Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 49 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS.. Zeifnnsen voüf Vcricger versendet, jöiifhät bXjkdie pöf fddifMr. Novinove vyplatne povolene riatfit post « tetegrafov v Bratislave Üs. 415?2-HI-2Ö. Redaktion u. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48-4H5. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag, — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16. Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnti|nmer öst. Gr. 40. 1 Zaniuu^en auf Konto .Jüdisch« Fresse*, Wien für Oester reich: Postsparkas enkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post* seheckkonto Berlin Nr, 122619; Jugoslawien: Postspk,*Amt Zagreb Nr, 40217; Polen 1 Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungernt Postapk.«Amt Budapest Nt.50170; Schweiz: Post• scheekk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״JQ• dlsche Presse*, Bratislava, Postspk.•AmtPrag Konto Nr. 53386 5 f ־ Kr. 49 Wien-Bratislava, 16. Dezember 32 .כ*י יינא-שרדסבוינ י״ז כסלו תו־צ־ג 18. Jahrg. Um die Seele des jüdischen Kindes. Wir bringen den nachfolgenden Artikel unseres sehr geschätzten Mitarbeiters, der — vom russischen Fiinfjahrplan gegen die Religion ausgehend — in sehr treffender Weise die Mängel ' im derzeitigen Jugenderzieluings-Systcm und die Wege zu ihrer Abstellung aufzuzcigen versucht. Die Redaktion. Zwei Wege hatte Sowjetrußland bei seinem konzentrischen Angriff auf die alte Weltordnung. Man konnte die materiellen Grundlagen der Welt erschüttern durch eine Verwirrrung der wirtschaftlichen Voraus- Setzungen, in Dumping und anderen Methoden eine Verelendung herbeiführen, die gesamte Politik durch Ökonomische Gesichtspunkte beherrschen und verwirren und so den Boden vorbereiten, auf dem sich die Wünsche einer vollständigen Umgestaltung treffen. Man konnte aber auch versuchen, die geistigen Voraussetzungen der alten Weltordnung zu treffen, um eine Weltanschauung zu erzeugen, welche die größte, wenn nicht einzige Glücksmöglichkeit in der bolschewistischen Auffassung der Dinge zeigt. In dieses Gebiet gehören die Angriffe gegen die Religion. Bisher wurde der Anschein erweckt, als ob dieser Weg privater, allerdings äußerst wohlwollend geduldeten Initiative überlassen würde. Nun aber ist feierlichst proklamiert, daß der Sowjetstaat als solcher diesen Weg programmatisch zu dem seinen macht. Das ist der Sinn des russischen Fünfjahrplans gegen die Religion. Man weiß, daß es unmöglich ist, dagegen irgend etwas von der Peripherie zu unternehmen und kann nur betend hoffen, daß die Märtyrer der alten Weltordnung aufrecht und unentwegt auch diesem Ansturm begegnen. Wir wissen, die Thora wird , auch in jenen alten, ehrwürdigen Heimstätten nicht gänzlich untergehen, und wenn sie mit der Grausamkeit des Fanatismus vertrieben wird, sie wird zurückkehren. Aber es ist ja ebenso bekannt, daß diese Bewegung ihre Arme weit über die Grenzen Sowjetrußlands streckt und überall in der Welt Wurzel zu schlagen begonnen hat. Es ist feige und verantwortungslos, die Augen dagegen zu verschließen. Das geschieht ja auch nur in ־ jüdischen Kreisen. Die Bekenner anderer Religionen ■ rühren sich; sie raten, sie taten. Doch es sei wiederholt, es gilt keineswegs einer Ausstrahlung dieser Arbeit nach Rußland, es gilt uns und der Erhaltung unserer Kinder. Es genügt aber nicht, die Gefahr zu zeichnen. Es ist ernstlich zu überlegen, w a s man tun kann, w i e man den Menschen an Stelle einer G-ttlo'sigkeit eine G-tterfiilltheit bringen kann. Auch wir müssen’ uns zu einem Pentilet entschließen, auch wir müssen einen Fiinfjahrplan entwerfen. War doch der aus dem Osten brausende Sturm nicht der erste Anprall gegen di<? G-ttesnähe unserer Generation. Ist doch der ״Pentilet“ für den tiefer Blickenden nur eine Krönung des Werkes von Voltaire und der ״l’homme machine“ die willige Hingabe so vieler Juden an diesen Plan eine logisch notwendige Konsequenz der herostratischen Taten von Holdheim und Kon- Sorten. Aber es ist tatsächlich merkwürdig, so lange schon währt diese Periode und mit Ausnahme einer relativ‘ kleinen Renaissancebewegung der Orthodoxie ist gar nichts, gar nichts geschehen. Man kann natürlich im Rahmen eines Artikels nicht unseren ganzen Fünfjahrplan darlegen. Nur weniges kann jetzt schon gesagt werden, Kapitelüberschriften^ . Wertvolle B״d1 er--Ges dü nke für unsere Abonnenten A. Alle jene Abonnenten, die die volle Bezugsgebühr für das Jahr 1953 (Oesterreich S 16.—, Tschechoslowakei Kc 80.—, Ausland 5 Dollar) bis 51. Dezember 1952 bei uns einzahlen, erhalten als Gratfs-Pramie eines der nachstehenden Werke: 1♦ ״Der Raw" von JUDÄUS 2♦ //Abraham Sohn Abrahams" von SCHACHNOWITZ 3♦ /Das jüdische Volk in der Anekdote V von CHÄJIM BLOCH und einen קיצור שלחן עריך B. Gegen einen minimalen Aufschlag können unsere Abonnenten eine der folgenden Klber-Prämie n erhalten: ץ 1.שי״ת פ״־שה מרדני von RABBI MORDECHAI BENETH - Nikols- . Burg.^ (Aufschlag S bezw. Kc 5.—.) 2♦ //Der Weg der Frommen" ממלת ישרים von M. CH. LUZATTO, übersetzt \ von Dr. Wohlgemuth, 210 Seiten, und ״Rückkehr" הלבות תשובה und הלכות דעות des .רמב־ם Uebersetzt und erläutert von B. S. JACOB-! SOHN, 104 Seiten. (Aüifschlag S 1.—, bezw. Kc 5.-.) 3.י ׳ משניות in 2 Bänden mit den Kommentaren ברטנורה und קר ונקי (Aufschlag S 2.—, bezw. Kc 10.—.) Wir bitten von ■diesem seltenen Angebot sogleich Gebrauch zu machen. Verwaltung der ״Jüdischen Presse“. Es müßte pro primo ganz schonungslos aufgeklärt Averden, avo denn diese erschreckend große Empfänglichkeit unserer zentral- und westeuropäischen Jugend für die G-ttlosenidee herrührt, denn, daß sie vorhanden ist,׳ kann nicht bestritten werden. Man Avird die Geradlinigkeit des Weges finden, der von dem Orgium der Angriffe auf Emunas Ghachomim (genannt: Reform) bis zu den Orgien der Jewsektia führt. Das Aväre vorbereitende Arbeit, Weiter: man müßte erkunden, von der Kleinzelle der Familie angefangen, welch.e junge Menschen bereits von einer Hinneigung erfaßt sind, Aufgabe aller lehrenden Kreise, sich das erschütterte Vertrauen der heranwachsenden Generation zu erwerben. Denn es dr.oht, verlorenzugehen. Mit der Emunas Chachomim ging auch die Autorität des lebenden Lehrers dahin. Zum mindesten die* jüdischen, zum mindesten die orthodoxen Schulen müßten Erziehungsanstalten sein wollen. Zu unserem Fiinfjahrplan gehört daher unbedingt eine erstmalige Konferenz, daraus resultierend aber ein stetiger Zusammenhang des Gedankenaustausches zwischen den Leitern und Lehrern der orthodoxen Schulen, beileibe durchaus nicht nur der Lehrer' für ״Religion". Ist doch sicher ein gut Teil der Prädisposition für die G-ttlosenlehre darauf zurückzuführen, daß man auch in vielen Schulen G-tt in die ״Religion“, d. h. in den Religionsunterricht verwiesen hat. Es wäre u. E. Aufgabe des Keren Hathora, hier führend zu sein, wobei wir dllerdings A^oraussetzen, daß Keten Hathora nie vergessen wird, das erste Elinfallsgebiet dieser Gefahr, also Polen und seine Schulen, Polen und seine Jeschiwoth stetig und emsig zu betreuen. Keren Hathora hätte nicht in Demon^trations-, sondern in Arbeitskonferenzen diese Materie zu behandeln. Mit Ausnahme der Sinaiworte hat der Allmächtige seine Worte und seinen Willen durch• Menschen an die Menschen herangebracht. Es gilt nun, diese Bringermenschen der Welt auch menschlich nahe zu bringen. Deshalb — stets befinden wir uns noch im Vorbcreitungs- Stadium, — eine gefällige, tnoralinfreie und stilistisch geschmackvolle Literatur für die heranwachsende Jugend schaffen, wenn der Ausdruck gestattet ist, eine moralitifreie Erzählungsreihe. Die Jugend muß cs gerne lesen und auch der gereifte Mensch daraus!Anregung gewinnen können. Doch um des Himmels willen keine Polemik, aber ebenso um des Himmels Avillen Jceinh Konnivenz. Viel, viel ist gesündigt worden durch die Nichtbeachtung des: ם פ ר ‘ת ו ר ה שכתבו מין י ש ר ף Mehr braucht darüber einstweilen nicht gesagt zu Werden. < Es dürfte auch gut und notwendig sein, wenn man junge Menschen, die bereits A׳on der Epidemie ergriffen sind, in gesunde Umgebung bringt. Geht das aus materiellen Gründen nicht, so sind Ferienaufenthalte bei gefesteten Menschen ins Auge zu fassen. Und wo bleibt, so hören wir fragen, das •soziale Moment? Gewiß bedarf es ' unendlich viel positiver Arv beit auf diesem Gebiete und es dürfte bald zur Einsicht der wirtschaftlich interessierten .und wirtschaftlich iüh-, renden Kreise kommen, daß /.in den Wirtschaftsfragen nich*t blinde Dynamik obwaltet, sondern ein unlöslicher Zusammenhang besteht zwischen Lebensauffassung und Avirtschaftlichen Betätigurigsfo^mem der Menschheit. Es liegt in ■ unserem Plan, die Wurzeln dieser Zusammenhänge bloßzulegen und Sozialpolitik mit Sozialethik jiulischer Provenienz zu verschwistern. Wieweit . bei allen diesen Arbeiten Gedankenaustausch mit Bekenncrn anderer Religionen zu erstreben ist, das ist eine ernste Frage. Aber Bekenner müssen es sein, auch die Arbeitsgefährten aus jüdischen Lagern. Die Thora kann nur von Bekenn ern der Thora vertreten und verteidigt Averden, kann nur von ihren Bekenner n. der Welt wiedergebracht werden. ■ '[ Wird die Abwehr ganz auf die außersöwjetischq Welt verlegt, so ergibt sich daraus ein großer Vorteil. Hier ist kein Zwang, kein Aufmarsch staatlicher Machtfaktoren, Elier kämpfen Kulturen unbeeinflußt von äußeren Momenten. Der Kampfpreis ist die Seele des Kindes. P. K. ־ Noch keine Ruhe in Lemberg. Die agudistisclien Deputierten intervenieren bei der Regierung. Die agudistisclien .Deputierten Rabbiner Lewin, Jäger und Minzberg erschienen beim ׳Innenminister Pieraoki und übergaben ihm ein ausführliches!Memorandum über den Verlauf der Blutwochc! in Lemberg־. Die Deputierten forderten von der Regierung die!Bestrafung der (Schuldigen, Schutz der friedliehen jüdischen Be- Völkernng und Ersatz für die angerichteten Schädel. Innenminister Pieracki erklärte, er habe mit größter .Aufmerksamkeit den Verlauf der bedauerns- Averten Geschehnisse in Lemberg verfolgt; er Werde die \’L Vorschläge der Deputierten den zuständigen Stellen zu- * leiten. Die Stellung• der Regierung zu solchen Gesell ehnissen, sagte der!Minister weiter, ׳habe ihren klaren Ansmm Die erhält bei mir schon innerhalb 6 stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzer der weltbekannten Periicken-Kun!twerkjtätte Wien I, Kärntnerring 6 *זיי^ Telephon Nr» U-47-l -16