Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 51 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Notinovä *!vpiatne »ovoiene fiatlit jßM&isl ä telegtnlö* f BratisWe m. am4%m. Zei langen vom Vgtfeger versende!. Journal expedie par r6ditenr, V, b. b. ORGAN FÜR OIE INTERESSEN OES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. —־ Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. 2atnu(1£tn »ul Konto ״Jüdisch* Presse*, Wien tatOisttf reich i Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland! Ppst• seheckkonto Berlin Nt. 122619; Jugoslawien i Postspk.-Am» Zagreb Nr. 40217; Polen t Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn 1 Postspic.-Amt Budapest Nr.50170; schwelet Po«t* scheekk. Zfirlch Vin. 4117; für die Tschechoslowakei t Jtt״ dische Presse*, Bratislava, Postspk.*Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 51 Wien-Bratislava, 30. Dezember 1932 ביה וינא־סרעסבורג א׳ טבת תרצ׳ג. 18. Jahrs- Dreimal Jugend. Von Dr. Arnold Merzbach, Nervenarzt in Frankfurt a. M. Frühere Generationen, deren Lebensschicksale langsamer dahinflossen, kannten nur das eine erzieherische und gesellschaftliche Problem: Alter und Jugend. Jugend war hier stets das Geschlecht vom sturm- und drangerfüllten JÜnglingstum an bis zur Vollendung der körperlich-seelisehen Entwicklung,'die Zeit von 18 bis 20 Jahren. Heute sehen wir innerhalb dieser Jugend selbst Gegensätze von Generationen: Die Gemeinschaft raschere Aufeinanderfolge wirtschaftlich-politischer Ereignisse in einer Welt größerer Verkehrsnähe, die schnellere Ausbreitung von Massenbewegungen, Stimmungen und Meinungen prägen jeweils ihren Menschen das typische Gesicht auf. So stehen sich auch in der Judenheit mindestens drei Jugenden gegenüber, bestimmt durch Krieg, Nachkriegszeit und wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Aeltesten, heute schon über die Dreißig, sind in den blühenden Jahren ihrer Entfaltung, ihres Herein wachsens in die Gemeinschaft, kaum daß sie noch reif zur Kritik und Tatenlust in sich fühlten, durch vier Kriegsjahre schwer getroffen. Lückenhaft, ungründlich blieb ihre Bildung jahrelang. Aber: dem Tode früh ins Antlitz schauend, allen menschlichen Urgefühlen nahe, haben sie verzichten und verzeihen gelernt, resignieren — aber auch kämpfen. Sich selber haben sie die Güter der Gemeinschaft, die Notwendigkeit des Zusammenhaltens erkämpft, und wenn sie auch, durch über zehn Jahre der Nachkriegsnöte zusammengeschlagen, verbissen, verbohrt, fast trotzig den Weg durch Tage des kleinlichen Ringens um das Sein des Einzelnen gegangen sind, so tragen sie doch zäh ihre höchsten Güter im Herzen, verschüttet zwar, aber nicht versiegt: Bruderliebe, Gemeinschaftssehnsucht —• und Ideale, für die es sich zu kämpfen lohnt. Scheu, immer scheuer ziehen sie sich zurück vor denen, die ihnen nachdrängen — ihnen nachdrängen? — sie überflügelt haben! Jugend der Inflation, der Scheinblüte, der Großmannssucht und Diesseitsfreude, aktiv, unternehmungslustig — im Krieg noch nicht an der Grenze, wo das reifende Schulkind selbständig zu denken beginnt —, so hat die Generation von 1905 einst das Leben ergriffen, sich ausgedehnt, die Plätze besetzt, die Gipfel erklommen und selbstbewußt in die Gefahren der Tiefe hinabgeschaut; frohe Genießer des Tages, freudige Be jäher ihrer selbst! Dann aber: plötzlich überrascht vom Sturm, angerissen von Fragen, die nicht zu fragen gewohnt waren, hinabgestürzt in die Enttäuschung, die nur das Aufwärts kannten —, so machten sie spät, und oft zu spät, ihre Erfahrungen: sie, die bisherigen Scheinmänner im Leben, die Kinder in ihrem Entwicklungsgang -י- Schale ohne Kern. Selbstsucht entwickelt sich, macht hart, es gilt nur das Ich, das Wir ist ihnen fremd, eine Angelegenheit, die nur die Träumer angeht. Kampf ums Dasein — heißt auch ihr Ziel, aber am Ende steht ihnen —■ ihr Sonderglück. Wer macht sie reif für die Gemeinschaft? Wer zeigt ihnen, daß es auch wert sei, um geistige Güter zu sinnen? Ihre Vorgänger nicht, sie stehen im Winkel, bereit zwar zum Zusammenschluß, aber nicht mehr voll der Geladenheit, die diese auszeichnet. Und ihre Nachfolger? . . . Die Jugend von 1910 war in Krieg und Inflation noch ohne Bewußtheit der Vorgänge. Sie hatten nichts, wofür zu sterben — wie die einen. Sie hatten nichts, wofür zu leben — wie die andern. Als sie sich selber zu haben t₪₪₪₪K₪B₪₪₪ua₪₪^₪₪₪₪^BaKs₪₪₪₪^₪m glaubten, trat Not, oft bis zur Verzweiflung gesteigert, an sie heran. Sie erlebten sie, ohne ihr organisches Gewordensein zu begreifen. Auch sie trugen Hoffnungen, Wünsche in sich, aber sie sahen keinerlei Wege mehr. Sie fanden die Beziehung nicht. Sie fanden alles sinnlos, denn welche Jugend sucht nicht zuerst den Sinn? Sie fanden sich selber sinnlos, unausgefüllt, — und unwillkommen! Sie schufen die Gemeinschaft, der Gemeinschaftslosen. Sie wurden die Kritiker, die Besserwissenden, die Fremden, die Haltfähigen — nach außen. Aber Kraft ist nur Liebe, die nicht erfüllt ist! Kritik ist Denken, das nicht positiv sein konnte! Schafft ihnen nur die Zeit, da sie sich selber Aus Erez Jisroel. p ' Bereits vor drei Monaten hat die Palästina-Regierumg einer jüdischen Gesellschaft, an deren Spitze ein Herr Tulik steht, die Konzession erteilt, an der Nordseite des Sal/mecr eis Hei 1 b äd! e r zu errichten. Die Konzession ist für 49 Jalire erteilt worden. Die Ge- Seilschaft macht bereits große: Vorbereitungen und hofft,, daß viele Jleilibcdiirftig'e die Bäder in Anspruch nehmen werden. . :t: ־; Zwei palästinensische .Juden iiatben ein 3 0ö-Ton- 11 e 11 - L a st« c 11 i f f gekauft,־ das dem F 1׳ac:11!t v erkehr an der Küste daenen.dfcöl.l.,.Es ist die® der erste Versuch eines .lokalen Sdhiffverkohrs in Palästina. ׳ :1: Heuer werden es 10 Ja h r e. seitdem die!in jüdisehen Händen befindliche Gesellschaft für Salzindustrie ihre Arbeiten begonnen hat. Die Produktion wurde letztens bedeutend• vergrößert. Trotzdem Araber heimlich an verschiedenen Orten Salz produzieren und zu!niedrigeren Preisen auf den Markt bringen, steigt die P r o tl u׳k t i o n de!■ ,Salz-Gesellschaft von Jahr zu Jahr. Es werden jetzt 25 Arbeiter beschäftigt und 8000 Tonnen Salz jährlich gewonnen. * « ,. * Der palästinensische Außenhandel hat sich im letzten Jahr ziemlich v'er größer t. Der Export ist bedeutend gestiegen. Die Anlagen des Jaffaer Hafens sollen dementsprechend a u s g e b aut werden. Der High Commissionen• hat in- Begleitung mehrerer Fachleute die Hafenanlagen eingehend besichtigt und den Auftrag geg'eben, einen Plan über die notwendigen Arbeiten fertigzustellen. Ein!bekannter jüdischer Fabrikannt :hat seine in Haifa befindliche S11• i c k w a 1־ c 11 .f a b r i k an die Brüder K e r m a 11 v e r k a u f t. Diese sind nation a- I i s t i s c 11 e A r a 1b e 1\ die sidh auch bet den U n 1• 11 h e 11 hervorgetan haben. Es herrscht deshalb Erregung darüber, daß der jüdische Fabrikant :sein Unternehmen gerade an diese Judenfeinde verkauft hat. Er bat wohl auch mit jüdischen Kapitalien verhandelt, jedoch halben sich diese Verhandlungen wegen 25 :Pfund zerschlage 11. Die jüdischen Arbeiter werden natürlich sofort entlasseii werden. Palästinensische und auswärtige jüdische Kapitalisten haben sich zusammeugetau, um eine Zuckerf ab 11־ k, die erste in Palästina, zu errichten, die nicht nur Palästina, sondern auch Syrien, Cypern und ande.’e benachbarte Länder mit Zucker beliefern soll. Palästina konsumiert jährlich 12.000 Tonnen Zucker, der jährliche Zuekerverbrauch in Syrien, Cypern und Trans.jordnmien wird auf 35.000 Tonnen geschätzt. >9 Unser E. M.-Korrespondent schreibt uns noch: Es gibt jetzt keine Arbeitslosen in ,Erez Jisroel. Die O r a 11 g e 11 e 10 111 ־ istin vollem Betrieb. Vollbeladene Lastautos mit Orangenkisten durcheilen die Chausseen. Alles spricht vom ״Katif“, das ,heißt die ׳Pflückcremte. J11 allen Städten wird fleißig gebaut, müssen das Geschlecht werden, um das die Aelteren Kriegsnöte erlebten, das Geschlecht aber auch, das der Inflationsjugend die- Hand vor die Stirne zwingt, damit diese nachdenken und in sich selber nachholen, was ihre Zeit ihnen versagte. Noch stehen die Drei nebeneinander, oft gegeneinander. Alt werdende Jugend, die untergegangen ist; selbstsüchtige Jugend, die sich selber noch nicht hatte; unfrohe Jüngste, die noch immer warten. Wer macht sie wieder fähig zum Zusammenfinden, froh des Beieinanderseins? ... Hier wäre eine Gemeinschaftsaufgabe, man muß sie nur erst erkennen! Das Hineinwachsen der Jugendliehen in die Gesellschaft ist der Lohn. 'neue I n d u s 11• i e z w 0 i g o worden eröffnet und so findet jeder, der Arbeit sucht, sein Plätzchen, wo er sich!sein!Brot :in Zufriedenheit verdienen kann. Auch das o r t h ö d 0 x o Lohen beginnt etwas stärker zu pulsieren; in P e t ach Tikwa.h.luit «ich eine neue Arbeite r 0 r g a m i>s a t i 0 n gebildet פועלים חרדים nmr®ndie sich großer Sympathien bei den Arbeitgebern erfreut. Auf diese Weise ist eine Organisation geschaffen worden, die für die עולים sorgen kann, die jetzt׳, hoffentlich auf Grund der Zertifikate, die die!Agiidas Jisroel erhalten soll, kommen werden. Natürlich bedarf diese junge Organisation <ler Stütze aller orthodoxen Kreise des ׳In- und Auslandes. Difc פגישת הנער.ד»רהי . ist. auf den 5..Tag, Chanuka festgesetzt, worden. Es herrscht' allgemeines Interesse unter der Jugend und man erwartet eine rege Beteiligang. Es sind vier ,Redner vorgesehen, die die Lage und: Aufgaben besprechen sollen. Es!soll eine aus allen orthodoxen ׳Kreisen znsammenzusetzendo Körperschaft, gewählt werden, die die Tages fragen jeweils zu be- :handeln haben wird. Das eben ,herausgegeheue Bulletin über den Außenhandel Palästinas zeigt die erfreulichen Zahlen des v e 1• dopp e 111e n E xportes .und des!um 25 Pro-' zent v 0 r 1• i n g er t e!1 1.111 p 0 r t es gegenüber dem Vorjahre. _' Bombenattentat in Palästina. In cler Kolonie Nnhnlcl explodierte am vergnngenen Sonntag eine Bombe, wodurch zwei Personen schwer verletzt wurden. Das Attentat wurde im Hause des jüdischen Kolonisten Jakobi verübt, der 'durch die Explosion schwere Verletzungen an den Händen und am Kopfe erlitt. Sein neunjähriger Sohn erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Beide wurden in das Spital nach Haifa transportiert. Der Attentäter ist geflüchtet. Ein höherer Polizeibeamtcr aus Jerusalem hat die Untersuchung in die Hand genommen. Arabisch-jüdischer Zusammenstoß in einer PICA.-Kolonie. Ein Araber tot, zwei Juden verletzt. 111 der vom der Pa lost ine Jcwi&li Co'lonisation Association (PICA.) verwaltetem Kolonie Parclcss Scliana. in der Nähe von Hedera kam es zu einem Konflikt zwischeu jüdischen Kolonisten und Beduinen, die mit ihrem Vielt jüdisches Feld besetzt hielten. Zwei Juden, die die Beduinen zum Verlassen de« jüdischen Feldes bewegen wollten, wurden von den Eindringlingen angegriffen und!schwer venfelzt. Einer der Juden gab in seiner Bedrängni:s einen Schuß aib, durch den ein Araber tödlich ver-, letzt wurde. Die iBcduimen versuchten dann, die Kolonie anzugreifen. Die Polizei traf rechtzeitig ein! und trieb diie Eindringlinge auseinander. Die beiden schwerverletzten Juden, wurden in das Hospital überführt. Druckfehler, in dem Artikel über iRabbi Salinen. Spitzer!in unserer letzten Ausgabe soll es richtig heißen: . . . und nahm auch nicht einen Kreuzer von cler Kultusgemeinde an, weder als Abfertigung noch als P e n s i o n, mm Die reisende Dame erhält bei mir schon Innerhalb 6 Stund ein eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte OTHMAR SCHIFF Besitzer der weitbekannten Perticken*Kumtwerkftätte Wien I, Kärntnerring 6 «^0״״Nr.1 g.« Hl kann an ihnen nicht vorübergehen. Die entfesselte Zeit, die! sinnvoll erleben können, und sie sind Freunde der großen Gemeinschaft, lenkbare Mitkämpfer, Hoffnungen. Sie