der Nachkommenschaft widmen zu dürfen. ־ Erhabenes Glücksgefühl erfüllt die Eltern .bei Geburt׳ eines Kindes. Als schönsten Segen stellen wir uns vor ״ - בניך כשתלי זיתים סביב . לשלחנךDeine Kinder sind wie Oelbaumschößlinge. rings um deinen Tisch." (Psalm 128.) . . Um uns nun vor Verirrungen und; Ausschweifungen zu schützen, die zu den schrecklichsten Folgen führen können und denen wir letzten Endes einen bedeutenden Zur ersten Jahrzeit von Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld זצ״ל am 19. Adar 5693. der Riese fiel, begann das Spiel der. Zwerge. Kaum hatten Wenn ein zukünftiger Geschichtsschreiber •die Geschichte des Ringens zwischen altem Thorageist und nationalsozialistischer Assimilation in Erez Jisroel im Laufe der letzten Jahrzehnte schreiben wird, so wird im Mittelpunkt dieses Geschehens die Persönlichkeit des Größen stehen, dessen Todestag sich am 19. Adar jährt. Er wird den Typ jener Jüdischkeit darstellen, die nicht erst ihre Liebe zu Erez Jisroel vom Zionismus empfangen hat, die vielmehr der Wurzel jenes urjüdischen Denkens und Fühlens entquollen, die die ganze Persönlichkeit des - Großen beherrschte von dem Moment an, da er das heilige Land betrat, bis er auf dem Har Hasesim bestattet wurde. An ihm wurde der böse Spott zuschanden, mit welchem Dutzendweisheit den Antizionismus mit einem Mangel an Chibas hoorez identifiziert. Weil Rabbi Sonnenfeld Erez Jisroel liebte, darum führte er mit jeher Energie und Härte, die persönlich seinem weichen Herzen nicht lag, deren er sich aber ,als jüdischer Führer nicht entschlagen konnte,: den Kampf gegen jeden Versuch, aus Erez Jisroel eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen, die . nicht gleichzeitig eine Heimstätte für die Thora war. Noch ist aber dieser jüdische Geschichtsschreiber, der die Persönlichkeit Rabbi! Chajim Sonnenfelds in objektiver Distanz schildern könnte, uns nicht entstanden, noch fehlt die Distanz, noch ist die Wunde zu frisch, die sein Heimgang uns geschlagen, noch entbehren wir zu sehr der gewaltigen Führerpersönlichkeit, hinter der sich alles in Treue zusammenfand, was man unter dem Namen U n a b h ängige Orthodoxie versteht. Aber eines haben wir in diesem Jahr schmerzlich bitter erkannt: Als sich die* Augen von Reb Chajim Sonnenfeld ןצ-ל geschlossen, da wagte man es, das Recht der Gemeinschaft, Idie ihn verloren, zu bestreiten, sich einen neuen Führer zu: , ׳küren. Und aber auch im eigenen Kreis dünkten sich die,. die bisher geführt wurden, Führer und wiesen das bedenk- ' liehe Bild einer nicht mehr geeinten Masse, der -nunmehr das starke Gewicht einer ragenden Spitze fehlt., Es . ist. sicherlich dem S'chus-des großen Heimgegangenen ־ וצ*ל ־ zuzuschreiben, daß nunmehr, da das Trauerjahr vollendet ist, sich der würdige Nachfolger anschickt, die Stelle desjenigen einzunehmen, dem er das erste Wort öffentlicher Trauer gesprochen. Der Mut, dieses Amt anzunehmen, un- , beirrt von den Einschüchterungsversuchen derelr,‘ die da. hofften, daß mit Reb Chajim Sonnenfeld זצ׳ל auch seine Gemeinschaft gestorben sei, prädestiniert allein schon den Gaon von Chust שליט*א zu seinem würdigen Nachfolger. Möge es ihm vergönnt sein, im Geiste Rabbi Chajim Sonnenfelds זציל heiße, unverlöschbare Liebe zu Erez Jisroel mit unbeugsamer Vertretung der Thora- Prinzipien zu . paaren, wie es sein großer Vorgänger ge* tan. Und mögen wir alle dem Andenken von Rabbi Chajim r Sonnenfeld זצ*ל dadurch gerecht werden, daß wir an , seinem Jahrzeit den Entschluß fassen, jedpr nach Maß- ׳ gäbe seiner Kräfte dazu beizutragen, daß ein Erez Jisroel gebaut werde, in dem immer, mehr und mehr sich die Ideale des großen Rabbiners des Waad; Hoir Aschkenasi . verwirklichen. Solchjsy; Entschluß, anv iln^rzeittage gefaßt, ist dasjenige, was wir dazu, tun können]1üin däSiWort^ zä; bewahrheiten: זכר צדיק לברכה. eine iridiviclueU ihrem Gesichte entsprechend modellierte 6 - S t II: II d 6 H Besitzet der weUbekarinten PfS rUcken-Kunftwerkftätte Wien I, Kärntnerring 6 E»' ־#;־ ÄS-׳ SS V'V ~ 5 V* t % - y.* 4 י