Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 5 (3.2.1933)
- Date
- 1933-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zflrlch Vlll. 4117; lüf die Tschechoslowakei 1 ״Jft• dlsche Presse״, Biatlslava, Postspk..Amt Prag Konto Nf. 53386 ” . ■Uy. V1 '; י'■.'״.י י•’■'* Nr. 5 , Wien-Bratislava,. 3. Februar 1^33 •ג־י יינא-פרעסבויג ז׳ שבט תרצ׳ג 19. Jahrg. Hitler am Ruder. In Deutschland ist nun die große Wendung, eingetreten; aus den schweren seelischen und wirtschaftlichen Erschütterungen des Nachkriegsdeutschland ist eine Regierung hervorgegangen, an deren Spitze Adolf Hitler steht. Für uns Juden besagt dies genug. Eine unerhörte antisemitische Propaganda war der Motor, welcher die Hitler-Bewegung vorwärtsgebracht hat. Wenn auch die jetzige deutsche Regierung nicht das Produkt eines von den Nationalsozialisten vielfach erhofften, siegreichen, jeden Andersdenkenden niederstrampelnden Vormarsches . der hitlerischen Sturmtruppen ist, sondern eine mit allen Salben der Parlamentsdiplomatie geschmierte Kompromißlösung, so bleibt es für uns Juden doch ein erschütterndes Ereignis: Hitler als Reichskanzler an der Spitze der deutschen Regierung. Ein erschütterndes Ereignis! 7 Wir denken zunächst an die Verdrängung der Juden aus allen öffentlichen Aemtern und aus den bescheidenen Wirtschäftspösitionen, welche, sie in schwerer emsiger und ehrlicher Arbeit erworben haben. Die allgemeine Wirtschäftsnot, die ohnehin unerträglich schwer auf der mitteleuropäischen Judenheit lastet, wird fortab durch persönliche Gehässigkeit noch gesteigert werden. Mensch schon für seine Prosperität an jüdischen, religiösen Gütern geopfert! Der Sabbat war 'das Erste, was dem Moloch: Wirtschaft in Deutschland ziim Opfer fiel. Durch die Hingabe des. Sabbats kam dann die g a n z e jüdische religiöse Weltanschauung ins Wanken. In den großen Wirtschaftszentren, die )gleichzeitig Orte jüdischer Massensiedlung darstellen, wirkte Dekadenz wie eine furchtbare Pest an der jüdischen Famüie und an dem jüdischen Einzelmenschen. Alle diese modernen jüdischen Menschen stehen heute ohne den Schutz väterliehen Glaubens da, preisgegeben der Verderbnis, die von außen auf sie einstürmt. Die besten und stärksten unter ihnen werden jetzt sich selber besinnen und die wenigen jüdischen Funken, die bisher in ihrer Seele verschüttet dalagen, anfachen. Der Zug nach rechts, der in der Nachkriegszeit auch im jüdischen Lager sich immer mehr bemerkbar machte, wird jetzt eine ungeahnte. Verv Stärkung erfahren. Und da erwächst für uns orthodoxe Juden eine epochale Aufgabe: für all jene das alte jüdische Elternhaus bereitzuhalten, die bereit sind, in dieses Haus einzukehren. Es mehrten sich im letzten Jahrzehnt die Stimmen orthodoxer Führer, welche immer und. immer wieder darauf hinwiesen, daß es eine heilige Pflicht der Orthodoxie ist, den Weg zu bereiten für all jene, die enttäuscht, betrogen und zermürbt einsehen, daß die lodernde Flamme der Moderne nur ein Irrlicht und keine wärmende, lebenspendende Sonne war. Sicherlich, auch die Orthodoxie wird durch die Machtergreifung antisemitischer Staatslenker schwer betroffen, es ist aber unleugbar, daß ihre P.osition bedeutend geschützter ist, als die Lage jener Juden, welche dem Judentum den Rücken gekehrt, in der ganzen weiten Front ihrer Persönlichkeit sich der nicht jüdischen Umwelt zugewandt haben.' Ist die Orthodoxie stark• genug, die Wankenden zu stützen? Ist sie fähig genug, alle jene belehren und zuriiekgewinnen zu können, die in dph nunmehr verflossenen Jahrzehnten des Liberalismus o h n e Sabbat,. ohne Thora, ohne Mizwotherfüllung durch die Völkerwüste wandern zu können glaubten? Eine tiefe Erschütterung geht durch das jüdische Lager. Hitler an der Macht! Nicht zum ersten Male in unserer Golusgeschichte gelangt der Erzfeind zur Macht. Das jüdische Volk hat sich der Umklammerung seiner Feinde nicht durch Angriff ättf dieselben, sondern durch Rückwärtskonzentrierung zu G-tt entzogen. .Diese alte bewährte jüdische Strategie zu üben und unsern schwer bedrohten Brüdern zu lehren, ist die Pflicht der Stunde, die heilige Aufgabe der Orthodoxie. L. - Der unverantwortliche Beschluß der zionistischen Kultusmehrheit, das aktive und. passive Fra u enwahl- , recht einzuführen, hat unter der religiösen Judenschaft Wiens einen P roteststurm ausgelöst. Bisher hat die ״Jüdische Presse“ dieser tiefgehenden Entrüstung Gehör gegeben. Nun aber hat auch als erste unter den orthodoxen Korporationen Wiens die Agudas Jisroel scharfen Protest gegen die durch das Frauenwahlrecht heraufbeschworene Verletzung des religiösen Empfindens zehntausender Wiener Juden erhoben. » ׳ Gewiß, die Wiener Kultusgemeinde konnte auch bisher nicht als eine religiöse Gemeinde angesehen, werden. Tag für Tag mußte man erleben; daß die Institutionen dieser Gemeinde und ihre Funktionäre gegen religiöse Ge- und Verbote verstoßen. Die Wiener Kultusgemeinde ist eben keine orthodoxe Gemeinde und sie verstand es auch nicht, den Bedürfnissen und Empfindungen der orthodoxen . Judenheit gerecht, zu werden.; Daß aber die neue Gemeindemehrheit nun Reformen einführen.will, die auf das Ganze gehen, muß jeden orthodoxen Juden, der zwangsweise dieser Kultusgemeinde an־' gehört, wachrütteln. Unsere Stellungnahme ist klar: In orthodoxen Gemeinden ist das jüdische Gesetz, der Schulchan- Aruc h, die oberste Instanz; in der Wiener Kultusgemeinde der Kultus Vorstand. Dieser kann in seiner Machtfülle und in seinem Machtrausch tun, was er will. Wir erheben entschieden Einspruch gegen die flagrante Verletzung des Religionsgesetzes, die in der Einfiihrung des Frauenwahlrechtes gelegen ist. Und wenn nicht anders, dann muß zu dem Mittel der Steuer- Verweigerung gegriffen werden, um die Durch- . l'ührung dieses Beschlusses zu verhindern. Jedenfalls aber, und das muß betont werden: Unabhängig davon, ob nun die Durchführung des Beschlusses verhindert werden wird oder nicht; unabhängig davon, ob nun der Kultusvorstand auf die Einführung des Frauen- Wahlrechtes wegen des Proteststurmes der orthodoxen Judenheit oder wegen eines Einspruches des Rabbinats oder aus!:ein politisch-taktischen Gründen verzichten wird, wi r können die Wiener Kultiisgemeinde n i ch t als unsere religiöse Gemeinde anerkennen. Wir sehen eine Möglichkeit zur Entfaltung eines religiösen jüdischen Lebens mn: in einer selbständigen orthodoxeü Gemeinde. Die Wiener Kultusgemeiride und ihre zionistische Mehrheit haben mit dem Beschluß der Einführung des REDLER-HOBEL behalten dauernd Schönheit und Wert Beachten Sie meine n e u e A d r e s s e: Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra‘־Mitgijed) Frauenwahlrechtes ihrer un jüdischen Handlungsweise, die sie stets an den Tag legen, die K r o n e aufgesetzt. Wir ersparen es uns für heute, das Sündenregister dieser Gemeinde zu entrollen. Ist es vielleicht j ü d i s c h, die Mikwohpreise zu erhöhen, nur weil ein ungeordnetes Wirtschaftssystem Vorkommnisse ermöglicht hat, die ein fiktives Defizit ergaben? Ist es j ü d i s c h, orthodoxe Bethäuser und Vereine uin kleinliche Unterstützungen bitten und betteln zu lassen, während für die Tempel, für Sportvereine und andere solche Institutionen ein Riesenvermögen verschleudert wird? Ist es jüdisch, eine ״jüdische“ Schule mitzuerhalten, die dein zarten Kinder- Seelen Minüs und Apikorsus in Wort und Tat predigt? Welche Konfession noch Würde es zulassen, daß nicht mir der profane Beamtenkörper, sondern auch die Religiönslehrer und -funktionäre, die für eine jüdische Erziehung des kommenden Geschlechtes verantwortlich sind, in einer,, jedem religiösen ' Empfinden hohnsprechenden Weise die religiösen Verbote nicht nur . allein übertreten, sondern auch den jüdischen Schülern aus ״Weltanschauungsgründen“ die Religion als ״Privatsache“ hinstellen und durch ihr Vorleben und ihren Unterricht in auf das schärfste zu verurteilender Weise fegen das j ü d isehe Religibrisgesetz losziehe 11. Daß es möglich war, einen Beschluß von so bedeutender Tragweite für die ganze Gestaltung der Gemeinde zu fassen, wie die Einführung des Fraiienwahlrechtes, ohne sich um die tiefen religiösen Bedenken der religiösen Judenheit zu kümmern, ohne das eigene Rabbinat über die religionsgesetzliche Zulässigkeit eines ' solchen Be- Schlusses zu befragen, ja, ohne daß auch nur ein Antrag gestellt worden wäre, eine Anfrage an; das Rabbinat zu richten, beweist und bekräftigt die für uns feststehende Tatsache, dass nur eine unabhängige orthodoxe . Gemeinde den religiösen Bedürfnissen und E m p f indun gen der th or a t r e u e n Judenheit gerecht werden, kann und daß wir nur in einer solchen Gemeinde die jüdische ״K e hi11 a“ e r bl i c ke n könne n, F e i ne D amen m o d e n F. Borenstein, Wien II. HollandstralSe 1 Fernruf : A-45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln und Kostümen, Blusen, Schoßen‘, Schlaf rücken, Fyjainus etc. aiis.eigenen Werkstätten. Separate Maßabteilüng. (Kostüme 11ml Mäntel , werden ausschließlich nur von Herrenschneidern ■unter ^nejnor persönlichen Leitung: gearbeitet.) Sehaatnes-fre». עשנן,yrirei.. ProteststuPm gegen das F rauen Wahlrecht. Der Vorstand der Agudas Jisroel hat mit Bedauern und Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß der neugewählte Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in seiner ersten ‘ Sitzung den Beschluß gefaßt hat, . . den Frauen das pass.iv*e Wahlrecht für den Kultusvorstand zu verleihen. Es ist tief zu beklagen und muß schmerzlich berühren, daß eine Körperschaft, die durch das Gesetz verpflichtet ist, die r e I i g i ö s e n Aufgaben der Wiener Judenschaft zu vertreten, sich in —nach einhelligen Gutachtern maßgebender Autoritäten :— so schroffen Gegensatz zum Religionsgesetz stellt. i Die Agudas Jisroel als Zusammenfasung der glaubenstreuen Judenschaft v — legt gegen diese schwere Verletzung des, religiösen Empfindens den schärfsten Pro t e st ein und erwartet yon allen Körperschaften, die den religiösen' Gedanken hochhalten, daß sie sich diesem Protest anschließen. V ■יי'.:;’ י ״’ Wolf Pappenheim m. p., Salomon Asch h e 11 a z y m. p., Obmann. ' Alfred Stroh m. p., Obmannstellvertreter. David S e i d m a n n m. p., Nathan H e r z k a m. p., Obmunnstellvertreter. ‘ Schriftführer. Schriftführerstellvirtreter. "■V•■?1/■׳ erhält bei mir 1 eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte ff^©!*M0SC© Besitzer der weltbekannten Wien I, Kärntnerring 6 pr Teieption Nr. U47־-t -16