Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 50 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SO JÜDISCHE,PRESSE Seite 5?tftitt. י" 1 ü■ i> "!:*;־$ f'־®' ¥&־ i'iftft A-L. Die orthodoxe Landesversammlung in der Slowakei. Isidor Pappenheim Landespräses. ־ ' ־ Uhter ganz außergewöhnlichen Formen und Erregungen Spielte sich am Dienstag, den 20. Dezember, während der Abendstunden im Saale des Grand Hotel in Trencianske Teplice die Delegierten- Versammlung der orthodoxen Gemeinden in der Slo- Wakei ab. Schon am Tage zuvor kamen aus allen Windrichtungen der Slowakei die Rabbiner, Gemeindevertreter und zahlreiche Gäste in dem stillen Kurort •'äh, um einer Pflicht zu genügen, von der dach' den verschiedensten Richtungen hin das Gedeiheh. des orthodoxen Judentums• in der Slowakei abhängt. In den Sälen' und Wandelgängen des Hotels und in den benachbarten Straßen und Hotels herrschte während des Montag und Dienstag ein reges Leben, wie wohl kaum je zuvor. Ehrwürdige rabbinische Gestalten vom edelsten jüdischen Typus und Delegierte jeden Alters debattierten miteinander über alle Fragen, die im Zusammenhänge mit der Delegiertenversammlung aufgeworfen wurden. Alle schienen wie aufgegangen in diesen Fragen, als ob sie alle Sorgen und alle Mühsal des Alltags vergessen hätten, um einige Tage ausschließlich dem zu leben, Was allen Plagen und Kümmernissen, allen Freuden Und, Erlebnissen recht eigentlich, Sinn und Wert gibt. Im , Mittelpunkte standen begreiflicherweise die führenden Rabbiner des Landes, die Oberrabbiner von Bratislava, Nove Zämky, Kosice u. a״ deren Zimmer ein^ni ständigen Belagerungszustand glichen. Die ersten Sitzungen galten der Verifizierung der Delegiertenmandate, denn um jeden einzelnen Delegierten warben drei Wahlgruppen. Die eine konzentrierte sich' um, den Preßburger Gemeindepräses, Herrn Isidor Pappenheim, die andere um Herrn Oberrabbiner Spitzer in Spisske Podhradie und die dritte um Herrn Oberrabbiner Reich in Vrbove, von kleineren Splittergruppen abgesehen. Schließlich vereinigten sich die beiden letzteren zu einer gemeinsamen Wahlpartei. 1 Die allgemeine Aufmerksamkeit wendete sich besonders dem greisen Oberrabbiner Tigermann von Nove Zamky zu, dem als Alterspräses eine große und schwere Aufgabe, die Versammlung zu leiten, be- Vorstand. Dienstag, von früh am Morgen bis zum Beginn der Versammlung staute sich die Menge vor der Ausgabestelle der Legitimationen. Mit einer Verspätung von etwa drei Stunden, wurde um 5 Uhr die Versammlung unter feierlicher Stille vom Alterspräses, Herrn Oberrabbiner Tigermann, mit einer Anspräche eröffnet, die an Klarheit der Diktion, Festigkeit der Gedanken und Weitblick des Gesichtskreises allgemeine Bewunderung erregte. Sein erstes Wort galt natürlich dem pietätvollen Gedenken an den dahingeschiedenen ersten. Präses und Schöpfer der slowakischen orthodoxen. Gemeindeorganisation, O b e.nof־ ab b i n e r Rabbi Kalman Weber s. z. 1., dessen Wirken und Verdienste er mit scharfen Strichen zeichnete. Er gedachte der Unterstützuhg Und Förderung, die das orthodoxe Judentum dem tschechoslowakischen Staate und seinen Behörden allezeit zu danken hat, und entbot dem Staatsoberhaupt, Präsidenten Masaryk, die ehrerbietige Huldigung der Versammlung. Von seiten der Behörden waren erschienen die Herren Dr. Josef Munka, Oberkommissar für Kultüg .jmjiljändesamt, Bezirksvorsteher Dr. G a 1 v a n e k und Obernotar Corba. Die Herren Dr. Munka und Df.; ׳ GhJvanek richteten freundliche und gedankenreic^BiQgrüßürigsansprachen an die Versammlung, in welchen sie die Wünsche des Staates, der Landes- und Ortsbehörden überbrachten. Nach Absendung der Begrüßungstelegramme an den Präsidenten Masaryk und die Ministerien und der Ernennung der Schriftführer und der Mitglieder des Wahlkomitees durch den Alterspräses schritt man ungesäumt zu der Wahl der entscheidenden ,,Kandidierungskommissio n“. Nach; dem vorangegangenen heftigen und auch an Entgleisungen nicht armen Wahlkampf hatte sich die Situation derart zugespitzt, daß der Ausgang dieses ersten Wahlaktes für das Resultat der Wahlversammlung überhaupt entscheidend werden mußte. Die anwesenden Rabbiner und Delegierten wurden einzeln vorgerufen, um ihren Wahlzettel in die Urne zu legen. Nach einer beinahe einstündigen Unterbrechung, während welcher die Stimmenzählung vorgenommen wurde, wurde das i Wahlresultat unter größter Spannung und rauschen-! den Beifallskundgebungen verkündet. Sie ergab 1 eine Majorität von 109 gegen 72 für die Kandidierungsliste der Pappenheim-Partei. Dieses Ergebnis entschiedbereits ausschlaggebend; die Präseswahl und wurde auch bei seiner Veri kündung durch den Vorsitzenden der Wahlkommission, |Herrn Oberrabbiner Josef Abeies in Sarluhy, von 1 der Versammlung jubelnd aufgenommen. Nach Verlauf einer weiteren Stunde konnte zur endgültigen Wahl des Präses, zu der Herr Isidor i Pappenheim und zwei Zählkandidaten aus derselben!Parteigruppe nominiert waren, geschritten werden. [Der Wahlakt spielte sich abermals unter den gleichen f Formen ab. Gegen Mitternacht wurde endlich das;;endgültige Resultat der Präseswahl bekannt. r■ Herr Isidor Pappenheim erhielt 156 Stimmen gegen 19 zersplitterte. Damit ist Herr Isidor Pappenheim für die nächste sechsjährige Amts- Periode zum Präses der orthodoxen Landeskanzlei und der orthodoxen jüdischen Konfession in der Slowakei gewählt. Herr Pappenheim wurde noch vor der offiziellen Verkündung des Wahlresultats, die erst Mittwoch morgens erfolgt, von zahlreichen Rabbinern, Delegierten und Gästen aufgesucht und herzlichst beglückwünscht. Die Fortsetzung der Versammlung, das ist die Vornahme der Wahl des Vizepräses und der 65gliedrigen Landesrepräsentanz, findet Mittwoch vormittags statt. Sitzung des Machsike-Hajeschowith-Vereines. Am vergangenen Sonntag fand in Nove-Zamky eine Zentralauschuß- und Repräsentantensitzung statt, die sehr gut besucht war. Anlaß war die Wahl des Begründers und Vizepräses der Vereines, des Sereder Raw נ*י zum Ober-;rabbiner von Ujhely. Der Vereinspräses, Herr Julius H e rzog, würdigte .in einem ausführlichen Referat, das Wirken des Sereder Raw für den Verein. Er habe Zeit, Mühe und Kraft gewidmet, und der Verein •habe ihm seinen Aufschwun'g zu verdanken, Herr Herzog stellte den Antrag, daß eine Deputation am nächsten Sonntag beim Sereder Raw vorsprechen soll, um ihn zu veranlassen, daß er sein bisheriges Arbeitsgebiet, wo er so segensreich wirkte, nicht verlasse. Der .Antrag wurde unter Jechi-Rufen einstimmig angenommen. Es sprachen sodann noch die Herren Wohlgemuth-Sered, Sußmann-Galanta, Hermann Friedmann-Topolcany, Rafael Kohn-Nove-Zamky, Gansl- Sala und Roßner-Surany. Die Sitzung war eine imposante Kundgebung der Verehrung für den Sereder Raw. Der Verein ersucht alle Mitglieder des Zentralaus- Schusses und die Repräsentanten, sich an der Deputation zu beteiligen. ÖHhmloX-jüdisclicTöchfererzleliiiiig iit Komarno. j!Die,.;Jdfebti' tfe£־'fKörattötf6ii Judentums,, iir liefen Dienst' die Agudäs-JisrofeLFtnüeit- und Mädchen stehen,, erobern sich’ ein minier weiteres!Feld im5 jtidi- ,sehen Leben der öfthödoxett Gemeinden Unseres L&’ttdfes. In Komarno .leistete' auf diesem Gebiete Frau’ EU$ei1 Schwarz sehr vertvolle Pionierarbeit, Wir!können nunmehr auch auf die Gründung einer Institution hinweisen, in der diese Ideen sieh verkörpern.!Wir erhielten hierüber aus!Komarno den folgenden!Bericht: Den anstrengenden Bemühungen der verdienstvollen Präsidentin des orthodoxen Frauenvereines, Frau Isidor Ster n, ist^ es gelungen, das Interesse der hiesigen orthodoxen!Kreise für die Vertiefung uud Neugestaltung der Mäclchenerziehung im Sinne des!Betli Jakob wachzurufen und auch hier eine solche orthodoxe 1R e Li g i*b n ss ch u 1 c für Mädchen zu gründen.!Der Unterricht hat auch schon unter Leitung einer Betli-1 Jakob-Lehrerin!begonnen und findet regsten Zuspruch. Im Anschluß daran wurde auch ein jüdischer K i n d ergarte 11 eröffnet. Orthodox-jüdische Töehtererzieh 1111g in Galanta. Aus Galanta wird lins berichtet: Wir hatten hier ein!Erlebnis von schönstem Genuß und hoffentlich auch von größter Bedeutung für die Zukunft der Töchtererziehung in unserer Gemeinde..!Fräulein Eva Lands!) erg,!Leiterin der orthodoxen )Lehrerinnenbildungsanstalt ״Betli Jakob“ in Wien, hielt einen binreißend begeisternden Vortrag über die jüdische Neschomoh und die jüdische!Frau in der Gegenwart vor einer solch zahlreichen!Zuhörerschaft, wie wir sie uns in unserem kleinen Orte nicht einmal vorstellen konnten.!Mehr als 300!Frauen und!Mädchen lauschten mit Tränen in den Augen andachtsvoll der Rednerin, die auf das ׳Publikum gleich ejner Prophetin der ׳Neuzeit wirkte, die unsere Frauen und!Mädchen zum Ausharren bei den Lebensidealen unserer .Almmütter ernuilinte.!Frau!Witwe Fischer dankte clor!Red ne ri n mit herzlichen Worten für ihre Ausführungen und versicherte sie. daß ihre ,idealen Bemühungen ,hier liiclit' ohne Erfolg bleiben werden.!Die Vorbereitungen, zur'•• Gründung einer!Mädchenschule im Sinne der gehörten“ Vortrages übernahmen die Damen!Frau Ignaz M.'K«“'־ lisch lind •Frau J. Sufimann!in Gemeinschaft mit anderen für die heilige Sache begeisterten Damen. Auf der Stelle wurden 38 Schülerinnen angemeldet. S.S. Vor der Rabbinerwahl in Trnava. Die Repräsentanz der orthodoxen Gemeinde in Trnava hielt eine Sitzung ab, die sich auch mit der Besetzung der Oberrab'binerstelle, die seit clem Wegzüge des Herrn Oberrabbiners Ungar nach Nitra vakant ist, beschäftigte. Zur Lösung dieser schweren Aufgabe wurde eine Ra'bbinerkommiission eingesetzt, die mit weitgehenden Vollmachten auagestattet ist.! ״ Sijum,;in ,Präg. Der Jugendverein' _,,Tj|äre|:b^:Bach4ii.i;j rim“ in Prag veranstaltete am 5. Kislew 'im‘",Sitzüngssaale‘! der Chewra Kadischa eine schöne und wohlgelungene Sij'umfeier. Anregende Reden hielten die Herren..׳Oberrablbiner-Stellvertrcter Dr. A. Deutsch, Prof. Dr.. S. H. Lieben, Rabb. Zimmermann, Rabb. E p s t'e i ti und Prof. Dr.' Eugen Lieben. ־ Aus den Agudagruppen. Neuwahlen״ 111 die Leitung der Pvesovei׳ Jugendgruppe wurden folgende Herren gewählt: Präses Artur Lefkövits, Vizepräses Dezsö!Feld, Kassier Samuel Müller, Kontrollor Ernö Gottfried, Schriftführer Hermann Gerstl, Questor Ernö Kohn. Ausschuß: Willielni Gold- ■fingcr, eLopold!Reiner, Ludwig Licht, Fülöp Sinai, Sanvuel Deutsch, Armin Korn, Mdklos Sauber. Die N i 11• a e r Jugendgruppe wählte in ihrer Versammlung am Rosch-Chodesc'h Märcheschwan die .nachstehenden Herren in die Letung: Präses Julius Bock, Vizepräses Israel Weiß und Tibor Löwy, Kassier Armin Stark,, Kontrollore Alex. Antmann^ und Josef Vorhand, Gabboim Anilin Rosenthül lind Eugen Roth, Schriftführer Josef!Ungar, Obmann der Keren Hathova- Sektion Josef Weiß. Sijumfeier in der Jugendgruppe Ternovo. In Anwesenheit sämtlicher Mitglieder und Freunde der Gruppe ׳und einer Abordnung der Jugendgrnppe V 1 11׳ c ,11 o v c e hielt die Ternovoer Jugendgruppe ihren Sijum auf deen. Traktat Bezoh, der im Rahmen des ״Daf-Jomi“־Schku• gelernt wurde. Bei dieser Gelegenlieit hielt Herr Rabbiner Wiese.! eine begei• öternde und anspornende Rede, in der er zur tatkräftigeu!Arbeit innerhalb der Aguda Jisroel aufforderte. Der Gruppe wurde bei dieser Gelegenheit auch eine.- B-Gruppe augegliedert, die zurzeit 40 Mitglieder zählt. Neugründungen. In •Novoselica (P. K. R.) hat sich dank der Chanuka '! ׳ :»,' Von.Dr. Max Calvary, Berlin. Chanukah, du schönes Fest der Lichter, Das besungen unsres Volkes Dichter, Moaus Zur erschallt der alte Sang, ׳Bist uns heute wiederum erschienen Und aus tausend festesfrohen Mienen . Strahlt zum Himmel unsres Herzens Dank. r t)enn wenn einst der Syrer starke Heere, Trotz der Fülle ihrer Lanzen, Sperre, Trotz des mächtigen Antiochus, Durch der Hasmonäer kühnes Wagen Schmählich in die Flucht geschlagen, i ’ Dann der feste Glaube herrschen muß, ■ •, - •jDaß nicht in der rohen Kraft der Waffen, v. Daß nicht in den Muskeln noch so straffen, ׳. ־; , I4egt verbürgt des Juden gukünftstraum; -■'י' Sondern in dem Geist, in dem wir 'leben, Der uns einst am Sinai gegeben, Sieg uns werde, über Zeit ־und Raum. ' 'i.i;,>;/־ ־ , . .'I $׳;,•; Ding*; Secbarjah,.den Propheten weckte, Der sich trunken aus dem Schlafe reckte, G-ttes Engel sprach zu ihm und fragt: ״Weißt du, was dein Auge dort erschauet?“ ״Einen Leuchter seh' ich aufgebauet, Ganz aus Gold er in die Höhe ragt. Sieben Arme stolz empor er sendet, Und die Spitze mit der Kugel endet, Die des klaren Oels Behälter ist. Sieben Röhren lassen Oel hin schießen, Sieben Röhren, was verbraucht, abfließen, Der Menorah Schöpfer nichts vergißt; Denn zu beiden Seiten seh' ich ragen Bäume, die Olivenfrüchte tragen, Dem Behälter es an Oel nie fehlt.“ Alles dies Prophet Secharjah sagte. Dann er ernst den Engel G-ttes fragte: ״Warum hast du diese Bild gewählt?" Und der Engel sprach: ״So sollst du künden, Serubabel soll als Deutung finden; ־' Was dem fehlet? Warum kein ״Licht? Dunkel bleibt und schwarz der prächtige Leuchter, Brennen nie»־ trotz Gold und Oel erreicht er. Funke fehlt, der Leuchter leuchtet nicht.“ * D’rum nicht in der rohen Kraft der Waffen D’rum nicht in den Mu:keln noch so straffen, Liegt verbürgt des Juden Zukunftstraum; Sondern in dem Geist, in dem wir leben, Der uns einst am Sinai gegeben, Wollen siegen über Zeit und Raum. Nagel’s Selchwaren-Restaurant streng orth. בשר Eisen & Hönigsber כשר streng orth, Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschul) ‘ Wien, II., Praterstraße 33, Telephon R-47-4-49. Hochzeiten und Banketts werden in und außer Haus be* stens arrangiert. — Für Studenten und Angestellte be-' sondere Ermäßigung. Für Stammgäste Samstag geöffnet. Bewerber um die Stelle von י שרב die österreichische Staatsbürger sind und streng-religiösen Ansprüchen: genügen können, sind sehr gesucht, Junge Leute, welche strengreligiöse Lebensführung nachweisen können und die erforderliche Vorbildung haben, werden darauf aufmerksam gemacht, diesem Studium sieh zuzuwenden, Befähigte können auf wesentliche Unterstützung; und Förderung rechnen; sie mögen sieb an die Wiener Bedaktion dieses Blattes unter dem Stichwort ״Awodah und Hakodeseb“ wenden,