Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 8 (24.2.1933)
- Date
- 1933-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ädfffliptt vom;versendet Journal e*Mdl6 par PMifettf, Kovlnovö vftdatne povolen* riadit poata teiegrafov V ÖfalfilÄ^ 4tSt24tlÄ pof P&iiteuf, ORGAN FÜR OIE INTERESSEN ÜES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, H., Malzgasse 12 a. Tel. A-48-4-15. — Tschecho- Slowakei; Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abomtementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschechi K. 80, das Übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40• Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien, für Oester* reich: Posfsparkiissenkontn Nr. D-93614; Deutschland :Postscheckkonto Berlin Nr. l.i.6ld; Jugoslawien t Postspk.-Amt ZagiebNr. 40217; olen:Postspark.*Amt\VarschauNr.I90409; Ungarn i P03tspk.*Amt Budapest Nr. 50170; Scnwelz t Post* scheckk. Zürich V111,4117; für die Tschechoslowakei: *JÜd)scnePres8e“,Bratislava,Postspk.*AmtPragKonto Nr. 53386 Nr. 8 Wien-Bratislava. 24. Februar ביה וינא-סרעסבורג ב״ח שבט תרצ״ג. 19. Jahrs- Kann die Orthodoxie auf praktische Erez-Jisroel-Arbeit verzichten? Eine grundsätzliche Auseinandersetzung anläßlich der Reorganisation der österreichischen Erez-Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel. Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. Ueber die Frage, ob die unabhängige Orthodoxie praktische Erez-Jisroel-Arbeit leisten soll, sind־ die Meinungen innerhalb der Orthodoxie geteilt. Der ganzen Orthodoxie ist Erez Jisroel heilig und wertvoll, es ist ihr die . Urheimat der jüdischen Seele, der Urquell jüdischen Geisteslebens, von dem alle Ströme jüdischer Geistigkeit gespeist werden und zu dem alle Ströme wieder zurückführen, aber nicht alle, glauben, daß es erste und oberste Pflicht der Orthodoxie sei, im Lande der Väter praktisch kolonisatorische Tätigkeit in großem Stile zu entfalten. Es sind teils praktische, teils ideologische Gründe, die gegen eine praktische Betätij! Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Wien II ü j | Obere Donaustraße Nr. 69 (Eingang Floßgasse Nr. 1 < 1 EINLADUNG zu der am MOZZE-SCHABBOS, den 11. MÄRZ d. J., um 8 Uhr abends im Festsaale des HOTEL POST, 1, Drachengasse (Fleischmarkt), stattfindenden Erstklassiges Programm / Karten zum Preise von S1.—, 1.50u. 2.- (Damen und Herren) allabendlich im Lokal der Jugendgruppe zu haben. Karten rechtzeitig sichern! Ein Teil des Reingewinnes fließt dem KEREN HA- JISCHUW der Agudas Jisroel zu gung der Orthodoxie im heiligen Lande ins Treffen geführt werden. Unter den praktischen Gründen steht an erster Stelle die bekannte und nicht wegzuleugnende Armut der orthodoxen Judenheit, die eine erfolgreiche Tätigkeit kaum erhoffen läßt. Unter den ideologischen Gründen sind viele sehr beachtenswert, so namentlich diejenigen; die von einer intensiven Erez-Jisroel-Arbeit eine Vernachlässigung der Golusarbeiten befürchten, die zu einer Verneinung des Golus selbst führen, und eine solche Verneinung des Golus ist für das ganze Geschick des Judentums äußerst gefahrvoll. In Palästina wird praktische Arbeit von Juden geleistet, die Fleisch von unserem Fleische, aber .leider nicht Geist von unserem Geiste sind, und da erhebt sich die Frage: Können und dürfen w i r,. denen Erez Jisroel ein Stück ihrer Seele ist, die im heiligen Lande der, Väter wurzeln; die im Geiste die heilige Heimaterde küssen, deren Augen sehnsuchtsvoll dreimal täglich nach Zion blicken, die Arbeit jenen überlassen, denen Erez'Jisroel ein Land ist wie jedes andere Land, die im Lande selbst keinen Hauch der Heiligkeit des Landes verspüren, und denen die Arbeit dort keine heilige Arbeit ist? Kann und darf die Orthodoxie beiseite stehen, wenn sie sieht, daß in ihrer Heimat, in der Heimat ihrer Thora, in der Heimat ihrer Seele, diese ihre Thora mißachtet wird, dort ihre Seele geknebelt wird, daß sie sich nicht frei entfalten kann? Kann und darf die Orthodoxie zu arm sein, kann es irgend eine Golusideologie geben; die es verständlich erscheinen ließe, daß wir dieses Land, das uns angeblich das heilige ist, jenen überlassen, die dort unsere heiligen Ideale fälschen? Dürfen wir ruhig mitansehen, wie die ״Königin in ihrem eigenen Hause vergewaltigt wird“? Tragisch dürfte sich die Abwesenheit der Orthodoxie im heiligen Lande auswirken. Bleiben wir fern, so wird sich dort das Leben ohne uns und gegen uns auswirken. Das praktische Leben und der praktische Aufhau im heiligen Lande zeitigen täglich neue Probleme, Probleme praktisch religiöser Natur, aber’auch Probleme geistiger Art, die gelöst werden müssen und auch gelöst werden. Sind wir nicht dont, so erfolgen diese Lösungen ohne uns und gegen uns. Und diese praktischen Lösungen schaffen eine geistige Atmosphäre, die pseudojüdisch ist, aber von alten in Erez Jisroel lebenden und schaffenden Juden ais-jüdisch angesehen wird. Ich denke an die pseudo-jüdische Lösung der Schemitohfrage, an die praktische Lösung der Sabbatfrage, der nicht nur ein יום מנוחה sondern ein יום מנוחה וקדושה! ein Tag der Heiligung, der Seligkeit, von Überirdischem Ausmaß sein muß. Bei dem כנין הארץ Erlebt man einen חורבן der jüdischen Geistigkeit, der Weit weit schlimmer und in seinen Folgen verhängnisvoller ist als der tatsächliche הורבן הארץ Boi dem הורבן הארץ blieb der jüdische Geist intakt und wir konnten hoffen, daß der jüdische Geist sich schließlich sein Heim aufs neue erbauen wird, aber bei dem neuen בנין wird im Namen des Judentums der jüdische Geist verfälscht, wird die Fälschung gar nicht als solche erkannt. Ein jeder aufmerksame Leser der palästinensischen Presse wird und muß es zugeben, daß dort ein Geist sich breitzumachen im Begriffe ist, der den alten jüdischen verdrängen will. Können und dürfen wir warten, bis alles in Trümmern liegt, um dann mit dem Wegräumen des Schuttes zu: beginnen? Söll sich unsere ganze Kraft in diesen Wegräumungsarbeiten erschöpfen, daß wir dann zur Aufbauarbeit gar nicht mehr kommen? Das Leben geht weiter und der Abwesende behält Unrecht. Wir sind nicht dort und wir werden nicht gehört. Wir sind arm und wir glauben, nichts Nennenswertes leisten zu können. Wir wären nicht arm, wenn wir nur den Entschluß fassen würden, arbeiten zu wollen. Und arbeiten heißt praktisch arbeiten, denn nur der erhält Einfluß auf das praktische Leben, der mitten im praktischen Leben steht. Mit Erziehungsarbeit in den Schulen allein ist es nicht getan. Mit dem arbeitenden REDLER-MOBEL behalten dauernd Schönheit und Wert Beachten Sie meine neue Adresse: Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schon1ra‘-Mitglied) Volke mitarbeiten, mitleben und mitSorgen, darauf allein kommt es an. Alle Bedenken, alle Einwände und alle Argumente gegen praktische .Erez-Jisroel-Arbeit, sie mögen noch so berechtigt sein, sie müssen gegenüber der Tatsache schweigen,* daß dort gearbeitet wird, und wir können und dürfen uns nicht ausschalten lassen, weil die ganze; geistige Zukunft der kommenden Generationen, für die wir mitverantwortlich sind, auf dem Spiele steht. Von dem arbeitenden, schaffenden Palästina dringen Ströme neuer Geistigkeit in alle jüdischen Kreise. Sollen diese Ströme nicht alles wertvolle geistige jüdische Gut der Vergangenheit wegschwemmen, so müssen wir dafür sorgen, daß sie von diesem geistigen Erbe der Vergangenheit gespeist werden. Dazu müssen wir aber an die Quelle herangehen, wo die Ströme entspringen, und dem alten Geist zum Siege verhelfen. Einen anderen Rat gibt es nicht. Wollen wir ernstlich den Sieg des alten jüdischen Geistes, so müssen wir dort sein bei den Quellen, aus denen sich die Ströme neuen jüdischen Lebens ergießen. Und diese Quellen heißen: Erez'Jisroel! Kommen wir nicht zu spät! Stärken wir die Erez-Jisroel- Arbeit der Agudas Jisroel und wir sichern damit die Zukunft des Judentums in Erez Jisroel und im Golus. Ein Wort an die JüdÄhen Frauen Wiens.. Zur geplanten Einführung des Fraueiiwahlrechtes in der Wiener Kultusgemeinde. Oberrabbiner Spitzer-Hamburg, die halachische Autorität der. deutschen Judenheit, hat in der Jakob - Rosenheim - Festschrift eine ausführliche Untersuchung veröffentlicht ״Ueber das aktive und passive Wahlrecht der Frauen“. Als Resultat seiner Untersuchung stellt Oberrabbiner, Drl Spitzer fest, daß die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechtes nach der Halacha streng verboten ist. Am Schlüsse seiner Ausführungen wendet sich Oberrabbiner Dr. Spitzer mit einigen Worten an die jüdische Frau selbst. Wir lassen hier eine wortwörtliche Uebersetzung aus dem hebräischen Original folgen und hoffen, daß seine Stimme auch in Wien weithin gehört werden wird. Ihr jüdischen Frauen, haltet euch an das, was G-ttes Wille von euch fordert, und lasset und hasset, was seinem heiligen Willen widerstrebt, und darunter ist das aktive sowohl als auch das passive Frauenwahlrecht. Wahret euer Erstgeburtsrecht, eure g-ttbegnadete Mütterlichkeit, euren stillen, starken, heiligen Einfluß auf Mann und Kinder. Eure Natur ist nicht auf Macht, sondern auf Einfluß angelegt, Stimmrecht-Ausübung ist Machtausübung. Jede Stimme wiegt gleich viel. Des Mannes Gabe und Aufgabe ist: Durch Macht Einfluß zu gewinnen, der Beruf der Frau: Durch Einfluß Macht zu gewinnen 'und auszuüben. Was die väterliche Machtautorität bei den Kindern nicht erreicht, bewirkt der stille innerliehe Einfluß der Mutter. Dazu brauchen wir mehr als alles andere eure Mütterlichkeit. Aber auch unsertwegen: Bleibt oder werdet wieder ganze jüdische Frauen, damit wir Männer wieder an euch zu guten, frommen Männern werden, zu Männern, die ihre Pflichten den Frauen gegenüber begreifen, erkennen und erfüllen. Dannwird die Frauenfr a g egelöst sein, aber nur dann, im Geiste der Thora. .. ,1 י.י 1,1 ■ . "י Feine D a ווו e ווו וו o d e וו F. Borenstein, Wien II. Hollandstralle 1 Feinruf: A-45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln und Kostümen, Blusen, Schoßen, Sohlstf röchen, Pyjamas etc, aus eigenen. Werkstätten. ' Separate Maßabteilung, (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet.) Schaatnes-frei. Judentum und5 JHirtenfeipiefö Antisemitische Rede des Abg. Kunschak. In einer christlichsozialen Versammlung in Floridsdorf hielt Abgeordneter Kunschak eine Rede, in der er mit Bezug auf den Hirtenbrief des Linzer Bischofs Dr. Gföllner und die Stellungnahme des Judentums zu demselben ausführte: ״Es wäre verständlich und vernünftig, wenn innerhalb des Judentums die scharfe Grenzlinie — zwischen gearteten und entarteten, zwischen gläubigen und g-ttentfremdeten Juden — wie sie von Bischof vDr. Gföllner gezogen wurde, Beachtung und Bestätigung gefunden hätte. Statt dessen haben die Juden in ihrer Gesamtheit eine Verbundenheit und Solidarität geäußert,, die sich in scharfen Protesten gegen den Hirtenbrief, des Bischofs Dr. Gföllner auswirkte. Selbst der Vorstand der Wiener is.rae litis ch en Kultu sge mein de hielt sich verpflichtet, im Kampf gegen den Bischof an die Seite der g-tteritfremdeten und entarteten Juden zu treten. Diese feierliche Solidaritätskundgebung .des gesamten Judentums muß zur Kenntnis genommen werden. Sind die berufenen Vertreter des Judentums der Meinung, daß zwischen den Juden auch hinsichtlich ihrer Charakter- Veranlagung und s o z i a 1 e n W e r t i g k e i t;nicht unterschieden werden darf, so liegt für die Nichtjuden kein Anlaß vor, künftig’ eine solche Unterscheidung zu machen. Will das Judentum in seiner Gesamtheit die ,Verantwortung tragen für die d e s t r u k t i v e T ä t i g k e i t des jüdischen Weltgeistes, so kann.dies nur Veranlassung sein, der Solidarität des Judentums den Abwehrwillen des gesamten christlichen Volkes entgegenzustellen.“ Wir fragen Herrn Kunschak: Was würde er und was würden seine Parteigenossen sagen, wenn ein Jude es gewagt hätte zu erklären, ״es sei rückhaltlos zugegebqn, daß es auch im C h r i s t e n t u m edle Charaktere gebe“, wie der Linzer Bischof das in seinem Hirtenbrief bezüglich des Judentums erklärt hat. Nicht wir sind es, die eine Solidarität zu den ״entarteten und g-ttentfremdeten“ Juden empfinden. Es ist das ״Linzer Programm“ der Christlichsozialen Partei, das von einem ״zersetzenden Einfluß des Judentums“ spricht und keinen Unterschied zwischen Juden und Juden macht. Es ist der Hirtenbrief des *Linzer Bischofs, der von einem nicht existierenden ״jüdischen internationalen Weltgeist“ spricht und der von der Gesetzgebung und Verwaltung verlangt, daß sie ״einen starken Damm aufrichte gegen den geistigen Unrat und Raummangel halber mußte diese Woche die ForU Setzung des Feuilletons ausbleiben, »; mm erhält bei mir scli'Q'ii innerhalb 6 stunden eine individuell; ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten Periicken-Kumtwerkttätte Wien I, Kärntnerring 6 Ä«