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Jüdische Presse · 1933-01-06 · 1 (6.1.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
1 (6.1.1933)
Date
1933-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. ' ־ - ׳ '•׳־', - Zeitnitgen vom Verlege* trersefttfeL Journal expddid pöf rediien*. Nöfii10*1e v^plaiüte povolene riadit post a telegrato% v Brätislave *is. 4i5?24II-20. Ml *jv Redaktion u. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16/ Tschechoslowakei tschech.; K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zsittuttgen Suf Konto .Jfldlsehe Pfesse‘, Wien für 008t St reich! P08t8patkas1enkonto Nr. D-93614; Deutschland! P08t* scheckkotlto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 1 Postsbk.<Attit Zagreb Nr. 40217: Polen i Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarns Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweizs Post* scheckk. Zürich VW. 4117; für die Tschechoslowakei s .Jfl• d!8ehe Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 * ' ‘ ’i . , י Nr1 ־ ... Wien-Bratislava, 6. Jänner 1933 .ב׳י יעא־פרעסבורנ ח׳ טבת חיצ׳ג 19. Jakrg. Kein Grund zur Zufriedenheit. Von Dr. Nathan Birnbaum, Berlin. Einer der Väter der neuzeitlichen Arbeiteiibeweg’ung hat das Wort von der verdammten Genügsamkeit geprägt und clalbei hauptsächlich an Anspruchslosigkeit in -materiellen Dingen gedacht. Diese verdient aber .viel mehr dlann gegeißelt zu werden, wenn sie sich auf Summe und Rang dos im Seelischen und Geistigen Erreichten bezieht. Es ist sicher lobenswert und von Vorteil,א auch in den Zeiten der Entartung einer Kultur an die: Größe ihres Grundwesens und a:11!die Möglichkeit ihres neuen Emporllcoimmenis zu glauben. Aber es ist ein Unfug und durchaus verderblich, sich Erfolge und günstige Situationen, diie n ic.lit da sind, ׳einzureden. Gerade das aber ist es׳, was wir Orthodoxen ums zum Vorwurf machen müssen. Ja, es kann für uns derzeit nichts Wichtigeres gelben als uns dies immer und immer aus- "führlicher vonzufhalten. Es ist eine recht verbreitete Gepflogenheit g'eworden, sich nicht weiter darüber amfzuregen, daß die Zahl der Ueberlieferungstreuen ,auf einen minimalen Bruchteil dev jüdischen Gesamtzahl heralbgesunken ist. AM ein, selbst - ruhigung lägq — gegenüber die Dinge wei t er c'n t wi ck'eilU, sollte Gl eich gültig-; keit unmöglich sein. ' . Wie kann man noch Optimismus predigen, wenn ' die Kinder frommer Eltern in wachsende!• Zahl ins Reich cles sogenannten freien Geistes fliehen und zudem immer mehr fromme Eltern ״zufällig“ nur mit zwei oder höchstens ,drei Kindern gesegnet sind? Niemand׳ fragt, woher diese Schwunderscheinungen kommen. Oder wenn jemand danach fragt, scr gibt er sich'!gerne mit der Erklärung zulfirieclen; daß die Abfallbewegung eben noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Dies ist sie d'oah aber auch nicht bei den. Nicht- . jud'en und doch läuft bei ihnen parallel ׳zu ihr eine r e'li g i ö s e Bewegung voll! Eifers, voll Einsicht ins Geschehen und voll Siegeslust jedes einzelnem. Warum sind diese anderen ein marschierendes Heei• und׳ wir, die Söhne des Gottes Volkes; ein müdes, ein altes ״letztes Aufgebot“? - Warum? Weil jene üiber ihren persönlichen religiosen Bedürfnissen niemals •die grundlegende Bedeutung ihrer Gemeinschaft übersahen!, während wir schon lange, lange vergessen haben, was wir am allerwenigsten vergessen durften, daß diie gläubige Judenheit niolit eine Summe von einzelnen, sondern das ziisammengeballte jüdische Volk zu sein hat. Weil wir uns so selber zu dem geknetet haben, was wir sind1. Wenn es in der letzten Zeit gelang,'in der Agudas Jisroel ein Werkzeug zu schmieden — was nützt cs. da wir ׳unfähig geworden sind, den rechten Gebrauch davon!zu machen, dla wir uns Nebenfrageji hingeben und Lebensfragen ausweichend da wir ohne Geist, Mut und Kraft zu großen Initiativen, ahne Spürsinn für!die eiemontansten Notwendigkeitem sind? 011, wie wir mit diesen Notwendigkeiten uingehen! Wir brauchen die Zufuhr jungen, von linsarer schleichenden Schlafkranklieit .1111 vergifteten׳'.Blute», Wir brauohen den Vorstoß in das Lager unserer freigeistigen Brüder, Aber wen interessiert das? Irgend welche. Strei-, tigkeiten in irgend einer orthodoxe!!! Gemeinde stehej! höher jjpi. Kurse, Und könuten; wir denn auch׳; so wie wir sind, den Kampf mit״ Aftssicht auf Erfolg fuhren? Sind wir denn sachlich uitd persönlich gerüstet, die .Wahrheit so erschütternd und aufwühlend1 oder so still erobernd zu künden, daß :/sich die widerstrebenden Herzen und Hirne schiießilifcm willig beugen? Wir hätten die orsten'se'iü!sollen, zu begreifen, daß jene furchtbare seelischa..pt4,oute, die «seit Beginn der großen Fahnenflucht in .unserem Volke wütet, nicht früher aibzuflauen beginnen |ivird, als bis es. wenigstens zu einem großen Teile, zueiner naiveren Lebens- und Wirtschaftsweise, zu G-tt .11®d Natur zuvückkehrt. Wir ׳, ן. . , . 1 , . waren nicht die ersten!,., dpöh es scheint daß wir auch nicht einmal die!letzten im;Begreifen sein werden; daß •auch der jetzige Zusa1nmenb1‘uch der ganzen bisherigen Wirtsohaftsherrlichkeit ,xleri■ ״führenden“ jüdischen Schichte uns nicht die Aug'en!öffnete. Wie denn auch anders? Da wir .in.unsener ■]Vereinzelung, uns gewöhnt haben, von Konjunkturen'Zi!;: leben und nicht zu sehen, wie sie seit der Email zipjation die Jüdischkeit aushöhllten, warten wir eben mit allen Wartenden auf die neue Konjunktur nach der Weltkrise . .. Noch niemals so sehr wie jetzt!haben wir eine festgefügte und •gegd'ieiderte, .׳über die ganze Judenheit hin reichende ,religiöse .Führung benötigt, ■um unser Volk aus dem religiösen und änderen ■Elend zu retten. Allein wir: :^1id;;.d»״mi1gere;'• ■reli^ösli^lsziplihäfe•'1: :Anarchie, die wir uns selbst großgezogen haben, verliebter * denn je. vWii: uns, ׳־so w!i'e׳r wir:*uAT^rd^e^;5$eiL:'rlur.c]1•vsie ־ ge.wordeii sind; zu unserer UnfüiMgkeik'Jünse!rer Gesamtheit wirkende Gestaltung zu geben, 1? ־ Wir glauben׳ der Parole Thauro im Derech erez nachzuleben. Und es wäre ja in Ansehung des großen kulturelilen Problems,;vor das wir!gestellt sind, hohe Zeit, daß wir es endlich —in richtigem Sinne — täten. Aber ist denn 'unsere Tlianro im Derech erez. wirklich die ursprüngilicih gemeinte: Dies bißchen Thauro auf der einen Seite und auf der anderen Seite als derech erez das lbißcheii verunglückte Parnoßo-Bedachtheit in den alte 11 Geleisen, das bißchen hervorgekehrte Wissen- ‘ schaftliichkeit tind das bißchen Bewandertheit in der Kultur des Volkes, unter dem wir loben, aber auch nicht die Spur jüdisch-eigenartigen Schöpfertums in Leben und Kunst? Woher denn auch die Konzeptionen dazu nehmen? Etwa aus der geduckten Mentalität, die uns so deutlich auszeioluiet? Wievieil Lösung• und Erlösung wurde es bedeuten, wenn wir uns von all dem Modebaililast befreien könnten, - der, im Innersten ans fremd׳, so schlimm an uns zerrt, der uns zu Haliblingen macht!und' jede Erholung unserer Jüdischkeit im Keime erstickt. Doch wie weit sind wir davon entfernt, dies zu vermögen! Sind doch der Sinn des Judentums und unser Sinn inkongruente! Größen geworden. Wirschließen Rückversicherungsverträge mit einer Gegenseite, die meist gar keine'Ahnung'■•von :■•■ihnen hat oder sie, wenn sie davon weiß, milde lächelnd in einSn gedachten Papier kohb schleudert. Wir machen in schmalzigem AMerweltsliberalismus, verhimmeln Größen der G-ttesiteugnerwelt, finden Verständnis für Gruppen, für die alles, was der Orthodoxie;heilig ist — G-tt, Gottesdienst,!reines Geschlechtsleben, ehrfürchtige, sich bescheidende Jugend — abzubauende Dinge sind. Wie sollte es also möglich sein, dlaß war, mit söilehern Abbau in Fühlung, den A.׳u f b a 11 durohführen, der unsere Auf- ' gäbe ist? , •־ - •־׳ ■'"'Kiirz woliih man auch blicken ”!mag; überall be- ,6tätj|g.tfT5-ichr ״.*das, . daß ,wir .vorläufig keinen Grand;haben,... zufrieden zu sein. Und'• wfenn!eine gegenteilige Meinung iri! der Unzufriedenheit und in der Anklage eine ,Art yerstiegeii^eit erblickt, so sind1 diejenigen, die diese Meinung vertreten, zwar! in ihren Ansprüchen an die Orthodoxie sehr Qiesdheid'en,' verstedgen sich aber in ■der' Bewertung der bisherigen, nichts weniger aüls/gi’oßartigen orthodoxen Leistüng'en zu großer Unbeisciheidehheit. Und indem sie sich so versteigern, versperren sie dem Aufstieg den Weg. Oder halten ihn wenigstens.noch eine Weile auf. Die letzte Entscheidung geht eben zwisehen ״letztem Aufgebot“ und den Äufsteigendeii. ‘:Ai Abschlußprüfung in Krakau . Am 23. Kdslew fand im Krakauer Lehrerseminar die 6. Albschüußprüfung istiätt, Als Vorsitzender.־•der Prüfungskommissipn fungierte Herr Dir. Dr, D e u t schien d e r, Wien. Diesem feierlichen Ereignis haben nebst den Dozenten der Anstalt Mitglieder des Kuratoriums und einzelne P er sönlichkeit en der Stadt beigewohirt. 59 Kandidatinnen *erhielten das Reifezeugnis und begeben sich .schon in den nächsten Tagen auf ihre. Posten. Die Sclilußfeier fand am selben Abend im Festsaale des Seminars! statt und wurde am zweiten Chanuka-Abenid in Verbindung mit einer Sijuanfeier d'er Absolventinnen auf Thora fortgesetzt. Den Referate® der Schülerinnen folgten Ansprachen der Dozentinnen (Frau Schenirer, Frl. Teitelbpmu), des Leiters (׳Herrn Orlean) und! der Kiiratoriumsmitgliecler (Spira, Deutsdliev, Kurzmann). Züp! iSplrluß sprach Herr Dr. Deutschläncler ein paar, warme e1־m11nternd,e Werte.; die von den jungen' Lehrerinnen' mit Begeisterung aulfgenommen wurden.. - . 1 . .. > und Sijumfeier in W ien. Im Wiener Beth-Jakob-Lehrerinnenseminar fand Chanuka eine Chanükäfeie!•» verbunden mit einem Sijum auf Thora, statt. Von den 50 angehenden Lehrerinnen hielten mehrere Referate, und zwar jede in ihrer Landes■•! spräche, So konnte man denn bei diesem Anlaß Vorträge: in Hebräisch, Jüdisch, Rngliseh, Französisch, Rumänisch, Ungarisch, Tschechisch»Deutsch üud Schwedisch hören. Herr Dr. Deutschländer verwies in seinem Vortrag darauf, daß sich hier ein Bild von קבוץ גליות in verkleinertem Maße verwirklicht hat. Die anwesenden Gäste verließen die Feier voll Begeisterung für die große Beth-Jaköb- 'Idee.,- ' ׳.'■/ Die Wiener Beth-Jakob-Schule. Die Beth-Jakob-Schule in Wien kann im heurigen Schuljahr auf besondere Erfolge hinweisen. Jüngst wurde eine Bibliothek eingerichtet, für die die Schülerinnen selbst die ersten Bücher zur Verfügung gestellt' haben• Pie Leitung wendet sich an alle ihre Freunde' mit dem Ersuchen, ihr geeignete Bücher überlassen; zu wollen.> Mittwoch abends fand ein Vortrag des Herrn David Bondy über das Thema,: ״Wie- Jugend vor den verderblichen Einflüssen Schule?“ statt, den die zahlreichen Zuhörerinnen mit lebhaftem Beifall aufnahmen. Die Zahl der Schülerinnen ist gegenüber'dem Vorjahr dank der vorzüglichen Lehrerfolge bedeutend gestiegen. ד־*־' ־ ,4א׳ג>׳ י Glianukafpier de!• Londoner Beth-Jakob-Schule. Im Whitechapel fand am Sonntag;.eihe grftpdipsp Chanuka-Veranstaltung der im Aufblühen. befipdUchpn Londoner Beth-Jakob-Schule statt,* Taufende. MensQhen™ Männer und Frauen beteiligten sielt an deiselbpp, unter ihnen die führenden Persönlichkeiten der .oythP? doxen Gesellschaft, Der Erfolg des Abends .war. erst? klassig. . •ד•»;. vlA:". C.־ ,׳;׳ . ]■KwVvi feSsSSI s Ms»*■ ••!.;• ־ ... ,״ yJL ־ ־ mm nur schווס lnnerhalk> 6 siundan eine individuell iHrpi^ ^ntsprech^nd: m Besitzer der weitbekannten Perttcken-Kumtwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 Sr Telephon0 Nr! §1016י47י * ' ׳ '/ , .

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